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Erstveröffentlicht unter www.lohausenliga.de/Saisons/2014-1/Team-Test_2014-1.html

 

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Gruppe A:


Abwärts 85 (57.te Saison, Platz 1 in der Ewigen Tabelle)

Am Anfang war ein Posting: Marc R. beantwortete am 5.4. auf seiner Facebook-Chronik die von ihm selbst aufgeworfene Frage: „Wer wird wieder Meister?“ mit A…A…A…  Abwärts!!! Ob dahinter mehr steckt als nur ein spontanes Cover des 1979 von Stefan Hallberg & den Westkurven-Fans intonierten Hits "Wer wird deutscher Meister? Ha-Ha-Ha H-S-V!" (die wiederum bei Leif Garretts „I was made for dancing“ abgekupfert haben) wird sich spätestens am 28.6. herausstellen, dem Tag des großen Super-Bowl-Finales. Abwärts Meister?!? Ist doch irgendwie gar nicht mehr vorstellbar, oder? Dabei liegt die letzte Finalteilnahme noch gar nicht so schrecklich lange zurück. 2009/II war das, als man mehr als nur eine Hand am Pott hatte und im Elfmeter-Drama doch noch an den eigenen Nerven und den Flyers scheiterte. Seitdem ging es – bei allem Respekt – sportlich bergab, ohne das lange Zeit eine Perspektive erkennbar war. Dass es Abwärts überhaupt noch gibt, ist die eigentliche Leistung, die man gar nicht genug wertschätzen kann, denn häufig hörte man in den Jahren der Talfahrt Puschi klagen: „Vielleicht muss man sich einfach eingestehen, dass unsere Zeit vorbei ist!“ Wen oder was der gute Puschi damit genau meinte blieb unklar, aber immerhin hat die große Abwärts-Familie nicht auf seine innere Stimme gehört, denn sonst würde der 11-malige Titelträger nicht 2015 sein 30-Jähriges Bestehen feiern können. Vielleicht dann sogar mit dem ersten Triumph seit 2006/II? Zu gönnen wär es ihnen. Was hat Linksaußen Marc Raffelsieper nun zu dieser tollkühnen Prognose verleitet außer möglicherweise einer gehörigen Portion Übermut? Ist das nur seiner Bekanntschaft mit Sven Backhaus geschuldet, einem der besten F95-Liberos aller Zeiten, der Gerüchten zufolge zumindest im A85-Aufgebot stehen soll? Oder steckt mehr dahinter? Ja, wenn man das Viertelfinale 2013/II betrachtet. Da schien es als könnten die A85-Männer plötzlich über Wasser gehen. Der Ex-Rekordchampion hatte sich auf den letzten Drücker mittels Härte und Cleverness durch ein 2:0 gegen das eigentlich deutlich besser besetzte Golden-Generation-Team auf Platz vier gemogelt und stand somit unverhofft im Viertelfinale als krassester Außenseiter Gruppensieger Ackerfreunde United gegenüber. Ihre Siegchancen atomisierten sich dann zusätzlich durch einen schier aussichtslosen 0:3-Pausen-Rückstand. Zum Weiterkommen fehlten stolze vier Tore. Wie sollten die Ü40-Oldies, geschwächt durch zahlreiche verletzungsbedingte Ausfälle, das noch packen? Dann geschah eines der größten Wunder! Beseelt von dem Gedanken an die eigene Unsterblichkeit wurde plötzlich gerannt und gekämpft das sich die Balken bogen. Angeführt von den Mitt-Vierzigern Mischa Blumhoff und Holger Nell (Beide schossen Anfang der 90er Tore am Fließband) kämpften sich Puschis Mannen Tor um Tor heran bis Blumhoff durch einen direkt verwandelten Freistoß der Ausgleich gelang. Und die Ackerfreunde begannen zu schwimmen. Für einen kurzen Moment lag doch tatsächlich eine Sensation in der Luft und die Aussicht als Zeitzeuge beteiligt zu sein, führte zu maximaler Erregung. Aber nur für einen kurzen Moment, denn dann riss Sebi Stemmers 4:3 die gesamte Abwärts-Combo aus den kühnsten Träumen. Alle, bis auf den routinierten Holger Nell. Der hatte an diesem Tag vor Geschichte zu schreiben. Postwendend traf er zum 4:4 und dann – um dem hanebüchenen Spektakel noch die Krone aufzusetzen – ließ er AFU-Keeper Jurkin in der Schlußminute noch mit einem Hackenschuß durch die eigenen Beine gekonnt ins Leere hechten. 5:4! Schlußpfiff! Sieg! Fantastisch. Auch wenn einem die supersympathischen Ackerfreunde in diesem Augenblick leid taten, so überwog doch die Begeisterung für die kindliche Freude, die der gleichermaßen unerwartete wie spektakuläre Sieg bei den Rot-Schwarzen ausgelöst hat. In diesem Moment schien Abwärts nicht nur die Zeit anhalten sondern sogar die Uhr zurückdrehen zu können. Ein Traum aller Menschen wurde war, an diesem 1. Dezember 2013 um 13 Uhr 45 im Nordpark. Das war keine B-Mannschaft. Das hier war der Director‘s Cut eines der größten Lohausenliga-Spiele aller Zeiten! Das Imperium hatte erfolgreich zurückgeschlagen! Allerdings nur für schlappe sechs Tage. Denn dann gab es im Halbfinale ein überaus irdisches 1:4 gegen Flamingo. Dauerhaft übers Wasser gehen sieht irgendwie anders aus…  

 

Fazit: Abwärts 85 befindet sich in Phase IV ihrer langen Historie. Anfangs wurde aus dem einstigen Kinderteam der gefürchtete, aber wenig geliebte Seriensieger – der Meister aller Klassen! Die Zeit seit dem letzten Titel 2006/II war geprägt von einer wellenförmigen Abwärtsentwicklung. Seit 2013 scheint die Talsohle durchschritten und die New-Kids-on-the-Block-Phase wurde erreicht. Ausschlaggebend dafür war, dass der eigene Nachwuchs endlich den Kinderschuhen entwachsen ist und regelmäßig unter Beweis stellt, dass er sich absolut mit dem Team identifiziert und bereit ist es zurück in die glorreiche Vergangenheit zu führen. Allen voran Tim Feldmann, der kämpferisch überzeugt und auch torgefährlich ist. Ihm zur Seite stehen nicht nur sein immer noch als Stoßstürmer unverzichtbarer Vater Frieder, sondern mit Tom Hellbeck, Leon Marcial und jetzt auch Dennis Wings sehr gute Teamplayer aus der A-Jugend des SV Lohausen. Allerdings ist das ganze Konstrukt noch nicht sturmfest. Als beim ersten Saisonspiel gegen RWL die Youngster nicht zu ihrer Form fanden, blieb man ohne echte Chance und ging mit 1:5 baden. Dabei darf man nicht übersehen, dass Tom, Leon und die Legende Christian „Schumi“ Schumacher letztes Jahr alle Armbrüche erlitten hatten und diese schweren Verletzungen erst noch verkraften müssen. Dass die drei gegen Rot-Weiß alle ihr Comeback feiern konnten, war das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Spiel. Da auch andere Leistungsträger, wie „GOALiath“ Christoph Andrees, Arne Fischer und Jörg Reineke mit unterschiedlichsten Beschwerden ausgefallen waren, hat man den Saisonbeginn bewusst hinausgezögert, muss nun aber im Wochenrhythmus antreten. Ob das dem noch immer nicht gefestigten Team gut bekommen wird, muss bezweifelt werden. Diese Saison wird es maximal zu Vorrundenplatz 4 und dem Viertelfinale reichen. Und so wird das Warten auf die 12. Meisterschaft auch noch bis 2015 weitergehen. Solange wird die neue Generation herangeführt, die dann in 2-3 Jahren, wenn viele Abwärtsler ihren 50.ten Geburtstag begehen werden, die Verantwortung übernehmen soll.


Wertung: 3,5

 

History: Der erste Satz, der 1985 in Sport & Humor über den Puschi-Trupp geschrieben stand, lautete: „Bei so einem Namen scheint sich das neue Team ja nicht gerade viel vorgenommen zu haben.“ Auf ähnliche Weise haben sich zuvor wohl nur die römischen Inquisitoren („Die Erde ist eine Scheibe“) und DDR-Staatschef Walter Ulbricht („Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“) geirrt! Allerdings wurde das Selbstbewusstsein durch diese Ankündigung zunächst so erschüttert, dass man sich in Atlético umbenennen wollte, was der Autor dieser Zeilen, der übrigens auch den Namen Abwärts eingeführt hatte, in letzter Sekunde verhindern konnte. Ob man als Atlético 85 auch dermaßen erfolgreich gewesen wäre? Mit 11 Super-Bowl-Siegen jedenfalls war Abwärts jahrelang Rekordmeister (Erst 2007/I übernahmen die Globes diese Ehre) und ist heute immer noch unangefochten auf Platz 1 der ewigen Tabelle. Dem ersten Titelgewinn 1989/II folgten in den fünf folgenden Saisons direkt vier weitere. Die Überlegenheit war so erdrückend, dass – so sagen böse Zungen – sie schon fast in Arroganz ausartete. Der chronische Erfolg des damals selbst ernannten FC Bayern der Lohausenliga wirkte wie ein Magnet auf gute Spieler. Es kam nicht selten vor, dass auf den legendären JÄPT- oder den Swimming-Pool-Partys im Hause Puschwadt zu vorgerückter Stunde die heiß begehrte 00-Akteure wie Wiemers, Schmenger, Reineke, Neunzig, Wähling oder Raffelsieper überrumpelt und zu Knebel-Verträgen auf Bierdeckeln genötigt wurden. Heute kann man fast schon drüber lachen. Inzwischen ist man ein buntes Sammelsurium von Liga-Dinosauriern aus einstmals übel konkurrierenden Teams (A85, Fanatic, Kittelbach), die gemeinsam mit ihren Söhnen und deren Freunden noch an vielen spannenden Kapiteln der Lohausenliga-Geschichte mitschreiben möchten. Es bleibt zu hoffen, dass dies dem liebenswürdigen Haufen gelingen wird. 

