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Strand statt Kühlschrank

Nanu, was ist denn plötzlich los? Gestern gab es zehn Tore, dass sind gefühlt mindestens genauso viele wie in allen bisherigen 17 Spielen zusammen. Gerät die WM doch noch in Wallung? Besteht berechtigte Hoffnung auf ein gutes Ende? Aus französischer Perspektive mit Sicherheit nicht mehr. Les Bleus haben ihren Fans eine herbe Enttäuschung bereitet. Die Parallelen zu 2002 sind gespenstig. Für den uninspirierten Auftritt gegen gute Mexikaner gibt es vordergründig keine Erklärung. Warum zerreissen sich die Spieler nicht, die durchweg Champions-League-Erfahrung haben? Ist ihre Antipathie untereinander und gegenüber dem "Spielerauswähler" (Zitat Zidane) Domenech so groß, dass sie nicht schnell genug an die heimische Riviera gelangen können? Aalen sie sich lieber mit ihren Modelfrauen in der Sonne als für die Grande Nation um Ruhm und Ehre zu kämpfen? Fast scheint es so. Dann hätten sie sich aber die Geschichte mit dem miesen Handspiel gegen Irland verkneifen können. Da sind unsere griechenländischen Freunde von ganz anderem Kaliber. Die als Betontruppe verspotteten Hellenen können es ja doch. Und schon fließt auf dem Peleponnes der Ouzo wieder in Strömen als wäre nichts gewesen. Der alte Fahrensmann und Ex-Fortunatrainer, Otto Rehhagel, der 2004 das leck geschlagene DFB-Flagschiff flott machen sollte (Dann war es wohl doch viel besser, dass jemand auf die Idee mit Klinsmann kam), kann nach den ersten WM-Toren und -Punkten seiner Griechen vom Achtelfinale träumen. Zumindest bis zum Spiel gegen fantastische Argentinier, die ihrerseits Südkorea 4:1 vernaschten. Darüberhinaus waren ausgerechnet die Zement-Hellenen die ersten, die einen Rückstand in einen Sieg ummünzten. Welch Ironie der Geschichte? Solch eine Leistungssteigerung wünscht man ihnen in Zukunft auch beim sorgfältigen Ausfüllen ihrer Steuererklärungen und Staatsbilanzen. OPA!

 

Yoga und Qigong gegen die Aufregung

Ich habe Angst! Angst vor Serbien! Angst davor, dass der Traum vorm neuen deutschen Fußball, geprägt von Spielkunst, Präzision, Geschwindgkeit und Jugendstil, respektiert und geliebt in aller Welt, ein abruptes Ende findet. Dass die Mahner um meinen Vater ("Heute wird sich einiges relativieren") Recht behalten könnten. In den Redaktionen Londons, Roms und Amsterdams werden doch schon die Messer gewetzt und gehofft, dass bald wieder die Stereotypen bedient und die Artikel mit den unvermeidlichen Panzerschlagzeilen rausgeholt werden können. Also, los Jungs. Zeigt der Welt da draußen, dass der Relaunch der deutschen Fußballphilosphie nachhaltig ist und in den kommenden Jahrzehnten viele Titel auf dem Frankfurter Römer bejubelt werden können. Auch die Statistik macht Mut. Seit  dem 0:2 gegen Dänemark am 13.06.1986 hat man kein WM-Vorrundenspiel mehr verloren! Aber die deutsche WM-Historie hat bewiesen, dass wir es nach drei Auftaktsiegen (2006, 1970) nie ins Finale geschafft haben. Genau aus diesem Grund haben der Franz (1990 gegen Kolumbien) und der Rudi (2002 gegen Irland) sicher geglaubte Siege in der Nachspielzeit noch hergeschenkt. Clever! Mir wäre aber wohler, wenn dies gegen Ghana geschehen würde. Im Alter verkraftet man diese Aufregung nicht mehr so gut und ich habe jetzt noch keine Vorstellung davon mit welchen exotischen Entspannungstechniken sich ein eventueller Finalstreß bewältigen ließ.

 

Hanni und Nanni

Am Mittwoch ließ der Bundestrainer offiziell über seinen Adlatus, Hans-Dieter Flick, in schönster Löw'scher Harmoniediktion verlautbaren, dass die Formation des Australien-Spiels auch gegen Serbien auflaufen dürfte. Nur um gestern zurückzurudern und - trotz der rechtzeitigen Genesung von Bastian Schweinsteiger - Veränderungen  anzukündigen. Das löst Verwunderung aus, denn  wer sollte für Cacau & Co. weichen? Doch wohl nicht der mühsam aufgepäppelte Klose, dem wir alle die Daumen drücken, dass er Deutschland-Schreck Ronaldo von der Spitze der ewigen WM-Torschützenliste verdrängen möge. Dafür muss er noch fünf Erfolgserlebnisse verzeichnen. Vielleicht bezog sich der Wunsch nach Veränderungen aber auch auf das Outfit des Trainergespanns. Wie sie da im Hanni und Nanni-Look nach Poldis Führungstor zum Tina-Riegel-Andreas-Nieschwitz-Gedächtnissprung ansetzten und die kobaltblauen Strenesse-Pullis aus 100% Babykaschmir einen Blick auf ihre männlich behaarten Unterbauchbereiche gewährten, war schlicht und einfach "Shocking" und politisch völlig inkorrekt. Und da man sie auch heute ausgelassen jubeln sehen möchte, sollten sie lieber wieder zu Klassikern wie Hemd oder von mir aus auch Ballonseide greifen, aber bitte das Unterhemd nicht vergessen. Und zwar eins, das nicht hochrutscht!

 

Was wird aus der Mutter aller Fußballänder?

Und so hoffen wir heute nicht nur auf ein attraktives DFB-Spiel (Tipp: 3:2) sondern auch darauf, dass unsere englischen Freunde aus dem Mutterland des Fußballs zu einem entspannten 3:0 gegen die Wüstensöhne gelangen um eine Konfrontation mit ihnen im Achtelfinale zu vermeiden. Nach den ungeschickten Provokationen und abgefeuerten Giftpfeilen zwischen Beckenbauer, Capello und Rooney käme dieses Duell zu früh und wäre wohl emotional zu aufgeladen. Außerdem möchte man diese beiden, attraktiven Länder so lange wie möglich im Turnier verfolgen können. Die Algerier hingegen scheinen nicht zu ähnlichen Großtaten wie 1982 in der Lage zu sein als sie uns eine schmerzhafte 1:2 Auftaktniederlage beibrachten, dann aber an der "deutsch-österreichischen Freundschaft" zerschellten.

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Tag(s) : #Dirki bloggt die WM-EM
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