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Auf die harte Tour

Ok, Deutschland nimmt die amerikanische Steilvorlage nicht wahr und versucht es auf die harte Tour. Kein Sonntag Nachmittagsspaziergang gegen die USA mit Los Uruguyos al dente als delikatem Nachtisch. Gebt uns England, her mit Argentinien und Italien und was ist eigentlich Brasilien? Totaler Triumph statt Durchwurschteln. Ewiger  Ruhm und strahlender Lorbeer für junge deutsche Helden statt Weltkrieg-II-Häme englischer Boulevardblätter. So soll es geschehen! Auch eine Rheinische Post wird dann nicht mehr über den "typisch deutschen Weg" jammern sondern durch den Stolz auf unser Team kann endlich der längst überfällige Ruck durch unsere Gesellschaft gehen. Wär' das nicht schön? And by the way, nach 20 Jahren wird's auch mal wieder Zeit mit dem Titel.

 

Oppositionsführer Mertesacker

Per Mertesacker hätte offensichtlich lieber gegen die Amis gespielt (oder wäre wohl auch gerne nach Hause gefahren). Anders lässt sich seine katastrophal schwache Leistung gegen Ghana nicht erklären.  Mit zunehmendem Spielverlauf zeigte sich, dass die deutsche Abwehr ein echtes Problem bekommt, mit dem sie in dieser Form nicht gerechnet hat. Während Arne Friedrich sicher stand und keinen Zweikampf verlor, wirkte der Bremer fahrig. Seine mißratenen Annahmen und Stoppversuche blieben zum Glück folgenlos. Gegen Rooney und Defoe darf er sich  keine Unkonzentriertheiten erlauben. Denn auf diesem Niveau können solche Spiele durch einen Fehler entschieden werden.

 

Slapstick und ein Jahrhunderttor

Manch anderes sah ein wenig nach Slapstick aus. Beispielsweise die Szene, in der Co-Kapitän Schweinsteiger, der ansonsten eine ganz starke Partie bot, im Strafraum der Ghanaer seinen Mitspieler Sami Khedira mit einem angedeuteten Fallrückzieher umtrat und auch vieles, von dem, was Per Mertesacker so veranstaltete. Aber vielleicht musste alles an Spielkunst, Energie und Glück an diesen Stellen eingespart werden, um für  die spielentscheidende Aktion zur Verfügung zu stehen: Das sensationelle Tor zum 1:0 durch Mesut Özil. Der Bremer ließ den Ball kurz titschen, hatte in dieser Zeit noch die Muse zu schauen, wie der Ball am besten seinen Weg ins Tor finden würde um ihn dann  einfach reinzuzirkeln: Perfekt! Ein Tor, dass nicht viele Spieler erzielen können. Und nur ganz wenigen Ländermannschaften ist es vergönnt, mit solchen Treffern die richtigen Spiele für sich zu entscheiden und Titel zu gewinnen.

 

Der ewige Lothar

Deutschland-Ghana war kein echter Leckerbissen. Für beide Mannschaften ging es um so viel, dass sie nicht imstande waren, ihr reeles Leistungsvermögen abzurufen. Insbesondere unser Team war  in diesem ersten Alles-oder-nichts-Spiel darauf bedacht keine Fehler zu machen, und genau deshalb machten sie haufenweise Fehler.  Früher, als der Fußball noch den Fans gehörte, in den Zeiten vor Public Viewing und schwarz-rot-gold lackierten Fingernägeln, hat man die DFB-Teams für solch typisch deutschen, erkämpften und erzwungenen Siege gefürchtet,/beneidet. Aber heute? Die Ansprüche haben sich geändert, deutsche Siege der Neuzeit haben spektakulär und schön zu sein. Das kann aber schon deshalb nicht jedes Mal gelingen, weil es mindestens immer einen Gegner gibt. Und den Druck eine ganze Nation zu beglücken. Die schlechte Nachricht ist, dass er bleiben wird, der Druck. Denn es ist WM, es gibt ab dem Achtelfinale nur noch solche K.-o-Spiele wie das gegen Ghana. Wir halten es daher mit dem ewigen Lothar, der das Motto ausgab: "we don't look back, we look in front".

 

Erinnerungen an 1990 werden wach

Sonntag, 27. Juni 2010, Bloemfontain: Deutschland-England! Wow! Dafür sind doch Weltmeisterschaften gemacht. Leider kommt dieses Duell der großen Rivalen für meinen Geschmack ein wenig zu früh. Die Umstände erinnern mich stark an das Achtelfinale heute vor 20 Jahren gegen Holland in Mailand, das auch einem vorweg genommenen Finale gleichkam. Unser Nachbar schächelte als amtierender Europameister in den Gruppenspielen und landete punkt- und torgleich mit Irland auf Platz zwei hinter England. Live zu bester Sendezeit wurde dann Irland Rumänien und die Niederlande uns zugelost. In den folgenden Nächten bin ich durch die Hölle gegangen. Ein K.o. gegen Gullits Mannen schien für mich unausweichlich. Aber im Endeffekt war es gut so, denn wir machten unser bestes Spiel, spielten uns in einen Rausch und sind wahrscheinlich nur aufgrund dieses Stahlbads Weltmeister geworden. Macht das Mut für 2010?

 

Miese Bilanz gegen England

England gehört zu den ganz Großen des Weltfußballs, gegen die wir zwischen 2000 und 2007 kein Länderspiel gewinnen konnten. Witzigerweise haben genau diese Engländer die Klammer für diese schwarze Serie gebildet.  Der dreifache Weltmeister konnte 2000 1:0 und sieben Jahre später 2:1 in Wembley gewinnen.  Dazwischen waren Argentinien, Italien & Co. immer zu stark für uns. In Südafrika konnten die Three Lions erst gegen Slowenien Fahrt aufnehmen. John Terry rackerte wie ein Berserker, Jame Milner (Aston Villa) schlug präzise Flanken von rechts (wer von uns soll das verhindern?) und sogar Superstar Wayne Rooney  zeigte sich leicht formverbessert, hat aber immer noch kein Tor bei Weltmeisterschaften geschossen. Ich befürchte, er hat sich das für Sonntag aufgespart. Deutschland ist aufgrund mangelnder Erfahrung Aussenseiter, kann aber trotzdem gewinnen. Dafür muss unbedingt der Popo der Nation, der von Bastian Schweinsteiger, heile sein. Die Zeit ist kanpp. Ein Auftrag für Wunderheiler Dr. Müller-Wohlfahrt!


Italiens letzte Chance

Der heutige Tag dürfte nicht ganz so spannend verlaufen. Italien wird die Slowakei schon bezwingen und als Gruppenzweiter in ein attraktives AF gegen Holland einziehen. Selbige sind ja schon qualifiziert und werden gegen bereits ausgeschiedene Kameruner ihre Stars schonen. Häufig erweist sich das aber als fatal und Mannschaften, die im Rhythmus bleiben und konstant Spannung und Druck aufrecht erhalten (müssen), setzen sich gegen die ausgeruhten Teams durch. Aber dazu mehr in den nächsten Tagen. Dänemark muss gegen Japan gewinnen um in die nächste Runde einzuziehen und wird dies mit Ach und Krach auch schaffen.

 

Jörg Berger

Heute wurde bekannt, dass Jörg Berger leider gestern verstorben ist. Als ehemaliger Bundesligatrainer hat er mir vor allem mit Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt unvergessliche Stunden beschert. Ich möchte ihm dafür meinen Blog widmen. Danke Jörg!

 

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Tag(s) : #Dirki bloggt die WM-EM
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