 

 

FC Kastanie 08 (11.te Saison, Platz 29 in der Ewigen Tabelle)

Der FC Kastanie 08 war bis zum vorvergangenen Jahr ein ebenso talentierter wie undisziplinierter Haufen. Nicht nur einmal hat der Kapitän gedroht mit voller Härte durchzugreifen und den Trupp abzumelden, wenn mal wieder so gar keine Reaktionen auf Bettelmails in Sachen Schiedsrichter stellen, Verlegungsoptionen & Co. eingehen wollten. Diese Zeiten sind aber so was von vorbei, auch wenn der ein oder andere Konkurrent dies bedauern mag. Ausschlaggebend für den Durchbruch waren die Punktabzüge in 2012/II aufgrund eines verpassten Spieltermins, wodurch man aus den Play-off-Plätzen purzelte. Da man diese „Bestrafung“ als zutiefst ungerecht empfand, stand man kurz davor aufzugeben, schwor sich dann aber fortan disziplinierter und stärker als jemals zuvor aufzutrumpfen. Was eindrucksvoll gelungen ist. Dem Schwur von Stockum folgte ein unglaubliches Jahr 2013, in dem man voll durchgestartet ist, anders kann man es wohl nicht bezeichnen. Die Braun-Weißen haben beide Meisterschaften abgeräumt, was zuletzt den Globes 2007 gelungen ist. Sie haben 2013 von 21 Pflichtspielen sage und schreibe 18 siegreich bestritten - bei einer gigantischen Tordifferenz von +47 (97:50 Tore). Nur dreimal haben sie nach regulärer Spielzeit nicht den Platz als Gewinner verlassen. Der Gegner dabei war immer derselbe: Null Null Classic 69! Seltsamerweise ist 00 trotzdem der erklärte Lieblingsgegner der Galaktischen. Verrückte Welt! Am 15.6.2013 setzte es eine derbe 1:5-Pleite. Eine Niederlage, die nur statistischen Erkenntniswert hatte, denn Kastanie stand bereits als Vorrundenerster fest. Allerdings konnte sich Kastanie im Super-Bowl-Halbfinale 2013/I und im Pokalviertelfinale gegen 00 zwar nicht nach siebzig Minuten, aber dann doch noch nach Elfmeterschießen bzw. Verlängerung durchsetzen. Die Dominanz von Kastanie schlägt sich auch in der Schützenliste nieder. Phasenweise kam es im Herbst zu einem mannschaftsinternen Dreikampf um die Torjägerkanone, den der inoffizielle Spieler des Jahres 2013, Mark Aengevelt, dann doch mit 17 Treffern relativ deutlich für sich entscheiden konnte. Zum Glück für Aengevelt wusste Teamkamerad Sebastian Jeremias (13 Tore) nicht, dass die Torbilanzen von NSA-Azubis nachgehalten werden, ansonsten wäre es eng für Mark geworden. Denn der gebürtige Dortmunder gestand in bewundernswerter Offenheit seine Unkenntnis und dass er noch etwas Luft nach oben gehabt hätte: „Klasse, dass sich jemand die Zeit nimmt so eine Auswertung zu machen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich noch mehr Tore erzielt!“ Und man ist geneigt dem 28-Jährigen, der früher beim BVB, RW Ahlen und sogar in einer nationalen Auswahl mit Neuer, Reus und Großkreutz gekickt hat, jedes Wort zu glauben.  Im Schattenwind der beiden Studienfreunde des Doppel-Meisters hat sich mit Kevin Maar (13) eine dritte Kastanie zum Top-Schützentrio gesellt. Kevin gehört eher der Spezies des Vollstreckers an, während Jeremias mit knallharten Distanzschüssen und Aengevelt bei Konterattacken zu treffen pflegen. Aus gelegentlich zuschnappenden Teilzeitmonstern wurden alles verschlingende Vollzeitmonster. Ein - relativ gesehen -  Liganeuling also „on Top of the World.“ Darf das eigentlich sein, fragt sich da so mancher LoLi-Traditionalist, und wie kriegt man die da wieder weg? Ähnlich wie bei Spanien, stellt sich bei dem Team die Frage, ob sie, nachdem sie die ersten Jahre gar nix gewonnen haben und dann doppelt, in der Lage sein werden, auch einen dritten Titel infolge einzufahren oder ob sich Satt- und Zufriedenheit breit machen werden. Die Mehrheit der Fachwelt hat es (fälschlicherweise) Spanien nicht zugetraut und auch bei Kastanie ist man sich uneins. Wenn es den Gegnern gelingt ihren genetischen Code zu knacken, dann wird die Lohausenliga am 28.06.2014 einen neuen Meister küren. Ansonsten wird sich die Liga so langsam auf „deutsche Verhältnisse“ einstellen müssen und die Antwort auf die Frage nach dem kommenden Meister wird regelmäßig: „Kastanie, wer sonst?“ lauten. Obwohl, beide Super-Bowl-Endspiele hätten mit etwas Pech auch verloren gehen können. Insbesondere wenn man an das kurz vor Weihnachten zurückdenkt als die Routiniers von Flamingo schon mit 3:1 vorne lagen. Da räumte selbst Mark Aengevelt ein: „Das Finale war eine knappe Geschichte. Aber über unseren Willen gewinnen wir die Spiele. Gegen Flamingo war ich nicht wirklich gut drauf, aber Meister ist Meister.“ Aber, und da gibt er auch einen kleinen Einblick in das, was die Kastanien so stark macht, Mark nimmt auch direkt der Konkurrenz die Hoffnung, dass K08 nachlassen könnte: „Unser Erfolgsgeheimnis ist, dass wir als Mannschaft super zusammengewachsen sind. Das brauchte natürlich nach dem Umbruch mit vielen neuen Gesichtern ein wenig Zeit und jetzt profitieren wir seit einem Jahr davon, dass wir uns auch neben dem Platz altersunabhängig privat bestens verstehen. Das ist der letzte Kick, der uns gefehlt hat um auch auf den Platz als Einheit aufzutreten. Bei mir hat sich nicht viel geändert, wir sind als Mannschaft eingespielter und davon profitiert jeder Einzelne.  Das wir alle fussballverrückt sind, so wie der Rest der LoLi, ist ja nichts Besonderes.“ Einmal in Sektlaune, hat der gute Mark sogar noch das lang gehütete Geheimnis seiner Turboeinwürfe gelüftet: „Ich habe 15 Jahre professionell Wasserball gespielt, leider schaffe ich es momentan nicht mehr, die notwendige schwimmerische Fitness aufzubauen, um wieder ganz oben anzugreifen, aber ich bin immer noch im Verein. Daher die weiten Einwürfe.“ Ist denn wirklich alles eitel Sonnenschein im Lande der blühenden Kastanien? Einen kleinen Wehmutstropfen entdeckt man dann doch wenn man ein wenig an der Oberfläche kratzt, denn dem Siegesrausch folgte der Umzugsrausch: Kevin Maar, der aus dem Bergischen Land stammt, zog nach Wuppertal, von wo er aber auch weiterhin zu den Spiel anreisen will. Joker Till Schlumberger verschlug es – typisch Kastanie - nach Siegen und der bärenstarke Verteidiger Sven Marc Egbers wagte den ganz großen Sprung über den Taunus und wird fortan Mitstreiter in Frankfurt suchen müssen. Auf den einzigen echten Neuling im Kader, Philip Günkel, wird es also ankommen, ob die vermeintlichen Lücken durch die eventuelle Nichtverfügbarkeit von Schlumberger und Egbers geschlossen werden können. Es gibt leichtere Aufgaben. Allerdings entspringt Günkel der „Talentschmiede“ L'Oréal Deutschland, die auch schon Sebastian Jeremias und Youss Gaye hervorgezaubert hat. Keine schlechte Visitenkarte also, zumal L'Oréal bald wieder bei der WM der Kosmetikindustrie antreten wird. Bei dem, diesmal in Paris stattfindenden Turnier,  laufen die einzelnen L’Oréal-Niederlassungen in ihren Nationalfarben auf. Solch ein Auftritt dürfte das Selbstbewußtsein der drei nicht grade schwächen. Zurück zu den prägenden Figuren des Kastanien-Teams: Hier ist an erster Stelle Mark Aengevelt (29) zu nennen. Der beste Spieler des Jahres 2013 und seine von ihm rekrutierten Freunde haben für Flair und Glamour und schließlich auch für den Erfolg gesorgt seitdem sie vor 3-4 Jahren zu dem damaligen Durchschnittsteam hinzugestoßen sind und sukzessive das Kommando auf dem Platz übernommen haben. Aengevelt ist dabei zuletzt sogar deutlich aus dem langen Schatten von Sebastian Jeremias herausgetreten, der zunächst der spielbestimmende Gestalter war. Heute ist es so: Es ist fast schon egal wer neben den beiden Leistungsträgern spielt, denn sie entscheiden mit ihren Toren und Vorlagen die Spiele. Kaum eine Partie, in der sie nicht treffen. Die beiden überragenden Team-Player haben der Liga Prioritätsstufe 1 eingeräumt und verpassen demzufolge so gut wie kein Match, es sei denn New York ruft, was aber auch nicht jeden Monat vorkommt. Selbst der Sylt-Urlaub von Jeremias fiel über Nacht dem Finale 2013/I zum Opfer. Seine Freundin soll darüber nicht grade amüsiert gewesen sein. Im Endeffekt aber die richtige Entscheidung, denn „Sebi“ konnte mit dem vorentscheidenden 1:0 den hartnäckigen Widerstand der Ackerfreunde brechen. Die Dominanz der beiden End-Zwanziger bedeutet aber nicht, dass die „Alten“ an Einfluß und Bedeutung verloren haben. Ein Blick auf die Zusammensetzung des letzten Halbfinales genügt um zu konstatieren, dass bei den erfolgreichen Teams Kastanie, Globes, Flamingo und Abwärts die Mischung aus Alt und Jung stimmt. Die Oldies sorgen für die perfekte Organisation und die Jungen fahren – unterstützt von einigen Routiniers - auf dem Platz die Siege ein. Den Auftakt zur Sommersaison hat Kastanie bereits wieder beeindruckend gemeistert und beim 11:1-Triumph über RWL wahre Stärke demonstriert. Beängstigend, wenn man bedenkt, dass Rot-Weiß nicht mal schlecht gespielt hat. Was hat sich sonst noch in der Winterpause im Umfeld getan? Carsten Höltkemeyer (stürmender Verteidiger, 46) ist ans Kopfballpendel zurückgekehrt und verrät seine Beweggründe: „Irgendwie müssen die läuferischen Defizite ja wett gemacht werden! Zusätzlich trainiere ich verschärft mit Eigengewicht.“ Was verdächtig nach einem alten Ratschlag von Carmen Thoma klingt, ist der neueste Schrei der Vegan-for-Fit-Bewegung um Attila Hildmann. Nun gut, das kann aber auf Dauer auch keine Lösung sein. Daneben gibt es noch einen für den Leistungssprung ganz entscheidenden Faktor, und der liegt in der Verbesserung auf der Torhüterposition. Bei allem Respekt vor den bisherigen Keepern, aber an dieser Stelle wurde schon vor zwei Jahren angemahnt: „Eine Verstärkung im Tor wäre eine gute Idee!“ Ein Rat der prompt beherzigt wurde und zur Ankunft von Daniel Tolksdorf (29) führte. Seitdem hütet „Tollski“ das Gehäuse und schlagartig wurden die Gegentorfluten eingedämmt. Das ist sogar den Verantwortlichen beim KFC Uerdingen aufgefallen, die Interesse an dem  „Langen“ bekundet haben. Aber als dann dort der Trainer wechselte, ist dieses merklich abgekühlt. Dennoch: Kastanie ist dem Gerechtigkeitsfanatiker nicht genug und so spielt er nebenbei noch wöchentlich für die Bezirksregierung und liebäugelt mit der großen Zweitkarriere beim Beach Soccer. Als Kind nahm das Multitalent auch bei den DEG-Bambinis eine Eishockeyausbildung in Angriff und rettete bei der DLRG Leben. Der Mann, der von sich selbst sagt, dass „er wie ein Hund ist“ und „jeden zweiten Tag Auslauf braucht“, steht auf mehreren beruflichen Standbeinen. Neben seinem Mode- und Textil-Shop (www.cultus-mode.de) betreibt er eine Agentur für Werbung und Gestaltung von Design, Logos und Webseiten (www.tollski.de). Es kommt nicht von ungefähr, dass Team Kastanie auch in Sachen Homepage, Social Media und Ausrüstung demnächst das Maß aller Dinge sein wird. Manche Zeitgenossen scheitern ja daran im Leben die richtige Balance zwischen Job, Familie und Vergnügen zu finden. Nicht so Tollski, dessen Motto lautet: „Jetzt hat die Saison angefangen, da ist Schluß mit Party!“

