Des Deutschen liebstes Kind, das auch international hoch geschätzte Bundesliga-Theater, lüftet am morgigen 24. August endlich wieder seinen Vorhang. Und es steht nicht irgendeine x-beliebige Saison an, sondern die groß- und einzigartigste 50.te. Die bekanntlich um keine Peinlichkeit verlegenen öffentlichen Sendeanstalten werden aus gegebenem Anlaß ganz tief in die Trickkiste greifen, und dafür sorgen, dass die Bilder von Pfostenbrüchen, von nach Enten hechtenden Torwächtern, Phantomtoren, aufgeschlitzten Oberschenken, Schutzschwalben, Herzensmeistern und legendären Bayern-Klatschen nicht nur vor unserem geistigen Augen abflimmern.
Die Geschichte hat immer wieder bewiesen, dass es zumeist kontraproduktiv ist, bestimmte Situationen mit übertriebenen Erwartungen zu überfrachten. Die Jubiläumssaison wird nicht alleine deshalb torreicher, ansprechender oder voller nervenzerfetzender Spannung sein, nur weil sie ausgerechnet die 50.te ist. Aber es bleibt zu wünschen, dass die Protagonisten dem DFL-Premiumprodukt so viel Leben einhauchen und mit spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen dafür sorgen werden, dass diese Spielzeit auch im Jahren 2072 unvergessen sein wird. Wer die Prognosen der einschlägigen Sportmedien durchackert muss aber zwangsläufig befürchten, dass uns eine klinisch-reine, relativ spannungsarme 08/15-Spielzeit ins Haus steht. Na klar: Der ewige Rekordmeister aus dem Süden holt die Krone und die Aufsteiger (zumindest zwei von ihnen) werden vom Establishment - ohne Umweg über Los - direkt ins Schmuddelhaus des deutschen Profifussballs, die zweite Liga, zurückversetzt. Basta!
Aber Überraschunden sind das Salz in der Suppe und nur davon zehren die Menschen in ihren Erinnerungen. Die Experten prognostizieren dagegen landauf landab eine Zementierung des Status Quos. Ach, wie langweilig. Aber welche Truppen haben das Potential für freche Ausreißversuche in beide Richtungen zu sorgen. Tja, da das schöne am Fussball ist, das tatsächlich NIEMAND weiss, was am Ende hinten rauskommt und keiner den Ablauf vorherbestimmen kann, lassen wir es einfach geschehen und scheren uns nicht weiter um Prognosen. Denn Nichts ist wie es scheint. Dennoch möchte ich Euch meinen Beitrag zur allgemeinen Kaffeesatzleserei nicht ersparen:
Getippte Abschlußtabelle der 1. Bundesliga - Saison 2012/2013 (ohne Gewehr)
1. FC Schalke 04
2. BV 09 Borussia Dortmund
3. FC Bayern München
4. Hannover 96
5. VFB Stuttgart
6. Bayer 04 Leverkusen
7. VFL Wolfsburg
8. Borussia Mönchengladbach
9. SV Werder Bremen
10. Eintracht Frankfurt
11. TSG Hoffenheim
12. Fortuna Düsseldorf
13. 1. FSV Mainz 05
14. SpVgg Greuther Fürth
15. 1. FC Nürnberg
16. Hamburger SV
17. FC Augsburg
18. SC Freiburg
1.) FC Schalke 04
1987 verließ Nationalstürmer Rudi Völler Werder Bremen ohne mit den Grün-Weißen jemals Meister geworden zu sein. Völlers Traum zerschellte im Jahr zuvor am Außenpfosten (Kutzops Elfer gegen Bayern). Eine tragische Geschichte. Aber auch eine Befreiung für den Verein. Völler war in Rom, Kalle Riedle in Bremen und schon klappte es mit dem Titelgewinn für Werder. Die Analogie zu Schalke und Raul ist gespenstisch und sie wird dazu führen, dass Kapitän Höwedes im Mai 2013 der erste Schalker seit 55 Jahren sein wird, der die Schale in den Himmel reckt. Und spätestens dann werden die leidgeprüften Fans das Trauma von 2001 verarbeitet haben. Man gönnt es ihnen. Vater des Erfolges ist Horst Heldt. Die sachliche Arbeit des Managers zahlt sich aus. Es gelang ihm die Schulden zu reduzieren, den Kader deutlich zu verschlanken und trotzdem zu verstärken. Um die 9.te Meisterschaft nicht zu gefährden, wird man allerdings nach der Vorrunde unehrenhaft aus der Champions League entlassen.
