Die liebe Fortuna und ihre ganz besondere Personalpolitik 2000/01
...wo sind sie geblieben? Fürs Glücksspiel gibt es viele bekannte Namen: Elferwette, Lotto, Totto, Rennquintett und ganz zuletzt Russisch Roulette. Auch die Reichtum verheißenden Zahlenkürzel 6 aus 49 bzw. 17 und 4 können wir spielend dechiffrieren, obwohl wir rechtzeitig Mathe abgewählt haben. Bei 12 aus 24 wird es da schon schwieriger. Steht es für das glückliche Leben der Studenten, die bis mittags schlafen können? Symbolisiert die 12 die Anzahl der Gefährtinnen, die man trotz innigster, im Hormonrausch abgegebener Schwüre, nie wieder angerufen hat? Oder ist sie ein schmählicher Beleg dafür, daß man die Hälfte aller Doris-Day-Filme gesehen und genossen hat? Alles falsch. Denn 12 aus 24 ist nur ein weiterer Eintrag von Fortuna Düsseldorf in die Bibel der ganz schlimmen Fußballrekorde. Von den 24 Vertragsspielern, mit denen die Flingerer in die Saison 2000/01 gegangen sind, wurden in nur neun Monaten 12 Kräfte wieder freigesetzt (wann sonst wurden bei Fortuna mal in solch ungeahntem Ausmaß Kräfte freigesetzt?).
Eine Miletic bitte!
Erlauchte Namen zeitweilig erfolgreicher oder beliebter Spieler wie Shittu, Klein, Halat oder Gensler mischen sich mit teuren Mißverständnissen à la Vossen und Breetveld. Die Anwesenheit von Kunovac, Kovacic und Omogie hat eigentlich nie irgend jemand ernsthaft wahrgenommen. Zusammen mit den von Trainer-Azubi Uwe Fuchs suspendierten Neuhaus, Kägebein und dem völlig ins Nirwana abgetauchten Kempers bildeten sie ein komplettes Team, das mancherorts Angst und Schrecken verbreiten würde, vor allem bei den eigenen Fans. Zum Trost sei konstatiert, daß selbst Marlene Dietrich über keinen der aussortierten Männer wirklich wissen wollen würde, wo er geblieben ist. Die Fortunen des Jahrtausendwechsels sind eine verlorene Generation. In zwei Jahren, wird sich niemand mehr erinnern können, wer oder was ein Miletic war. Aber sie konnten auch anders. Darüber, dass die Gefahr relativ groß war, nach dem Verlassen der Pechmarie Fortuna, als Fußballer erst richtig Karriere zu machen, werden in Fankreisen unermüdlich verklärende Legenden gesponnen. Büskens (Schalke), Koch (Lautern), Juric (Bayer 04) und Preetz (Hertha) kämpften um die deutsche Meisterschaft. Brdaric (Leverkusen) und Albertz (Glasgow) erzielten Tore in der Champions League. Sogar Anfang (Tirol) und Juran (Graz) kamen zu internationalen Meriten. Und wenn man sich - nichts Böses ahnend - bei Lá Ola mit den europäischen Fußball-Highlights vom Nichtstun entspannen wollte, bekam man jubelnde Tares (Brescia) und meisterliche Muratis (Lille) vorgesetzt. Unfaßbar.
Nutella-man
Hätte man 1996 eine habilitierte, bosnische Zigeunerin beauftragt einen 5-Jahres-Vorausblick für Fortuna zu entwerfen, und die Dame hätte mit einer Prognose aufgewartet, die der heutigen Realität auch nur im Entferntesten ähnelt, wäre die Gute ziemlich schnell auf dem nächst besten Scheiterhaufen gelandet. Da ich möchte, daß meine schönsten Fortuna-Erinnerungen noch vor mir liegen (ist das wirklich zu viel verlangt?), bat ich meine Mutter - als passionierte Hobby-Astrologin - einen Blick in eine bessere Zukunft zu wagen. Die Sterne prophezeiten Unglaubliches: Die Stones werden im Vorprogramm von Pur das Düsseldorfer Olympiastadion einweihen, welches aufgrund bautechnischer Mängel als Heimstätte der Kittelbach Steamers und Schauplatz von Snowboard-Wettbewerben dienen muß. Unser Weihnachtsmann wird von einem brustwarzengepiercten Schoko-Nikolaus abgelöst werden. Die WM wird wegen eines Formfehlers von Joseph Blatter nicht in Deutschland sondern gleichzeitig in 16 afrikanischen Staaten stattfinden. Und wo werden 2006 die Männer abgeblieben sein, die in den nächsten 5 Jahren das rot-weiße Jersey tragen werden (ihre Zahl wird in die Hunderte gehen)? Darüber schweigen sich die Gestirne aus. Ob aus Scham oder Genuß bleibt vorläufig ihr Geheimnis. Früher war irgendwie alles besser.
erschienen in Nimm mich Volley Nr. 5 am 20. Oktober 2001