Europäisch dahoam eine Macht
Fortuna Düsseldorf war bislang 5 Mal im UEFA-Cup (heute Europa League) und im Cup der Pokalsieger (wurde zuletzt 1998/99 ausgetragen) vertreten und ist seit 38 Jahren in Europacup-Heimspielen ungeschlagen! Obwohl ab 1973 vierzehn europäische Klubs ihre Visitenkarte im Rheinstadion abgaben – darunter so renommierte Gegner wie die Glasgow Rangers, Benfica Lissabon oder der AC Turin - kassierte die Fortuna bis heute nur eine einzige Niederlage in Stockum. Das war am 11. Dezember 1974 gegen den mittlerweile zu Recht untergegangenen FC Amsterdam. Wäre damals in der 82.ten Minute nicht Jensen zum Schlußstand von 1:2 erfolgreich gewesen, hätte Fortuna noch NIE ein EC-Heimspiel verloren. Welcher europäische Spitzenverein kann das schon von sich behaupten? Und wir sind doch einer, oder? Natürlich darf man dabei nicht gänzlich unerwähnt lassen, dass Fortunas letzter internationaler Auftritt aus der Saison 1980/81 datiert. Es wird also Zeit die Serie von 8 ungeschlagenen Spielen auf heimischem Geläuf auszubauen.
Giganten des DFB-Pokals
Zwischen dem 05. August 1978 und dem 31. Januar 1981 blieb Fortuna Düsseldorf in achtzehn aufeinanderfolgenden DFB-Pokal-Spielen siegreich. Erst der damalige Zweitligist Hertha BSC Berlin konnte am 28. Februar 1981 im Viertelfinale Fortunas Siegeszug Einhalt gebieten. Hätte die Fortuna auch noch das Finale 1977/78 gegen den 1. FC Köln gewonnen, wären letztendlich 25 Siege am Stück herausgesprungen. Eine gigantische Serie für einen Mittelklasse-Bundesligaverein, der Fortuna damals war. Dieser Rekord konnte bis heute nicht mal vom großen FC Bayern München geknackt werden, dem von 2004-06 lediglich fünfzehn Siege in Serie gelangen. Zu verdanken hat Fortuna den Fortbestand ihrer Rekordfahrt ausgerechnet dem Westrivalen Alemannia Aachen, der die Bayern 2004 vor Beginn und nach dem Serienende 2006 jeweils aus dem Pokal geworfen hat. Auch gelang F95 1980 für mehr als zwei Jahrzehnte als einzigem Team die Titelverteidiung des Pokals. Erst 2002 – ausgerechnet im Jahr von Fortunas großem Absturz in die Viertklassigkeit – glückte mit dem FC Schalke 04 einem Verein wieder dieses Kunststück.
Beinah über eine Mio Zuschauer - in einem Spiel!
Der Zweitligaaufstiegskracher zwischen unserer Fortuna und dem SV Meppen bot am 20.ten Spieltag der Saison 1997/98 gut bekömmliche Fussballkost. 25.000 Zuschauer bildeten am 01.03.1998 eine stolze Kulisse im altehrwürdigen Rheinstadion und erlebten einen 4:3-Erfolg, der Fortuna weiter im Aufstiegsrennen hielt. Beinah hätten viel mehr Fans Einlass ins Stockumer Stadion begehrt. Zumindest theoretisch, denn wenn alle Leser, die in jeder Ausgabe der Rheinischen Post befindlichen 5 Gutscheine zum Besuch dieses Spiels, eingelöst hätten, wäre bei einer verkauften Auflage von 250.000 Stück, der gigantische Zuschauerzuspruch von 1,25 Millionen zustande gekommen. Ein weiterer Rekord aufgestellt von Fortuna Düsseldorf für die Ewigkeit. Schade eigentlich, dass der gemeine RP-Leser wohl zur Bequemlichkeit tendiert. Ob die F95-Heroen der damaligen Zeit Tibor Jancula, Gleb Panferow oder Lars Unger so viel Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten bzw. wie sie sich auf ihr weiteres Leben ausgewirkt hätte, ist eine ganz andere Frage, die wohl nicht mehr beantwortet werden kann.
FC Niederrhein
Nach einer 1:2-Heimniederlage gegen Hannover 96 am 07. November 1987 vor jämmerlichen 9.800 Zuschauern begann der Manager von Borussia Mönchengladbach, Helmut Grashoff, lautstark über eine Fusion mit dem eigentlich ungeliebten Düsseldorfer Nachbarn zum 1. FC Niederrhein nachzudenken. Im Nachhinein erscheint der Zeitpunkt zumindest aus sportlicher Sicht äußerst fragwürdig, rangierte die Borussia immerhin auf Platz vier der Bundesliga, während die „Braut“ Fortuna in der zweiten Liga auf Platz 10 vor sich hindümpelte. Beide Vereine gehörten zu den armen Kirchenmäusen des deutschen Profifussballs, aber die vermeintlich unfehlbare Kombination aus Borussias Erfolg und Fortunas großem, aber leeren Stadion ließ bei dem kühl kalkulierenden Zahlenmenschen gedanklich die Kassen klingeln. Der damals als U21-Nationaltrainer und zeitlebens als Visionär bekannte Berti Vogts zeigte sich bereits zu dieser Zeit skeptisch gegenüber überdimensionierten Stadien mit Laufbahn, wie es das Rheinstadion war, und schlug ein komplett neues Stadion am Kaarster Kreuz für den 1. FC Niederrhein vor. Glücklicherweise hat die Vernunft und der Willen der Fans über das kalte Kalkül von Managern gesiegt, denn heute strotzen beide Vereine nur so vor Kraft, das Publikum strömt in ihre modernen Arenen und das erste Pflichtspiel der beiden Traditionsvereine, die es beinah so gar nicht mehr geben würde, seit 15 Jahren, wirft seine Schatten voraus.
Ewige Tabelle
Fortunas erste Bundesligasaison seit 15 Jahren bietet auch die Gelegenheit zuletzt verloren gegangenes Terrain in der Ewigen Tabelle wieder gutzumachen. Vor Beginn ihrer 23. Spielzeit in Deutschlands Bel Etage rangiert die Fortuna auf Platz 18 mit einer Bilanz von 920 Punkten aus 752 Spielen bei 1121 zu 1329 Toren. Beim letzten Abstieg 1997 belegten wir noch Platz 13, aber in der Zwischenzeit konnten die Berliner Hertha, der Nürnberger Club, der MSV aus Duisburg, Hannover 96 sowie der Karlsuher SC unsere lange Abwesenheit nutzen und vorbeiziehen. Aber jetzt sind wir wieder da und werden mindestens die 33 Punkte einfahren, die benötigt werden, um den KSC von Platz 17 zu verdrängen. Danach nehmen wir uns die anderen vier vor.
erschienen im F95-Merchandising-Katalog, online, Juli 2012