2.) Borussia Dortmund
Klopps Mannen sind einfach zu stark um jetzt schon einzubrechen. Spielfreude, Laufstärke und Begeisterung wird sie noch ein weiteres Jahr in der Spitzengruppe halten. Dazu schrauben der Transfer von Marco Reus und Mario Götzes Comeback die Erwartungen in schwindelerregende Höhen. Bezahlbar macht sich das im Europacup, wo endlich der Durchbruch gelingt. Der BVB überwintert in der Champions League. Dafür muss dann im Bundesligafinish die Zeche gezahlt werden, wenn der Rivale aus Gelsenkirchen die Schwarz-Gelben überholt. Die Fans müssen das Dortmunder Märchen noch genießen, denn es wird so nicht mehr lange anhalten. Die Methode Klopp wird sich irgendwann abnutzen und die Jungstars um Hummels, Götze, Lewandowski, Subotic den Verlockungen der bösen Geldvereine erliegen. Aber noch ist es nicht soweit. Von daher landet der BVB wieder in den Top3.
3.) FC Bayern München
Der selbst ernannte Meister aller Klassen, der vor Kraft und Selbstbewusstsein fast platzende Ultimo Leader, man konnte fast Mitleid mit ihm haben, als er das "Finale Dahoam" gegen den FC Chelsea vergeigte und anschließend Sebastian Schweinsteiger & Co. jämmerlich hilfos auf dem Rasen kauerten. Aber dann haben doch wieder die alten Reflexe gesiegt: Der FCB schwingt in bekannter Manier große Keulen und Reden und bläst zum Großangriff auf Dortmunder, Öl-Magnaten, FIFA/UEFA und alle anderen bösen Mächte, die dem Allmachtsanspruch des Rekordmeisters im Wege stehen könnten. Mia san wieder mia. Passt schon. Die Zahl derjenigen, die sich nicht nur insgeheim freuen werden, wenn man trotz Mio-Investitionen zum dritten mal in Folge das Nachsehen hätte (zuletzt war das 1993 der Fall), wird nicht gerade schrumpfen. Im Sommer war also wieder Power-Shopping beim Stern des Südens angesagt, nach dem Motto: "Shop, 'til they (BVB) drop!" Dem FCB ist es dabei gelungen phantastische Spieler wie Mandzukic und Pizarro zu verpflichten, aber letztendlich wird doch Gomez spielen und mehr Tore als in den letzten beiden Saisons kann man einfach nicht schießen. Egal wer auf der Bank lauert. Die wichtigste Neuverpflichtung ist ohne Zweifel Funktionär Matthias Sammer. Der ewige Feuerkopf soll den Verein, die Strukturen, die Mannschaft aufrütteln, echtes Leben, Liebe und Leidenschaft einhauchen. Die Säbener Straße elektrisieren. Sie wieder zum Epizentrum des teutonischen Fussballs werden lassen. Argwöhnisch betrachtet wird Sammer dabei von Spielerversteher Jupp Heynckes. Dass Sammers Anspruch unvereinbar mit dem Kuschelkurs des Trainers ist, weiß eigentlich ganz Fußballdeutschland. Aber der Ex-DFB-Manager ist erklärtermaßen das aktuelle Lieblingsprojekt von FCB-Präsident Uli Hoeneß. Und nur das zählt. Jürgen Klinsmann war das übrigens auch mal. Auf alle nicht Bayern-Fans wartet eine unterhaltsame Saison, in deren Verlauf es zum großen Knall kommen dürfte...
