Portugals Torgala
Endlich mal spielt eine Nation entfesselt auf und ich kann nicht dabei sein. Ein leitender Angestellter der Firma, bei der ich so ein bißchen mitmachen darf, hat doch ausgerechnet heute mittag zur besten Fernsehzeit eine Besprechung in den Raum verlegt, in den ich Allesgucker mich immer klammheimlich mit den Worten: "bin im Termin" verdrücke um meiner WM-Leidenschaft zu frönen. Diese Blockade dauerte genauso lang wie das Torfestival gegen überraschend früh aufsteckende Nordkoreaner. Ich bezweifle, dass diese Kapitulation vor Portugals Kapitalisten den lieben Führer Kim Jong-Il in Entzückung versetzt haben dürfte. Und so dürfte den Viertelfinalisten von 1966 nicht anderes übrig bleiben als einen Dreier gegen die Ivorer einzufahren oder aber auf dem Rückflug direkt über Seoul bzw. Bochum abzuspringen.
Verbannung der Eidgenossen
Ein kluger Mann hat mal gesagt: "Macht kaputt, was Euch kaputt macht". Nun liebe ich ja eigentlich die Schweizer und ihr beschauliches Land, aber ihr Fußball macht mich ganz krank. Von daher möchte ich die Schweiz zwar ungern in Trümmern sehen, aber von den nächsten großen Turnieren sollte sie bitte schön ausgeschlossen werden. Einfach so, um ein Zeichen zu setzen. Ihre Leistungen verstoßen nämlich eindeutig gegen die Genfer Konvention für Fanrechte und grenzen an subversive Folter. Sie boten ein Spiel, das dich zuerst nervös macht, dann gereizt, schließlich schlaff und schlußendlich so stumpf, dass du mit allem zufrieden bist, was nun folgt. Und es folgte Spanien gegen Honduras.
And then there was Spain...
Leider versäumten die hochgelobten Iberer die Gelegenheit für's geneigte Publikum ihre ganze Spielkunst zu zelebrieren. Stattdessen verzettelten sie sich in endlosen Schnörkeleien und brotloser Kunst. Immer noch ein Extra-Häkchen, mit einem Blümchenschleifchen dran und schwups kam wieder ein Mendoza oder ein Figueroa angegrätscht, der das Spielgerät Richtung botswanische Grenze kloppte. So ähnelten sie wieder den Spaniern, für die bei früheren Turnieren spätestens im Viertelfinale Schicht war. Wenn sie nicht ganz schnell aus ihrem LiLaLauneLand erwachen und begreifen, dass gegen Chile ein Endspiel auf sie wartet, das sie gewinnen und bei dem sie zielstrebig und effizient agieren müssen, dann heißt es schon bald wieder Siesta statt Achtelfinalfiesta gegen Brasilien. Espana 2010 fehlt noch das Killer-Gen.
Der Unparteiische vom arabischen Strand
Es ist kein Geheimnis, dass ich Schiedsrichterschelte für unerotischer als essbare Slips halte, aber was sich Khalil Ibrahim Al-Ghamdi aus dem beschaulichen Saudi-Arabien beim Chile-Spiel geleistet hat, geht nicht mal auf die sprichwörtliche Schweizer Kuhhaut. Sein permanentes Gepfeife war einfach nur nervtötend, seine Kartenvergabe lächerlich und das Spielfeld phasenweise ein Tollhaus. Man muss aber auch attestieren, dass sich die Akteure gegenseitig an Schauspielkunst überboten haben, weil sie wussten, dass sie durch ihr Theater Verwarnungen oder Platzverweise für den Gegner provozieren können. Dieses Spucken auf jeglichen Fairneßgedanken kotzt mich an. Meine Lebenszeit ist mir echt zu kostbar um Quervergleiche zu anderen Partien zu ziehen, aber selbst unser ewiger Zahnarzt, Dr. Markus Merk, empfindet, dass "die Diskrepanz in der Regelauslegung bei der WM gravierend ist. Und es sind ja keine Einzelfälle. Das wird sich durch das ganze Turnier ziehen."
