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Keine Angst vor Niemand

Die Warterei auf das Ghana-Spiel hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Mittlerweile ist meine leichte Depression  vom Freitag tausendprozentiger Zuversicht gewichen.  Skandalschiedsrichter hin, Kevin-Prince und Badstuber her - die Aufgabe bleibt zwar heikel,  aber wenn Willensstärke, Einsatz und Treffsicherheit an diesem Abend endlich zusammenkommen, dann dürfen die jungen deutschen Heroen weiterhin träumen von der Chance ihres Lebens und wir mit ihnen. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht mitbekommen, was in der Heimat alles vom Abschneiden der Nationalelf anhängig gemacht wird. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bringt es auf einen, wohl nach ihrer Meinung auch für Fußballfans leicht verständlichen, Nenner: "Schießt Schweinsteiger Tore, kaufen die Deutschen wieder verstärkt ein". So, so!? Früher gab es nur einen volkswirtschaftlich belegbaren Zusammenhang zwischen Breitners Pässen und dem nationalen Bierkonsum (vgl. Trainingslager Schlucksee WM82).  Aber in Zeiten der Globalisierung hängt halt alles mit allem zusammen. Da passt es gut, dass selbst der angesprochene Bastian Schweinsteiger höchstpersönlich eine offensive Ausrichtung fordert: "Wenn wir Ghana unser Spiel aufdrängen können, dann wird es für Sie schwierig, uns zu schlagen", sagte der Leitwolf und weiter "Klar ist auch, dass wir Ghana nicht spielen lassen dürfen. Wir müssen weit vorne verteidigen, früh Druck auf den Gegner ausüben und ihn an einem vernünftigen Spielaufbau hindern." Hört sich überzeugend an. Ein frühes Tor hat dem deutschen Spiel schon immer gut getan. Darauf sollten die "Löwen" aus sein. Dann könnte es "schmerzhaft" für die Westafrikaner werden.

 

Löwen ja, Löw nein

Richtig gehört: Löwen! Manager Oliver Bierhoff hat nämlich einer staunenden Öffentlichkeit versprochen: "Wir werden Löwen sehen, die deutschen Löwen!" Das klingt martialischer, als diese Mannschaft Fußball spielt. Vor der WM hat Löw gesagt, er sei selber gespannt, welche seiner unerfahrenen Spieler widerstandsfähig genug sind, ein solch schweres Turnier durchzustehen. Das war eine sehr ehrliche Einschätzung, die er in diesen Tagen so nicht mehr abgeben würde. Und so regiert wieder die sorgsam von Team Löw errichtete Trutzburg der Unerschütterlichkeit. Von ihm als Führungskraft darf jetzt kein noch so kleines Fragezeichen gesetzt werden. Erst recht nicht bei einer in ihrer Hierarchie noch nicht vollständig ausgeprägten Mannschaft, die sich sehr an ihrem Vorgesetzten orientiert. Einem Trainer, dessen Selbsteinschätzung keinen Raum für Selbstzweifel lässt: "Ich habe bei weitem mehr Kompetenz als die Spieler", behauptete Löw ohne zu erröten. Dabei hat er erst gegen Serbien bewiesen, dass er weder seine Nerven noch ein auf der Kippe stehendes Spiel in den Griff kriegen kann. Soviel zum Thema "realistische Selbsteinschätzung". Schattenbundestrainer, Matthias Sammer, steht zumindest schon in den Startlöchern, wenn Jogi es wieder vermasselt.

 

Sphinx Mario Gomez

Da kann ein aktueller Kaderakteuer seinen Stellenwert schon besser einschätzen und weiß, dass er auch bei seinem zweiten großen Turnier keine Hauptrolle mehr spielen dürfte. Schon bitter, dass der teuerste deutsche Spieler aller Zeiten, uns, wie schon 2008, auch bei diesem Turnier, in keinster Weise weiterhelfen kann. Mario Gomez, war zuletzt so gefährlich vor dem Tor, wie ein Koalabär im Eukalyptusrausch. Was ist nur los mit dem Mann, der 2008/09 35 Tore für den VFB Stuttgart in allen Wettbewerben erzielt hat? Er ist adrett, höflich und sympathisch, und man wünscht ihm den totalen Erfolg, zumindest solange er das Trikot mit dem Adler trägt, aber er bleibt ein Rätsel. So steht er mit knapp 25 Jahren bereits ams Scheideweg. Das hab' selbst ich nicht geschafft...