4.) Hannover 96
Die Niedersachsen gehören nun seit 11 Jahren ununterbrochen der Eliteliga an. Das gelang ihnen zuvor nur in der Zeit von 1963 bis 1974 und endete damals mit dem Abstieg. Der ist aktuell nicht zu befürchten. Es ist schon faszinierend und beängstigend zugleich wie sehr H96 über seine Verhältnisse lebt, ohne es richtig zu merken. Solch eine Konstanz auf derart hohem Niveau hält ein Verein von der Güteklasse Hannovers höchstens drei Jahre durch. Solange Trainer Slomka und Manager Schmadtke sich zusammenraufen ist das Biotop Hannover nicht wirklich bedroht, denn beide verkörpern absolute Klasse. Aber bald werden sie weiterziehen, ebenso wie die besten Spieler. Daran füht kein Weg vorbei. Das ist das Schicksal der "kleineren Vereine". Aber keine Sorge: Noch liegen die Roten auf Kurs und werden eine Knallersaison raushauen. In der Abwehr könnte es zwar Probleme geben, im Mittelfeld jedoch werden sich Lars Stindl und Konstantin Rausch in den Dunstkreis der Nationalelf spielen und der Sturm ist einfach nur gigantisch: Abdellaoue, Ya Konan, Schlaudraff und vor allem Mame Diouf - diese Super-Kombi sucht selbst in der gesamten BuLi fast ihresgleichen. Die werden es gehörig krachen lassen und die Heimstärke alleine wird für eine Europacup-Platzierung sorgen.
5.) VFB Stuttgart
Auch beim VFB haben sich die Mannen um Manager Fredi Bobic finanzielle Konsolidierung auf die Fahnen geschrieben - natürlich bei gleichzeitiger Weiterentwicklung der Mannschaft. Was nach der Quadratur des Kreises klingt und andernorts gehörig in die Hose zu gehen pflegt, scheint den Schwaben zu gelingen. Allen voran Vedad Ibisevic und Martin Harnik werden dafür sorgen, dass man - trotz der Belastung aus der EUROPA League - im oberen Tabellendrittel landen wird.
6.) Bayer 04 Leverkusen
Neugier ist bekanntlich eine der wichtigsten Triebfedern im Leben. Ich bin neugierig drauf, wie sich Leverkusen mal in der zweiten Liga zurechtfinden würde. Dieser Wunsch wird aber leider auf absehbare Zeit nicht in Erfüllung gehen. Der Kader ist zwar gut genug um letztendlich wohl auch erfolgreich um die EC-Qualifikation mitzuspielen, aber diese seltsame Bayer-04-Krankheit wird sich wohl weiter durch alle Spielergenerationen ziehen. Lediglich die 2002er-Heroen um Ze Roberto, Ballack, Lucio und Neuville konnten sie zeitweise außer Kraft setzen. Es ist immer dasselbe: Sobald die großen nationalen (Gastspiel beim FCB) oder internationalen Aufgaben (Barcelona) drohen, sind die 04er-Turnhosen randvoll und selbst die technisch versiertesten Akteure des Teams scheinen das kleine Fussball-1x1 komplett verlernt zu haben. So richtig glücklich sind die Bayer-04-Fans nie geworden und ob sie das langfristig mit der seltsamen Trainer-Teamchef-Kombination Hypiaa/Lewandowski werden, steht zu bezweifeln. Aber es gibt auch Anlaß zur Hoffnung für sie: Mit Lars Bender und Andre Schürrle konnten wichtige Leistungsträger gehalten werden, die jetzt den großen Durchbruch schaffen müssen und mit Wollscheid und Karim Bellarabi haben heftig umworbene Talente den Weg in die BAYarena gefunden. Die Konstanz für die ersten fünf Plätze dürfte aber nicht vorhanden sein.
7.) VFL Wolfsburg
Der VFL ist der Nosferatu der Liga. Ein ungebetener Gast, der schon seit nunmehr15 Jahren sein Unwesen treibt und keine Anstalten macht zu gehen. Zwar haben die VWler bereits 2-3x einen Abstieg angetäuscht, aber doch bloß um aus absoluter Bosheit Hoffnung bei denen zu wecken, die den VFL gerne wieder als Spielball von Union Salzgitter und dem MTV Wolfenbüttel sehen würden, nur um diese aufkeimenden Hoffnungen im letzten Moment doch wieder zu enttäuschen. Einen gewissen Unterhaltungswert kann man dem VFL allerdings nicht absprechen. Zwischen Platz 1 und 15 ist jedes Jahr alles drin. Da können nicht viele Truppen der Liga mithalten. Auch nicht, bei solch lebenwichtigen Fragen, ob der zurück gekehrte Diego endlich Trainer Magath oder wieder nur die ortansässigen Blumenmädchen verzaubern wird? Aufgrund der wohl nie auszumerzenden Auswärtsschwäche ist maximal Platz 7 drin. Aber auch ein Abrutschen in den zweistelligen Bereich ist nicht auszuschließen. Man darf schließlich nicht vergessen, dass beim System Magath im dritten Jahr stets Sand im Getriebe landet.
