1. Liga:
Abwärts
Vor jeder Saison macht sich das Team (überflüssigerweise) Sorgen um den Klassenerhalt. Dabei weiß der gutinformierte Beobachter, daß die Gedankenwelt von Teamchef Puschi mittels phänomenaler Verkürzung einer differenzierten Persönlichkeitsanalyse auf ein einziges Wort reduziert werden kann: Meisterschaft! Zum Auftakt konnte bereits Vizemeister Dynamo auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden (4:1). Und in der Tat ist dem sechsfachen Champion diesmal wieder der ganz große Coup zuzutrauen. Denn der Ehrgeiz ist intakt. Ex-Choleriker und Jungunternehmer Andrees verzichtet immer noch auf eine allzu weichliche Rücksichtnahme gegenüber dem gegnerischen Fußballvolk. Wie ein auf Überdosis programmierter Fußball-Android senst er durch den eigenen Strafraum und setzt vorlaute Stürmer einem zusätzlichen, unberechenbaren Gesundheitsrisiko aus. Es bedarf schon eines starken Charakters, sich trotz aller Anfeindungen standhaft zu der Passion des Foulspiels zu bekennen. Und Pressesprecher Jan Graf mußte zuletzt eilig Gerüchte zerstreuen, daß Puschi sich aus der Organisation zurückziehen wollte, um den Ballermann zu übernehmen. Das Gegenteil ist der Fall. Er will noch einmal die Zügel anziehen und hat sogar schweren Herzens den Vorsitz in der Jury des nicht als allzu seriös geltenden Miss-Banana-Wettbewerbs abgelehnt.
Fazit: Die Vorzeichen stehen günstig. Abwärts gehört zu den drei großen Favoriten auf den Titel. 4,5 Bälle
Tipp Kick
Tipp Kick ist neben der Kirche, eine von zwei Institutionen in Deutschland, die Erfahrungen mit der Wiederauferstehung hat. Früher spielten die Bentens und Streckers jenen leidenschaftlichen, aber immer fairen Zerstörungs- und Zufallsfußball, der ihnen die ungenierte „Abneigung“, aber auch den ungeteilten Respekt der Liga eingebracht hat. Die Kicker lebten in ihrer eigenen Welt, aus der man sie für die Spiele extra herbeizerren mußte. Umgehend wurden die überheblichen Gegner gedemütigt, bevor die Reider in ihre Umlaufbahn zurückzukehrten. Damals verlangte so mancher von wenig Einblick in die Gesetze des Machbaren erfüllte Zeitgenosse zur Strafe für ausgeprägte Defensivkunst den sofortigen Entzug der Lohausenligalizenz. Das machte das Team auf Dauer innerlich nur noch stärker. Wer von niemanden wirklich geliebt wird, der muß wenigstens zusammenhalten. Die letzte Spielzeit kann als Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte (d.h. der letzten 15 Jahre) gelten. Der Lohausenligakenner befürchtet, daß das Team fahrlässigerweise immer noch unterschätzt wird. Realisieren die anderen Ligisten aber endlich die wahre Leistungsstärke der Unterrather, wird die Super-Bowl-Teilnahme so schnell nicht mehr zu wiederholen sein. Denn es ist klar, daß dieser Zustand glanzlosen Punktesammelns nicht von Dauer sein kann. Langfristig läßt sich nämlich mit der bewußten Vermeidung sportlicher Unterhaltung kein Erfolg erzielen.
