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Folge 8: Abwärts 85

 

…ist dabei seit 1985/II / …bestreitet seine 51.te Saison / …belegt den 1.ten Platz in der ewigen Tabelle

 

Der erste Satz, der 1985 in Sport & Humor über den Puschi-Trupp geschrieben stand, lautete: „Bei so einem Namen scheint sich das neue Team ja nicht gerade viel vorgenommen zu haben.“ Auf ähnliche Weise haben sich zuvor wohl nur die römischen Inquisitoren („Die Erde ist eine Scheibe“) und DDR-Staatschef Walter Ulbricht („Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“) geirrt! Allerdings wurde das Selbstbewusstsein durch diese Ankündigung zunächst so erschüttert, dass man sich in Atlético umbenennen wollte, was der Autor dieser Zeilen, der übrigens auch den Namen Abwärts eingeführt hatte, durch eine konzertierte Aktion in letzter Sekunde verhindern konnte. Ob man als Atlético 85 auch dermaßen erfolgreich gewesen wäre? Mit 11 Super-Bowl-Siegen jedenfalls war Abwärts jahrelang Rekordmeister (2007/I übernahmen die Globes diese Ehre) und ist heute immer noch unangefochten auf Platz 1 der ewigen Tabelle. 

 

Doch nun droht eine atemberaubende Entwicklung von der „einstigen Kindertruppe“ (S&H 1987),  über den  selbsternannten FC Bayern der Lohausenliga (early 90’s) bis hin zum Rekordmeister als graues Mäuslein ein böses Ende zu nehmen. Man muss sich scheinbar wirklich Sorgen machen um die früher alles verschlingende bestia roja. Die neue Saison steht an und kein Imponiergehabe, keine Beißreflex, keine martialischen Ankündigungen an den Rest der Liga. Alles was da kam, war eine völlig blutleere Selbstauskunft, kaum schmackhafter als ein lauwarmes Brühwürstchen. Aussagen wie: „der Bessere soll gewinnen“ oder „der Star ist die Mannschaft“ kannte man bislang von besorgten Schwiegermüttern oder aus dem kleinen 1x1 für FIFA-Diplomaten, aber doch nicht von Puschi und Co. Was ist los im Staate Abwärts? Bislang war der Ligakenner der festen Überzeugung, dass die Männer um Christoph Andrees keine Vertreter der Generation Blümchensex sind. Möglicherweise ist da ein totales Umdenken angesagt.

 

Ist man jetzt also tatsächlich schon ein Mauerblümchen, über das es laut Kapitän Puschi „derzeit wirklich nichts Interessantes zu berichten gibt.“ Wer soll denn sonst die Skandale und Anekdoten liefern, wenn nicht Abwärts? Wenigstens ist dann doch noch durchgesickert, dass sich Spielmacher Carsten Schruck nach Münster verändert hat. Die Gruppengegner dürften diese Nachricht wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Ist Schruck doch jemand, der das Spiel des Teams gelenkt und die entscheidenden Angriffe eingefädelt oder selbst abgeschlossen hat. Diese Last werden zukünftig Arne Fischer und Jörg Reineke alleine schultern müssen. Aber wie wir Puschi kennen, wird er sicher um den schussstarken  Blondschopf kämpfen und wenn er ihn vor jedem Spiel eigenhändig aus Münster abholen muss.

 

Diese Abwärtsentwicklung kommt zur Unzeit, hat das Team doch sowieso schon eine eher durchwachsene Saison hinter sich. Ohnehin wartet man bereits seit 2006/II auf den 12.ten Titel (damals 4:2 gegen Tipp Kick). Weihnachten 2009 wäre es fast soweit gewesen, aber im Gefühl des sicheren Sieges (4:1 Führung gegen die Flyers neun Minuten vor Ende der regulären Spielzeit) schenkte man den Super Bowl durch Leichtsinnigkeit her. Auch das kannte man in dieser Form noch nicht, hat sich der Trupp doch bei eigener Führung immer als äußerst clever erwiesen, dabei stets geschickt die Grenzen des Fair Plays zum eigenen Vorteil auslotend.

 

Und 2010/II musste man erstaunliche vier Niederlagen aus sieben Spielen hinnehmen. Dass man damit dennoch beinah ins Finale gestolpert wäre, ist beachtlich genug und erinnert ein wenig an die 80er-Jahre-WM-Bilanzen der deutschen Nationalelf. Gegen die Globes hat man zum Schluß der Vorrunde böse abgeschenkt (1:8). Und im Alles-oder-Nichts-Spiel mit Kastanie gelang lediglich ein Last-Minute-Sieg (3:2). Immerhin konnte gegen den alten Rivalen, die Kittelbach Steamers, am grünen Tisch gewonnen werden, aber selbst dort nur mit 1:0! Im Viertelfinale war der Altmeister aber wieder da und zeigte seine wahre Größe: Ehrgeizig, Kompromisslos, spielerisch und kämpferisch bärenstark. Diesem taktisch geschickten, homogenen Auftritt hatte der B-Gruppenerste Flamingo rein gar nichts entgegenzusetzen und musste beim 3:1 früh die Segel streichen.

 

Fazit: Zu solchen Kraftakten scheint Abwärts aber nur noch punktuell in der Lage zu sein. Dennoch darf man nicht den Fehler machen erste Abgesänge auf den 11-maligen Meister anzustimmen. Zwischen Platz 2 und 4 ist in der Gruppenphase alles drin. Die Aussichten stehen also ganz gut, dafür wird auch ein wiedererstarkter Jan Graf (43) sorgen. Der einzige Spieler, der von der 1985er „Kindertruppe“ übrig geblieben ist und nun an der Spitze der internen Einsatz- und Schützenranglisten einsam seine Kreise zieht. Leider gelingt es dem Ligakenner aber nicht, Abwärts auch für die Folgejahre eine rosige Zukunft zu prognostizieren. Dafür werden einfach zu oft Auflösungserscheinungen sichtbar. Immer häufiger wird über schlechtes Rückmeldeverhalten bezüglich der Spielbeteiligungen geklagt. Und Puschi Puschwadt was not amused als er auf der traditionellen Weihnachtsfeier, bislang eine Stärke der Truppe, in eine äußerst überschaubare Runde blicken musste. Spricht man mit Abwärtsspielern über die eigene Zukunft und die der Liga, hört man immer: „Ich spiele vielleicht noch ein, zwei Jahre und dann ist aber auch gut. Die Liga wird eh nicht mehr länger machen.“ Warum eigentlich nicht? Der neue Modus wirkt wie ein Jungbrunnen und hat das ganze Konstrukt revitalisiert. Was jetzt noch forciert werden sollte ist ein „Get together feeling“, wie es früher vor allem bei Partien von Fanatic, den Steamers und eben Abwärts gang und gäbe war. Bei den genannten Teams gab es darüber hinaus Mannschaftszeitungen, Partys, Tourneen, Turniere, Urlaube, Freibier, Tombolas. Diese Zeiten sind wohl unwiederbringlich vorbei, aber wenigstens sollte man schon ein wenig die Werbetrommel rühren um zumindest zu den Play-off-Spielen mehr Zuschauer in der Nordpark zu locken.

 

Wertung:       4 Bälle     

 

Weiter geht es in Folge 9 mit dem Team, bei dem ein wahrer Teufelskerl zwischen den Pfosten steht…

 

 

Folge 9: Die Formentera Flyers…

 

…sind dabei seit 1989/I / …bestreiten ihre 44.te Saison / …belegen den 13.ten Platz in der ewigen Tabelle

 

Unser Team ist unverzichtbarer Bestandteil der LL seit...

…22 Jahren. Zur Sommersaison 2005 hat Stefan Neunzig die Leitung des Teams von Eric Hopen übernommen. Ebenfalls in dieser Saison konnte Oliver Abeln mit Hilfe einer Stammplatzgarantie von der damaligen Fahrstuhlmannschaft Fanatic Soccers als „Co“ abgeworben werden.

 

Unser heimlicher Star heißt...

Die Flyers haben in ihren Reihen zwei vermeintliche Stars: Zum einem ist es Patrick Hoven, der im Superbowl-Finale 2009 II beim Spielstand von 1:4 acht Minuten vor Ende der regulären Spielzeit mit einem Hattrick maßgeblichen Anteil am Gewinn der ersten Meisterschaft für die Formentera Flyers hatte. Peter Wirth sieht sich selbst ein bisschen als (ein) Star der Mannschaft. Bisweilen fußt seine Haltung auf der Fähigkeit einen Handstand am/auf dem Tresen gekonnt zu zelebrieren. Zukünftig wird Peter seine Ausnahmestellung im Team auch mit seinem Können auf dem Platz weiter festigen und sicherlich ein echter Lohausenliga-Star werden.

 

Unser größter Erfolg war..

Gewinn der Meisterschaften 2009/II und 2010/II, wobei der Viertelfinalsieg gegen die New Globes

letzte Saison auf dicker Schneedecke auch ein wirkliches Highlight war.

 

Unser größter Skandal war...

Um diese Rubrik zu füllen, müsste man wahrscheinlich in die Zeit vor 2005 blicken (Hopen, Cabanillios und Moissidis sorgten lange Zeit für das Image als Skandalnudel Nummer 1! Nur ein Stichwort: Backpfeifen für 14-Jährige Young-Boys-Spieler – die Red.) . Allerdings obliegt es uns nicht, Dinge zu bewerten und zu veröffentlichen, die wir nicht einschätzen können. Seit 2005 sind die Flyers laut unserem Anwälteteam offiziell/ weitestgehend/ beschämenderweise/ erschreckend/ skandalfrei.

 

Unsere Selbsteinschätzung für 2011/I lautet...