 

Fazit: Wie heißt es doch so schön? „Kleinigkeiten erobern leichtsinnige Herzen“ und so sind die 08er nach einer gewissen Zeit, in der die Liga mit ihnen (und möglicherweise auch umgekehrt) gefremdelt hat, durch ihr symphatisches und faires Auftreten doch noch angekommen. Ihre sportliche Vorherrschaft wird ligaweit akzeptiert. Neid ist nicht erkennbar. Zu verdanken hat man das dem Respekt, den sich vor allem Aengevelt und Jeremias durch ihre beständigen Top-Leistungen für die Mannschaft erarbeitet haben. Aus dem einstigen hässlichen Entlein ist längst ein schöner Schwan geworden, dem sein momentaner Höhenflug (ein Ende ist hier nicht in Sicht) zu gönnen ist, aber irgendwann ist auch mal gut. Aber irgendwann wird nicht morgen und auch nicht übermorgen sein. Der Saisonstart ist geglückt, die Automatismen greifen, die individuelle Qualität sucht ihresgleichen und wenn nicht Mark Aengevelts wilde „Spiegel“-Zeiten (gemeint ist die Altstadt-Kneipe) zurückkehren oder das Team in den „lätschert“-Modus runterschaltet, führt der Weg zum Sommertitel nur über den FC Kastanie. Es sei denn, die Mitfavoriten knacken Kastanies genetischen Code und unterbinden deren erfolgreiche Kontertaktik. Aber zu wissen, wie ein Team spielt, ist nicht gleichbedeutend mit der Fähigkeit dieses Erfolgsrezept zu verhindern, wenn es perfektioniert ist. In der Vorschau 2011 wurde irrtümlicherweise prophezeit, dass von dem damals wenig schillernden Trupp keine Bunga-Bunga-Parties zu erwarten seien. Aber die  Spieler, die rätselhafterweise fast alle aus Westfalen stammen, können es auch abseits des Platzes richtig krachen lassen. Aber erst, wenn es auch wirklich was zu feiern gibt. Vielleicht ist das sogar das wahre Erfolgsgeheimnis der Männer von Dominic Härte.

 

Wertung: 6 Bälle

 

History: Die gesamte Truppe ist 2008 entstanden über einen Winterkick bei Cosmo Sports. Dort trafen sich Spieler aus ganz unterschiedlichen Ecken. Irgendwann einigte man sich darauf im Sommer auch draußen zu spielen. Als Spielort wurde die Wiese neben dem Aquazoo gewählt. Der Name „Danach Kastanie 08“  hat sich gebildet beim gemeinsamen Bierchen in der Kneipe Kastanie nach einem abendlichen Dienstags-Kick. Über Torsten Grube (Ex-Fanatic), der dabei mitgespielt hat, ist man dann auf die Idee gekommen, eine Mannschaft in der Lohausenliga zu melden. Die Anfangszeit verlief einigermaßen turbulent. Nachdem es in der Debütsaison direkt zu einem rekordverdächtigen „Durchmarsch“ in die erste Liga kam, wurde dort heftig Lehrgeld bezahlt. Sieg- und chancenlos gegen die Ligadinosaurier landete man auf Platz 8 mit 2:12 Punkte und 13:42 Toren. In ihrer Saison Nummero drei (2010/I) wurde dann – als die Liga erstmals im neuen Zweigruppenmodus spielte – der Einzug ins Viertelfinale um mickrige 3 Törchen verpasst. Und 2010/II ging es noch knapper zu. Im direkten Duell um den letzten freien Play-off-Platz unterlag man Abwärts erst in der 69. Minute mit 2:3. Bei einem Remis hätten sich die Kastanien Platz vier gesichert und gleichzeitig den 11-fachen Meister aus den Top4 gekegelt. Ende des folgenden Jahres began dann klammheimlich der Aufschwung. Nach bärenstarker Vorrunde mussten sich die Mannen um Dominic Härte und Uli Förster im Viertelfinale da noch dem späteren Meister Spirit mit 2:4 geschlagen geben. Nachdem zwischenzeitlich der Ausgleich gelang, der den höher platzierten Kastanien gereicht hätte, und sie dieses unglaublich intensive Spiel in der Hand zu haben schienen, sah man über welches Potential dieses Team schon damals verfügte und man konnte in Ansätzen schon den kommenden Serienmeister durchschimmern sehen.