Fazit: TKR wird sich noch 1-2 Saisons in der 1. Liga halten. Danach wird aber der unvermeidliche Abstieg folgen. 3 Bälle
Dynamo
Dynamo ist ähnlich wie TKR lange Zeit ein mit der Golden Liga verwurzeltes Team gewesen, daß vor allem durch einige bizarre textile Fehlgriffe auffiel. Diese Mehrfachkollisionen mit der geschmacklichen Schallmauer führten zu der traurigen Erkenntnis, daß Männer und Mode sich physikalisch abstoßen - per Geburt und auf Lebenszeit. Doch auf Regen folgte Sonne und der mächtig beeindruckende Einzug ins Finale der Saison 1998/1. Müßte man aber einem Außerirdischen erklären, wie es Dynamo gelang, nahezu die komplette Konkurrenz zu erniedrigen, würde man ihm wahrscheinlich seufzend die Hand auf seine Schulter (so er denn eine hat) legen und ehrlich sagen, daß das zu den nicht mal von TV-Pfarrer Jürgen Fliege faßbaren Dingen dieser Welt gehört; daß der Erfolg Düsseldorfs östlichster Mannschaft wohl ein Fall für die „Akte X“ ist, ein weitgehend unerklärliches Phänomen eben - vergleichbar nur mit dem Regen der ausbleibt, sobald man einen unhandlichen Schirm dabeihat oder mit der Kassenschlange, die erstarrt, sobald man sich in sie einreiht. Fakt ist aber, daß man mit Mühle einen der überragenden Spieler der Liga hat.
Fazit: Sollte es bei Andreas in der nächsten Spielzeit zu einem Leistungsabbau oder zu knallharter, konsequenter Manndeckung kommen, wird für Dynamo der Abstiegskampf unausweichlich sein. 2,75 Bälle
Rheinwiese
Dieses Team ist wahrscheinlich das konstanteste der letzten 10 Jahre und hätte deswegen auch mehr Respekt und Zuspruch verdient. Daß der aber weitgehend ausbleibt, liegt weniger daran, daß alle Spieler nahezu denselben Namen tragen (Bors, Brors, etc) oder irgendwie gleich aussehen, sondern daran, daß Fußball Marke Rheinwiese zumeist so spannend wirkt als würde er in unterirdischen „Gähn-Technologie-Labors“ programmiert. Bevor man gegen Rheinwiese spielt, weiß man, daß man keine echte Chance hat und haushoch verlieren wird. Trotzdem hofft man jedesmal, daß es diesmal anders kommt. In der Liga sind manche Phänomene eben nicht greifbar, aber immer wieder möglich. Schätzungsweise wird die Dominanz der Golzheimer auch die kommende Dekade über anhalten. Derart trübe Aussichten verführen deprimierte Zeitgenossen schon einmal dazu, die Augen vor der Welt zu verschließen. Dies soll hier aber nicht getan werden.
Fazit: RWG wird in der Vorrunde wieder alles überrollen und danach ein ganz heißer Anwärter auf den Titel sein. 5,25 Bälle
Spirit of Pele
5 Jahre nach ihrem Ligadebüt gelang Pele in beeindruckender Manier erstmals der Aufstieg ins Oberhaus. Favorit Flamingo wurde im Play-off seziert und vernascht. Der geneigte Beobachter stellt die berechtigte Frage, warum diese Leistung nicht schon eher möglich war. Insider aus dem Umfeld wissen, daß SoP früher gegen nahezu alle Regeln verstoßen hat, die man in der Lehre des modernen Fußballs so kennt. Ein paar Bierdosen vom Büdchen, kurz nochmal das möglichst laute Aufstoßen auf Kommando vor verschreckt herumirrenden Kindern geübt - und schon konnte es losgehen. So ungefähr oder ganz anders muß früher die Vorbereitung der Spieler auf ihre Matches ausgesehen haben. Das es dem engagierten Kapitän, Stephan Bischof, gelungen ist, aus diesem Haufen einen Erstligisten zu schmieden, läßt vermuten, daß er auch - ohne weiteres - einer alten Frau ein Grundstück im Himmel verkaufen könnte. Heute bilden die ganz individuell wirkenden Spieler eine offenbar unzerbrechliche Einheit. Noch nie hat der Autor die Erfolgsgaranten des Teams gesehen, aber er hat eine bestimmte Vorstellung von ihnen. Fröhlich werden sie sein, mit wachen Augen für alles, was um sie herum vorgeht. Rücksicht auf Mitmenschen, Aufmerksamkeit für Dinge werden selbstverständlich sein. Im täglichen Schwall über das, was nicht stimmt mit dieser Welt, freut man sich über dieses Denkmal der Zuverlässigkeit, des Zusammengehörens.