Die Flyers werden Vorrundenzweiter und erreichen das Halbfinale.

 

Neuigkeiten rund ums Team

Auf unserer diesjährigen Meisterfeier hat Björn Hitzing bekannt gegeben, dass er eine richtige Spielerfrau haben und im Herbst heiraten möchte. Die entsprechende Dame hat er bereits gefunden. (Sie war zudem meist einzige Zuschauerin unserer Spiele). Seinem Wunsch nach einem Spalier von Flyers-Spielern nach der offiziellen Zeremonie kommen wir sehr gerne nach. Auf diesem Wege möchten wir auch unserem verdienten Spieler Jörg Rottmann danken und ihm das Karriereende nahe legen.

 

Die Liaison zwischen den Flyers und der Lohausenliga ist wie eine Ehe: Lange schmerzhaft, ohne viel Sinn, aber irgendwann wird man für all seine Mühen belohnt – wenn man Glück hat. Wenn man Pech hat, geht es einem wie Null Null, aber das ist eine andere Geschichte. Jahrelang war das einst von Eric Hopen (Revival) und Achim Hoss (Fanatic) aus der Taufe gehobene Team eine klassische Fahrstuhlmannschaft. Oft zu gut für die zweite Liga, aber zu schwach fürs Oberhaus. Das ging auch eine Weile nach der Übernahme des Kapitänsamtes durch Stefan Neunzig vor genau sechs Jahren so weiter, obwohl da schon erste Fragmente der späteren Meistermannschaft sichtbar wurden. Nach dem letzten Abstieg (2007/II) hat es aber Klick gemacht und man ist in der darauffolgenden Saison komplett durchgestartet. Damals gelang verlustpunktfrei der Aufstieg. Seitdem geht es mit den Flyers stetig bergauf. Den Höhepunkt bilden die beiden zuletzt errungenen Wintermeisterschaften. Dass man aber auch vor Rückschlägen nicht gefeit ist, bewiesen sowohl die 0:1-Halbfinalniederlage gegen Eintracht Unglaublich (2010/I) als auch die beinah unerklärlich schwache Vorrunde 2010/II, in der es drei Niederlagen hagelte, lediglich die Revanche gegen Eintracht (2:1) gelang und ein Pflichtspielsieg über Rot Weiß (8:1) eingefahren wurde. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zum einen musste man den Abgang von Patrick Hoven (48 Tore in 38 Spielen, jetzt: Beiersdorf, Hamburg) verkraften, zum anderen haben die Flyers einen sehr großen Kader an spielwilligen Akteuren, die alle bei Laune gehalten werden müssen, so ist Rotation Programm und die mittlerweile einstudierten Automatismen führen dadurch nicht in jeder Partie zum Erfolg. Aber zumindest auf einer Position herrscht absolute Konstanz, denn man verfügt mit Sebastian Pflügge über den besten Keeper der Liga. Darin sind sich alle Experten einig. Der ehemalige A-Junior von BV04 und Sohn der Ex-Bundesligaprofis, Heinz Pflügge, (4 Einsätze für den MSV von 1966-68) ist ein wahrer Teufelskerl zwischen den Pfosten und der Dauerbrenner im Team. Seit seinem Debüt 2005 hat er fast kein Spiel verpasst und so war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass er auch zum Finale am 18.12.2010 anreiste, obwohl er eigentlich schon mit Frau und Kind im Sauerland-Urlaub weilte. Was sich nicht allzu spektakulär anhört, bekam aber durch die damaligen klimatischen Bedingungen (Meterhoch Schnee überall) schon ein wenig den Charakter von Roald Amundsens Südpolexpedition. Als er unlängst aufgrund einer Grippe den torlosen Saisonauftakt gegen Abwärts nur vom Rand aus verfolgte, konnte er sich immerhin davon überzeugen, dass mit Spielmacher Peter Wirth (1. Hz) und Sturmtank Ralf Sövegjarto (2. Hz) durchaus brauchbarer Ersatz für das Tor vorhanden ist. Beide machten einen professionellen Eindruck und entschärften die wenigen Gefahr verheißenden Abwärts-Angriffe souverän.

 

In Anlehnung an einen populären Simmel-Roman kamen also mit Stefan Neunzig nicht die Tränen sondern der Erfolg. Er ist ein geborener Stratege, der nur darauf gewartet hat, Verantwortung zu übernehmen (was ihm zuvor bei 00 und Abwärts nicht vergönnt war) um seinen lange in der Schublade schmorenden Masterplan in die Tat umsetzen zu können. Als er dann alle Puzzleteilchen beisammen hatte, fehlte dem Trupp nur noch ein gewisses Maß an Erfahrung, an Reife, ohne die man in der LL nicht den Titel holen kann. Die Mannschaft trägt eindeutig seine Handschrift. Stefans strikte taktische Anweisungen, scheinen den einen oder anderen Flyer zunächst zu überfordern, sind aber bloß Ausdruck seines unerschöpflichen Repertoires und seiner analytischen Fähigkeiten. Deshalb polarisiert er auch, aber das weiß er und nimmt es billigend in Kauf, denn dadurch erreicht er, dass es ihm jeder einzelne „mal so richtig beweisen“ will. Symptomatisch dafür war eine interne Taktik-Diskussion, die nach dem 0:0 gegen Abwärts aufkeimte. Einem zwar überlegen gestalteten, aber letztendlich öden und nickeligen Spiel. Hier führten die Kapitäne ihr unvergleichliches Good-Cop- (OA), Bad-Cop-Stück (SN) auf. Während Stefan Neunzig knallhart die Fehler analysierte und Verbesserungsvorschläge anbrachte, vertrat Abeln die Position der Mannschaft, die mit der eigenen Leistung zufrieden war. Am Ende hatte Neunzig wieder alle auf Linie gebracht. Genial!

 

Da auch dies bloß Teil der cleveren Strategie sein dürfte, weiß Neunzig in Oliver Abeln einen loyalen Partner an seiner Seite. Abeln ist der einzige Akteur, der auf dem Meisterfoto keine Miene verzieht, die das empfundene Glücksgefühl widerspiegeln könnte. Aufgrund einer Verletzung konnte er im Finale nicht mitwirken, so dass er „sich nicht wirklich als Meister fühlte“. Dabei hat er seinen entscheidenden Anteil am Titel. Als das Halbfinale gegen Tipp Kick (4:3) in der Schlußphase zu kippen drohte und sich langsam Panik breitmachte, behielt Abeln seine Bierruhe und holzte einen Ball nach dem anderen in den Belgrader Nachthimmel. Doch schon droht neues Ungemach für den Co. Die Flyers dokumentieren nämlich in ihrer Statistik rührenderweise sogar ganz dezidiert jede Einsatzminute. Auch hier liegt Goalie Pflügge in Front und hat seit 2005 fast doppelt so lange auf dem Feld gestanden, wie der viertplatzierte Tobias Gehlhaar! Da wird Chefstatistiker Abeln die neue Regelung, bei der die Schiedsrichter die Wechselarien nicht mehr akribisch nachhalten müssen, sicherlich gehörig ins Schwitzen bringen. Als Motivationshilfe und als Seitenhieb auf seine langjährigen Rücktrittskoketterien bekam er den etwas sperrigen Titel: Head of Strategic Coordination of the Roadmap for the First Summer Championship of Lohausenliga after winning the Winter Seasons 2009 and 2011 verliehen. Wenn’s denn hilft, den guten Olli bei der Stange zu halten!

 

Fazit: Ein Blick zurück belegt die Ausgeglichenheit, aber auch die „Rotationshörigkeit“ der Flyers. Elf verschiedene Torschützen, aber keiner davon tauchte ganz vorne in der Rangliste auf. Oliver Blobel war mit sechs Treffern noch der Erfolgreichste. Selbst Tausendsassa Peter Wirth traf nur 3x, dafür aber immer entscheidend in allen Super-Bowl-Spielen. Aus der Erfolgsformation ebenfalls nicht wegzudenken ist Mittelfeld-As Jens Niehl (gibt nicht nur auf‘m Platz immer 1000% sondern auch im Düsseldorfer Straßenkarneval). Bleibt abzuwarten, ob nach dem jüngsten Husarenritt ein kleiner Spannungsabfall droht. Dann könnte es in der starken Gruppe B eng werden für den Meister. Der Ligakenner hegt aber keinerlei Zweifel an der Leistungsstärke und -bereitschaft des Kaders. Die Flyers werden sich mit dem AC Flamingo ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Gruppensieg liefern, müssen dann aber im Viertelfinale höllisch aufpassen, denn gegen die möglichen Gegner Lippens und Tipp Kick wurde in der letzten Vorrunde verloren. Mit ähnlich viel Glück wie zuletzt schaffen sie den Einzug unter die Top4, das Finale werden aber dieses Mal mit Sicherheit zwei andere Teams bestreiten. An der „Roadmap“ zur ersten Sommermeisterschaft muss also noch weiter gefeilt werden.

 

Wertung:       5 Bälle    

 

Die Liga hat eigentlich alles zu bieten, nur an weiblicher Grazie hat es bislang auf dem Spielfeld gemangelt – die Torfrau der Brombären mal ausgenommen! Aber jetzt gibt es eine Mannschaft, die felsenfest entschlossen ist, dies zu ändern. Aber davon mehr in der nächsten Folge!

