Panoptikum der Peinlichkeiten
Der vierte WM-Tag bescherte der Fangemeinde, neben den leider nun hinlänglich bekannten Versuchen das bescheidene Niveau dieser WM noch zu unterbieten (Kamerun-Japan!), diverse andere Peinlichkeiten. Eine unrühmliche Hauptrolle spielte dabei, wie könnte es anders sein, DFB-Präsident Theo Zwanziger. Kaum waren die Feierlichkeiten zum eigenen 65.ten Geburtstag verklungen, lechzte es den Gutmenschen aus Altendiez nach neuem Scheinwerferlicht. Dies suchte und fand er auf der obligatorischen Pressekonferenz nach dem Australienspiel, in der Hoffnung, dass der neu gewonnene Glanz der Löw-Truppe auch auf ihn abstrahlen möge. Es war schon leicht ekelerregend wie er sich an den Bundestrainer anschmiegte, pathetische Lobhudeleien absonderte und bei diesem verbalen Kniefall um eine baldige Vertragsverlängerung bettelte. Diese wird er nicht bekommen, aber wenigstens bereitet er sich schon darauf vor, am Ende nicht den schwarzen Peter in den Händen zu halten, wenn er einen möglichen Erfolgstrainer - ob der Vorkommnisse im Vorfelde - ziehen lassen muss. Und so demonstriert er vor der Weltöffentlichkeit schonmal, dass er ja Willens ist, Joachim Löw um jeden Preis zu halten. Widerlich. Aber von seinen Vorgängern Neuberger, Braun und MV ist man noch ganz andere Skandale und Fremdschämgründe gewohnt.
Mauerblümchen Garragher und seine 15 Minuten des Ruhms
Klar in den Schatten gestellt wurden Theos Schleimereien vom unverschämten Klagelied Jamie Garraghers. Wie bitte? Den kennt Ihr nicht? Müsst Ihr auch nicht, denn bei ihm handelt es sich um einen zumindest technisch minderbegabten englischen Nationalverteidiger. Dieser ging ganz entgegen seiner Position in die Offensive und beschuldigte Deutschland einen unfairen Vorteil dadurch erlangt zu haben, dass in der Bundesliga schon seit sechs Monaten mit dem WM-Ball "Jabulani" gekickt werden würde. Oha!? Bevor die Wut einsetzt ist man erstmal erstaunt. Selbst wenn es so wäre, hätten wir das doch wohl auch verdient, denn offensichtlich sind wir cleverer als 31 andere Nationen, die den Ball, der laut Hersteller, doch "runder sein soll als jemals zuvor" auch in ihren Heimatligen hätten einsetzen können. Dass es sich um ein Produkt der teutonischen Firma adidas handelt, dürfte diese Option ja wohl nicht ausschließen. Vielleicht hätte sich die Premier League bei ihrer gnadenlosen Totalvermarktung nicht auf Jahre hinaus an Nike-Produkte binden dürfen. Bei der Präsentation des WM-Balls war sogar Englands Stilikone, David Beckham, mit an Bord und widersprach nicht, als "vom besten Ball der Geschichte" gesprochen wurde. Merke: Die Engländer können nicht mit runden Bällen, sind von Neid zerfressen und nicht mal in der Lage sich online bei Karstadt Sports mit einem Zehnerpack Jabulani einzudecken. Selbst schuld. Aber Garragher muss sich keine allzu großen Sorgen machen, denn der Weltmeister kann dieses Jahr sowieso nur aus Japan kommen, zumindest wenn man den Worten von Stürmer Shinji Okazaki folgt, der befand, dass "Japan inzwischen bereit "für die allerhöchsten Ziele sei".
tutti i ragazzi
Endlich machte der amtierende Weltmeister aus Italien dem Turnier seine Aufwartung. Gegen die zähen Paraguayos gab es nicht nur viele hübsche, aber wehleidige Männer zu bestaunen sondern auch das erwartete Unentschieden. Dennoch hat es mich beeindruckt wie die Südländer ihr Heil in der Offensive gesucht haben, wohl wissend, dass ihre Abwehr dem Zahn der Zeit Tribut zahlen musste. Wenn sich der Weltmeister gegen NZL und Slovakia erstmal warm geschossen hat, wird man eine bärenstarke Squadra Azurra erleben. Auch wenn es vielleicht überraschend klingen mag, aber (erst) seit gestern habe ich die Azurris auf dem Favoritenzettel.
An Tag fünf rockt die "Todesgruppe" Südafrika. Während Portugal und die Elfenbeinküste uns hoffentlich mit einem torreichen Unentschieden beglücken werden, steigt die Neugier auf Jong Tae Se, die "menschliche Abrißbirne" aus Nordkorea. Keine Ahnung, wie man sich den vorstellen muss, aber ich bin gespannt. Mal sehen wie viele Rätsel der Stürmerstar mit dem martialischen, aber hübschen Spitznamen der Viererkette des WM-Topfavoriten aus Brasilien aufgeben wird. Mein Tipp: Keine! Brasilien gewinnt unspektakulär 2:0.