Fazit: Mit Begeisterung und Glück könnte Platz 4-5 drin sein. Sollte man jedoch Teams wie Dynamo, TKR oder RWG nicht ernst nehmen, ist der Weg zurück in die 2. Liga vorprogrammiert. 3,25 Bälle
Granit Meerbusch
Es überrascht schon irgendwie, daß sich der einst so starke Ex-Meister zu einem Fahrstuhlteam entwickelt hat, bei dem man vor einer neuen Saison nie weiß, wozu die Mannschaft fähig ist. Manchmal ist Granit beim Fußball zu betrachten, nur etwas für Leute, die es auch spannend finden, den Kontinenten beim driften zuzusehen. Phasenweise beeindrucken die Meerbuscher aber immer noch durch ihre spielerische Klasse. Da es meistens anders kommt als man erwartet, könnte man vermuten, daß die Spieler partout nicht die Vorhersagen erfüllen wollen und deshalb absichtlich genau das Gegenteil der Prophezeiung anstreben. Da die glorreichen Zeiten schon lange zurückliegen, sollten Basti Dorfmüller („Ich verbiete jedem, mir zu untersagen, daß ich mich an damals erinnere“) und sein Team - ähnlich wie Abwärts - nochmal hochmotiviert in die Saison gehen, sonst haben nachher wieder alle Beteiligten genug damit zu tun, ihre falschen Prognosen schönzureden.
Fazit: Granit hat die Chance in den Super-Bowl einzuziehen. Treten jedoch organisatorische Nachlässigkeiten und fehlende Konstanz auf, wird es ganz eng werden.
Ente Lippens
Mit Glück und Verstand hat sich die sympathische Truppe von Kapitän Peter Paschke in der Vergangenheit erfolgreich gegen den Abstieg wehren können. Da es von Mal zu Mal knapper wurde, steht zu befürchten, daß es die Ente diese Saison erwischt. Dieser Gefahr müssen sich Peter, Braso, Kolja und co. bewußt sein und entsprechend gegensteuern, sonst brennt die allerletzte Wahrscheinlichkeits-sicherung durch. Die Subjektivität schlägt nicht nur bei Lippens die Fakten. Was dem neutralen Zuschauer zuweilen fröhliche Kurzweil beschert, kommt bei der Konkurrenz - beim „empfundenen sportlichen Wert“ - in die Schublade „Punktelieferant, Kanonenfutter, Absteiger“. Jenen Zweiflern und Ungläubigen sei tröstend gesagt, daß sich ihre Überzeugung in nicht mehr allzuweiter Ferne mit der Realität decken könnte. Der Freund fußballerischer Leckerbissen, hofft indes, daß für Ente Lippens die großen Zeiten vom Winter 1993 zurückkehren mögen.
Fazit: Mit vereinten Kräften und der gebündelten Kampfkraft der Zech-Brüder, kann Platz 6 erreicht werden. Sollten die Aufsteiger jedoch eine Sahne-Saison erreichen, wird Lippens auch das überstrapazierte Glück nicht vor dem Erstligaabschied bewahren können. Bälle 2,75
New Globes
Die Ex-Angermunder sind eindeutig eine Mannschaft, mit extrem polarisierenden Kräften. Auf der einen Seite stehen die glanzvollen Erfolge und Meisterschaften der letzten 5 Jahre. Diesbezüglich scheint der Zenit noch nicht überschritten zu sein. Angesichts ihrer sportlichen Stärke neigen sie leider zu Arroganz und Überheblichkeit. Stehen andererseits Spiele mit der Beteiligung des aktuellen Meisters auf der Kippe, arten sie oft aus. Gegen die Globes zu spielen oder - noch schlimmer - sie pfeifen zu müssen, gehört zu den Höchststrafen für fußballsportbetreibende Jünglinge. Da wünscht man sich doch lieber 50 Stockhiebe auf das nackte Gesäß. Wer einmal die Globes in Rage erlebt hat, der staunt: „Das gibt`s ja überhaupt nicht.“ Doch, gibt es leider. Sie wirken dann, als hätte man ihre Familien in Geiselhaft gesetzt und als Lösegeld „Verbissenheit bis zum Umfallen“ gefordert. Hier muß der liebenswerte Kapitän Dr. Zimmermann Einhalt gebieten; aber wahrscheinlich würden die Globes dann gegen den Abstieg spielen müssen.