 

 

 

Folge 10: Freistaat Zeit

 

…ist dabei seit 2011/I / …bestreitet seine 1.te Saison / …belegt den 68.ten Platz in der ewigen Tabelle

 

Wenn zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander prallen…

…versuchen sie entweder sich flux zurück in ihre Umlaufbahn zu begeben oder es macht einfach zoom und das war‘s dann, dann ist es für immer! Wie das bei der „Kollision“ des am 28.06.2007 gegründeten Freistaats und der 30 Jahre älteren Lohausenliga war, kann noch nicht abschließend beurteilt werden, aber ein erfolgsversprechender Anfang ist gemacht. Das war nicht unbedingt selbstverständlich, denn der Weg, den der Freistaat bis zu seinem Ligadebüt zurücklegen musste war einsam, lang und steinig. Zunächst war das Team in der Uniliga aktiv, blieb dort aber sieglos und holte lediglich drei Remis aus 10 Spielen bei 2:28 Toren. Als man „keine Lust mehr hatte zusammengetreten zu werden“ reichte man seinen Rücktritt ein. Über den Suchbegriff „Kleinfeldliga Niederrhein“ googelten sich FSZ schon beinah Richtung Lohausen, obwohl man selbst völlig ortsfremd ist. So schickte Kapitän Tobias Waldvogel bei der ersten Kontaktaufnahme noch folgenden unverschlüsselten Hilferuf über den Äther: „Wir waren noch nie in Lohausen und wissen nicht genau wo das ist.“

 

Immerhin konnte dann doch noch der Weg in den Nordpark irgendwie ausfindig gemacht werden, denn beim Spiel Abwärts gegen Null Null (2:3) trat man als Zuschauer in Erscheinung, überraschte dann aber mit dem Abschied zur Halbzeitpause, den man mit der verblüffenden Aussage: „Euer Spiel ist uns zu langweilig. Das andere (Tipp Kick-Ente Lippens 6:3, die Red) hat uns besser gefallen“ begründete. Ein umstrittenes Urteil, denn der Ligakenner war sich einig, beim Classico zwischen dem Alt- und dem Noch-Nie-Meister allerhöchstes Liganiveau geboten bekommen zu haben. Möglicherweise war der Verzicht auf die zweite Halbzeit aber auch eine glückliche Fügung des Schicksals, denn das dort Dargebotene hätte das auf fairen und respektvollen Umgang bedachte Team arg verschrecken können (Stichwort: Blut am Pfosten/Weinende Männer).

 

Dennoch war der Freistaat weiterhin wildentschlossen sich ohne Fallschirm und doppelten Boden kopfüber in das Abenteuer Lohausenliga zu stürzen. Jetzt galt es nur noch das letzte Hindernis aus dem Weg zu räumen: Die Organisation eines eigenen Tores. Der Einzelpreis (400 €) schreckte zunächst ab, zum Glück konnte auf die Krähenacker-Konkursmasse verwiesen werden. Als das geplante Freundschaftsspiel mit Null Null näher rückte, gab es diesbezüglich aber immer noch keine Erfolgsmeldung, stattdessen hieß es: „Nein wir haben kein Tor, weil von der Liga keiner antwortet, weil der Herr, der die Tore damals besorgt hat nicht antwortet und weil Krähenacker nur eine Antwort gegeben hat, in der stand, dass sie später antworten werden, was sie nicht taten.“ Es war also weiterhin Hartnäckigkeit vonnöten, die dann am 28.01.2011 mit der inoffiziellen Premiere beim Testkick gegen Null Null belohnt wurde. Dass sie durchaus talentiert sind, bewiesen die Jungs zumindest schon mal als sie das kurz zuvor dann doch von Erik Huthmann erworbene Tor - ohne Anleitung - schneller aufgebaut bekamen als der 00-Trupp seins.

 

Im Spiel zog man dann aber klar und deutlich mit 2:9 den Kürzeren. Dabei zeigte sich, dass man zwar relativ jung (25-30 Jahre), sportlich-fair, motiviert und sehr sympathisch ist, es aber an jeglichem taktischen Verständnis, an Disziplin und Abgeklärtheit mangelt. Dafür verlor man mit Anstand. Kein Gemecker, keine Unsportlichkeiten. Eben so wie echte Sportsmänner. Dass man aber anscheinend das Ende der Lehrstunde kaum erwarten konnte, bewies eine Begebenheit kurz vor Spielende. Als nach 60 Minuten die Luft aus dem einen Tor entwich, fragte FSZ-Kapitän Tobi in der Reanimationspause: „Sollen wir nicht an dieser Stelle aufhören und einfach so weiterspielen?“ Ich frag‘ mich bis heute, wie er das gemeint hat und worin der Unterschied zwischen weiterspielen und einfach so weiterspielen bestand! Nach dem Debüt gab sich das unkonventionelle Team äußerst selbstkritisch: „Der Trainer nimmt die Schuld der hohen Niederlage auf sich. Ich habe die Mannschaft nicht erreicht als es um die Aufstellung ging. Auf dem Feld hat jeder gemacht was er wollte. Es war klar das 00 besser ist (Ach ja?, die Red.), aber dann darf man erst recht nicht seine Defensivaufgaben vernachlässigen."

 

Nun gut, die Geburtswehen waren somit abgehakt, der Point of no return überschritten und spätestens mit der Feuertaufe beim Kulturschock Terminsitzung gab es kein Zurück mehr. Das Fazit von Kapitän Waldvogel liest sich beinah gänzlich unromantisch: „Auch wenn es am Anfang der Lohausenligasitzung zuging wie an der New Yorker Börse, so gab es am Ende doch noch ein paar warme Worte: Willkommen in der Lohausenliga."

 

Wenn der Freistaat sich wirklich über Jahre in der Lohausliga halten sollte, dann haben 10 tapfere Recken am 27.03.2011 FSZ-Geschichte geschrieben. Dennoch: Wegen der Umstellung auf die Sommerzeit kamen einige (!) nicht pünktlich zum datierten Anstoß. Solche Auswüchse gehören wohl einfach noch dazu. Wegen des Gedenkgottesdienstes für die Opfer der Naturkatastrophe in Japan konnte man direkt sein Improvisationstalent beweise und auf die Rheinwiesen ausweichen, da spitze Jubelschreie verständlicherweise im Nordpark nicht willkommen waren. Mit dem Ergebnis beim 0:4 gegen Eintracht Unglaublich war man zufrieden, gelang es doch die Schmach aus dem Freundschaftspiel (ca. 0:12) zu tilgen, was im eigenen Spielbericht sehr selbstironisch kommentiert wurde: „Und das obwohl man nur auf 2 Positionen gewechselt hatte. Im Sturm hatte man sehr viel Pech. Mindestens ein Ehrentreffer wäre verdient gewesen. Aber auch EU ließ viele Chancen liegen, da unsere Abwehr oft zu ungeordnet war. Das Wetter war aber so schön, das man nach der LL-Premiere noch 2 Stunden Training hinten dran hing. So kamen dann auch wir zu unseren Toren.“

 

Dass man bei dem – im positiven Sinne - verrückten Haufen ehemals staatenloser Fußballer auch weiterhin auf alles gefasst sein muss, kann man einem weiteren Spielbericht auf der unterhaltsamen und informativen Homepage www.freistaat-zeit.deentnehmen: „Es kamen mal wieder nicht alle pünktlich, einer sogar gar nicht. Der Kapitän selbst kam erst 10 Minuten vor Anpfiff und weiß jetzt warum Sex vor dem Spiel nicht gut ist: Es dauert halt manchmal zu lange! Von einer Mannschaft war auch heute mal wieder nichts zu sehen. Keine Pässe, keine Torschüsse, keine Disziplin, kein Kampf und kein Teamspirit. Es mag an den vielen Verletzungen liegen oder an fehlenden Leistungsträgern oder daran, dass mal wieder ein anderer zusammen gewürfelter Haufen den Staat vertrat.“

 

Es gibt ein weiteres Merkmal, dass den Neuling von seinen Brüdern im Geiste Juventus Essen, Bacchus Allstars oder Olympique Rührei unterscheidet: Der Freistaat wird der Liga erstmals eine weibliche Note schenken, die es so in diesem Ausmaß noch nicht gegeben hat. Der Ligakenner erinnert sich höchstens an das gescheiterte Experiment mit der Brombären-Torfrau vor gut zwei Jahrzehnten. Der Freistaat gibt sich mit solchem Kleinkram gar nicht erst ab und plant die totale Revolution und damit nicht weniger als ein Aufbrechen der strukturkonservativen geschlechtsspezifischen Rollenverteilung in unserer Liga. Nichts wird mehr so sein, wie zuvor, denn sechs junge Frauen scharren mit den Fußnägeln und können ihren Einsatz kaum erwarten: Sandra R. - Ihres Zeichens fehlerfreie Abwehrspielerin, Fairplaypokal-Siegerin und Gesundheitsministerin des Staates. Sandra W. - Großes Mittelfeldtalent, das nach mehr Einsätzen lechzt. Nebenbei Paparazzoministerin. Ina - Sie gilt als torgefährlich und soll die Fäden im zentralen Mittelfeld ziehen. Logischerweise deshalb auch Partyministerin. Gesa - Das "Crazy Woman" des Teams, mit viel Erfahrung in der Abwehr. Manu - Frischgebackene Hüttengaudimeisterin. Sie sieht sich selbst in der Manndeckung, wo eindeutig ihre Stärken liegen und last but not least: Britta alias Foxy Danger, der heimliche Star, obwohl man das bei einer Folienwurstministerin kaum glauben mag. Man hört, sie sei wie Koks - hell, teuer und zerstörerisch. Wo sie ist wird‘s gefährlich! Leider ist der Fanliebling in letzter Zeit öfters bei Werbeterminen. Wofür sie wirbt bleibt offen, ihre persönlichen Ziele sind dagegen klar definiert: Sie strebt nicht weniger als die Weltherrschaft an. Hier muss man wohl wirklich aufpassen. Jedoch signalisiert Foxy selbst vorsichtig Entwarnung: „Ich bin eigentlich ganz lieb…Wie war das doch gleich: Ich beiße nicht… - jedenfalls nicht feste!“

