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Denn sie wissen nicht, was sie tun

Das Warten geht weiter. Das Warten auf das erste Spiel, das in der Erinnerung der Fanwelt ein Verfallsdatum jenseits dieser Vorrunde erreichen könnte oder wenigstens den nächsten Morgen. Zu solch einem Spiel gehören zwei Teams, die sich auf Augenhöhe begegnen, die voller Feuer und Leidenschaft den Sieg anstreben und sich so gegenseitig zu denkwürdigen Leistungen anstacheln. Idealerweise wogt solch eine Partie hin und her wie ein Schiff in schwerer See, neigt sich mal zur einen, mal zur anderen Seite und hinterlässt am Ende ein vom Staunen und Bangen ermattetes Publikum. Das alles bot das Aufeinandertreffen der Nationalmannschaften von der Elfenbeinküste und Portugal nicht. Da wogte nichts, da staunte keiner. Es endete 0:0. Man hätte denken können, sie wissen gar nicht, wo das Tor steht. Oder sie wollen es gar nicht wissen. Die Angst vor einem Rückstand spielt bei so vielen Teams mit und lähmt deren Offensivbemühungen. Leider die Grundtendenz in Südafrika und das macht diese Endrunde jetzt schon einzigartig, denn in solch einem Ausmaß war diese unverdauliche Zaghaftigkeit noch nicht zu bestaunen. Sie hinterlässt Rat- und Hilflosigkeit allerorten.

 

Ein bedeutungsloser Gockel

Portugals Herzensbrecher Christiano Ronaldo macht es vielen leicht, ihn nicht zu mögen. Der nach eigener Einschätzung beste, zweitbeste und  drittbeste Spieler der Welt verbaut sich den Weg in die Herzen der Menschen durch gockelhaftes Gehabe, Arroganz und Überheblichkeit. In der Selecção ist er, im Gegensatz zu Manchester und Madrid, jenes Zirkuspferd, das für ein bisschen Theatralik und Show jedweden Pragmatismus über Bord wirft. Da bricht der alte Ronaldo durch, der ballverliebte, eigensinnige, divenhafte. Seit 16 Monaten kein Tor für Portugal, dabei sollte es auch gegen die Elefanten bleiben. Nach einem tollen Pfostenschuß versank er alsbald in der Partie und tauchte nicht wieder auf. Mit Hackentricks ins Nichts und sinnlosen Übersteigern ohne Unterlass wühlte er sich von Minute zu Minute nur noch tiefer in die Bedeutungslosigkeit. 

 

Was erlauben Brasil?

Der Rekordweltmeister aus Südamerika präsentierte sich steif wie Tiefkühlpizza. Leider konnte auch der  gleichermaßen gottesfürchtige wie sympathische Ex-Weltstar Kaka dem Spiel keine Impulse verleihen. Im Gegenteil: er avancierte gar zum schlechtesten Akteur auf dem Platz, wo ja bekanntlich die Wahrheit liegt. Vielleicht hätte er auf Hand- und Skischuhe verzichten sollen. In Rio de Janeiro  und Sao Paulo dürften diverse Flüche ausgestoßen und etliche TV-Geräte aus den Fenstern geflogen sein. Der wenig geliebte Trainer Dunga wird mit dieser Art Breitwandfußball die Cariocas nicht in Scharen hinter sich und sein Team bringen. Im Gegenteil: die Anfeindungen ihm und seiner Geheimniskrämerei gegenüber dürften sich ins Unermeßliche steigern bei weiteren Auftritten dieser Art. Und seine irre Kombination aus Matrosenjäckchen und Rolli, die spontan an Whams Last christmas erinnerte, wird ihm auch keine Bonuspunkte einbringen. Da die Grenzen des Fußballs bekanntlich nur in der eigenen Phantasie existieren, ist ein Vorrundenaus des nächsten Gastgebers zwar nicht wahrscheinlich, aber eben auch nicht ausgeschlossen. Es wäre die größte Sensation der WM-Geschichte, Und so könnte Ji Nun Nam, der eine Unachtsamkeit in der 89. Minute zum Anschlusstreffer nutzte, Berühmtheit erlangen, wenn denn die Gruppenkonkurrenten aus Portugal und Afrika beide Brasilien ein Unentschieden abtrotzten und jeweils mit mindestens zwei Treffern gegen die Demokratische Volksrepublik Korea gewännen. Achtet drauf: Genau darauf werden sie ihre Taktitk ausrichten. Es steht zu befürchten, dass die sogenannte Todesgruppe die Betrachter förmlich zu Tode langweilen wird. Zumindest mein von der WM bereits leicht erschlaffter Körper hat versucht sich seine erste Pause zu nehmen und so bin ich im Verlaufe der ersten Hälfte sanft entschlummert. Um auf seine Signale zu hören, werde ich mir heute eine Auszeit gönnen. So leid es mir tut, aber Honduras und Chile werden heute ohne mich zurecht kommen müssen. Ob das gut geht?