8.) Borussia Mönchengladbach
Traurig, aber wahr. Der Höhenflug der Borussen dürfte nach nur einer Saison wieder beendet sein. Es scheint als hätte man durch den Abgang vor allem von Marco Reuss, dem Spieler der vergangenen Saison, zu viel Substanz verloren. Nachfolger Luk de Jong wirkt noch wie ein völliger Fremdkörper. Er und die anderen Neuzugänge waren in erster Linie teuer, ob sie gut sind, müssen die erst nachhaltig unter Beweis stellen. Die nach der Heimniederlage gegen Dynamo Kiew kaum noch zu realisierende Champions-League-Qualifikation dürfte sich auf allen Ebenen belastend auswirken. Die Krönung der überragenden Vorsaison bleibt somit im Nachhinein verwehrt. Gladbachs Trainer Lucien Favre wirkt zunehmend humorloser und zerstreuter. Auf seiner endlosen Suche nach polyvalenten Spielern wird er nur selten fündig - zumindest nicht im eigenen Kader. Nicht auszuschließen, dass der Schweizer als erster den Wollersheim macht und sagt: "Ich hab keine Lust mehr. Da ist irgendwas schief gelaufen", zb die Einkaufspolitik von Maxi Eberl. Ohne Zweifel ist die Borussia weiterhin ein kompaktes und schwer zu besiegendes Team. Aber die Kreativität scheint mit Reuss verloren gegangen zu sein. Somit ist Juan Arrango der einzig verbliebene Hoffnungsträger auf ein wenig Zauber im Borussenpark.
9.) SV Werder Bremen
Klaus Allofs hat seinen Norddeutschen eine wahre Frischzellenkur verpasst. Überbezahlte vermeintliche Leistungsträger mussten ihre Zelte abbrechen. Markus Marin für 8,2 Mio Euro dem FC Chelsea unterzujubeln war ein Geniestreich. Dafür erhält der gute Klaus die David-Odonkor-Gedächtnismedaille am grün-weißen Bande. Hinzu kamen Akteure mit Potential, sowohl mit spielerischem, aber unglücklicherweise auch mit dem, um als Sorgenkind in Erscheinung zu treten. Werder steht somit weiterhin am Scheideweg. Wahrscheinlich landet man trotz des großen Kaderrevirements in ähnlichen Tabellenregionen wie 2012. Das klingt zwar langweilig für die jahrelang spektakulär auftretenden Bremer, aber irgendjemand muss ja Neunter werden. Wenn die Hähnchencrew das Glück hat, dass Nils Petersen auf Anhieb als Torjäger funktioniert und sich ein Talent wie Niklas Füllkrug durchbeißt, dann könnte man ein wenig aus der Ferne an den Plätzen schnuppern, die für das internationale Geschäft berechtigen.
10.) Eintracht Frankfurt
Die stolze Eintracht hat mal wieder den Betriebsunfall Abstieg nach nur einem Jahr repariert. Aber zu welchem Preis? In der Saison 2011/12 fuhr man ein Defizit von 11 Mio. Euro ein. Solange man sich den Erfolg kaufen kann, ist ja alles gut, aber was wenn das Berliner Schicksal droht: Ein erneuter Abstieg? Dann waren sieben Jahre seriöses Wirtschaften unter Heribert Bruchhagen umsonst und man steckt im Teufelskreis aus Schulden und Mißerfolg fest. Die Kölner können ein Lied davon singen. Aber wie heißt es so schön? Der zuletzt eingeschlagene Weg war wohl alternativlos und es ist ja noch mal gut gegangen. Ob das wiederholbar ist, bleibt abzuwarten. Immer noch hat die Eintracht einige tolle Spieler wie Alexander Meier, Bamba Anderson, Pirmin Schwegler und die Rohdiamanten Jung, Rohde und Kittel. In der Endabrechnung ist alles von Platz 10 bis 18 möglich, nur eins ist sicher: Das Tor wird weiterhin von Oka Nikolov gehütet und das ist auch gut so!