 

Fazit: Die Jungs und Mädels vom Volksgarten sind ein erfrischender Haufen, der bislang von Turnier zu Turnier eilte und jetzt in der besten Liga der Welt heimisch werden möchte. Bei den Turnieren wurden auch schon mal Trupps, wie „Die gelben Engel“ 6:0 abgeräumt. Da fragt man sich, wie schlecht die erst sein müssen. Dass man sich seiner eigenen Stärken (bzw. Schwächen) bewusst ist, beweist die ungewöhnlich bescheidene Selbsteinschätzung: „0 Punkte, aber nicht 0 Tore. Keine Karten und ganz viel Spaß.“ Bei diesen Aussichten fällt es schwer ein realistisches Saisonziel zu formulieren, dem Freistaat ist das trotzdem gelungen, denn man möchte nicht mehr und nicht weniger als „Meister der Herzen!“ werden. Der Respekt vor übertriebener Härte ist überdeutlich. German Angst light sozusagen. Aber wenn man erst mal den 16. April und das Spiel gegen Abwärts überstanden hat, wird nicht mehr viel passieren. Das große Manko: Die Stürmer präsentierten sich bislang so gefährlich vor dem Tor wie Koalabärchen im Eukalyptusrausch. Man muss nicht der Eismeerfischer Johansson (berühmter Untergangsprophet) sein um dem Freistaat deftige Niederlagen vorherzusagen, aber Tobias Waldvogel & Co. haben bekräftigt, dass ihnen das bewusst ist, sie damit umzugehen verstehen und einfach nur miteinander Fußball spielen wollen. Ich finde diese Einstellung bewundernswert (haben wir nicht mal alle so angefangen?) und sage (hoffentlich) im Namen aller Kapitäne und Teams: Herzlich willkommen in der Lohausenliga!

 

Wertung: 2 Bälle (einer, weil Vorrundenplatz 7 fest gebucht ist und einer, weil ich in einem Paralleluniversum ein Kind von Foxi Danger haben möchte)

 

Als nächstes wenden wir uns dem Alt-Ligisten zu, bei dem die chronische Erfolglosigkeit der Vergangenheit angehören soll.

 

 

Folge 11: Null Null Classic 69

 

…ist dabei seit 1986/II / …bestreitet seine 49.te Saison / …belegt den 11.ten Platz in der ewigen Tabelle

 

No Country For Young Men

Bedeutende Jubiläen werfen gerne beizeiten ihre Schatten voraus, bieten Gelegenheit zum innehalten und zur Selbstreflektion. Und dabei fördert man mitunter Überraschendes zu Tage: Zum Beispiel, dass der wahre geistige Vater von Null Null Oliver „Puschi“ Puschwadt ist! Der Ligatester hat im April 1985 als 15-Jähriger bei Abwärts angefangen. Wir waren damals eine reine Kindertruppe und haben die ersten Spiele alle 1:9 verloren. Anfang 1986 verlor Puschi die Nerven und hat in Panik wahllos ältere Spieler (Mischa Blumhoff, Micka Fischer) verpflichtet. Für mich war dann kein Platz mehr im Starensemble. Aus Trotz wurde daraufhin am 15. März 1986 im Kunstunterricht bei Frau Weske auf dem Clara-Schumann-Gymnasium (Golzheim) Null Null ins Leben gerufen. Gründungsväter waren Dirk Fischer (327 Einsätze, 198 Tore), Christoph Lipski (100/51), Andreas Minuth (90/52) und Björni Schwick (209/68). Und genau diese vier Ikonen des Freizeitfußballs sind auch im Jahre 2011, ein Vierteljahrhundert später, immer noch für 00 aktiv. Daneben ist die einzige Konstante in der wechselvollen Geschichte des Teams (leider) dessen chronische Erfolglosigkeit. Man kann lediglich auf zwei fünfte Plätze in der 1. Lohausenliga (1989 und ‘91) verweisen. Eine fürwahr bittere Bilanz.

 

Eichhörnchen ehrenhalber

In 48 Saisons mit 456 Spielen gelang also keine einzige Play-off-Teilnahme, dafür stieg das anerkanntermaßen fairste Team aber immerhin sechs Mal in die erste Liga auf. In der ewigen Tabelle belegt 00 einen hervorragenden elften Platz (von 68). Dies ist aber einzig und allein dem eisernen Durchhaltevermögen geschuldet. Während andere unter der Last zweistelliger Niederlagen gegen Globes & Co. zusammenbrachen und die Segel strichen, kam das für uns nie infrage. Allerdings hat es Jahre gedauert um überhaupt mal an den vor Urzeiten ausgestorbenen Dinosauriern der Hechte und von Fortuna Derendorf vorbeizuziehen. Dabei haben wir uns mit der Methode, als Letzter der zweiten Liga pro Saison immer nur einen Punkt für die Ewige Tabelle zu sammeln, recht viel Zeit ge- und jedes gemeine Eichhörnchen vor Neid erblassen lassen (vgl. das Eichhörnchen-Prinzip). Der Einzug unter die Alltime-Top-10 bleibt das große Ziel und ist „nur“ noch 13 Punkte entfernt. Dann würden wir die legendären Grashoppers von Platz zehn vertreiben. Aber der Blick zurück verheißt nichts Gutes, denn da kommen die Formentera Flyers (13.) schier unaufhaltsam in 7-Meilenstiefeln angerauscht. Wir könn(t)en uns also nicht lange auf unseren Lorbeeren ausruhen.

 

Skurrilität als treuer Weggefährte

Am 19.04.1986 ging es los mit einem 4:4 im Freundschaftsspiel gegen „Die Wiese“, die es selber nie bis in die 3. Liga geschafft haben. Ziemlich schnell lag man 0:4 zurück, bevor die große Aufholjagd begann. Unser erster Torschütze war übrigens der heutige Fanatic-Star Harald Huffmann, der – und jetzt kommt’s – zuvor auch den ersten Gegentreffer besorgt hatte. Das kriegt auch nicht jeder Trupp hin! Für Kurioses war 00 also schon immer weltberühmt! Bis heute unübertroffen folgende Ausreden für Absagen: 1. „Habe eben erst die Waschmaschine angestellt. Die darf man nicht alleine lassen!“ (Bernd G.), 2. „Ich muss mit meiner Mutter ein Portemonnaie kaufen gehen.“ (Wulle W.). Daneben halten wir wahrscheinlich generell jeden Eigentorrekord und auch unsere Elfmeterbilanz ist für Außenstehende so nicht nachzuvollziehen. Von 50 gegen uns verhängten Elfern wurden gefühlt alle verwandelt, von den nur ca. 15 selbst erhaltenen, fanden höchstens 3-4 ihren Weg ins Tor! Warum nur? Hinzu kommt: Die Bilanz der direkten Vergleiche ist gegen fast alle unsere bisherigen 46 Gegner negativ. Wie kann das sein? Auch der Name sorgte anfangs für Irritationen. Beim Testkick gegen DAF (10.05.1986) entwickelte sich zwischen Zuschauer Knut Wienhöwer (Schlümpfe) und Schiri-Assistent Jürgen Sturm ein äußerst vertracktes Gespräch. KW neugierig: „Wer spielt denn hier?“ JS wortkarg: „DAF Null Null.“ KW grübelnd: „Aha, DAF. Soso – und gegen wen?“ JS vehement: „Null Null!“ KW verwirrt: „Ok, ich weiß jetzt, wie es steht, aber gegen wen spielt DAF denn nun?“ JS herablassend: „Gegen Null Null, das Team heißt so.“ KW nun völlig verstört: „Versteh‘ ich nicht, Jürgen! Soll das ein Witz sein?“

 

Meister zum Jubiläum?

Durch die Aufgabe des Zwei-Ligensystems im Frühjahr 2010 hat sich - zumindest theoretisch - die unverhoffte Chance ergeben, das Loserimage abzustreifen und nach 25 Jahren erstmals Meister zu werden, obwohl dies schon in der Vorschau auf Null Nulls erste Saison (1986/II) in der LL-Postille Sport & Humor mit Nachdruck ausgeschlossen wurde: „Man tut dieser Ansammlung keinen Abbruch, wenn man sagt, dass sich dieses Team niemals Ligameister nennen wird!" So steht es seit zweieinhalb Jahrzehnten in Stein gemeißelt und während in der Zwischenzeit Kalte-Kriegsfronten geschmolzen sind und zusammen gekommen ist, was zusammen gehört, hat diese Beckmann’sche Prophezeiung weiterhin unverrückbar Bestand. Aber ob das auf ewig so bleiben wird? „Niemals“ ist wirklich ein verdammt langer Zeitraum für solch eine endgültige Prognose! Die anschließende S&H-Frage: „Wer ist noch schlechter, 00 oder die Globes“, wurde inzwischen jedoch mehr als eindeutig beantwortet…

 