Positiv ist, daß das Team weiß, wie man konsequent mit Menschen umzugehen hat, die sich nicht für Fußball interessieren. Es sind keine Freunde!
2. Liga
Krähenacker
Der Frust über die deftige Niederlage im Aufstiegsspiel gegen Granit saß zunächst sehr tief. Getreu der altbewährten Maxime: Abstinenz ist eine gute Sache, sollte aber immer moderat angewandt werden, konnte selbst ein vorsätzlich herbeigeführter Vollrausch da nur wenig Abhilfe schaffen. Zumal die Spieler keinerlei eigene Erinnerung an diesen Abend mehr haben. Libero Ebert vermutet, daß man spätnachts in Kneipen gelandet ist, in denen man noch nie vorher war: „Ich weiß nur das, was am nächsten Tag darüber in der Zeitung stand. Es wird so gewesen sein“. Der fußballfanatische Kapitän, Eric Huthmann, wird dafür sorgen, daß sein Team bald wieder in die erste Liga aufsteigen wird. Ob es bereits in dieser Saison gelingen kann, hängt auch von der Fitneß und der Integration des Neuzugangs Uwe Kremer (kam bei Null Null nicht mehr zurecht) ab.
Fazit: Krähenacker wird mit absoluter Sicherheit wieder das Aufstiegsspiel erreichen. Um in die erste Liga zurückzukehren, muß man das Glück haben, nicht auf einen routinierten Gegner zu treffen, der den Meerbuschern den Schneid abkauft. Das könnte bei der Ansammlung von Traditionsteams in der Golden League schwer werden. 4,5 Bälle
Flamingo
Nach einer recht passablen Vorrunde, sah man sich schon als sicherer Aufsteiger und baldiger Super-Bowl-Teilnehmer. Es galt nur noch eine Kleinigkeit (Pele) aus dem Weg zu räumen. Doch diese „Kleinigkeit“ hat die Flamingos gehörig rund gemacht. In einer ähnlich verzweifelten Lage wie Krähenacker griff das intelligente Team zu einer Welle von Kontakt-Versuchen mit dem Jenseits. Die Frage nach dem „Wie“ des Lebens wurde täglich aufs Neue diskutiert. Wie oder was und warum ist das Leben eigentlich? Speziell das Leben außerhalb der (ersten) Lohausenliga. Ohne Ergebnis. Eine verordnete Unsinnspflicht könnte dazu führen, daß das manchmal etwas (zu) ernst auftretende Team, von einer gewissen Lockerheit beflügelt, ins Oberhaus zurückzukehren vermag. Daß die Mannschaft um den überragenden Jörg Hoffmann und besetzt mit so ausgezeichneten Spielern, wie Hunger, Schulze und Sunderdieck, dorthin gehört, weiß der Ligakenner nur zu genau.
Fazit: Flamingo wird ebenfalls ungefährdet ins Play-off einziehen. Obwohl die Mannschaft immer mal wieder für - aus ihrer Sicht - negative Überraschungen gut ist, darf man sich im Frühjahr 1999 wieder als Erstligist bezeichnen. 4,75 Bälle.
Fanatic
Nach den Eindrücken der letzten Saison, stellte sich der Lohausenligakenner die Frage: Ist die Zeit von Fanatic vorbei? Lasches Auftreten und Disziplinlosigkeit ließen Auflösungserscheinungen erkennbar werden. Nicht zum erstenmal. Doch in früheren Jahren, gelang dem Traditionsteam immer wieder ein eindrucksvolles Comeback. Die Kapitäne, Ralph Sachse und Christian Schumacher, sind viel zu ehrgeizig und fußballverrückt, um dauerhaft in der zweiten Liga gegen den Abstieg kämpfen zu wollen. „Schumi“ Schumacher weinte auf der Ligasitzung bittere Tränen, weil die Beckmänner ihn „aus Prinzip“ zu einem Samstagabendtermin zwangen und er dadurch Ran verpassen würde: „Unsere Videorekorder sind defekt“. Daß ist vielleicht auch besser so. Denn glaubt man der Afghanischen Abteilung zur Verhinderung von Laster und zur Förderung von Tugend, verletzt die Verwendung von Videos und Satellitenfernsehen die Moral und ruft Geisteskrankheiten hervor. Alles lamentieren half nicht. Neulinge müssen eben Lehrgeld zahlen (und im Vergleich zu Rot Weiß sind eben alle anderen „Neulinge“). Auch in den nächsten Jahren, möchte Familienvater Schumacher auf der Suche nach geeigneter Wochenendunterhaltung nicht zu seinen Kindern sagen müssen: „Kommt, laßt uns Schwäne veräppeln im Park“, sondern viel lieber: „Ich muß heute die Feldmänner, Fischers und Papes der Liga weggrätschen“.