11.) TSG Hoffenheim
Im Leben muss man mit Informationsdefiziten zurecht kommen. Manches kann man nicht wissen. Anderes muss man nicht wissen. Mich würde aber höllisch interessieren, wie viele Spieler des Retortenclubs aus Sinsheim vor dem 18.08.2012 schon einmal vom Berliner AK gehört hatten. Viel mehr als Null dürften es nicht gewesen sein. Na hoffentlich kennt man in der "Metropolregion Rhein-Neckar" ("Hopp-Sprech") Borussia Mönchengladbach, den Gegner am ersten Spieltag. Seitdem die TSG nicht mehr für Champagnerfussball und Spektakel steht, also seit ungefähr 3,5 Jahren, hat man eigentlich jegliche Daseinsberechtigung als Bundesligastandort verloren. Millionen traditionsbewusste Fussballfans in ganz Deutschland würden sich liebend gerne eine Wintertabelle, die Hoffenheim als Schlußlicht ausweist, unter den Weihnachtsbaum legen. Da den Emporkömmling ohnehin immer der Frühjahrsblues ereilt, wäre somit dann sein Schicksal fast schon besiegelt und alle Fans des vom Kommerz befreiten Fussballs könnten aufatmen. Nervig ist auch der ständige Strategiewechsel des von SAP-Milliardär Dietmar Hopp protegierten Vereins. Erst reibt man neunmalklug der etablierten Fussballwelt seine hypermodernen Methodiken unter die Nase. Nach Jahren des Stillstands möchte man dann einfach nur noch ein normaler Bundesligist sein, der sich personell aus dem eigenen Nachwuchs bedient. Und plötzlich, nach Amtsübernahme des ambitionierten Markus Babbel, wird wieder das Erreichen der Champions League als Ziel ausgerufen und durch die Luxuseinkäufe Wiese, Derdiyok, Delpierre und Joselu untermauert. Dennoch erwies sich im DFB-Pokal ein durchschnittlicher nordostdeutscher Regionalligist, nämlich der Berliner AK, als zu stark und schickte Wiese & Co. mit 4:0 zurück in die Pampa. Was mag das nun für's Abschneiden in der Bundesliga bedeuten? Leider dürften diejenigen, die hoffen, es könnte 1899 bereits diese Saison "erwischen", bitter enttäuscht werden. Mit Volland, Schipplock und Schröck stehen drei Granaten im Kader, die wohl, wenn schon nicht dem Geld, dann doch den Versprechungen über die ach so dollen Perspektiven erlegen sind. Wenn die sich erstmal in der Stammformation etabliert haben, wird Hoffe stark genug für Platz 11 sein. Sollte man - wider erwarten - aber doch zum heiligen Feste die rote Laterne inne haben, dann muss halt die zweite Mannschaft ran. Der Nachwuchs steht nach vier Spieltagen mit 12 Punkten und 18:0 Toren einsam an der Spitze der Regionalliga Südwest. Da erblasst sogar der Berliner AK vor Neid.
12.) Fortuna Düsseldorf
Wer Augen hat zu sehen, der sollte auch sehen! Fortuna als Absteiger Nummero uno zu tippen, wie viele vermeintliche Gurus und Obergurus es getan haben, ist einfach nur der Witz des Jahrhunderts. Die Experten verkennen nämlich, dass dem Verein das größte Comeback in der Geschichte des deutschen Fussballs gelungen ist. Ende 2002, nur fünf 1/2 Jahre nach dem letzten BuLi-Abstieg, rangierte Düsseldorf in der viertklassigen Oberliga Nordrhein auf einem schmachvollen Platz 11 bei einer Tordifferenz von minus 10. Adler Osterfeld (3.), 1. FC Bocholt (7.), Germania Ratingen (9.) und der Bonner SC (10.) waren besser platziert. Wo spielen diese Klubs jetzt, wenn es sie überhaupt noch gibt? Sie sind weiter von einer deutschen Profiliga entfernt als Angie Merkel von der griechischen Ehrenstaatsbürgerschaft. Aber die Fortuna stieg wie Phoenix aus der Asche empor und ist nach 15 Jahren wieder dort, wo sie nicht nur nach Meinung der eigenen, stetig wachsenden Anhängerschaft, hingehört: In der ersten Liga. Wäre Fortuna eine Hymne, würde sie "Auferstanden aus Ruinen" heißen. Alles zukünftigen Resurrection-Filme werden sich nicht mit christlichen Bibelmotiven beschäftigen sondern mit dem Wunder von Flingern. Diese Story gibt dem Verein so viel Kraft, dass er unfähig ist direkt wieder abzusteigen. Absolut! Klar, der neu zusammen gestellten Mannschaft würden Assani Lukimya und Maxi Beister gut zu Gesicht stehen, aber das war halt nicht möglich. Dafür ist man mit einer gesunden Mischung aus Erfahrung und Talent gewappnet für alle Unwägbarkeiten und Herausforderungen einer harten Saison. Die schwierigste Aufgabe kommt auf Trainer Norbert Meier zu, der schleunigst aus dem breiten Kader eine Stammformation bilden muss. Wenn dies gelingt, muss sich kein Fortune fürchten. Diese Truppe wird schwer zu schlagen sein, sich selbst aber jeden Punkt und jeden Sieg hart erarbeiten müssen. Am Ende wird es reichen, denn kein Sportler, Funktionär, Betreuer oder Fan wird vergessen, wo dieser Verein herkommt, der vor nicht mal 10 Jahren schon mehr als mausetot war. 95 olé.