 

In Tipprunde unter ferner liefen

Man freut sich, wenn man schon bis zur 93.ten Minute durchgehalten hat, dann doch über den Ausgleich des tapferen Underdogs aus Neuseeland gegen biedere Slowaken. Die Erben Wynton Rufers, die über die komplette Spielzeit eindrucksvoll bewiesen haben, dass sie bei dem Gipfeltreffen der weltbesten Fußballer weniger zu suchen haben als Schweine im Weltall. Sei's drum. Man gönnt ihnen ihr spätes Glück und ihren ersten WM-Punkt. Ergötzt sich an der kindlichen Freude der Kiwis, auch wenn sie einem in letzter Sekunde die Aufholjagd in der WM-Tipprunde versaut haben. Die Ahnungslosen, die dort führen, haben bestimmt auf Remis gesetzt. Wie machen die das bloß?

 

Strom-Not in Bangladesch 

Wie soll man einem zufällig vorbeikommenden Außerirdischen die Faszination des Fußballs erklären, der weltweit Millionen von Menschen erliegen? Die Menschen in Bangladesch sind zwar nicht direkt Außerirdische, aber denoch von einer WM-Euphorie gepackt, die in der Volksrepublik zu Strom-Engpässen geführt hat. Die Behörden haben deshalb verfügt, dass alle Fabriken im Umfeld der Hauptstadt Dhaka jeden Abend für fünf Stunden geschlossen werden müssen, um die TV-Übertragung der Fußballspiele sicherzustellen. "Wir sind gezwungen, das zu tun. Sonst haben wir nicht genug Strom", sagte Saleh Ahmed, Chef der Elektrizitätsversorgung Dhakas. Bangladesch ist die Nummer 157 der FIFA-Weltrangliste und war noch nie für eine WM-Endrunde qualifiziert. Die Begeisterung in dem asiatischen Land kennt dennoch kaum Grenzen. Zum WM-Start tanzten Tausende in den Straßen von Dhaka. Da man diese Nachricht aber bereits von vergangenen WMs zu glauben scheint, sollte man sie mit Vorsicht genießen. Vielleicht hat auch nur ein übermotivierter ARD-Praktikant zu tief in die Mottenkiste gegriffen. Als nächstes werden dann wieder die Bilder über die Mattscheibe flimmern, auf denen begeisterte Bangladeschis mit Knüppel und Steinen bewaffnet Richtung Elektrizitätswerk tanzen, weil es mit der Stromversorgung dann doch nicht so geklappt hat. Waka Waka!

 

Der zweite Spieltag beginnt

Ich trau' es mich fast gar nicht zuzugeben, aber ick freu' mir heut auf Spanien. Die Iberer stehen nicht zu Unrecht für den hohe Schule des modernen Fußballs und werden den Schweizern wenig Anlaß geben mit ihren Kuhglöckchen die Vuvuzelas zu übertönen (2 oder 3:1). Und Bafana Bafana wird hoffentlich auch gegen die Urus wieder  einen herrlich naiven und mitreißenden Auftritt hinlegen. Dieser sollte mit einem Sieg der Gastgeber belohnt werden (1:0).

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Tag(s) : #Dirki bloggt die WM-EM
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