 

 

Tipp Kick Reide (67.te Saison, Platz 7 in der Ewigen Tabelle)

Mit einer exzellenten Saison könnten die Rather die emeritierten Fanatic Soccers überflügeln und in der ewigen Tabelle deren sechsten Platz einnehmen. Aber das käme einer absoluten Sensation gleich ähnlich der Verleihung des PETA-Gendenkordens an den wahnsinnigen Direktor des Kopenhagener Zoos. Denn die Truppe, die in der Sommersaison antreten wird, hat voraussichtlich nicht mehr viel mit der zu tun, die noch am 13.10.2013 das Top-Team der Ackerfreunde 8:3 an die Wand genagelt hat. Der Grund dafür ist die schon seit längerem schwelende Unruhe, die offen zutage trat, als es den hoch gewetteten Tipp-Kickern trotz aller Spielkunst in der vergangenen Saison zum zweiten Mal in Folge nicht gelungen ist in die Play-offs einzuziehen. Es rächte sich, dass der Kader die rechte Balance zwischen Zauberern und den Grätschern vermissen ließ. Auf dem Transfermarkt hatte die Abteilung „Recruitment Services“ immer wieder die Perlen herausgefischt, die am Hellsten strahlten. Die – bei allem Respekt – „hässlichen Entlein“, die treu ergeben die unverzichtbare Drecksarbeit verrichten, sprich die Hacki Wimmers dieser Welt, die den Perlen den Rücken freihalten, wurden sträflich missachtet. Das Motto hieß: Her mit allen Ex-Fortuna-II- oder dritte-französische-Liga-Spieler, die sich auf den Rheinwiesen tummelten. Hauptsache der Glamourfaktor und die potentiellen Erfolgsaussichten steigen ins Unermessliche. Eine Zeitlang ging das gut, aber die Probleme verstärkten sich, als langjährige Defensivstrategen ausfielen. Trotzdem konnte man auch 2013 in vielen Spielen die Gegner phasenweise vorführen. Doch plötzlich wollten alle stürmen um auch noch „ihr Tor“ zu machen. Keinen hielt es mehr hinten, die Disziplin ging flöten, und nicht selten verloren die Reider noch Spiele, in denen sie deutlich in Führung lagen. Die um sich greifende Frustration führte dazu, dass Capitano Roland "Dilly" Gajewski fürs erste die Fußballschuhe beiseitegelegt und sich dem Basketball verschrieben hat. Ausgang offen. Und so weiß auch der im positiven Sinne fanatische neue „alte“ Chef Peter Schmid, dass „die Saison eine ziemliche Herausforderung für die Tipp-Kick-Organisation werden wird“. Und, so lautet das Saisonziel auch angenehm bescheiden und realistisch: „In einer Spielzeit des Umbruchs soll sich eine stabile Mannschaft bilden“. Wenigstens ist ihm vorerst die Sorge genommen worden „derjenige zu sein, der nach 35 Jahren das Ende des Spielbetriebs verkünden muss.“ Zum Glück geht es also weiter, auch wenn zum Jahreswechsel erhebliche Zweifel daran bestanden. Fehlen werden bei der Neuausrichtung Leistungsträger wie Marc Schmitz und Marc Ulmer, die zu den Grafenfreunden gewechselt sind. Dafür gab es mehrere Comebacks aus dem klassischen TKR-Umfeld, die Peter Schmid zu folgenden Planspielen veranlassen: „Burkhard Gerlach (Ex-Meisterspieler von Rheinwiese) und Dirk Rosenau sollen das Spiel ordnen und aufbauen. Mit Jann Wittig und Bernd Schulze sind bewährte Spieler aus früheren Jahren wieder zurück im Team. Andreas Verweyen zeigt sich in der Abwehr sehr präsent. Leo Wellens und Marc Baumgart gelten auch zukünftig als unverzichtbare Stützen im A-Team.“ Zusätzlich an Land gezogen wurden Philipp Runge, Patrick Nowak (ein Ausputzer und ein Torjäger von CFR Links II) und Daniel Mayer, die für den notwendigen Esprit sorgen könnten. Deren Leistungsstärke ist aber ähnlich schwer einzuordnen, wie die des gesamten Teams. Einen ersten Eindruck gewährte das Pokalspiel gegen die Grafenfreunde, das zwar überaus deutlich mit 3:9 verloren ging, in dem die mit Routiniers gespickte Formation 20 Minuten lang ein achtbares 0:0 halten konnte.

 

Fazit: Der Blick zurück hilft nicht bei der Bewertung der Reider Chancen für die anstehende Saison, denn

die spielstarke Tipp-Kick-Mannschaft der vergangenen Jahre, existiert nicht mehr. Vor allem die Abgänge der beiden Marcs (Ulmer und Schmitz) schmerzen und werden in keinster Weise zu kompensieren sein. Ebenso wenig der (vorläufige?) Rückzug von „Dilly“ Gajewski. Dennoch, sollten sich in kurzer Zeit eine Formation und der klassische Tipp-Kick-Spirit herauskristallisieren, werden es die Reider schaffen nicht auf dem letzten Platz der ausgeglichenen Gruppe A zu landen. Mehr als maximal Platz 5 ist aber nicht drin zumal Allrounder Raymond Bartsch noch länger verletzungsbedingt ausfallen wird. Der Ligakenner weiß nicht, ob die sportliche Leitung noch mit Teddy Oga, Denis Delic oder Andreas Lehmann planen kann. Auch Keeper Sascha Schier, der ebenso ein guter Feldspieler sein soll, wäre für ein stabiles Auftreten unverzichtbar, auch wenn Peter Schmid an guten Tagen selbst ein herausragender Torwart ist. Genannte Spieler könnten dem Team in der schwierigen Transformationsphase Halt geben. Ohne sie wird es sehr schwer schnell an alte Erfolge anzuknüpfen. Geduld ist gefragt. Ente Lippens ist am 29.3. der erste Widersacher für Tipp Kick. Peter Schmids Mannen werden sich trotz größter Gegenwehr letztendlich mit 2:5 geschlagen geben müssen.

 

Wertung: 2,5

 

History: Die Geschichte von Tipp Kick, dem Team mit der längsten ununterbrochenen Zugehörigkeit zur Lohausenliga, gleicht einer wilden, jahrzehntelangen Achterbahnfahrt. Einstieg im Sommer 1980, Meister 1984/II. 1992 stand man schon mal kurz vor dem Absturz in Liga 3, konnte aber verdientermaßen die Wild Card für die zweite Liga abräumen und sich dort neu erfinden. Dann 2008/I das ultimative Husarenstück, die erneute Meisterschaft, ein knappes Vierteljahrhundert nach dem ersten Triumph. Immer dabei: Die unvergleichlichen Bentens-Cousins (Helmut und Peter) sowie Keeper Andreas Jakubiak. Vergangenheit und schöne Erinnerung zugleich! In der Meistersaison 84/II gelangen TKR unfassbare 76 Treffer. Wobei die Starstürmer Frank Rüdingloh und Jörg Hampeter jeweils 26 mal einnetzten. Doch beide standen in der Folgezeit nicht mehr zur Verfügung und so begann ein schleichender Niedergang, der immer wieder unterbrochen wurde, wenn Riesenkicker, wie z.B. Ende der 90er Rainer Strecker (Ex-Fortuna, allerdings Deren- und nicht Düsseldorf) und Andreas Mühle (Dynamo), hinzukamen. Oder in der Zeit nach dem zweiten Meistertitel als man mit bärenstarken Spielern wie Ben Abibi (Marokko), Moussa Kaba (Afrika) und Marc Schmitz (Neuss) z.B. in 2012/I  eine überragende Vorrunde hinlegte. Bitter, dass man mit solchen Klasseleuten im Kader dann aber nicht an den Globes vorbeikam, die in einem denkwürdigen Viertelfinale mit 8:4 die Oberhand behielten.

 


New Globes (53.te Saison, Platz 3 in der Ewigen Tabelle)

