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WM 1966 Viertelfinale Portugal – Nord-Korea 5:3

Die Menschen hoffen seit jeher auf DAS große Spiel, dass die Faszination und die Magie des Fußballs in all seinen Facetten widerspiegelt. Die Meisten warten vergeblich. Für die Zuschauer aber, die am 23.07.1966 in den Goodison Park nach Liverpool strömten, war die Warterei zuende. Denn sie bekamen zu ihrer eigenen Überraschung ein wahrhaft großes Spiel geboten.

Obwohl die Asiaten in ihrer Vorrundengruppe Ex-Weltmeister Italien und mit Chile den WM-Dritten von 1962 ausschalteten, galten sie gegen die technisch versierten Portugiesen als krasser Außenseiter. Die Iberer, gerne auch als „Brasilianer Europas“ bezeichnet, zogen Verlustpunktfrei in die K.O.-Runden ein und hatten dabei mit den „echten“ Brasilianern, Ungarn und Bulgarien alles andere als Laufkundschaft geschlagen. Zudem befand sich mit dem dreifachen Torschützen Eusébio der aufgehende Stern am Weltfußballfirmament in ihren Reihen. Das Kräfteverhältnis war somit eindeutig und die Rollen schienen klar verteilt.

Doch zunächst kam alles anders. Die quirligen Nordkoreaner, die auf lustige Namen wie Oh, Shin oder Im hörten, scherten sich wenig um die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und legten los wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Dabei stürzten sie den Favoriten von einer Verlegenheit in die Nächste. Spielführer Pak Seung-zin war es vorbehalten das 1:0 mit einem fulminanten Sonntagsschuß zu erzielen, bevor der Sekundenzeiger auch nur seine erste Umdrehung vollendet hatte. Noch vor dem Pausentee erhöhten Paks Mitspieler Lee Dong-woon und Yang auf 3:0. Das neutrale Publikum raste und tobte vor Begeisterung.

Die 52.000 Augenzeugen waren längst in das Lager des glänzend kombinierenden Außenseiters gewechselt und zweifelten kaum noch an dessen Einzug in die WM-Vorschlußrunde, zumal Eusébio Vorstellung bis dahin, fatal an Humphrey Bogarts Leistung in dem Film „Der Unsichtbare“ erinnerte.

Doch nach dem 0:3 ging endlich ein Ruck durch den 24-Jährigen, im afrikanischen Mocambique geborenen, WM-Star. Es schien fast so als würde fortan er alleine die dramatisch abbauenden Koreaner nach allen Regeln der Fußballkunst zerlegen. Er kämpfte und zauberte, tackelte und fintierte, trieb seine Kameraden unentwegt an und sorgte mit vier Treffern, darunter 2 Elfmetertoren, für die kaum noch für möglich gehaltene Wende. José Augusto krönte mit seinem Treffer zum 5:3 Endstand eine fulminante Aufholjagd gegen zum Schluss bedauernswerte Koreaner.

Dank Eusébios Fußballkunst war es dem portugiesischen Team und seinem Anhang gelungen den schmalen Grat zwischen Hoffnung und Verzweiflung zu meistern. Manche Menschen glaubten sogar wieder an Gott, nachdem sie Eusébio Ferreira da Silva an diesem Tage Fußball spielen gesehen haben. Aber auch die tapferen Asiaten konnten erhobenen Hauptes in ihre Heimat zurückkehren. Sie haben sich als ein würdiger Botschafter ihres unterdrückten Volkes erwiesen.

erschienen in Nimm mich Volley, online, Mai f2004

 

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Tag(s) : #Fußball pur!
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