13.) 1. FSV Mainz 05
In absehbarer Zeit dürfte sich der selbst ernannte Karnevalsverein neu erfinden müssen. Die Bruchweg-Boys sind zu 2/3 weitergezogen, man selbst hat diesen Standort am Bruchweg ebenfalls verlassen und sich eine der gesichtslosen arenen mitten im Nirgendwo gegönnt und auch Mohammed Zidan ist mal wieder weg. Ebenso Sami Allagui. Fraglich ist, wie lange es noch tuchelt, ist es doch ein offenes Geheimnis, dass der ziemlich anstrengende Konzepttrainer Thomas Tuchel beim FC Bayern ganz oben in der Nachfolgeordnung steht, wenn spätestens Jupp Heynckes 2013 in Rente geht. Die Bayern wollten damals Klopp und hatten schlußendlich Angst vor der eigenen Courage. Das wird ihnen nicht nochmal passieren. Allerdings ist es Manager Christian Heidel bislang immer gelungen, das Personal gleichwertig zu ersetzen. Aber irgendwann wird diese Serie auch mal reißen. Fazit: Ein Abstieg in naher Zukunft scheint unausweichlich und über kurz oder lang wird in der schicken Coface-arena unterklassiger Fussball zu bestaunen sein.
14.) SpVgg Greuther Fürth
Früher oder später musste ein Messias anheuern, der die Unaufsteigbaren ins gelobte Land Bundesliga führen würde. Der gebürtige Düsseldorfer Mike Büskens hat in nur zwei Jahren ein Team aus No-Name-Spielern geformt, das für technisch hochklassigen, temporeichen Offensivfussball steht. Wenn dieser Stil im Oberhaus beibehalten werden kann, dann wird beizeiten die Abstiegsgefahr gebannt werden. Zudem dürfte man in Köln, Hamburg, Lautern, Berlin und an vielen anderen Hire-and-Fire-Standorten neidisch auf die kontinuierliche Aufbauarbeit der Franken blicken. Jahrelang musste das Kleeblatt um jeden Fan kämpfen, da nach der Fusion der SpVgg Fürth mit dem Dorfverein aus Vestenbergsgreuth bei vielen eine Identitätskrise am Ronhof eingesetzt hat. Aber das ist in der Bundesliga kein Thema mehr. Da wird das erweiterte Stadion jedes Mal mit 18.000 Zuschauern ausverkauft sein. Bleibt abzuwarten, ob das Projekt mit dem Macher Büskens steht und fällt oder die Euphorie auch bewahrt werden kann, wenn der Trainer, der dem Verein das fehlende Selbstvertrauen und die Siegermentalität eingeimpft hat, eines nicht so fernen Tages in seine westdeutsche Heimat zurückkehrt.
15.) 1. FC Nürnberg
Den Clubberern steht eine brutal harte Spielzeit bevor. Fast hat man den Eindruck, dass dies den Franken noch gar nicht bewusst ist. Der Grund dafür ist nicht der erstmalige Aufstieg des ungeliebten Konkurrenten aus der westlichen Vorstadt, sondern das schleichende Ausbluten des Kaders in den vergangenen beiden Jahren. Nach Schieber 2011 musste man nun Bunjaku, Eigler, Didavi und Wollscheid verabschieden. Wer soll durch seine Tore den Club in der Liga und Dieter Hecking im Amt halten? Ich weiß es nicht. Der Club könnte sich im Laufe der Hinrunde durchaus als Abstiegskandidat Nummer 1 entpuppen, denn das Modell jahrelang mit günstigen Leihspielern Erfolg zu haben, ist an seine Grenzen gestoßen. Für die treuen Fans wäre es tragisch, wenn ihr Club im kommenden Sommer als alleiniger Rekord-Absteiger der Bundsliga-Geschichte firmieren würde. Noch steht man mit Arminia Bielefeld (je 7 Abstiege) in der unrühmlichen Rangliste gemeinsam ganz oben.