Die Globes standen seit dem Aufstieg in die erste Liga bzw. seit der ersten Meisterschaft im Jahr 1995 mit zwei Ausnahmen immer in den Play-offs. Sie standen demnach mindestens 35x in den Finalrunden. Dass sie Rekordmeister mit 14 Titeln sind, wird als bekannt vorausgesetzt. Sie dürften auch die meisten Endspielteilnahmen geschafft haben. Sie haben zuletzt 2½ mal hintereinander den Pokal gewonnen (einmal zählte nicht offiziell, obwohl sie alle ihre Spiele bestritten hatten). Das Aus gegen die Flyers im Pokal 2014 war ein harter Kampf, den sie mit einem Altersschnitt von 46 Jahren erst im Elfmeterschießen verloren. Trotz des Ausscheidens der Dauerverletzten Thomas Pütz und Ralf Sons und des Untertauchens der jungen Hoffnungsträger Chris und Justin Krämer konnten die Globes das Jahr 2013 erfolgreich gestalten (Pokalsieg, Halbfinal-Aus gegen Meister Kastanie). Eine Stärke der Globes ist es, dass sie sich größtenteils ewig kennen und schon mehr Zeit auf Unterstufenpartys, später auf der Ratinger, im Ab der Fisch oder auf WG-Partys verbracht haben, als alle anderen Teams zusammen auf dem Fußballplatz. Sportlich feierten Stefan „Mini“ Minnerop, Thomas Pütz, Stefan Pütz, Ralf Sons und Clemens Bachmann Mitte der Achtziger mehrfach mit dem Humboldt-Gymnasium den Sieg die Fußball-Stadtmeisterschaft der Düsseldorfer Schulen. Selbsternannter Star der Globes ist Uwe Hoff, der sich selber als die halbe Mannschaft bezeichnet. Und tatsächlich zeigt der Mann, der eigentlich jede Sportart beherrscht, außer Snowboard und Schlepplift fahren, dass da manchmal etwas dran ist. Hoff laboriert gegenwärtig an einer Schleimbeutelentzündung in der Schulter, die ihn aber beim Fußball angeblich nicht behindert, da schon eher beim Basketball, wo der erfolgsverwöhnte Tor- und Korbjäger mit der 4.ten Mannschaft des ART von Sieg zu Sieg eilt. Den Globes haftet der Ruf an, dass sie sich besonders mit Kippenrauchen fit halten. Tatsächlich aber stehen im aktuellen Kader mit Albert Radl auch ein Marathonläufer, der die 42,195 km fast regelmäßig unter 3 Stunden absolviert (Bestzeit 2:50 Std) und mit Clemens Bachmann ein dreimaliger Triathlon-Finisher auf der Ironman-Distanz (Nebenbei schafft er übrigens immer noch problemlos die Qualis über die Sprintdistanzen bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in seiner Altersklasse). Yves Voigt ist ein überragender Spieler, wenn alles nach Plan läuft - aber meist nur dann. Die Globes haben dazu zwei erstklassige und gleichwertige Torhüter (Guido Quetsch, Markus Traczyk), bärenstarke Verteidiger, wie den stets kipperauchenden Stefan Pütz, Eisenfuß Minnerop (Mini möchte nur noch im Notfall ran, dann aber gerne) und Tom Steinbeck. Sie haben Techniker wie Michael Mertens, Thommy Wolf und Tim Olepp (der diese Saison hoffentlich mehr als ein Spiel schafft) und viele Leute, die zu selten kommen. Wer außer Olepp gemeint sein könnte, bleibt aber ungewiß. Hoffnung setzt der Rekordmeister auf die Neuverpflichtungen Robin Kribben und Dirk Thorwirth (48, angeblich ein Hallengott), dessen Verbandsligazeiten aber bereits über 20 Jahre zurückliegen. Traditionell beginnt Yves Voigt die Saison mit einem Klagelied, dass das alles ohne Thomas Pütz (Meniskus- und Hüft-OPs), die Krämer-Brüder (Cast Away), Kai Barckhan (München oder Koblenz) und Pierre Müller (jetzt Grafenfeunde) keinen Sinn mehr macht und sie dringend neue, junge Leute bräuchten. Ungeachtet des Gejammers springt dann am Ende aber doch eine zufriedenstellende Saison raus. So wird es auch diesmal sein: Aus im Pokal, dafür werden sie mit Glück und Kampf wieder die Play-offs erreichen, dann ist Urlaubszeit und sie fliegen im Viertelfinale raus, so lautet die Prognose von Teamchef Clemens Bachmann.

 

Fazit: Um in leicht abgewandelter Form den großen Lothar Matthäus zu zitieren: „If they are a little bit lucky, they can win their 15th soccer championship of Lohausen this year!“ Für die Globes wird die Vorrunde nur ein Spaziergang sein, den sie auf Platz 2 oder 3 beenden. Anschließend könnte es allerdings heikel werden. Juni heißt auch Urlaubzeit für das Team und wenn man dann mit einem Rumpfteam im Viertelfinale gegen SGG, YBB, AFU, Flyers oder Flamingo antreten müsste, könnte die Saison ein abruptes Ende finden. Vor zwei Jahren wurde in der Vorschau gefragt, ob sich jemand an die letzte Globes-Niederlage mit mehr als zwei Toren Differenz erinnern kann bzw. ob es es überhaupt schon mal eine gegeben hat? Damals kam keine Antwort. Aber es scheint sich langsam ein Wachablösung zu vollziehen. Das letztjährige Viertelfinale war eigentlich schon verloren (man lag 0:3 gegen die YBB im Hintertreffen) als mit einem finalen Kraftakt das Ruder noch herumgerissen werden konnte (3:3). Eine Woche später war solch eine Energieleistung gegen das neue Powerhouse der Liga, Doppelmeister Kastanie, nicht mehr möglich. Als das Spiel nach 1:0-Führung durch Uwe Hoff in Richtung Kastanie kippte, konnten Bachmann, Pütz & Co. nicht mehr dagegenhalten sondern mussten Tor um Tor hinnehmen bis zum Endstand von 2:7. Es ist zwar keine Schande auch mal höher gegen ein starkes Team zu verlieren, aber eins fiel auf und stimmte nachdenklich: die Globes haben nicht clever gespielt. Ging an diesem Tag eine Ära zuende? Einen Beweis dafür, dass sie das beste Team aller Zeiten sind, braucht die Welt aber eigentlich nicht mehr. Der Mythos wird bleiben. Die Globes eröffnen ihre Saison am 05.04. gegen Kastanie und in einem einseitigen Spiel ist aufgrund Globe’scher Personalprobleme mit einer deutlichen Niederlage zu rechnen.

 

Wertung: 4


History: In den Anfangstagen, mit komplett anderer Besetzung als das heutige Meisterteam, waren die Globes ein reines Angermunder Stadtteilensemble und gern gesehenes Kanonenfutter. Zwischendurch musste sogar zwei Mal (Abstieg 1986/II nach einem 0:14 im Relegationsspiel gegen die Schloßherren, sofortige Rückkehr im Sommer 87. Erneuter Abstieg 1990/II als Tabellenletzter der zweiten Liga) die Liga komplett verlassen werden. 23 Jahre später sind sie der Rekordchampion und konnten in ihren 52. Saisons stolze 14 Mal den Super Bowl in den Himmel recken. Vor allem in den sechs Jahren nach ihrem ersten Titelgewinn (1995/I) haben sie praktisch alles abgeräumt. Bis 2001/II war man der totale Dominator, die „Kannibalen“ der Liga. Danach folgten zwar „nur“ noch fünf Meisterschaften (2004/II, 2x2007, 2010/I, 2012/II), doch Chef Clemens Bachmann fügt ergänzend hinzu: „Dafür haben wir die mit Abstand meisten Play-off-Teilnahmen zustande gebracht. Wir sind sofort 1995 als Aufsteiger Meister geworden und haben es bis zum Ende des Ligensystems mit zwei Ausnahmen (jeweils 5.ter mit positivem Punktekonto und nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gescheitert) immer unter die Top 4 geschafft. Außerdem haben wir die längste ununterbrochene Erstligazugehörigkeit (1995/I-2009/I) vorzuweisen. Und wir dürften die einzigen sein, die bislang keinen Punktabzug wegen Nichtstellen eines Schiedsrichters erhalten haben!“

 

 

Ente Lippens (47.te Saison, Platz 9 in der Ewigen Tabelle)  

Lohausenliga-Spieler mit eigenem Wikipedia-Eintrag waren zuletzt seltener anzutreffen als korrekte Steuererklärungen im Hause Hoeneß. Aber den Organisatoren von Ente Lippens ist es zu verdanken, dass wieder ein Hauch von großer, weiter Sportwelt in die LoLi eingezogen ist: Marian Bazany (38), aus Bratislava, zuletzt acht Jahre für die DEG aktiv, schnürt seit seinem DEL-Karriereende 2013 die Schuhe für die Enten und lehrt nun beim Fußball den gegnerischen Stürmern das Fürchten. Als Marian im Nordpark auftauchte war der erste Gedanke des Ligakenners: „Als wenn EL noch nicht genug Angst einflößende Verteidiger Marke Kantholz haben würde. Jetzt kommt noch einer hinzu, der den besorgniserregenden Spitznamen Eisenfaust trägt, weil er sich bei Raufereien häufig schützend vor seine jungen Mitspieler stellt (zum Glück hat er bei Ente kaum jüngere Mitspieler).“ Erfreulicherweise versprüht Bazany so gar nicht die Aura eines Raubeins. Im Gegenteil: Unspektakulär, fair und rechtschaffen verrichtet er seine Dienste in der Enten-Deckung und wirkt dabei selten wie jemand, der 789 (!) Mal in europäischen Profiligen auf dem Eis gefightet hat. Abzuwarten bleibt, wie sich seine LoLi-Karriere weiter entwickelt. Dem Vernehmen nach möchte der studierte Sportmanager nun doch lieber eine Trainerlaufbahn einschlagen, die sich nur schwerlich mit den Anforderungen eines Hobbyligisten vereinbaren lassen dürfte. Die Verpflichtung von Ex-Profi Bazany geht auf das Konto von Boris Bartels, der bekanntlich in der Szene der Düsseldorfer Kreativen, Künstler und Sportler bestens vernetzt ist. Multimarketinggenie Bartels hat unlängst seinen 50.ten Geburtstag gefeiert und ist trotzdem unermüdlich im Auftrag unserer lieblichen Rheinmetropole unterwegs. Neben seinem Beitrag zur Rettung der DEG, supportet er treu die Fortuna und schlägt eifrig die Werbetrommel für das Projekt MERCADO, das eine Markthalle vorm Schauspielhaus favorisiert. Dass er zusätzlich mal eben mit Campino zum Merseyside-Derby nach Liverpool jettet und natürlich auch weiterhin so ganz nebenbei Ente Lippens organisiert, was - wie alle Liga-Kapitäne aus eigener leidvoller Erfahrung wissen - ein knochenharter Full-time-Job ist, weist Boris als wahren Fußball-Verrückten aus, der es eben versteht im Leben die richtigen Prioritäten zu setzen. Die aktuell spannendste Entwicklung bei Ente ist aber zweifelsfrei die Rekrutierung von Martin Wasielewsky, der in den letzten 15 Jahren durchaus eine feste Größe im Düsseldorfer Amateurfußball war. Martin konzentriert sich nun voll und ganz auf Ente Lippens und Ente Lippens auf ihn. Der Spielplan wird dezidiert auf Martins Termine abgestimmt, so dass kein Gegner darauf spekulieren sollte, dass der Mann, der gleichermaßen Verteidiger, Spielmacher und Stürmer zu sein scheint, fehlen und Lippens als Heilsbringer für schwindsüchtige Punktekonten herhalten könnte. Eine echtes Original steht bei Lippens im Tor: Dirk „Winnie“ Winczek, von seinen Freunden liebevoll als „Katze von Oberkassel“ (oder wahlweise als männliche Pocahontas) verherrlicht, schwärmt  selber für den zu Recht längst in Vergessenheit geratenen Kujtim Shala (Ex-Mitglied der F95-Resterampe, aka JurRistic Park anno 1997). Winnie wurde zuletzt als vermeintlicher Dauerurlauber auffällig. Wenn er sich nicht grade auf der iberischen Halbinsel sein Estrella del Sur schmecken lässt, scheut er nicht davor zurück auf die höchsten Graubündner Gletscher zu kraxeln um die Fahne seiner, neben Ente Lippens, zweiten großen Liebe zu hissen: Fortuna Düsseldorf! Dass auch diese Liebe viel zu oft Askese statt Ekstase bedeutet, erduldet Winczek klaglos. Da nicht alle Enten mit seiner Geduld gesegnet sind, werden dem Schiedsrichter schon mal geharnischte Widerworte entgegen gequakt, wenn dieser andere Vorstellungen von Fairplay und Regelauslegung hat als der Enten-Schwarm. Ein erfahrener Referee lässt das nonchalant an sich abperlen, denn er weiß, am Ente haben sich alle wieder lieb – meistens jedenfalls. Zum Auftakt, am 29.03., wird es aber keinen Grund zu meckern geben, denn nach einem fairen Spiel darf ein 5:2.Triumph gegen Tipp Kick begossen werden. Dann kann es gerne auch was Härteres als Estrella del Sur sein.     