Fazit: Irgendwie muß mit einem Kraftakt zumindestens ein Vorstoß in die Nähe der Play-off-Ränge gelangen, sonst steht zu befürchten, daß der Ex-Meister sich bald zurückzieht und das will nun wirklich keiner. Eine Liga ohne das Urgestein Fantic ist (noch) unvorstellbar. 3 Bälle
Excelsior
Das Team pendelt seit einigen Spielzeiten zwischen den Ligen. Zu den unterhaltsamen Weisheiten des Sports gehört eben, daß man sich seine Gegner nicht aussuchen kann. Auf Sieg abonniert zu sein (80er) und dann nur Niederlagen zu kassieren (90er) ist eine der bittersten Erfahrungen. Deshalb hat sich der einst so stolze Ex-Rekordmeister jüngst einer Frischzellenkur unterworfen. Neben den ewigen Ligisten, wie Sander, D. Pape und Duhnsen, tauchten mit Reitemeyer und Kortum neue Leistungsträger auf. Dafür verließ Dento CFE in Richtung Rot Weiß. Erstgenannte können mittlerweile behaupten: „Als Mozart so alt war wie ich, war er schon lange tot“. Doch dessen Leistungsverfall war wesentlich rapider. Der Abstieg aus der ersten Liga war knapp, unglücklich und wurde - im Gegensatz zu früheren Jahren - hoch erhobenen Hauptes vollzogen. Das 11:0 im letzten Spiel gegen Kittelbach signalisierte, daß man wiederkommen will.
Fazit: Das erfolgreichste Team aller Zeiten wird es schwer haben den vierten Platz zu erreichen. Sollte das aber gelingen, ist - so weiß man aus langjähriger Erfahrung - der Wiederaufstieg wahrscheinlicher als wenn man in der Vorrunde alles wegputzen würde. 3,5 Bälle
Kittelbach
Man soll es nicht glauben, aber Insidern zufolge, stehen bei den Steamers revolutionäre Veränderungen bevor. Keine Sorge. An jahrelang liebgewonnenen Kuriositäten wie dem Spanferkeldrehen oder dem Ankündigen der „definitiv letzten Saison“ wird sich nichts ändern. Diese Rückzugsversprechungen der KBS kann man nicht mehr ernstnehmen. Das ist, wie wenn ein Karpfen droht sich an Land zu schmeißen. Vielmehr will man zukünftig den Leistungsgedanken der sozialen Verantwortung für sympathische Außenseiter überordnen. Wöchentliches Training und der Verzicht auf ein Aufstellungverfahren nach dem Quotenprinzip sollen den Dampfer wieder flott machen. Die sieglose Vorsaison verlief auch äußerst peinlich. Den einzigen erkämpften Punkt verlor man zu allem Überfluß noch am grünen Tisch. Und als man vor dem Saisonfinale gegen Excelsior den Teamgeist wiederbeleben wollte und sich schwor „alles zu geben“ verlor man mit 0:11. Dem neuen Ehrgeiz des immer noch zweitbesten Ligateams muß man mit berechtigtem Mißtrauen begegnen. Schließlich haben die Steamers schon desöfteren bewiesen, daß sie wissen, wie man mit großem Aufwand erfolgreich nichts geschehen läßt. Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders; z.B. so wie früher (1991) als man Vizemeister werden konnte. Damals flog ein Rainer Perlick quer durch den eigenen Strafraum (um Handelfmeter zu verursachen oder Eigentore zu köpfen), Fighter Peter Mengeringhausen verarschte in jedem Spiel Gegner, Schiris und Sanitäter und Starstürmer Frieder Feldmann schoß Tor um Tor. Leider schwört letzterer - früher für seinen ambitionierten Musikgeschmack gefürchtet - neuerdings auf Mainstream-Soße á la Pur. „Komm mit mir ins Abenteuerland. Der Eintritt kostet den Verstand“, trällert es aus seinen Mazda-Boxen. Manche unken: „Das kann ja für viele nicht allzu teuer gewesen sein“. Sollte dieses angepaßte Verhalten symbolisch für die Leistungskurve der Kittelbacher sein, ist das Ende nah.