16.) Hamburger SV
Der Hamburger Sport Verein ist nach wie vor ein großer Verein. In zahlreichen Abteilungen wird nach Leibeskräften geboxt, geturnt, getischtennist und vieles mehr. Da scheint sich der Fußball ein wenig zum häßlichen Entlein zu entwickeln. Zuletzt schienen selbst die Kollegen vom Nacktbilliard an den Kickern vorbeizuziehen und die großen Pokale abzustauben. Dabei standen die Herren Profis noch vor 2 Jahren im Europacup-Halbfinale. Der damalige Vorstandsvorsitzende und Unsympath des Jahres, Bernd Hoffmann, wollte so richtig viel fremdes Geld in die Hand nehmen um dauerhaft in die Phalanx der besten 15 Teams des Kontinents einzudringen. Es sollte anders kommen. Der kalte Kommerzhai Hoffmann ist lange weg, dafür sind die Mio-Schulden geblieben. Eine fatale Entwicklung. Der eingeschlagene Konsoldierungskurs steht nun wieder auf der Kippe, da er mit zu vielen sportlichen Fehleinschätzungen einher ging. Die bisherige Transferbilanz von Sportchef Frank Arnesen ist mehr als mau. Paralysiert von der eigenen Agonie und von der Öffentlichkeit fast schon als chancenlos aufgegeben bevor überhaupt der erste Anpfiff ertönte, droht die Führung mit wütenden Panikkäufen und einem Abweichen vom Sparkurs. Nicht ausgeschlossen, dass Arnesen dabei sogar den alles entscheidende Befreiungsschlag landet. Eventuell trägt dieser ja doch den Namen Rafael van der Vaart, den der reiche Onkel, Milliardär Klaus-Michael Kühne, den Rothosen spendieren möchte. Obwohl dieser "Running Gag" längst jenseits des Erträglichen liegt, wäre solch ein Transfercoup auch dringend vonnöten, sonst ist die 2. Liga in neun Monaten erstmals bittere Realität. Wenn die Teams Filme wären, dann wäre der HSV mit Sicherheit ein Gruselschocker vom Kaliber "Fahrstuhl zum Schafott" oder "Nightmare on Elbchaussee".
17.) FC Augsburg
Helmut Haller, Bernd Schuster und Kalle Riedle - drei absolute Götter des deutschen Fussballs stammen aus dem schönen Augsburg. Schaut man sich den aktuellen Kader an, entdeckt man nicht mal im entferntesten einen Akteur, der einem der Stadthelden die Füße küssen dürfte. Höchstens der ansatzweise kultige Tobias Werner. Und dann hat sich auch noch Erflogscoach Luhukay nach Berlin aufgemacht. Keine Chance: die BuLi-Episode der Fuggerstädter neigt sich ihrem Ende entgegen. Da hilft kein Klagen und Betteln, das zweite Jahr ist bekanntlich das schwerste und in diesem wird es den FCA erwischen. Mein Mitleid darüber hält sich arg in Grenzen.
18.) SC Freiburg
Bislang war im vierten aufeinander folgende Erstligajahr noch jedes Mal Endstation für den südbadischen Verein. Auch wenn der gleichermaßen kauzige wie kultige Trainer Christian Streich in der Rückrunde ein wahres Wunder vollbracht hat, so dürfte dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht wiederholbar sein. Dazu mangelt es dem Kader einfach zu sehr an Erfahrung, Qualität und Torgefahr. Der SCF ist bekanntlich der etwas andere Verein, der dieses Schicksal mit Fassung trägt, sich in Liga 2 regeneriert und früher oder später wieder ans Tor zum Oberhaus anklopft. Dafür sorgt schon die ausgezeichnete badische Fussballschule. Persönlich wünsche ich mir, dass Trainer Streich den Absturz unbeschadet übersteht, und seine Arbeit im Breisgau weiter verrichten darf.