Pikant, Pikant
Kollektives Entsetzen in der Heimat. Die Fifa bringt sich mit der Schiedsrichteransetzung für das Gruppenfinale Deutschland-Ghana schwer unter Druck. Pfeifen wird Carlos Simon, der nicht nur in der Heimat Brasilien umstritten ist. Im November 2009 war der Unparteiische gar für den Rest der noch sechs Wochen laufenden Landesmeisterschaft nach einer Serie fragwürdiger Fehlentscheidungen gesperrt worden - vom eigenen Nationalverband CBF!!! Aber bereits seit drei Jahren steht fest, wer bei der WM pfeifen darf. Diese intransparente Nominierungspraxis wirkt sehr geheimbündlerisch und öffnet Tür und Tor für Verschwörungstheoretiker. Wird der Kader so früh bestimmt und abgeschirmt, weil Referees darin sind, die in Schlüsselspielen für passende Resultate sorgen könnten? Deutschland - Ghana aber ist, bei der ersten WM in Afrika, von besonderer Bedeutung aus Veranstaltersicht. Ghana ist das beste Team der sechs Afrika-Vertreter, die Chance aufs Achtelfinale ist am größten - anders als den anderen fünf genügt Ghana ein Remis. Carlos Simon findet in den Stadien zuhause Plakate wie "Du bist eine Schande für den Sport" vor. Flamengo Rio de Janeiro hatte "eindeutig unfaire" Leistungen des Referees angezeigt - aber die Fifa zieht ihr Konzept durch. Was zunächt reine Spekulation ist und nach Science Fiction oder drittklassigen Agentenroman anmutet, wird von uns genaustens beobachtet werden. Wenn wir mit Ansage aus dem Turinier gepfiffen werden, ähnlich wie Italien 2002 gegen Südkorea, weiß ich nicht, wie hoch die Barrikaden sein müssen, um das FIFA-Hauptquartier vor rachsüchtigen Irren (wie mir:)) zu schützen. Auch gewöhnungsbedürftig: Der deutsche Vorzeigeschiri, Wolfgang Stark, leitet das Gruppenfinale England-Slowenien. In der Partie wird Deutschlands möglicher Achtelfinalgegner ermittelt...
Zweiter Spieltag abgeschlossen
Morgen beginnt dann der die Vorrunde abschließende Spieltag. Die Konstellationen versprechen prickelnde Spannung in den meisten der acht Gruppen, von denen in täglich zweien die Entscheidung über Weiterkommen oder Heimreise fällt. Morgen werden Uruguay und Mexiko den Gruppensieg unter sich ausmachen (Tipp: 2:2). Die Partie der Gastgeber gegen die Skandalnudeln aus Frankreich hat allenfalls noch statistischen Wert. Dennoch wird es interessant zu beobachten sei, welche Leistung "Les Bleux" nach den Querelen anzubieten haben. Möglich ist alles, aber ich befürchte, dass sie komplett auseinanderfallen und eine knappe 0:1-Pleite kassieren. In Gruppe B dürften die beeindruckenden Argentinier den Schongang einlegen, viel rotieren und so evtl den mit 9 Verteidigern auflaufenden Griechen einen Punkt auf dem Silbertablett anbieten. Bei Südkorea gegen Nigeria dürfte es ein Festival der Bewegungslosigkeit geben, dass 0:0 endet. So würden sich im Achtelfinale erneut Mexico und Argentinien (wie 2006) gegenüberstehen. Während Griechenland oder Südkorea auf Uruguay treffen, die für mich dadurch schon als Viertelfinalteilnehmer praktisch feststehen.
Was ist Hans Sarpei?
Ein Wort noch zu Hans Sarpei. Im TV kündigte der Profi von Bayer Leverkusen an: "Deutschland geht nach Hause". Ein Mann, der schon vor 12 Jahren zu schlecht für Fortuna Köln war, es in den letzten zwei Spielzeiten auf lediglich 15 BL-Einsätze gebracht hat, wagt es, dem Land, in dem er seit frühester Kindheit lebt, die Heimreise zu prophezeien oder gar zu wünschen. Damit stößt er auch Millionen deutschen Fans vor den Kopf, die indirekt sein üppiges Gehalt finanzieren. Eine bodenlose Frechheit. Er kann sich glücklich schätzen, dass er wohl demnächst trotzdem in den Stadien der Republik nicht von der Ersatzbank bzw. Tribüne gepfiffen wird, denn die deutschen Fans kennen ihn gar nicht, so unbedeutend ist er.