 

Australien wird nicht verlieren

Der langjährige Bundesliga-Profi Joshua Kennedy soll gemeinsam mit dem nach seiner Rotsperre zurückkehrenden Tim Cahill das Unmögliche möglich machen und noch einen Sieg für die Socceroos einfahren. Dabei setzen die Australier auf serbische Überheblichkeit, die den Balkan-Kickern schon beim Auftakt gegen Ghana (0:1) zum Verhängnis geworden war. Den ersten Sieg gegen Deutschland nach 37 Jahren feierte das Team jedenfalls bis nach Mitternacht. Und auch viele Aussagen klangen, als wähnten sich die Serben schon sicher im Achtelfinale. Mein Tipp lautet hier: 1:0 für AUS oder 1:1. Serbien wird nicht gewinnen und so reicht uns notfalls auch ein Remis um dann aber als Gruppenzweiter ins Achtelfinale einzuziehen.

 

England: Siegen oder Fliegen

Capellos Männer sind heute zum Siegen verdammt. Ansonsten werden sie definitiv die Heimreise antreten müssen. Ein mittleres Erdbeben würde die Insel erschüttern. Sind doch die Premier-League-Stars, unterstützt von zehntausenden Fans, mal wieder mit allergrößten Hoffnungen und mit dem Ziel den ersten Titel seit 1966 zu gewinnen, nach Südafrika gereist. Wie groß die Nervosität ist, hat die versuchte Meuterei von John Terry gezeigt, der sich als Spielertrainer installieren und seinen Chelseakumpel Joe Cole in die Starformation routieren wollte. Inzwischen hat er - mangels Unterstützung aus dem Team - kleinlaut zurückgerudert, Cole dürfte dennoch spielen und 8-Mio-Euro-Trainer, Fabio Capello, schon bald seine Koffer vor die Tür gestellt bekommen. Da ginge es ihm nicht anders, als vielen seiner untreuen Spielern, die in schöner Regelmäßigkeit nach publik gewordenen Affären von ihren WAGs (wife and girlfriends) achtkant aus ihren eigenen Villen geschmissen werden. Die berühmt-berüchtigten WAGs haben bei dieser WM noch nicht auf sich aufmerksam machen können, vielleicht ist das ja der wahre Grund der Misere... Mal sehen, wie lange sie noch Gelegenheit zum ausgedehnten Power-Shopping in Rustenberg haben werden. Ich rechne mit einem 1:0-Sieg des Favoriten, da sich im entscheidenden Moment doch das größere Potenzial durchsetzen wird. Parallel dazu wird die USA ihren Schwung mitnehmen und durch ein 2:0 über Algerien ins Achtelfinale einziehen. 

 

Alles außer Fußball

Nach dem beschämenden Aus von Vizeweltmeister Frankreich bekam ich fast schon Mitleid, nicht nur mit deren Fans, sondern auch mit Trainer Domenech. Man hat dem guten schon übelst mitgespielt. Dieser herzzerreissende Dackelblick. Den hatte nicht mal Berti Vogts, nach seiner Verjagung aus dem DFB-Paradies oder bei seinem  absurden Tatort-Gastspiel ("Das Häschen hat sich aber ein Möhrschen verdient. Es hat uns alle gerettet"), drauf. Und das will schon was heißen... Und dann hat sich auch noch Domenechs Mama in die Diskussion eingeschaltet und Skandalstürmer Anelka indirekt aufgefordert, sich von ihr die Leviten lesen zu lassen. Anelka ist jetzt sicherheitshalber erstmal untergetaucht. Immerhin haben sich Ribery & Co. nicht komplett von Bafana Bafana überrollen lassen, sondern in Unterzahl - zumindest alibihaft - Gegenwehr geleistet. Nachdenklich hat mich aber die Bemerkung des Kommentators gestimmt, der mitteilte, dass die "Spieler ein Einsehen haben und auf fünf Mio Euro Prämien verzichten"!!! Wofür wären denn die fällig geworden? Man möchte diesen Betrag gar nicht erst auf das eine erzielte Tor und den mickrigen Punkt umrechen. Jetzt aber Deckel drauf, Frankreichs Mission war schändlich genug.  Ganz anders Uruguay: sie haben auch Mexico bezwungen, sind erfolgreich wie zuletzt 1970 und entwickeln sich zu einer Art Geheimfavoriten.

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Tag(s) : #Dirki bloggt die WM-EM
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