Zu wenig Einbeinige am Start

Wunder können geschehen, wenn man nur ganz fest dran glaubt, dabei darf man aber nicht verkrampfen. Mahatma Gandhi hat empfohlen nicht das Unmögliche zu versuchen und gerade dadurch hat er selbst das Unmögliche (die Befreiung Indiens) geschafft. Leider hat diese Vaishnava-Methode des gewaltlosen Widerstands in der LoLi nie funktioniert und ihr könnt mir glauben, dass wir die nicht nur einmal ausprobiert haben! Und wenn es tatsächlich niemals klappen sollte unseren Namen auf dem Super-Bowl zu verewigen? Egal, Lebbe geht weida! Man kann eben nicht überall den ersten Preis abräumen. Manchmal muss man sich die großen Siege aus dem Kopf schlagen. Das heißt aber nicht, dass man auf den Spaß verzichten muss. Immerhin konnten wir die Rolle des willfährigen Opferlamms rechtzeitig zu Ostern abstreifen. Diese Rolle haben wir das letzte Jahrzehnt perfekt verkörpert. In den bleiernen 2000er-Jahren gab es Momente, da wünschte ich mir zu den ganz großen Trainerkoryphäen (Ristic, Berger, Gutendorff) zu gehören, die durch bloßes Handauflegen aus Einbeinigen Rennpferde machen können. Das hätte aber wohl auch nichts genützt, denn sogar an Einbeinigen mangelte es uns. Die Tabelle brachte es im Sommer 2010 auf brutalste Weise ans Licht: 00 war ganz am Ende angelangt. Letzter in Gruppe A, noch hinter RWL, mit minus 1 zu 13 Punkten und jämmerlichen 9 zu 37 Toren. Und das Gefährliche dabei: Keinen hat das Verlieren mehr so richtig gestört. Hauptsache wir hatten uns alle lieb. So konnte es natürlich nicht weitergehen, sonst wär noch vor dem 25.ten Geburtstag unweigerlich das Aus gekommen. Im sommerlichen Exerzitium begann ich mich ernsthaft mit der „Was-wäre-wenn-wir-aufhören-würden?“-Frage zu beschäftigen und das kam dabei raus:

 

Nr. 11 lebt!

Wenn wir alles gegeben haben und all unsere Anstrengungen umsonst waren, was bleibt uns dann noch? Träume lassen sich einfach nicht planen, aber muss man sie deswegen aufgeben? War es töricht gewesen, mir Null Null als Lebensinhalt zuzulegen, der für vieles entschädigen muss, was die Wirklichkeit mir vorenthält? War jetzt die Zeit gekommen, einen Schlußstrich zu ziehen?  Ist es nicht alles zur sinnlosen Quälerei geworden? Wenn eines Tages der Sensenmann an die Tür der Umkleidekabine pocht und direkt auf mich zustrebt, dann habe ich vielleicht nur noch wenige Sekunden zum Bilanzziehen. Ich werde vieles bereuen: All die nutzlosen Arbeitstage und Blind Dates, die mir Zeit und Laune gestohlen haben, einige der Schimpfworte, die ich meinen Kindern beigebracht habe, weil sie nun mal mit im Auto saßen, all die bei Facebook oder vor dem Spiegel vertrödelten Stunden. Ich werde verpasste Treffen mit Freunden und Gedankenlosigkeiten bereuen, Nachlässigkeiten, aber auch unmäßiges Pflichtbewusstsein und manches aus Feigheit vor Dieter Pape verschluckte Widerwort. Eines werde ich aber garantiert nicht bereuen: 25 Jahre mit Null Null in der Lohausenliga! Nicht eine Minute, nicht die einsamen Momente der Scham im Schneeregen nach vergebenen 1000%igen Torchancen, die stechenden Schmerzen in den letzten 60 Minuten jedes Spiels, den verdammten einzigen Sololauf meiner Karriere, den ich Softie kurz vor dem Ziel abgebrochen habe um den Ball an Freund und Feind vorbei ins Aus zu zirkeln. Nicht mal die Demütigung, dass ich es 1993 einfach nicht schaffte, beim 13:0 über BP Super Plus einen popligen Treffer beizusteuern. Jedes Spiel in der Lohausenliga war ein Geschenk, eine Lehre, ein Erlebnis, eine Prüfung, die Schule des Lebens. Ich habe Umgang mit Wut gelernt, Geduld, den heiteren Umgang mit Rückschlägen und die große Lebenskunst, selbst charakterlich fragwürdigen Gestalten (Die Pansen) den Sieg zu gönnen. Ich habe gelernt, die Spiele der anderen als Anschauungsunterricht zu begreifen, jedes Pieken, Beißen und Pfeifen des Körpers mit Nach- und Vorsicht zu ertragen. Ich habe gelernt, Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, meine Kraft einzuteilen (10 Minuten Power, dann eine Stunde vor des Gegners Tor regenerieren), Prioritäten zu setzen, mit 50 Prozent Vorsatzerfüllung zufrieden zu sein. Bester werde ich nie, aber dafür war ich auch nie Schlechtester. Es lebe das Mittelmaß. Immerhin. Und so sollte es noch ein paar Jährchen weitergehen…

 

The Next Generation

Aufgeben war also verboten und so kam es im Anschluß an die sportlich schlimmste Saison zur totalen Erneuerung, zur Blutauffrischung, zum x.ten Relaunch. Und das Tollste war: es funktionierte! Als plötzlich die Leistungen und Ergebnisse stimmten, setzten einige Traditionalisten - als sie die sicher geglaubte 00-Ernte davon schwimmen sahen - anklagend Gerüchte in Umlauf: „Der Fischer hat sich über Facebook junge Leute besorgt, die er gar nicht kennt, die rennen alles in Grund und Boden. So macht die Liga keinen Spaß mehr, wenn man gegen 20-Jährige antreten muss!“ Die Wahrheit ist eine andere, und zwar die das noch immer fünf Freunde aus dem ersten 00-Jahr dabei sind (5 andere Ex-00er von 86/87 spielen bei Fanatic!), die auch regelmäßig zum Einsatz kommen, nur nicht mehr alle gleichzeitig. Und die neuen Jungspunde (auch schon 24-35 Jahre alt) wurden klassisch „in freier Wildbahn“ gescoutet. Einige waren aber schon vorher in der LoLi aktiv. An erster Stelle der neue Co-Kapitän Chris Büssen, der Mann mit dem härtesten Bums der Liga, der schon das alte Schlachtschiff Excelsior noch einige Zeit über Wasser halten konnte und später bei den Flyers reüssierte. Oder Charlie Tannhäuser (auch Excelsior), der zwischen den Spielen für seine eigene Firma (macht in erneuerbare Energien) um den Globus jettet und privat ein brandgefährlicher, fleißiger und beweglicher Stürmer ist. Ron Lohman hat früher für Fanatic Beton angerührt, an ihm gab es kein Vorbeikommen und es ist gut ihn jetzt auf der „richtigen Seite“ zu wissen. Echte Liganeulinge sind die mittlerweile schon sagenumwobenen Kalkumer Flahs-Brüder, Sebastian und Christian, die vor allem in den engen Spielen mit ihren entscheidenden Treffern den Unterschied ausmachen. Nebenbei lassen sie sich noch bereitwillig als Schiedsrichter einspannen. Auch merken muss man sich Maik Gnegel und Sebastian Juli. Die beiden checken hinten alles weg und kurbeln unermüdlich an. Aber sie sind beileibe nicht die einzigen Neuen, die eine Verstärkung darstellen, sollen aber stellvertretend für noch viele weitere genannt werden. Dass aber auch ein Haufen sehr guter (neuer) Spieler mindestens 2-3 Saisons LL-Erfahrung benötigt um oben angreifen zu können, wurde in 2010/II deutlich als uns nach toller Vorrunde (Siege über Abwärts, Kittelbach, Kastanie und Fanatic) im Viertelfinale das unglückliche Aus gegen Tipp Kick (1:2) ereilte und so der erstmalige (!) Einzug unter die besten vier Teams versagt blieb. Dabei hatte man den Jubelschrei für das erlösende 2:1 schon auf den Lippen, das TKR-Keeper Backhaus dann doch noch mit einer tollkühnen Robinsonade verhindern konnte.

 

Die Mischung macht‘s

Im Sommer 2011 auch weiterhin dabei und unverzichtbar: Starkeeper Carsten Gossmann (Meister mit der DEG 1996 und g:us-Gastronom), Oliver Hoppmann (Trödelmarktchef - Gare du Neuss, an diesem Bahnhof hält die Zeit), Dr. Andreas Minuth (Mannschaftsarzt vom FC Schalke 04 II), Dr. Björni Schwick (Lungenfacharzt in Aachen und als einziger 00er von Anfang an durchgehend dabei!!!), Tobias Ziegler und Christoph Lipski (Top-Vorbereiter und Anwälte des kleinen Mannes), Matthias GOErgens (WZ-F95-Sonderbeauftrager), Achim Münch (schon ‘86 im ersten Spiel dabei – allerdings beim Gegner Wiese), Daniel Klein (Attraktivster 00er), Daniel Kreutzmann (2003 Meister mit den Young Boys) und Basti Koch (lebende Tischtennis-Legende und geistiges Genie). Die Alt-Internationalen Torsten Schwick (Wien), Wulle Wiemers (London) und Pöppi von Rospatt (Hamburg) fiebern weiterhin in ihren Exilen mit und hoffen auf den großen Wurf. Ihre Namen stehen für die unbeschwerten Anfangsjahre als unsere Samstage direkt nach dem mittäglichen Aufstehen mit 00 begannen, beim gemeinsamen Fortuna-Besuch fortgesetzt wurden und in der Altstadt bei ungeplanten Eskalationen ihren Höhepunkt fanden. Unvergessen der doppelte Erstligaaufstieg von Null Null (4:2 gegen Borussia) und Fortuna Düsseldorf (4:1 gg SV Meppen) im Juni 1989. Das war doch die schönste Zeit, muss es aber nicht bleiben…

 

Fazit: Unser Ziel kann es momentan nur sein in der Vorrunde eine möglichst optimale Punktausbeute zu erzielen um uns generell und mit viel Selbstvertrauen ausgestattet für die Play-off-Spiele zu qualifizieren. Das wird schon schwer genug angesichts der starken Gruppenkonkurrenz. Zwischenzeitlich schien es als sei unser einziges „Sorgenkind“ das Tor, das uns bei jedem Aufbau mit neuen, fröhlichen Zischgeräuschen überraschte, doch in der Vorbereitungsphase schlug das Verletzungspech zu. Leider bedeutet Chris Büssens neuerlicher Bänderriss einen herben Rückschlag beim Erreichen des gesteckten Saisonziels. Auch Charlie Tannhäusers Hüftbeugermuskel ist noch nicht wieder in Top-Verfassung. Dafür möchte der Coach wieder angreifen und auch mal wichtige Tore zu Siegen beisteuern. Doch erfahrene Dirk-Fischer-Beobachter wissen: Seine guten Vorsätze (Marathon-Jogging in der Vorbereitung; Zweikämpfe gewinnen im Spiel) sind nichts anderes als seine kläglich gescheiterten Versuche nach 20 Jahren Pause wieder mit dem Alkohol anzufangen - eine schöne Idee, aber immer kommt was dazwischen. Ach übrigens: Danke Puschi!