 

Fazit: Die Erfolgsaussichten auf einen Play-off-Platz steigen exponentiell an, wenn sich in den stetig wechselnden Formationen mit denen EL anzutreten pflegt, genug Mitstreiter finden, die auf Martin Wasielewskys Ideen eingehen können. Mit anderen Worten: Je mehr JoJo Krüger, Stefan Rayermann und Norman Menzel, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass man die Vorrunde auf Platz 3 oder 4 abschließen kann. Sollte man desöfteren mit dem sprichwörtlich „letzten Aufgebot“ antreten, weil die Spiele einfach für manche Nachteulen zu früh am Tage stattfinden, wird man sich eher in der Gewichtsklasse von Abwärts und Tipp Kick wiederfinden. Dass die Mannschaft über viel Potential verfügt, hat sie erst im Pokalachtelfinale bewiesen, als sie gegen Null Null eine sehr starke erste Halbzeit ablieferte, dieser am Ende dann aber Tribut zollen musste. Auch unschöne Punktabzüge für Nichterscheinen (der Unparteiischen) sollten besser der Vergangenheit angehören.   

 

Wertung:  3,5 Bälle   

 

History: Selten ganz vorne, aber zumeist gut platziert sind die Enten nunmehr seit 23 Jahren in der Liga mit dabei. Im Nachhinein kann man die einzige Meisterschaft 1993/II, als man den damaligen Seriensieger Abwärts in einem hochdramatischen Finale (13:12 n.E.) bezwingen konnte, als „lucky punch“ einordnen. Obwohl man das typische Auf und Ab vieler Mannschaften vermeiden und sich zumeist stabil unter den Top 10 halten konnte, jagt man seit 20 Jahren vergeblich dem zweiten „Stern“ hinterher. Die Liga hat Ente Lippens bedeutende Spielerpersönlichkeiten zu verdanken. Dabei denkt man nicht nur an die noch aktiven Mario d’Aloisio oder Norman Menzel, sondern auch an ehemalige Größen wie Kolja Drewitz, Peter Paschke, Thomas „Braso“ Thielmann, Stefan Tutaß oder die knallharten Zech-Brüder, die für manches künstliche Hüftgelenk gesorgt haben dürften. Sie alle haben für den Trupp ihr Bestes gegeben – nur einer nicht: Namensgeber Willi “Ente” Lippens himself. Ein Verrückter, eine Bundesliga-Kultfigur, der mit und ohne Ball extrem kreativ und spontan agierte. Sein berühmtester Spruch entstand als er mit zarten 20 Jahren eine Verwarnung und den Kommentar des Schiedsrichters “Herr Lippens, ich verwarne Ihnen” mit den Worten “Herr Schiedsrichter, ich danke Sie” konterte. Der Platzverweis war anschließend nur noch Formsache. Eine Erfahrung, die viele Enten auch schon machen mussten. Vielleicht sollte Boris Bartels seine Kontakte spielen lassen um wenigstens ein einziges Mal den echten Willi Lippens zu einem Aufritt im Nordpark zu motivieren.

 


Rot Weiß Lohausen (62.te Saison, Platz 16 in der Ewigen Tabelle) 

Wer es kann, erinnert sich bestimmt gerne an den heißen Sommer 1976 zurück als „One-Hit-Wonder“ David Dundas mit seiner Erfolgsnummer „Jeans on“ die Charts stürmte und mehrfach die Hormone von Ilja Richter und dem DISCO-Studiopublikum in Wallung brachte. Der geneigte Leser mag sich spätestens jetzt wundern, was die Eingangsbemerkung mit einer Vorschau über Rot Weiß Lohausen zu tun hat! Das ist schnell erklärt: Bei deren Auftaktmatch gegen Kastanie - es herrschten für einen 30. März durchaus unübliche 25 Grad - schickte RWL einen Spieler ins Rennen, der nicht nur die „12“ trug sondern auch eine hautenge (lange!) „Blue Jeans“. Okay, warum nicht?, dachte sich der Ligakenner. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Spieler aufgrund personeller Schwulitäten z.B. an der „Böp“ (Tankstelle Freiligrathplatz), mit den Worten: „Du musst sofort mitkommen“, aufgegabelt und in den Kofferraum verfrachtet wurde, nur um kurz darauf ein wahlweise zwei Nummern zu großes oder zu kleines Leibchen übergestreift zu bekommen und sein LoLi-Debüt zu feiern. Eine schöne Theorie, aber in diesem Fall musste es doch eine andere Erklärung geben, denn in der rot-weißen Umkleide drängelten sich zwölf Mann, von Personalknappheit also keine Spur. Ein Insider wusste zu berichten, dass es sich bei dem Jeanstypen völlig anders verhielt. Besagter (neuer) Spieler hatte ganz einfach damit gerechnet, einen kompletten (!) Trikotsatz, bestehend aus Jersey, Hose, Stutzen gestellt zu bekommen. Tja, die Ansprüche der Quereinsteiger wachsen anscheinend unaufhörlich in den Himmel. Die Rot-Weißen lieferten gegen Kastanie phasenweise ein richtig gutes Spiel ab, was natürlich bei einem Ergebnis von 1:11 unglaubwürdig klingt, aber dennoch den Tatsachen entspricht. Nur eigene Torgefahr konnten sie kaum entwickeln und wenn einmal die gefürchtete Kontermaschine von Kastanie ins Rollen kommt, dann sind auch schon ganz andere Mannschaften gehörig unter die Räder geraten. Negativ machte sich zudem das Fehlen der besten Spieler bemerkbar: Zum einen von Paul Buchwald, der Dynamik, Technik, Kampf und Torgefahr in einer Person vereint und somit für die Spielmacherrolle prädestiniert ist. Er war ebenso unabkömmlich wie der sehr talentierte Verteidiger Fabian Bahr sowie Star-Keeper Udo Kegler. Besorgniserregend, dass Udo zuletzt häufiger Rückenschmerzen und längere Regenerationszeiten beklagte. Es wäre eine herbe Schwächung für die rot-weißen Ambitionen, wenn da eine große Karriere ihrem Ende entgegen gehen würde. Zumal es den klassischen Ausputzer Jörg Pfannkuch, der auch ein guter Torwart ist, wegen seines lädierten Knies immer wieder aufs Krankenlager wirft. Beiden gute Besserung! Und so musste Philipp Strehl gegen den Meister zwischen die Torstangen. Der Schalke-Fan gab auch im Gehäuse eine gute Figur ab, dafür fehlten dem Team seine Kompromisslosigkeit in der Abwehr und die vehementen Offensivvorstöße, die längst zu seinem Markenzeichen geworden sind. Philipp ist zu einer Art Statthalter der Gebrüder Beckmann geworden, die nicht mehr zu jedem Spiel nach Düsseldorf kommen können. Der Teamorganisation kommt zugute, dass Strehl seit Jahren regelmäßig auf der Diakonie-Wiese in Kaiserswerth und auf den Gummi-Plätzen an der ESPRIT arena kickt. Über diese Verbindungen führt er dem RWL-Kader verstärkt Nachwuchskräfte zu. Zuletzt machten bei den Kiebitzen die Namen Niklas Bartels, Felix Friedrich (Landesliga Dortmund), Christian Weiß und Stefan Oder die Runde. Sie gelten als Hoffnungsträger für eine glorreiche Zukunft. In dieser werden auch weiterhin die viel beschäftigten Elham und Leo Setareh eine bedeutende Rolle spielen, die es auf bemerkenswerte Weise seit vielen Jahren verstehen zwischen ihren zahlreichen Verpflichtungen in Essen, Gelsenkirchen, Oberkassel und auf der "Kö" immer wieder den Nordpark anzusteuern wenn das rot-weiße Orchester aufspielt.

