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No more Banana Republic
„Früher war alles besser“. Wer diesen Satz von sich gibt, wird von mir in eine Schublade mit reaktionären Alt-Nazi-Verlierer-Typen gesteckt und muß sich schon gehörig abrackern, um dort wieder raus zu kommen. Doch diesmal geht es nicht um Fußball, Einwanderungspolitik, Jugendliche oder Dessous, sondern um Bananen. Vielleicht leide ich ja unter Verfolgungswahn, aber ist Euch nicht auch schon aufgefallen, daß die gemeine Supermarktbanane praktisch ungenießbar geworden ist? Man muß sich schon Hilfe suchend an Tante Emma wenden und für ein Jahreabo Chiquitas fast so tief in die Tasche greifen, wie Boris Becker für seinen Doppelfehler in der Besenkammer, um einigermaßen Qualität zu erhalten. Aber wie alle Menschen, haben auch Chiquitas ihren wunden Punkt. Oftmals kann man ihnen ihren Makel nicht ansehen. Ihre goldgelbe, zarte Haut (wahrscheinlich genmanipuliert), ohne braune Einsprenkelungen verleitet verführerisch zum Vernaschen. Den Mund wäßrig, die zittrigen Hände kaum noch kontrollierbar, entblättert man sie, bis sie vor einem liegen, wie Gott sie schuf, und – is(s)t enttäuscht, denn nicht selten ist auch Chiquiquita voller ekelerregender schwarzer Matschstellen. Ein Fall für den Komposthaufen der Obstgeschichte. Mit einem Kollegen (Halb-Franzose) begab ich mich unlängst intensiv auf Ursachenforschung für das große Bananendesaster. Mit der Absicht sein Urteil widerspruchslos zu akzeptieren, wollte ich von ihm provokativ wissen, ob er auch glaube, daß die Franzosen an allem Schuld seien. Die Antwort des intelligenten, vorurteilsfreien jungen Mannes überraschte: „Ja! Die Franzosen sind schuld. Ohne Zweifel“. Das genügte mir. Ich brauchte keine Begründung. Wenigstens war die Schuldfrage geklärt.
Antérieur tout était meilleur, findet Volley

 

 

 

 

 


Blackout am Steuer oder die längste Einbahnstraße der Welt

Neulich füllte folgende Schmonzette die Zeitungen: Vivienne Vanderwalt-Hudson (40), englische Hausfrau und Mutter, ist nach eigenen Angaben versehentlich bis nach Gibraltar gefahren, weil sie keine Wendemöglichkeit fand. So sei aus einem geplanten Tagesausflug nach Calais eine vierwöchige Reise geworden, die sich über achttausend Kilometer erstreckt habe. Ihr Freund, Steve Smith, habe sie schließlich nach Hause zurückgebracht. Aus Versehen bis nach Gibraltar. Aha! Mir ist ein Fan bekannt, der ein ganz Lieber sein soll und einem anderen Anhänger zwei Beine gebrochen hat – natürlich auch nur aus Versehen. Das fiel mir bislang schwer zu glauben. Aber wie besagtes englisches Autoscoutergirl von der Insel versehentlich nach Gibraltar fahren konnte, anscheinend auf direktem Wege, da es ja angeblich keine Wendemöglichkeit gab und dabei eine 2000 Km lange Strecke auf knapp das vierfache ausgedehnt hat, wird mir ewig hans-martin-schleyerhaft bleiben. Noch weniger verstehe ich, warum Steve Smith diese Irre wiederhaben wollte. Die einschlägigen, von der Pro-Familia-Lobby, gesteuerten Medien, überraschen uns regelmäßig mit spaßigen und überflüssigen Aufmachern, wie „Statistisch erwiesen: Frauen die besseren Autofahrer“, und verweisen dabei auf die geringe Beteiligung des schwachen Geschlechts an schweren Unfällen. Sie verkennen dabei, daß, wenn man sich nur im Schneckentempo fortbewegt, den Blick starr über das festgekrallte Lenkrad gerichtet, schwerlich mit 200 Sachen aus der Kurve fliegen kann. Aber sie provozieren. Genau – sie provozieren Männer zu riskanten Überholmanövern, die ins Auge gehen können. Daß Frauen dadurch unzählige Unfälle verursachen steht in keiner Statistik,


aber in Volley

 

Michael Meier, Du Kommerz-Hooligan

Der in edles Tuch gewandete, feine Herr Meier ist ein derart unangenehmer Zeitgenosse, daß es fast schon faszinierend ist seine Auftritte zu verfolgen. Wie er in Interviews, Fragesteller mit erhobenem Zeigefinger  zurechtweist, wenn diese ihn nicht wortwörtlich zitieren, ist von abschreckender Arroganz. Daß er ausschließlich an der Gewinnmaximierung seiner bescheuerten Biene Maja AG interessiert ist, versucht er zwar durch sein peinlich übertriebenes christliches Auftreten zu verschleiern. Er scheitert aber kläglich. Begonnen hat es mit seinen Theorien zur Legitimation der Pro-15:30-Bewegung. Er bezweifelte, daß diese die Mehrheit der Fans repräsentiert. Völlig entrückt vermutete er, daß ein paar Leute auf eine sehr intelligente Weise im Internet Forderungen aufgestellt haben, hinter denen wahrscheinlich die wenigsten Fans wirklich stehen: „Da ist eine Lawine los getreten worden, die Fans wurden instrumentalisiert. Und jetzt machen viele nur mit, weil alle das tun und denken nicht mehr nach, was sie eigentlich erreichen wollen.“ Er findet die Argumentation von Pro-15:30 nicht überzeugend und stellt die Frage, ob wir Fans nicht fehlgeleitet sind. Manager wie Meier, haben jeglichen Bezug zum Fan und zur Seele des Fußballs verloren. Daß er Jammertitte Christian Wörns anläßlich dessen Beinahe-Rücktritts vor des Kaisers Grollen in Schutz nahm, tat besonders weh. Meier wertete Beckenbauers Kritik an Wörns auch "als Attacke gegen Borussia Dortmund" und forderte "Da muss Völler sagen, so geht es nicht". Falls eine solch deutliche Aussage zu Gunsten von Wörns ausbleiben sollte, müsse beim BVB überlegt werden, ob man zukünftig "ohne weiteres seine Nationalspieler abstellen" wolle. "Wenn Beckenbauer meint, man könne ohne Wörns auskommen, dann soll er auch die Alternative nennen: Es gibt keine." Ich kann ohne den BVB und Wörns auskommen, sehr gut sogar.


Verschwindet aus unserem Leben und gebt uns vorher den Fußball zurück, fordert Volley

erschienen in Nimm mich Volley Nr. 5 am 20. Oktober 2001
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Tag(s) : #Fanzines - Briefe u.a.
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