 

Wertung: 4 Bälle

 

Weiter geht es in Folge 12 mit dem Team, das seine Gegner immer auf schlecht beleuchtete, regennasse Kunstrasenplätze locken möchte…

 

 

Folge 12: Eintracht Unglaublich

 

…ist dabei seit 2001/II / …bestreitet seine 19.te Saison / …belegt den 26.ten Platz in der ewigen Tabelle

 

Das schreibt die Eintracht:

Exakte Statistiken führen wir nicht aber folgende Spieler haben sicherlich die meisten Einsätze auf dem Buckel: Peter Justenhoven, Christoph Günter, Ingo Henkel, Reza Kaschani, Henning Asche. Das Team Eintracht Unglaublich zeichnet sich aus durch eine hochsensible Ausgewogenheit zwischen unterschiedlichsten Spielertypen: Die oben aufgeführten alten Säcke, ergänzt durch die weiteren Gründungsmitglieder Sprenger, M.+ T. Grabczewski und die später rekrutierten Routiniers Helling, Wittenberg, Dahlmann und Beinhauer bringen nur deswegen auch heute noch Leistung (oder das, was sie dafür halten), weil sie von den hungrigen Nachwuchstalenten Timm Lorenz, Jan Meier, Tino Drews, Jasmin Krvavac (kein Mädel, die Red.), Fabian Schur & Co. auf Trab gehalten werden. Diese voll austrainierten, blutjungen Heißsporne holen sich gerne ab und zu den väterlichen Rat bei den Altvorderen ab und profitieren so von deren unermesslichen Erfahrungsschätzen. So befruchten sich Alt und Jung und ergeben diese unglaubliche Eintracht, die Gegner weit über die Stadtteilgrenze hinweg zu Recht erzittern lässt. Hochzeiten, Umzüge, Kinder, Berufliches, Scheidung und ähnliche Nebengeräusche kommen für unsere Spieler nicht in Frage, da ihre Konzentration ausschließlich dem nächsten Spiel gilt (und natürlich dem Finale 2011-1, das wir diesmal höchstwahrscheinlich mehr als deutlich gewinnen werden). Während vor zwei Spielzeiten noch Spieler wie Stephan Hawkins, Michaela Schaffrath und Michael Ratajczak in unserem Kader standen und zu keinen nennenswerten Einsatzzeiten kamen, haben wir uns nun wieder mehr auf den „Spieler von Nebenan“ besonnen. So hat der laufstarke Defensivkünstler Immink in der letzten Spielzeit sein Debut gegeben. Als Trumpf in der Hinterhand wartet noch der offensive Mittelfeldregisseur Kieslich auf seinen Einsatz, den er uns fest versprochen hat. Die Letztgenannten sind beide der Talentschmiede des PSV entsprungen.

 

Der Ligakenner ist sich noch unsicher, ob er beim Befruchtungsprozeß von Alt und Jung Zeuge sein möchte, gibt aber folgende Einschätzung ab:

Unglaublich, aber wahr: die Eintracht feiert nun bald auch schon ihr 10-Jähriges LL-Jubiläum. Zur Wintersaison 2001/I konnten sie sich in einer kuriosen Qualifikationsrunde, in der alle Spiele unentschieden endeten, gegen zwei andere Teams durchsetzen und den freien Platz einnehmen, der durch das Ausscheiden des zur Skandalnudel abgewirtschafteten Ex-Meisters Granit Meerbusch (1994/I) frei geworden war. Als eigentliches Geburtsjahr von Eintracht Unglaublich indes ist 1992 verbrieft. Damals nahm man unter dem etwas irritierenden Namen 1.FC tötet Bertha Griese an einem Turnier in Jülich teil. Von den sieben Gründungsmitgliedern stehen - mit einer Ausnahme (Nein, diese Ausnahme heißt bzw. hieß nicht Bertha Griese!) - 19 Jahre später noch alle im aktuellen Kader. Beim ersten Turnier wurde die Mannschaft Zweiter, gewann den Fairness-Pokal (ein Paar Gummistiefel) und bekam vom Veranstalter zu hören: "Wenn ihr das Ganze ernster genommen hättet, hättet ihr hier gewonnen." Der Preis für das fairste Team zählt ebenso zu den größten Erfolgen im Vitrinenschrank  wie die geglückte Pokalrevanche gegen „Grüner Mond“ und das Unentschieden gegen „die Fabrik“ in Grünstadt. Diese Triumphe sind aller Ehren wert, sagen dem Alt-LoLigisten aber relativ wenig und man wundert sich über eine derartige Prioritätensetzung, denn die Eintracht hat ja auch in unserer Liga schon beachtliche Erfolge vorzuweisen. Es ist noch gar nicht so lange her, da stand die Eintracht im Finale: In der Saison 2009/I konnte man die üblichen Super-Bowl-Verdächtigen bereits in der Punkterunde distanzieren und sich an die Pole-Position setzen. Im Halbfinale war dann Tipp Kick ebenso nur ein Spielball (5:1) wie die Eintracht selber im Endspiel für Angstgegner Flamingo (3:9). Auch 2010 waren - nach dem VF-Sensationssieg der Eintracht über die Flyers (1:0) - die Flamingos wieder Endstation aller unglaublichen Sehnsüchte (1:6). Die Mannen um Kapitän Ingo Henkel sind ein wenig die Black Box der Liga. Man weiß nicht so genau, was drin steckt und auch nicht was rauskommt. Man ist sich auch nicht sicher, wo bei ihnen die Selbstironie aufhört und das wahre Leben anfängt. Aber diese Attitüde sorgt für Belebung und die Eintracht hat sich als absolute Bereicherung erwiesen, auch wenn sie sich möglicherweise selbst ein wenig wie ein ungeliebtes Stiefkind behandelt fühlt.  

 

Auch bei der Eintracht wird man online auf unterhaltsame, selbstironische Weise mit den aktuellsten Informationen rund um die Gelb-Grünen Heroes versorgt: www.eintracht-unglaublich.com 

 

Fazit: Das aller-unglaublichste an der Eintracht ist deren aktuelle Verletzungsmisere. Dem knallharten Vorbereitungsmarathon fiel ein Leistungsträger nach dem anderen zum Opfer. Zum Saisonstart bevölkern nicht nur Ingo Henkel (Meniskus) und Reza Kaschani (Achillessehnenriss) das prall gefüllte Lazarett. Vor allem die Knieverletzung von Torwartkatze Günter ist eine herbe Schwächung, denn zum einen gehört der gute Christoph zu den besten seiner Zunft und zum anderen ist dem Ligakenner kein gleichwertiger Ersatz bekannt. Ein Kandidat wäre Jasmin Krvavac gewesen, der sich aber direkt bei seinem Torwart-Debüt die Hand brach. Wir wünschen allen Betroffenen baldige und gute Genesung. Trotz der Sorgen ließen EU mit Remis in Testspielen gegen Spirit (3:3) und die Flyers (5:5) aufhorchen. Gegen Null Null hingen die Trauben ein wenig zu hoch (3:5). Dafür gab in diesem Spiel ein Wiedersehen mit Andreas Mühle, einem der besten Ligaspieler aller Zeiten (Dynamo, Tipp Kick), der sich seit 20 Jahren mit lädierten Knien rumplagen muss, aber dennoch an diesem Abend auf dem vom Regen durchtränkten, hauseigenen Kunstrasenplatz eine sehr gute Figur abgegeben hat. Ein echtes Liga-Comeback bei EU hat Andreas aber nicht geplant. Eigentlich schade! Nachdem man sich vor Jahresfrist zum Top-Team gemausert hatte, kam der Absturz in 2010/I (Platz 5, vier Niederlagen, ein Sieg gegen RWL) überraschend. Das Potenzial für die K.o.-Runde ist da, aber ob es auch abgerufen werden kann, bleibt die große Frage. Beim 4:0-Pflichtsieg zum Auftakt gegen den Freistaat haperte es vor allem bei der Chancenverwertung. Das sah im Testspiel gegen denselben Gegner (mindestens 12:0) noch viel besser aus. Zwischen Platz drei und fünf ist alles drin.   

