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Menschen, Tiere, Sensationen

Das Schöne an Sensationen ist, dass sie zwar eher selten sind, dafür aber immer und zu jeder Zeit geschehen können. Wer kann, erinnert sich wohl an nichts lieber als den deutschen Außenseitersieg über Ungarn 1954 in Bern. Dagegen denkt man sehr ungern zurück an sensationelle Triumphzüge von Österreich ("I werd narrisch"), Bulgarien (1994), Dänemark ('92) oder Holland (1988). Sie alle waren untrennbar mit deutschen Mißerfolgen verbunden. Selbstredend, dass diese Länder auf der schwarzen Liste stehen und als meine Urlaubsdestinationen überhaupt nicht  mehr infrage kommen. Wenn man bedenkt, dass die spanische Nationalelf nur einer der letzten 48 Begegnungen verloren, die Schweiz aber seit Oktober 2009 gar kein Spiel mehr gewonnen hat, war der gestrige Erfolg der Eidgenossen zumindest eine kleine Sensation. Auch die Iberer müssen  wohl spüren, dass es nicht so leicht ist, sich über mehrere Jahre auf dem Fußballolymp zu halten. Gruppe H verspricht noch sehr spannend zu werden. Dafür sorgt auch der couragierte Auftritt der Teams aus Honduras und Chile. Beide sind ja bestens mit meinem gestrigen 13:30-Uhr-Spiel Boykott zurecht gekommen. Man sollte sich den 25.06. vormerken, wenn Spanien gegen Chile um den Einzug in die K.o.-Runde kämpfen muss. Ausgang total offen... Sollte der Europameister wirklich kläglich scheitern, wird die Zeitung Marca tags darauf in gewohnt pathetischer Weise verkünden: "Spanien existiert nicht mehr!" Und, ganz ehrlich, wer außer den Spaniern würde es betrauern?

 

Von der Frau zum Mann

Sensationell auch der neue Haarschnitt von Fernando Torres. Ein wirklich schöner Mann, dem jetzt wohl auch Gnade in den Augen meines Sohnes widerfahren wird. Dieser hatte sich 2008, mit einer für einen fünfjährigen erstaunlichen Vehemenz, geweigert, den Angreifer in sein Panini-Album einzukleben, mit der Begründung: "Aber Papa, das ist doch eine Frau. Die darf doch gar nicht mitspielen. Das muss ein Fehler sein." Und dabei hat er geweint und ich auch. Tja, Kindermund tut Warheit kund. Leider hat diese "Frau" im Finale doch mitgespielt, aber das ist eine andere Geschichte. 

Meine Prognose, dass die Schweizer nicht in der Lage sein werden, den Spaniern in die Supper zu spucken, erwies sich als total absurd. Möglich gemacht hat das ein Mann, mit dem typisch schweizerischen, völlig unspanischen Namen Gelson Fernandes. Und nein, es war kein Eigentor.

 

Stille

Und noch ein Land trauert: Südafrika! Was für eine Schmach? Was für eine Vorführung durch starke Urus, die selbst plötzlich als Viertelfinalkandidat gehandelt werden müssen? 16. Juni 2010, 22 Uhr 08: Pretoria und mit einem Mal ward biblische Stille. Goldschuhträger Diego Forlan trifft zum 0:2 und keiner bläst mehr in seine Vuvzuzela sondern nur noch Trübsal. Himmlisch, wenn einem die Bafanas nicht so leid tun würden, insbesondere Siphiwe Tshabalala, der im Jubiläumsjahr von Jim Knopf Kindheitserinnerungen an das gelobte Land Jambala aufleben lässt.  Den Gastgebern aber wird der Weg ins gelobte Land verwehrt bleiben. Ein Weiterkommen wäre keine Sensation. Nein, es wäre ein Wunder. Noch nie ist ein Heimteam in der Vorrunde einer WM hängengeblieben. Die USA (1994) und Japan (2002) haben sich mit Ach und Krach ins Achtelfinale gewürgt. Eine WM-Vergabe sollte nicht nur nach kommerziellen und sportpolitischen Erwägungen erfolgen sondern auch die Qualität und die Chancen des Teams berücksichtigen. Dass Südafrika selbst auf dem Heimatkontinent längst kein großes Licht mehr ist, hat das abgelaufene Jahrzehnt bewiesen. Aber ganz weit droben, im FIFA-Bunker auf dem Zürich-Berg, hat man in bewährter Weise die Augen verschlossen. Diesen Fehler sollte man für 2022 und Bewerbungsland Katar nicht wiederholen.

 

Blatter droht mit vierter Amtszeit

Dennoch werden nach dem Turnier garantiert wieder Forderungen nach weiteren Startplätzen für Afrika und Asien laut, weil deren Teilnehmer doch so toll mitgespielt haben und gern gesehene Farbtupfer sind. Da Blatter eine vierte Amtszeit anstrebt, besteht die Gefahr, dass diese Wünschen zu Lasten der starken Länder Europas und Südamerikas erfüllt werden.

 

Zeit für Verschwörungstheorien

 

Nach Tag sechs ist die Zeit für erste Verschwörungstheorien gekommen. Deutschland hat nicht nur durch den adidas-Ball einen unfairen Vorteil errungen. Inzwischen ist durchgesickert, das die fies und gemein trötenden Vuvuzelas, die Engländern, Griechen und Franzosen jedes Rhythmusgefühl genommen haben, tonnenweise an teutonischen Werkbänken produziert werden. Nicht auszuschließen, dass die angeblichen Werbetermine mit DFB-Premiumpartnern nur vorgetäuscht waren und tatsächlich unsere Spieler in unterirdischen Druckluftkammern gegen diesen Wahnsinnslärm immunisiert worden sind. Und wenn Frings, Hummels und Kuranyi genau deshalb durchfielen, weil sie dem Druck nicht standhielten oder nicht mehr bereit waren über diese menschenverachtenden Versuche den Mantel des Schweigens zu hüllen, würde mich das auch nicht überraschen. Es wäre zumindest keine Sensation (s.o.). Plötzlich erscheint auch die Verletztenmisere in einem völlig anderen Licht. War Michael Ballack vielleicht einfach zu sensibel für dieses perfide Spiel? Wir bleiben in dieser Sache am Ball.

 

Hawk-Eye Mario Gomez

Apropos Ball. Letztmals wenden wir uns an dieser Stelle Jabulani zu, dem von vielen Spielern "katastrophale Flugeigenschaften" attestiert werden. Lob erhält das Spielgerät, dessen Name übersetzt "feiern" oder "zelebrieren" bedeutet, aus berufenem Munde. Mario Gomez wird zitiert mit den Worten: "Er geht richtig gut ab, wenn man ihn genau trifft." Der ehemalige Stuttgarter erwies sich als hervorragener Beobachter seiner Sportskameraden, denn aus eigener Erfahrung  kann er kaum wissen, was passiert, wenn man den WM-Ball entsprechend perfekt trifft. Und das ist keine Verschwörungstheorie...

 

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Tag(s) : #Dirki bloggt die WM-EM
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