Fazit: Die Konkurrenz in der zweiten Liga ist hart. Außer Rot Weiß, will praktisch jedes Team unter die ersten vier. KBS sollte schon zufrieden sein, wenn der einstige Trumpf (das Wir-Gefühl) nicht durch das neue Leistungsprinzip vollends zunichte gemacht wird. Eigentlich „nur“ 1,75 Bälle. Aus Liebe aber 2,5.
Null Null Classic 69
Das Team von Dirk Fischer und Björn Schwick geht in seine 25. Saison. Das Bemühen sich wieder dauerhaft in der ersten Liga etablieren zu können - wie bereits zwischen `89-`91 - hält unvermindert erfolglos an. Um hinter die Geheimnisse des (Miß-)Erfolgs von Null Null zu kommen, muß man das Glück haben sich in unmittelbarer Hörweite mitteilungslustiger Fachleute (Grille und Chico) zu befinden. Die beiden Experten sind in der Regel vom unstillbaren Drang beseelt, ihr ausgeprägtes Wissen nicht durch möglicherweise sinnentstellendes Flüstern einem größeren Publikum vorzuenthalten. PR-Chef Grille hebt zunächst einmal die positiven Punkte bei seinem Team hervor: Der temperamentvolle Torwart, Branko („Ich bin halt Südländer“) Jurkin, hält seit drei Saisons phänomenal. Zur Zeit droht dieser zwar ständig: „Ich hau` Dich auf den Kopf“. Aus Kennerkreisen verlautete aber: Das muß so sein, denn er braucht Feindbilder um seine Leistung zu bringen! Desweiteren verweist Bernd Grillmeier auf das verbesserte Mannschaftsklima und den geglückten Saisonstart (7:3 gegen YBB). Auf das Comeback des großen Stars, Torsten Schwick, muß zwar noch bis zur nächsten Saison gewartet werden, dafür stößt „Gatecrasher Nr. 1“ Pöppi von Rospatt nach Jahren wieder zum Aufgebot.
Fazit: Es scheint als stünden die Chancen auf ein baldiges Ende des Erstligazölibats recht gut für Null Null. Bei baldiger Genesung von Stürmer Fischer (Knie) und Dr. B. Schwick (Schulter) dürfte der Aufstieg drin sein. 4,5 Bälle
Rot Weiß
Der Werdegang des Beckmann-Teams gleicht seit dem RWL-Comeback vor ein paar Jahren einem Drama in vielen Akten. Abonniert auf einen der beiden letzten Zweitligaplätze, wird die Leitung nicht müde zum fuffzigsten Mal eine historische Saison anzukündigen, obgleich die Anhäufung historischer Spielzeiten eher ein Widerspruch ist. Im Sport & Humor des Herbstes 1996 hieß es: „Rot Weiß wird in zwei bis drei Saisons aller Wahrscheinlichkeit wieder in der ersten Liga zu Hause sein“. Mittlerweile sind vier Saisons vergangen und RWL ist obdachloser denn je. Möglich ist aber auch, daß der Lohausenligakenner diesmal sein blaues Wunder erlebt und die angekündigten Kracher, wie z.B. Norbert Krings oder Dento einschlagen und den Beginn einer neuen Ära einläuten. Zu wünschen wäre es dem Team. Schon im Interesse der Liga.