 

Wertung:          3,5 Bälle                        

 

Die nächste Folge widmet sich DEM Krisenteam der Liga

 

 

Folge 13: Kittelbach Steamers

…ist dabei seit 1980/II / …bestreitet seine 61.te Saison / …belegt den 2.ten Platz in der ewigen Tabelle

Ein Text über die Steamers muss beginnen wie ein Märchen. Mit dem Satz: Es war einmal… Es war einmal das non-konformistischste Team im LoLi-Fußball. Es war einmal das Team der größten Kampfmaschinen und es war einmal das Team mit dem wundervollsten Happy End (Meisterpremiere  mit 25 Jahren Anlauf). Jetzt ist es das größte Sorgenkind, das die Lohausenliga derzeit zu bieten hat. Ein Vierteljahrhundert sind die Unterrather dem Super Bowl hinterher gehechelt, fast an den Nackenschlägen verzweifelt, haben aber mit dem großen Ziel vor Augen jede Krise gemeistert und sind, angeführt von einem alles überragenden Michael Feder, mit einem hochdramatischen und emotionalen Titelgewinn 2005/II dafür belohnt worden. Der gebürtige Franke Feder ließ seine Kontrahenten ebenso schlecht aussehen wie Jonathan Akpoborie am 10.08.1996 im Erstrunden-DFB-Pokalspiel zwischen seinem FC Schweinfurt und Hansa Rostock. Beim 5:2-Sieg des damaligen Bundesligisten blieb der nigerianischen Torjäger selbst ohne Treffer. Der Grund dafür hieß Michael Feder!

 

Durch die Meisterschaft musste man zwangsläufig das lange Zeit selbst gepflegte Image des sympathischen Verlierers ablegen. Die Steamers waren nach ihrem jahrelangen Marsch durch die Institution Lohausenliga endlich da angekommen, wo sie nach ihrem eigenen Selbstverständnis immer hingehört haben: Ganz oben. Und das absolut verdient und jeder hat es ihnen gegönnt. Aber seitdem hat sich das schleichende Gift der Zufriedenheit breit gemacht. Schaum vorm Mund und Killer-Instinkt sind abhanden gekommen. Mit dem Erreichten und der Gewissheit dies wohl niemals wiederholen zu können, besteht die Gefahr, dass die nächste veritable Krise das stolze Dampfboot versenken wird. War die Jagd nach dem Titel der Kitt, der das Gefüge zusammengehalten hat? Fast scheint es so. Aber die Kittelbacher haben schon einige Durchhänger gehabt und bislang alle gemeistert. So hat sie beispielsweise ein gemeinsames Frühstück im Herbst 1988 vor dem erstmaligen Abstieg aus der 1. Liga gerettet. Die Frage muss erlaubt sein, wie ein Befreiungsschlag aussehen muss, wenn die Krise erst mal zum Dauerzustand ausgeufert ist, so wie es gegenwärtig der Fall zu sein scheint.

 

Moral und Zusammenhalt waren 30 Jahre lang beispiellos. Wer einmal in der KBS-Clique drin war, kam nicht mehr raus, auch wenn er es sehnsüchtig wollte. Es gab Steamers-Feten, den Steamers-Cup (zu dem übrigens Null Null nie eingeladen wurde, warum auch immer), Steamers-Dynamite, Steamers-Spanferkel und die hauseigene Postille, den Steamers-Meilenstein. Und einer der ganz großen Meilensteine für die Ligakultur war immer Kittelbach selbst, und das nicht nur sportlich. Man denke nur an die Ligazetta, die zahlreichen Beiträge und Kolumnen von Frieder Feldmann und Jochen Spies in Sport&Humor. Auf Blues-Brothers-Look-alike-Wettbewerben räumten die Steamers deutschlandweit immer die ersten Plätze ab. Als die Liga 1990 aus allen Nähten zu platzen drohte, organisierte man einen eigenen Satz Tore, der im Keller der Familie Feldmann lagerte und konnte so die Rheinwiese als Ausweichspielort anbieten. Allerdings war das die Höchststrafe, denn die Tore waren so bleischwer, dass immer die gesamte Mannschaft mit anpacken musste (vgl. Teambuilding) und in der Mitte hing die Latte seltsam durch. Großgewachsene Torleute bekamen so im Eifer des Gefechts unfreiwillig die eine oder andere (Hinter-)Kopfnuss verpasst. Das Konstrukt erinnerte in seiner Geometrie wohl nicht ganz zufällig an die Frisur von Gabriele Krone-Schmalz.

 

Jochen Spies, Feldmann und die Schultes waren zwar sozial-altruistisch veranlagt und als moralische Instanz anerkannt, aber vor den Perlick-Brüdern und Peter Mengeringhausen, die nie im Verdacht standen Ehrenmitglieder beim Fähnlein Fieselschweif zu sein, zitterte die ganze Liga. Wer es als Schiri wagte bei Rainer Perlicks unvermeidlichen Faustballeinlagen im eigenen Strafraum alternativlos auf den imaginären Elfmeterpunkt zu zeigen, der bekam sofort vom guten Rainer einen Einlauf verpasst, von dem er sich Zeit seines Lebens nicht mehr erholt hat. Aber da musste man durch, das gehörte zum menschlichen Reifungsprozess dazu. Unvergessen auch Feldmanns 29.ter Geburtstag (1995) als Thomas Perlick nachts aus dem Taxi torkelte, seinen Namen auf die Cecilienallee pinkelte und dabei schrie: „Wo ist der Andrees, dieses Schwein?“ Besagter Christoph Andrees hatte die Festgesellschaft bereits verlassen - zum Glück! Da brachen sich wohl Enttäuschung und Wut über diverse (Halb-)Finalniederlagen gegen Abwärts Bahn. Undenkbar wäre solch ein Verhalten bei Jörg Mengeringhausen, dem Muster an Beständigkeit. Der gute Jörg ist quasi der Volkswagen unter den LoLi-Spielern. Er läuft und läuft und läuft. Bereits 1994 avancierte er zum Rekordspieler mit damals 208 Erstligaeinsätzen. Wie viel mögen wohl in der Zwischenzeit dazugekommen sein, denn der unermüdliche Jörg ist noch immer am Ball? Als Bundesligakolumnist würde man an dieser Stelle jammern, dass es solche echten Typen heutzutage nicht mehr gibt und vor allem Kittelbach hat der Liga immer wieder diese Typen geschenkt!

 

Es war sehr schmerzhaft Giganten wie Excelsior, Rheinwiese, Moffa Gang oder Fortuna Derendorf verloren zu haben. Mit KBS verhält es sich ebenso wie mit Tipp Kick, Abwärts, Fanatic und Rot Weiß. Alle sind echte Marken, eigentlich unersetzbar und verkörpern die großen Werte des Lebens: Ausdauer, Beharrlichkeit, Respekt, Kampfgeist, Solidarität und am wichtigsten: Freundschaft. Wie vom Aussterben bedrohte Tierarten müssen sie gerettet werden, notfalls mit Hilfe von außen oder aus den eigenen Familien. Von dort naht bereits Hilfe: Vater Frieder Feldmann, der bis vor kurzem selbst noch „der Neue“ war, weil er „erst“ zwei Jahre nach Gründung hinzugestoßen ist, hat seinen Sohn Tim (14) als Stabilisator der anfälligen Defensive eingeplant. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie Kapitän Frieder seinem Filius das Engagement schmackhaft gemacht haben dürfte. Das ganze wird in Anlehnung an den Film „Der Pate“ ungefähr so abgelaufen sein: „Ich übergebe Dir das Ruder, mein Sohn! Die Zukunft von Kittelbach liegt in Deiner Hand. Es gibt ein paar Lebensregeln, nach denen ich mich immer gerichtet habe. Jeder Mann kann Erfolg haben, wenn die Umstände günstig sind. Der Mann, der Not überwindet, ist der wahre Sieger. Wenn die Lage am hoffnungslosesten erscheint, denk‘ an Dein Erbe, hör‘ nie auf zu kämpfen und lass Dich nie unterkriegen. Der Name Kittelbach Steamers darf mit Dir oder mir nicht aufhören zu existieren.“

 

Fazit: Nicht nur aus dem Auge eines Spanferkels betrachtet sind die Kittelbacher der größte Problemfall der Liga. Kapitän Feldmann, ein Mann mit dem Hirn von der Größe eines Planeten, ist zum Opfer seiner eigenen Kreativität geworden. Aufgrund seiner Kompetenz übt er im realen Leben drei Jobs aus. Für einen vierten (LL-Kapitän) bleibt da verständlicherweise einfach keine Zeit. Zumindest nicht, wenn man einen gewissen Qualitätsanspruch an sich stellt. „Der Neue“ benötigt also dringend einen geeigneten Co-Kapitän, der ihm die Organisation abnimmt. Die kurzfristigen Absagen, die mittlerweile leider bei Kittelbach Usus geworden sind, sorgen nicht nur im eigenen Lager für Frustration sondern auch beim sportlichen Opponenten für Verstimmung und zusätzliche Arbeit. Lohausenliga bedeutet zwar an Bewährtem und Vertrautem festzuhalten, heißt aber auch Veränderung. Es mag unbequem und verletzend sein, gesagt zu bekommen, dass man, wenn man sich organisatorisch nicht neu aufstellt, den Karren an die Wand fährt, aber auch ein langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Wenn man den mal getan hat, ist der Rest gar nicht so schwer. Sich aufzuraffen ist immer das Schwierigste, wenn es darum geht, etwas Schmerzhaftes zu beginnen. Von da an wird der Weg immer kürzer und das Ziel rückt stetig näher. Erste Schritte können Meilensteine sein, die ein Leben prägen. Ein jeder kommt manchmal in Situationen, an denen sich der Weg gabelt und er sich für eine Richtung entscheiden muss. Es wird spannend sein zu beobachten, ob der Kittelbach an dieser Gabelung kraftlos Richtung Tabellenende oder wie ein reißender Fluss ins gelobte Land (Viertelfinale) weiterströmen wird. In der Besetzung Leistenschneider, A. Schulte, Hageschulte/T. Feldmann, J. Mghausen, P. Mghausen, Feder, Schulz/F. Feldmann wär man immer noch ein mächtiger Player im LL-Business und heißer Play-off-Kandidat. Aber ob man es schaffen wird, überhaupt ein einziges Mal in dieser Konstellation aufzulaufen, muss bezweifelt werden. Schön wär’s und dann spendiere ich zu Ostern Krokanteier all night long!