 

Fazit: Seitdem Philipp Strehl „mitscoutet“ hat die Leistungsdichte des Kaders in der Breite und Spitze merklich zugenommen, dennoch kommt das Team nicht so recht voran. Seit Sommer 2012 holte man lediglich fünf Pluspunkte, wurde zweimal 7.ter und einmal 5.ter, aber mit deutlichem Rückstand auf den Play-off-Platz, der auch für die angelaufene Saison ernsthaft angestrebt werden soll. Es stellt sich die Frage, ob RWL angesichts der herben Auftaktklatsche doch dauerhaft in der Schublade „Punktelieferant/Kanonenfutter“ verharren muss. Das rot-weiße Lager kann beruhigt sein, denn das wird mit Sicherheit nicht passieren. Der Klub der „Beckmänner“ hat sich mittlerweile deutlich stabilisiert und verfügt über einige jüngere Akteure mit viel Potential, die, wenn sie erstmal richtig in der Liga angekommen sind, Rot Weiß auf ein höheres Level hieven werden. Auch dann werden sich zwar Rückschläge gegen die absoluten Ausnahmekönner wie Kastanie, Young Boys und Flamingo nicht vermeiden lassen, aber mit dem Rest dürfte man mithalten können. Dann wird sich zwangläufig der Blick auch mal in die sonnigeren Tabellenregionen richten. Bis dahin ist noch Geduld gefragt. Aber bereits in dieser Saison kann man theoretisch an guten Tagen Ente, Abwärts und Tipp Kick schlagen und unverhofft auf Platz vier hochgespült werden. RWL könnte aber auch gegen alle drei genannten Gegner verlieren. Dem Aufeinandertreffen mit Abwärts wird am 27. April somit eine richtungsweisende Bedeutung zukommen. Das Ligagründungsmitglied wird bei einem 3:3 gegen den 11-fachen Champion aufsteigende Tendenz beweisen. 

 

Wertung: 3,5 

 

History: Es ist noch gar nicht so lange her, da stand Rot Weiß im Super-Bowl-Halbfinale: In der Sommersaison 2012 zog man nach einem sensationellen 8:4-Erfolg im Viertelfinale über ein favorisiertes Tipp Kick in die Vorschlußrunde ein. Dort musste man sich aber nach großem Kampf dem späteren Vizemeister Flamingo geschlagen geben. Auch in den Jahren davor steckte man nicht immer im Keller der Lohausenliga fest. Ganz im Gegenteil: Viele großartige Spieler, die jahrelang das Gesicht der Liga prägten, schnürten im Laufe ihrer Karriere die Schuhe für das Team der Gründerväter der Liga, Malte und Michael Beckmann: Namen wie Jörg Hampeter, Peter „die Schaufel“ Sauer, Dento, Saniti, Martin Paumen, Andy Leistenschneider, Ralle Sachse oder Klaus Müller lassen den Ligakenner sentimental in Erinnerungen schwelgen. Unvergessen auch der einmalige Auftritt von Fortuna-Legende Egon Köhnen am 30. November 1985. Zur Vereinschronik gehören aber auch zwei vorübergehende Rückzüge (1988-1993 und 2009/II). Erstaunlich, dass beides Mal ein Comeback gelungen ist.  


 

Null Null Classic 69 (55.te Saison, Platz 10 in der Ewigen Tabelle)

The Times they Are a-Changin’  sang einst Protest-Barde Bob Dylan und in ganz besonderem Maße gilt dieses mal wieder für Null Null Classic 69! Von den 17 Akteuren, die im Sommer 2012 nach dem 8:7-Finalsieg (übrigens nicht durch Elfmeterschießen herbei geführt) über Flamingo noch mit dem Super-Bowl um die Wette gestrahlt haben, standen am 30.11.2013 bei der Revanche gegen eben jenen Gegner mit Daniel Klein und Maik Gnegel im Play-off-Viertelfinale lediglich zwei auf dem Platz. Das Geschäft ist eben verdammt schnellebig. Immerhin sind weitere fünf Meisterspieler von damals im Laufe der vergangenen Saison zum Einsatz gekommen. Bleibt die Gruppe „Delta10“ der Abtrünnigen. Was ist aus ihnen geworden? Wo sind sie geblieben? Begeben wir uns auf Spurensuche: Neben den fünf „Ackerfreunden“ sind Tobias Ziegler, Ron Lohmann (38) und Sebastian Juli (37) derzeit nicht (mehr) bei 00 aktiv. Tobias Ziegler (46) hat seine große Karriere Ende 2012 auf eigenen Wunsch hin beendet, was nicht nur sportlich sondern auch menschlich ein herber Verlust war. Ziegler war zwölf Jahre lang eine der größten Integrationsfiguren für 00 überhaupt. Zum Glück hat das zum Abschluß noch mit der Meisterschaft geklappt, denn Tobis Zeit bei 00 war eher von sportlichem Stillstand und sogar Mißerfolg geprägt, wozu er am wenigsten konnte. Sebastian Juli legt eine schöpferische Pause ein um sich mittels Cross-X-Training in die Kampfmaschine zurück zu verwandeln, an der KEIN Stürmer (mit Ball) vorbeikommt. Ron Lohmann wechselte nach dem Titelgewinn gemeinsam mit Sebastian Flahs zum neu gegründeten Golden Generation-Team. Aufgrund chronischer muskulärer Probleme kam er dort zuletzt nur noch als Torwart zum Einsatz. Niemand sollte sich wundern, wenn „Ronny“ demnächst wieder als Freund und Fan bei den 00-Spielen auftaucht und lautstark die Kommandos rein brüllt. Zudem konnte 00 letztmals im Viertelfinale 2013/I auf Sturmführer Daniel Müller zurückgreifen, der sich vorwiegend auf seinen Verein TVKalkum Wittlaer konzentriert, der kurz vor dem Sprung in die Landesliga steht. Daneben hat er sich vor Kurzem einen mehrfachen Bänderriss zugezogen und muss längere Zeit mit dem Fußballspielen aussetzen. Müller hatte Null Null 2012 mit seinen sechs Endspieltoren fast im Alleingang zum Champion gemacht. Co-Kapitän Chris Büssen ist nach langwieriger Verletzungspause wieder auf einem guten Weg zurück zu alter Klasse, soll aber in Ruhe aufgebaut werden. Last but not least Trainer Dirk Fischer himself, der im gewonnenen Finale mit Muskelriss im Oberschenkel noch wenigstens die letzte Minute auflaufen wollte, was ihm durch drei Flamingo-Tore in der Schlussphase verwehrt blieb, konzentriert sich mittlerweile fast ausschließlich auf’s coachen. Träumt aber immer noch insgeheim vom entscheidenden Tor per Flugkopfball in der Nachspielzeit im Finale gegen Abwärts. Mit nun bald 45 Jahren wird dies mit ziemlicher Sicherheit auch ein unerfüllter Traum bleiben – zum Glück für Abwärts. Der Kader wurde in den vergangenen 20 Monaten also kräftig durchgeschüttelt. Glücklicherweise ist nach dem bedauerlichen Ausscheiden von Golden Generation von dort mit Sebastian Flahs ein Allrounder zurückgekehrt, der maßgeblich am bislang einzigen Titelgewinn beteiligt war. Ebenfalls von Golden kommen die Talente Jan Klug und Max Kroll, im Gespann mit Max‘ Vater Christoph Lipski, dem Gründungsmitglied von Null Null und „verlorenen Sohn“, der zuletzt vor drei Jahren im Aufgebot stand. Lukas Leistenschneider und Kevin Adducci waren im Meisterjahr grade frisch dabei und spielten noch keine tragenden Rollen, sind seitdem aber durchgestartet und als Co-Kapitän der Nachwuchskräfte (Lukas) und Top-Torjäger (Kevin) prägende Figuren. Dieser Umbruch soll auf lange Zeit der letzte gewesen sein und wird jetzt als abgeschlossen betrachtet. Kontinuität ist angesagt. In der aktuellen Besetzung möchten wir 10-15 Jahre weitermachen und werden das auch. Die Zukunft ist ja generell mit Unsicherheit behaftet, aber eines ist gewiss: Die von Null Null ist sicherer als AKWs Made in Japan! Zumindest solange es die Lohausenliga und „den Coach“ gibt, wird 00 mit dabei sein. Ein Rückzug oder „aufgeben“ war und wird niemals Thema für uns sein. Es gibt sogar viele 00-Söhne, die es kaum erwarten können, endlich 16 zu werden, um offiziell mitmachen zu dürfen. Dann werden auf dem Spielberichtsbogen wieder die Namen Fischer, Minuth, Schwick und von Rospatt auftauchen – die dann aber Roman, Nici, Tristan, Mingus, Justus oder Louis heißen werden. Sie alle werden momentan noch im 00-Future-Team ruhig gestellt. Außerdem hat mir mein zweitgrößter Sohn Roman offenbart, dass es sein zweitgrößter Wunsch ist, Kapitän von 00 zu werden. Noch ist es aber nicht soweit. Das strategische Ziel im Hier und Jetzt lautet, das zu erhalten, was gut ist und sich zuletzt bewährt hat und nicht mehr nach den vermeintlichen Heilsbringern Ausschau zu halten. Bewährt haben sich zuletzt neben den bekannten Gesichtern mit Raphael Baer, Holger Kusenbach, Jan Denkewitz, Berkan Genc, Joe Hamma, Raphael „Fallbeil“ Hanke, Joachim Braun, Andi Haslebacher, Robin Jäger, Max Kroll, Jan Klug, Benny Ockler und Max Roosen dreizehn noch unbesungene Helden, die erst nach der Meisterschaft 2012/I zum 00-Stamm gestoßen sind. Damit auch sie eines Tages in der 00-Hall-of-Fame Einzug halten, waren einige im hochalpinen Trainingslager und haben legal an der Vermehrung ihrer roten Blutkörperchen gearbeitet. Andere haben in der niederrheinischen Tiefebene sprichwörtlich geschuftet wie Ackergäule. Diese Investitionen haben sich in der Saisonvorbereitung bereits ausgezahlt. Die erstaunliche Bilanz gegen Teams wie Lippens, Flyers, Young Boys und Magnum City lautet: Vier Spiele, vier Siege! In denen haben es vierzehn verschiedene Schützen insgesamt 37x klingeln lassen. Neben den vielen tollen Toren haben am meisten die gelungenen Comebacks von Chris Büssen (nach 6-monatiger Verletzungspause), Carsten Gossmann (mit auskurierter Schulter und endlich „40“)  und Basti Flahs (1 ¾ Jahre bei Golden) imponiert. Es kam sogar zu einem Novum in der Vereinsgeschichte: ein Freundschaftsdoppelspieltag: Samstags die Young Boys weg gefidelt, tags darauf Magnum City versenkt! Die Frühform ist beachtlich. Hoffentlich hält sie mindestens bis zum 28.06.2014 an, dem Tag des Finales!