Fazit: Zu einer anderen Zeit und in einer fernen Galaxie, könnte man mit viel gutem Willen den RW-Kickern eine Play-off-Chance einräumen. Im hier und jetzt aber, muß man davon ausgehen, daß RWL sich in den Abstiegskampf verstricken wird. Diesen erfolgreich zu bestehen, wird angesichts der nahezu übermächtigen Gegner sehr schwer werden. Gelingt es nicht, gibt es ja immer noch die Wild Card. 2,5 Bälle
Young Boys
Am Anfang stand eine Vision. Vor langer Zeit angetreten, den Fußballhimmel - sprich 1. LL - zu stürmen, fanden sie sich mitten in der Abstiegshölle der zweiten Liga wieder. Das Schöne, Schlimme, Schreckliche dabei sind die kaum ergründlichen Ursachen für derlei Kapriolen. Es nimmt seinen Lauf, es passiert und keiner weiß so richtig warum. Das Potential war zwar da, aber die Geduld bei den jungen Spielern hat gefehlt. Als nach mehreren knappen und unglücklichen Niederlagen in Aufstiegsspielen, der erfoffte Erfolg ausblieb, wendeten sich die pubertierenden Jungs anderen „schönen“ Dingen, wie Bier, RheinFire oder jungen unbekleideten Damen zu. Zum Trost sei gesagt, daß viele andere Mannschaften vorher dieselben Probleme hatten. Leider steht zu befürchten, daß nicht genug Enthusiasten (außer Noll und Koch) da sind, um YBB diese Phase durchstehen zu lassen. Es kann deswegen durchaus sein, daß die Büdericher sich in nächster Zeit zurückziehen werden. Das wäre sehr schade, weil das junge Team mehr als eine willkommene Abwechslung unter den ca. 15 Traditionsmannschaften ist. Ich hoffe, daß ich mich täusche! Vielleicht sollte man den einen oder anderen Routinier einbauen, anstatt darauf zu warten, daß man selbst zu welchen wird.
Fazit: Die Vorsaison verlief sieglos. Und auch das Auftaktspiel gegen Null Null wurde trotz guter Leistung aufgrund zu naiver Spielweise verloren. Es läßt sich mutmaßen, daß die Truppe in ähnlicher Art und Weise gegen die anderen etablierten Teams ebenfalls den kürzeren ziehen wird. Die Play-off-Ränge scheinen derzeit unerreichbar. 2,75 Bälle
Flyers
Es gibt sicherlich einfachere Wege seinem Wunsch nach Einweisung in eine Nervenklinik Nachdruck zu verleihen als Stammgast bei den Spielen der Flyers zu sein. Denn nur bis zur Unkenntlichkeit desinformierte Beobachter räumen den Insulanern eine realistische Aufstiegschance in den nächsten 100 Jahren ein. Leid tun einem die beiden grandiosen Chefs, Erik Hopen und Achim Hoss, die für ihr aufopferungsvolles, jahrelanges Engagement nicht belohnt worden sind. Trotzdem hoffen sie weiterhin unverdrossen darauf, daß sich alles zum Guten wendet. Naja, die Hoffnung stirbt jedenfalls zuletzt. Vielleicht sollte sich so mancher Spieler besser als Aushilfskraft bei einer Heizungsröhrchen-Ablesefirma verdingen als samstäglich in seinen eigenen Schuß zu grätschen. Heute abend hatte der Verfasser einen beängstigenden Wachtraum. Er träumte von einem Durchmarsch der Flyers nach oben, nach ganz oben. Sie gewannen nicht nur den Super Bowl, sondern räumten auch in Bundes- und Champions-Liga ab; bis hin zur Blockbildung in der neuen Ribbeck-Elf. Das wirft eine sehr ernste Frage auf: Wie soll die Nacht erst werden, wenn der Alptraum schon vor dem Schlafengehen kommt?
Fazit: Die Formentera Flyers werden mit dem Aufstieg gar nichts zu tun haben. Selbst gegenüber einer Play-off-Teilnahme wäre ein Sechser im Lotto ein höchstwahrscheinliches Ereignis. Es kann nur darum gehen, die Ligateilnahme für 1999/1 zu sichern. Dafür dürfte es allerdings noch reichen. 2,25 Bälle