 

Wertung: 3 Bälle

 

Den Abschluss unserer kleinen Saisonvorschau bildet das Team, dass mal Arminia Bielefeld der Liga war…

 

 

 

Folge 14: AC Flamingo

 

…ist dabei seit 1989/II / …bestreitet seine 43.te Saison / …belegt den 6.ten Platz in der ewigen Tabelle

 

Der AC Flamingo ist aus den Trümmern der 1986/I groß angekündigten „Sharks“ entstanden. Jener Truppe, der es immerhin mal gelungen war das schier übermächtige DAF-Team der Forstbach-, Lange- und Ljubica-Brüder bei deren eigenem Turnier zu bezwingen, was zu bösen Verstimmungen geführt hat. Ansonsten galten die Sharks nicht ganz zu Unrecht als Schönwetterfußballer, die nie mit den Widrigkeiten des damaligen Drittligaspielorts, dem Diakonieplatz klar gekommen sind. Dort konnte man nur bestehen, wenn man sich nicht auf das Zählen der Beinschüsse konzentrierte, sondern darauf, spätestens bei der Platzwahl passende Antworten auf die Fragen des Schiedsrichters („Zuerst bergauf oder bergab bzw, mit oder gegen die Flut?“) parat zu haben.

 

Nach zwei Jahren ohne nennenswerte Höhepunkte mussten Ende 1988 die Segel gestrichen werden als man sich nicht mal mehr aufraffen konnte das Abstiegsrelegationsspiel gegen ein gewisses Melmac-Team zu bestreiten. Zur übernächsten Saison (89/II) stiegen die Kapitäne Oliver Weyergraf und Jörg Hoffmann nach erfolgreicher Qualifikation unter dem Namen Flamingo in Liga 2 neu ein. Was zunächst aufgrund des annähernd gleichen Personals wie alter Wein in neuen Schläuchen daherkam, funktionierte plötzlich und war der Beginn einer nun mehr seit über zwei Jahrzehnten andauernden Erfolgsgeschichte. Auch wenn es der ein oder andere im Flamingo-Lager nicht gerne hört, aber man könnte ruhigen Gewissens beide Teams in der ewigen LL-Tabelle zusammenfügen, wodurch sich der Abstand auf Rheinwiese deutlich verkürzen und der ACF in einem Jahr zur All-Time-No.5 avancieren würde. Auch Oscar-Preisträger Sylvester Stallone hat sich irgendwann nicht mehr für seine Anfänge als Pornodarsteller in Bocky geschämt…  

 

Der Weg zum dreifachen Super-Bowl-Sieger war weit und steinig. Noch Ende der 90er Jahre galt der Trupp als Arminia Bielefeld der Lohausenliga. Für die erste zu schwach und für die zweite zu stark. So trug man sich zunächst als Rekordabsteiger in die Geschichtsbücher ein (oder vice versa als Rekordaufsteiger wenn man es positiv sehen möchte). Der unumstrittene Star des Teams war und ist Allrounder Jörg Hoffmann, einer der drei besten und beständigsten LoLi-Spieler der letzten 20 Jahre. Er ist der „Auserwählte“, denn er ist - laut Kapitän Martin Voigt – „der einzige noch aktive Spieler, der seit dem ersten ACF-Spiel dabei ist und allein er weiß, warum die Mannschaft so heißt, wie sie heißt“. Der immer noch bienenfleißige und dynamische Hoffmann (44) war ein Junge, der abgeklärt wie ein Mann Fußball spielte, und ist jetzt ein Mann, der frisch wie ein Junge spielt. Da es für die Jugend der Welt bekanntlich nie zu spät ist, wird die angestrebte Halbfinalteilnahme durchaus realisierbar sein.

 

Die Flamingos waren zwar „nur“ 3x Meister (2002/II, 2005/I, 2009/I), hätten aber aufgrund ihrer Spielstärke mehr Titel einheimsen müssen. Wenn sie ins „rollen“ kommen, sind sie wie eine perfekt geölte Maschine, die durch fast nichts aufzuhalten ist. Es sei denn, es bricht ein kleines Rädchen raus, dann gerät der Motor ins Stottern. Immer wieder ist dieses Phänomen bei Flamingo zu beobachten wenn Trupps wie Globes oder Abwärts mit Härte dagegenhalten. Da setzte es zuletzt empfindliche Niederlagen (2010/I im Finale 0:6 gegen die Globes) und unlängst im Viertelfinale mit 1:3 gegen Abwärts.  Bei letzterem Spiel ist man gänzlich ohne Auswechselspieler angetreten!!! Das war schon ein äußerst ungewöhnlich böser Faux Pas für das ansonsten von Martin Voigt perfekt organisierte Team. So war ein Ausscheiden vorprogrammiert, denn Abwärts hatte es – wie so häufig wenn es um alles geht - geschafft seine Spitzenkräfte zu mobilisieren.

 

Die Stammbesetzung ist nahezu unbezwingbar, aber dahinter fängt schon bald die Diaspora an. Vom 2010er Aufgebot waren mir nur 12 (!) Spieler persönlich bekannt. Und gerade im Hinblick auf die tickende biologische Uhr und das durch die neuen Auswechselmöglichkeiten zunehmende Spieltempo muss Flamingo dringend den zweiten Anzug aufhübschen. Dass man sich dieser Problematik bewusst ist, legt Martin Voigts Kommentar nahe, der es als Flamingos größten Erfolg ansieht, dass man es „immer noch schafft eine Mannschaft auf Feld zu bringen“. Es ist schon faszinierend und muss auch mal lobend erwähnt werden, dass mit Hoffmann (330 von 371 möglichen Spielen seit 1989), Martin Voigt (270), Kai-Uwe Hunger (230), Stephen Sunderdiek (180) und Klaus Fölting die spielentscheidenden Akteure fast immer an Bord sind. Klaus Fölting ist noch eher eine Sternschnuppe im Flamingo-Universum, allerdings nur aufgrund der Tatsache, dass er erst seit einigen Saisons mitwirkt. Ansonsten ist er ein überragender, vor Selbstvertrauen nur so strotzender Stürmer. Sein Selbstbewusstsein geht sogar soweit, dass er die Chuzpe besitzt im azurblauen Italien-Trikot aufzulaufen. Vom Aussehen und professioneller Spielweise wäre ihm allerdings auch jederzeit zuzutrauen, dass er 2010 im WM-Kader des vierfachen Weltmeisters gestanden hat. Gegen Abwärts ist er aber genauso untergegangen wie „seine“ Italiener in Südafrika.

 

Ansonsten“ ist der ACF frei von Egoismen und Allüren. Alle sind sehr mannschaftsdienlich veranlagt und wissen, dass ihre individuelle Klasse nur zum Tragen kommt, wenn das Kollektiv funktioniert. Ohnehin ist man eines der intelligentesten Teams. Rechtsanwälte wohin man blickt, deren ausgeprägter Gerechtigkeitssinn auch im Nordpark immer wieder durchschlägt. Das erinnert ein wenig an unsere Fortuna Anfang der 90er Jahre, die seinerzeit über die höchste Abiturientenquote der Bundesligageschichte verfügte. Damals zeigte sich, dass zu viel Intellekt dem sportlichen Erfolg auch im Weg stehen kann. Nicht so bei Flamingo. Dass ein gut aufgeräumtes Oberstübchen durchaus auch von Vorteil sein kann, weiß man ja nicht erst seit Christoph Daums These, nach der ein klarer Kopf wie ein drittes Bein sein kann. Flamingo gilt somit als Paradebeispiel einer Mannschaft von Dreibeinigen, die wohl auch ein zufällig vorbei kommendes Thermometerhuhn oder Evel Knievel nahtlos in ihr Spielsystem integrieren könnte.

 

Dass bei Menschen mit überdurchschnittlicher Intelligenz und Gerechtigkeitssinn seelische Wunden sehr schlecht verheilen belegt das Lamento über eine ungerechte Bestrafung von vor 14 Jahren, die als größter Skandal in die eigene Chronik eingegangen ist: „Unser Zwangsabstieg nach der Saison 1997/II wegen des einmaligen Nichtstellens von Schiedsrichtern (nachdem wir spielerisch nach der Vorrunde Tabellenerster geworden waren) versehen mit dem Kommentar in den LL-News (März/April 1998): Unter sportlichen Aspekten ist der Verlust für die 1. Liga durch die Mannschaft, die noch nie Meister war, sich aber in der 2. Liga schon dafür hält, jedenfalls nicht ganz so groß.

 

Fazit: So ganz sicher weiß man nicht, wo die Reise der Flamingos hingeht. Normalerweise ein heißer Anwärter auf Platz 1 in Gruppe B, wäre da nicht immer noch der peinliche Viertelfinalauftritt im Gedächtnis verankert. Zudem greifen Voigt & Co. als letztes Team ins Geschehen ein (1. Mai) und spielen fortan im Wochenrhythmus. Das verkraftet auch nicht jeder. Auch wenn Restzweifel bleiben und es bestimmt mindestens eine überraschende Vorrundenniederlage geben wird, dürfte man zum Topduo gehören und auch im ersten Play-off-Spiel die Abwärts-Scharte ausmerzen. Für den 9. Juli kann man aber schon mal getrost die Flüge Richtung Süden buchen. Es sei denn, man möchte als Zuschauer dem Finale beiwohnen.  

 

Wertung:          4 ½ Bälle    

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Tag(s) : #Lohausenliga
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