 

Fazit: Die größte Schwäche der Vorsaison scheint trotz Pierre Müllers Abgang behoben zu sein: Die mangelnde Torgefahr in der Breite. Anderes wird sich dagegen bei 00 nie abstellen lassen: So startet auch diese Saison ohne verschiedene Leistungsträger: Lukas Leistenschneider (Wien), Max Roosen (Barcelona) und Raphael Hanke (Kolumbien), die es – wie Spieler aller 00-Generationen zuvor - in die weite Welt hinauszieht, zum anderen trudeln mit unschöner Regelmäßigkeit von Freitagabend bis fünf Minuten vor Spielbeginn gehäuft Absagen ein. Auch tut sich so mancher 00er mit der langfristigen Planung schwer: Drei Finale hat man in Folge erreicht, aber immer wenn die Spielzeit in ihre entscheidende Phase tritt, sind alle von ihrer eigenen Urlaubsplanung überrascht oder müssen mit Schrecken feststellen, dass sie einst unbekümmert die Teilnahme am zeitgleich stattfindenden Rumba-Tanzkurs ab genickt haben, dem die Partnerin schon so lange entgegen fiebert. Play-off-Termine sind schön und gut, aber der häusliche Frieden wird dafür nicht riskiert. Das kann schließlich keiner wollen. Stürmer Sebastian Lindner beispielsweise, ansonsten ein absolut zuverlässiger Stammspieler, hat alle drei Finale verpasst und hätte auch bei den drei folgenden nicht gekonnt, wenn sie denn erreicht worden wären. Tragisch! Die von Coach Dirk Fischer ausgegebene, unaufgeregte Maxime nach einem zwar titel-, aber nicht erfolglosen Jahr 2013 lautet: Ohne Druck aufspielen und einfach Spaß am Fussball, an der Liga und am geselligen Miteinander haben. Gerne auch mal ohne sich durch die Vorrunde zu zittern. Unser Ziel ist eine optimale Punktausbeute in der Vorrunde um uns mit viel Selbstvertrauen ausgestattet für die Play-off-Spiele zu qualifizieren. Das wird schon schwer genug angesichts der starken Gruppenkonkurrenz. Wir können bekanntlich theoretisch alles, außer Saisonauftakt. Zum Start am 12.4. wartet mit den New Globes ausgerechnet Angstgegner Numero Uno! Eine Begegnung, die für uns bestenfalls nur Remis enden kann. Die Fans werden sich an einem attraktiven 4:4 erfreuen dürfen.

 

Wertung: 4,5 Bälle

 

History: Aus Trotz wurde am 15. März 1986 im Kunstunterricht bei Frau Weske auf dem Clara-Schumann-Gymnasium (Golzheim) Null Null ins Leben gerufen. Gründungsväter waren Dirk Fischer (379 Einsätze, 221 Tore), Christoph Lipski (104/52), Andreas Minuth (102/59) und Björni Schwick (219/70). Und genau diese vier Ikonen des Freizeitfußballs sind auch schlappe 28 Jahre später immer noch für 00 aktiv - konzentrieren sich aber zunehmend verstärkt auf die 3x jährlich stattfindenden Legendenspiele gegen Borussia 1985 Lohausen. Die komplette Reaktivierung ist aber jederzeit möglich. Die Teamleitung wartet nur auf entsprechende Signale. Von der einst an dieser Stelle beklagten chronischen Erfolglosigkeit als einziger Konstanten in der wechselvollen Geschichte ist nicht mehr viel übrig geblieben. Vor vier Jahren brachte es die Tabelle auf brutalste Weise ans Licht: 00 war ganz am Ende angelangt. Letzter in Gruppe A mit minus 1 zu 13 Punkten und jämmerlichen 9 zu 37 Toren. Und das Gefährliche dabei: Keinen hat das Verlieren mehr so richtig gestört. Hauptsache wir hatten uns alle lieb. So konnte es natürlich nicht weitergehen, sonst wär noch vor dem 25.ten Geburtstag unweigerlich das Aus gekommen. Durch die Aufgabe des Zwei-Ligensystems im Frühjahr 2010 hat sich die unverhoffte Chance ergeben, das Loser-Image abzustreifen und wenigstens einmal Meister zu werden, obwohl dies schon in der Vorschau auf unsere erste Saison (1986/II) in der LL-Postille Sport & Humor mit Nachdruck ausgeschlossen wurde: „Man tut dieser Ansammlung keinen Abbruch, wenn man sagt, dass sich dieses Team niemals Ligameister nennen wird!" NIEMALS – stand da 26 Jahre lang und somit fast solange wie die Berliner Mauer (kennt die noch jemand?) – und das auch zu Recht. Dennoch, endlich kann dieser Satz aus den Annalen gestrichen werden. Am 30. Juni 2012 war es soweit. Was niemand für möglich gehalten hat, ist eingetreten: Null Null Classic 69 ist Meister der Lohausenliga in der Sommersaison 2012/I. Das ist unauslöschbar und bleibt ewig in der Erinnerung, in Festschriften, auf unzähligen Fotos und in unseren Herzen! Und es ist uns mit einem Team gelungen, in dem sich ausnahmslos supernette, bescheidene und einfach nur großartige Jungs befinden. Nach fünf Siegen in Folge mit 33-12 Toren dürfte niemand anzweifeln, dass wir der verdienteste Meister seit langer Zeit sind. Das Finale war hochklassig, nervenaufreibend, aber nicht spannend, am Ende aber doch, denn nach 7-2 stand es plötzlich und in der letzten Minute 8-7. Danach hatten wir dann aber wieder alles im Griff. Seitdem stand man auch nicht mehr im Finale, wozu natürlich auch immer ein wenig Glück gehört. Das hat 2012/II und 2013/I gefehlt, als man beides Male im Halbfinale erst durch Elfmeterschießen verloren hatte. Kann passieren. Jammerschade und frustrierend. Ein kleinerer Rückschlag war das Viertelfinalaus, in der vergangenen Saison, als man viele Chancen gegen ACF vergab und beim 0:1 ohne Treffer blieb. Gar nicht mehr gewohnt, dass eine Saison so früh enden kann. Das war davor zuletzt im Dezember 2010 passiert. Aber immerhin: Seit 2010 sieben VF-Teilnahmen in Folge (5x HF). Wenn ich zwei Dingen in meinem gar nicht so kurzen Leben gelernt habe, dann a) dass man sich nicht mit liierten Frauen beschäftigen sollte und b) wie man lernt mit Niederlagen umzugehen. Für beides hatte ich reichlich Gelegenheit! Die Enttäuschung nach dem miesen 0:1 war zwar riesig, man musste sich aber keine ernsthaften Sorgen um meinen Gemütszustand machen. Nachdem ich in der schlaflosen Samstagnacht die dritte Sushi-Bar zerlegt hatte, ging es wieder. Kurzum: Null Null lebt – wie die gesamte Lohausenliga - und so soll es bleiben.

 

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Tag(s) : #Lohausenliga
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