Wieder Zeit für rote, saftige Nachtschattengewächse?
Oh, weh! Der von mir als bärenstark eingeschätzte Weltmeister aus Italien rumpelt sich zu einem 1:1 gegen Neuseeland, den Außenseiter Nummer eins in Südafrika. Den stolzen Azzurris droht nicht nur der vorzeitige Heimflug, sofern es ihnen im abschließenden Gruppenspiel nicht gelingt die Slowakei zu bezwingen und ihren ersten Sieg im Jahre 2010 einzufahren. Noch gewaltigere Kopfschmerzen dürfte ihnen das zu erwartende Tomatenbombardement bereiten, das ihnen ihre Fans bescheren werden. Von einem Kollektivversagen des vierfachen Weltmeisters dürften somit nur die örtlichen Gemüsehändler profitieren oder alternativ dubiose Schleuserbanden, die die Spieler unerkannt ins Land bringen könnten. Wenn das so weitergeht, weiß man nicht mehr, wer die Kleinen und wer die Großen bei dieser WM sind. Irgendwann heißt es dann: Underdog Italien trotzt dem großen Neuseeland ein Remis ab. Kann man das wirklich befürworten? Als Fußballgourmet freue ich mich mehr auf ein mögliches Achtelfinale Niederlande - Italien als auf verwackelte Bilder von Lippi & Co, die einzeln, in Kofferräume gepfercht, und mit quietschenden Reifen den Römer Flughafen verlassen um dem aufgebrachten Mob zu entkommen.
Von Hand- und Foulspielern
Ja, ich gestehe: Ich habe versagt! Brasilien ist doch gar nicht so schlecht wie die von mir viel stärker erwartete Elfenbeinküste. Die Art und Weise, wie Drogba & Co. sich erst dem Fußballsport verweigert und dann übelst nachgetreten haben, hat mich schon sehr enttäuscht. Hier haben die Spieler und vor allem ihr erfahrener Trainer, Sven-Göran Eriksson, den Sinn des Fußballs komplett aus den Augen verloren. Oder wurde der Fußball nicht erfunden um Spaß zu bereiten, Völker zu vereinen und den Menschen Identität zu stiften? Stattdessen dieser gnadenlos hirnrissige Taktik- und Zweikampfwahnsinn. Ich bete dafür, dass das Land den Weltmeister stellt, das die Fahne der Spielkunst hochhält und keines, das dem häßlichen Fußball zum Sieg verhilft. Denn wenn Letzterer obsiegt und sein Beispiel Schule macht, wären die weltweiten Folgen grauenhaft.
Mehmet plaudert...
...leider nicht aus dem Nähkästchen. Frankreichs Equipe Tricolore versinkt im Chaos und ARD-Co. Mehmet Scholl erinnert das an den glanzlosen Auftritt der DFB-Auswahl bei der Katastrophen-EM in Belgien und den Niederlanden: "Bei uns war es 2000 ähnlich, aber ich habe einen Eid geschworen, dass ich nie drüber reden werde." Schade, eigentlich, wüsste man doch nur allzu gerne, was damals genau passiert ist, als Babbel, Jeremies und Didi Hamann fernab der Austragungsländer in einem Kölner Bordell aufgegriffen worden sind und wie Altmeister Lothar Matthäus es geschafft hat den Häschern BILD-Zeitung zu entkommen...
G-Day rückt näher
Für solche Mätzchen dürfte die heutige Spielergeneration nicht zu haben sein. Es gehört schon viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie der gläubige Christ Cacau mit seinen Ordensbrüdern Stefan Kießling und Mario Gomez im Schlepptau des nachts über den Zaun vom Schloßhotel Velmore hüpft, eines dieser lustigen Quads kurzschließt und in Pretoria die Nacht zum Tag macht. Ok, bei Gomez ist zwar alles möglich, außer vielleicht, dass er mal das Tor trifft, aber "Helmut" Cacau dürfte sich dann doch auf den G-day konzentrieren, denn es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass er am Mittwoch in der Startformation auftaucht, obwohl seine zuletzt gezeigte Hochform ja eigentlich dem Löw'schen Aufstellungsprinzip, in dem es "schtrengstens nach "Leischtung" geht diametral widerspricht. Anstelle von Cacau könnte aber auch Lukas Podolski in die Spitze rücken und die linke Seite komplett mit dem eingespielten Hamburger Tandem Jansen/Aogo neu besetzt werden. Dann würde man zur Abwechlung wenigstens mal den Gegner überraschen. Ghanas Coach, Milovan Rajevac, ebenfalls ein Vertreter der alten jugoslawischen Trainerfuchsschule knobelt bestimmt schon aus, wie er die im Serbien-Spiel offenbarten deutschen Schwachstellen ausnützt. Löw und Co. sind also gezwungen dem zuvorzukommen.
Ausgerechnet Boateng
Ich bin bereits im Ghana-Modus. Doch das Schreckenszenario eines Vorrundenaus wummert immer noch durch meinen Kopf. Obwohl die Afrikaner nur ein Remis benötigen, was uns auch reichen könnte, wenn Serbien - wovon ich ausgehe - parallel NICHT gegen Australien gewinnt, und ihnen noch kein Tor aus dem Spielverlauf heraus gelungen ist, hat der Fußball doch immer diese absurd-verrückten Geschichten parat und so könnte es diesmal statt "ausgerechnet Schnellinger", (1970) "ausgerechnet Kevin-Prince Boateng" heißen. Die Bilanz gegen Ghana könnte allerdings kaum besser sein. Ein Spiel, ein Sieg, Torverhältnis 6:1. Am 14. April 1993 lag man bis zur 68. Minute 0:1 zurück, das Bochumer Publikum skandierte lautstark: "Berti, raus!" (Vogts war übrigens der einzige Bundestrainer, dem diese zweifelhafte "Ehre" jemals zuteil wurde), durfte dann aber noch sechs blitzsaubere deutsche Tore in 20 Minuten bestaunen. Rekordverdächtig. Wiederholung erwünscht.
Public Viewing oder Kuscheln auf der Couch?
Die alles entscheidende Frage für den Hardcore-Fan lautet aber: Wo ist die passende Location um dieses vorweg genommene "Finale" zu sehen? Und in welcher Gesellschaft sollte dies geschehen? Eins ist schon mal sicher: Definitiv nicht mit den eigenen Kindern. Denn ich möchte vermeiden, dass sie ihren Vater so sehen, wie sie ihn noch niemals erlebt haben! Wenn nämlich das Unfassbare, das deutsche Vorrundenaus, eintritt. Entweder rasend vor Wut , reihenweise Vuvuzelas um Hälse gutgelaunter Public Viewer wickelnd oder als kleines, jämmerliches Häufchen Elend , zitternd am Boden. In jedem Fall, wäre es häßlich und könnte bleibende Schäden bei den Kleinen verursachen. Eigentlich kann ja der Worst-Case, der Super-GAU gar nicht eintreten. Denn nicht nur die Statistik macht Mut (DL ist bei jeder seiner drei Vorrundenniederlagen noch ins WM-Finale eingezogen 54, 74, 86) auch der einsam an der Spitze des Firmentipprundenspiels seine Kreise ziehende Kollege weiß schon wer der neue Champion werden wird: Deutschland! Und das wäre nach einem vorzeitigen k-o. ja schlecht möglich. Und so blasen wir nicht in Plastik tröten sondern pfeifen weiter laut im Wald, bis wir übermorgen um 22 Uhr 15 endlich Gewißheit haben.