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Versöhnung
Okay, ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube. Der Gelsdorfsche Fußball hat mir in der Hinrunde gar nicht gemundet. Ich bin mit dem Gebotenen unzufrieden. Aber bleibe Fortune und bin mit ganzem Herzen dabei. Bin ich das wirklich? Habe ich nicht früher mehr Emotionen gezeigt? Fortuna gegessen, geatmet, gelebt – 24 Stunden täglich und wenn es sein musste noch mehr? Gut möglich, aber der Sieg in Wattenscheid war sehr schön und vielleicht geht`s jetzt wirklich aufwärts. Heute also gegen Siegen. Ich rechne mit einem verhaltenen Spiel, werde aber schon bald eines Besseren belehrt. Fortuna treibt den Ball unermüdlich in des Gegners Strafraum. Hey hämmert, Cartus schlenzt und Michels klärt – für Siegen. Es geht los. Die Fans erwachen. Ich teste die Standhaftigkeit meines Vordermannes und stütze mich auf ihn: Fortuna, F-o-r-t-u-n-a. Ich kann`s noch. Die nächste Angriffswelle rollt. Molle flankt, Wolle köpft und Oleg stochert. Irgendein debiles Gästebein klärt da doch eindeutig hinter der Linie. Schieber! Mein Herz rast, mein Vordermann schwitzt, irgendjemand stöhnt. Fortuna, F-o-r-t-u-n-a, F-o-o-o-r-t-u-u-u-n-a. Halbzeit. Verdiente Verschnaufspause auch für die 9.000 restlos begeisterten Zuschauer. Die Helden kehren zurück. Fortuna erhöht noch mal den Druck. Jörres schwingt den Taktstock, Daniel donnert ans Gebälk, Shittu kommt und Tony geht. Die Sportfreunde stehen mit dem Rücken zur Wand
und hängen wie die ausgemergelten Fallobstgegner aus Rocky III in den Seilen. Genau wie ich. Mein bisheriges Leben zieht an meinem geistigen Auge vorbei. Ich bin wieder ein kleiner Junge und sitze mit meinem Opa auf der Vortribüne, der alle anwesenden Meckerrentner wüst als Vaterlandsverräter beschimpft. Ich sehe die Giganten meiner Kindheit: Wolfgang Seel aus spitzem Winkel, Jan Mattson beim Warmlaufen, dort drüben, auf der anderen Seite, wirbeln Rudi und Manni, ich erspähe Atli, den lieben Wikinger; auch Sven Demandt läuft einmal kurz durchs Bild. Opa und ich winken ihm zu. Gerd Zimmermann erschießt ein Tor aus 100 Metern, Egons Treffer gegen Austria Salzburg sind auch dabei. Wie schön! Erneut muss ich in den Rachen des zahnlosen Glasgow-Fans blicken, der mich irreleiten wollte. Meine Hände tasten ängstlich nach meinem Vordermann, er hat gewechselt. Ich umklammere ihn fest, spreize beide Arme in die entgegengesetztesten Himmelsrichtungen, die ich kenne und lasse mit einem gutgetimten Urschrei das Stadion erzittern. Fooortuuunaaa. Eckball für Siegen. Verpufft. Letzte Minute: Gerd Zewe schlägt den Ball nach vorne, Günther Thiele grätscht in seinen eigenen Schuß, Ralf Dusend vernascht sich selbst, flankt, Klaus und Thomas Allofs rutschen rein – wie damals – und....vorbei! Mist. Opa ist schon lange tot, ich bin längst groß und auf dem Rasen liegen Dirk Michels und Rudi Zedi. F-o-r-t-u-n-a, F-o-o-o-r-t-u-u-u-n-a. Es hilft nichts – das Spiel ist aus. Ich gehe heim. Mein Vordermann geht mit. Aber ich werde wiederkommen, denn Fortuna ist mein Leben.

 

 

Magical Maastricht Tour

MVV – Fortuna II 0:1

Maastricht ist eine hübsche Stadt. Die Menschen, die hier leben, müssen glücklich sein. Doch halt! Etwas linderte ihr Wohlbefinden. Die einheimischen Fußball-Gourmets mußten betrübt zur Kenntnis nehmen, daß Jürgen Gelsdorf den holländischen Ehrendivisionär nicht für würdig genug befand, den Trainingsablauf seines Starensembles für ein ernsthaftes Kräftemessen zu unterbrechen. Stattdessen wurde Fortunas Zweitvertretung ins Land der Tulpen geschickt und blühte dort famos auf. Rene Winkels gelang der verdiente Siegtreffer, der aufopferungsvoll –  und durchaus auch mit spielerischen Mitteln – verteidigt wurde. An diesem eiskalten, aber amüsanten Abend, war ich stolz auf diese junge Truppe, stolz ein Fortune zu sein. Unsere nominelle 1.ste Mannschaft hätte dieses allmählich zugeschüttete Gefühl mit einer emotionslos hingenommenen 2:0 Niederlage wohl kaum in mir wachgeküsst. Danach war alles Jubel. Nackte Oberkörper (Fans), nackte Beine (Spieler) und nackte Resultate (0:1) tobten über den Platz und ein paar versprengte Einwohner des lieblichen Grenzstädtchens trollten sich nicht mehr ganz so glücklich nach Hause. C´est la vie.


erschienen in Nimm mich Volley Nr. 3, März 2000


Mirhammasupagespielt
Die Chronik des spielenden Wahnsinns – Die Chronik von Fortuna Düsseldorf

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Tag(s) : #Mirhammasupagespielt
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