Die ISD
Die 1968 als American International School gegründete Privatschule in Düsseldorf-Kaiserswerth wird von 750 Schülern besucht. Zusammen mit brasilianischen und finnischen Kindern, bilden Pennäler aus Zimbabwe, Japan, den USA und 30 weiteren Nationen ein buntes Völkergemisch. Von der Vorschule bis zur 13ten Klasse werden sie von 80 Lehrern unterrichtet. Als höchster Abschluß ist das International Baccalaureate Diploma zu erwerben, das von allen Universitäten weltweit anerkannt wird. Die Schule, die keinesfalls als reine Eliteschule gelten möchte, steht dem Nachwuchs ausländischer Familien ebenso offen wie deutschen Kindern, deren Eltern ihnen eine erstklassige internationale Ausbildung ermöglichen möchten. Bei einem Besuch fallen die großzügige Ausstattung der Sportplätze und der Turnhalle ins Auge. Symbole für den enormen Stellenwert, den der Sport an der ISD genießt.
Der Sportunterricht (Physical Education)
Die vier Sportlehrer der ISD sind absolute Spezialisten. Sie unterrichten keine anderen Fächer. Übungsleiter Jens Heun bilanziert nicht ohne Stolz: „Für uns ist die professionelle Vorbereitung der Sportstunden selbstverständlich. Es ist unvorstellbar, daß der Lehrer einen Ball mitten in eine Horde wilder Kinder wirft, sie ermutigt zu spielen, wozu sie gerade Lust haben, hofft, daß sie sich nicht gegenseitig zerfleischen und ansonsten dem Müßiggang frönt. Der Ausfall des Unterrichts ist ebenfalls selten. Oftmals sind wir Lehrer nicht in der Lage zu unterrichten, weil wir viele Teams coachen. Dafür gibt es eine Liste von substitutes. Trainer und Lehramtsstudenten, die zu unserem großen Sportprogramm gehören, aber nicht an der ISD angestellt sind. Sie springen dann als Ersatz ein.“ Heun fügt hinzu, daß Kooperation für ihn am allerwichtigsten ist: „Unser Erfolg basiert auf koordinierter Arbeit im Team bestehend aus Lehrern, Trainern, Eltern und Schülern“.
Dass sich die Kinder hungrigen Löwen gleich vor den Geräteschränken drängeln – wie an vielen deutschen Schulen üblich – um einen lieblos geflickten, eiförmigen Volleyball zu ergattern, klingt für Heun wie ein Märchen aus 1001 Nacht. „Um die Begeisterung der Kinder zu wecken und um die Lehrziele zu erreichen, ist die reichhaltige Ausstattung unserer Kurse mit Sportgeräten unabdingbar. Die Devise lautet: Ein Kind – ein Ball.“ Als Beleg für ständige Weiterbildung und –entwicklung liefert Heun einen Einblick ins breit gefächerte Angebot: „Wir bieten etliche Unterrichtsreihen an. Von den beliebten Ballsportarten, über Fitneßübungen, kooperative Spiele, Geräteturnen bis zu Unihoc, einer modernen Form des Hockeys. Unser Programm ist sehr dynamisch und folgt den aktuellen Trends. Die Kinder können sogar Rollerblading- und Skateboard-Kurse belegen.“
Der im Stundenplan vorgeschriebene Sportunterricht ist aber nur ein Teil des umfangreichen Sportprogramms, das auf 3 weiteren, außercurricularen Standbeinen fußt: Dem Sportverein, dem Wettkampf mit anderen internationalen Schulen und dem Aktivitäts-Programm. Die Philosophie des außerschulplanmäßigen Sports an der ISD ist der Aufbau von Selbstvertrauen, das Entwickeln von Fähigkeiten, Spielverständnis und Teamgeist. Die Teilnahme ist freiwillig.
Der ISD-Sportverein
Jens Heun erklärt die Gründe, die ihn 1995 veranlaßten einen schulinternen Sportverein ins Leben zu rufen: „Bei den zahlreichen sportlichen Aktivitäten der Schule und der Vielzahl der bestehenden Mannschaften war der Schritt zur Vereinsgründung naheliegend, um eine größere lokale Integration für die ISD-Schüler zu erzielen.“ Neben dem ständigen Wettbewerb mit den europäischen Partnerschulen spielen die Jugendlichen in den lokalen Basketball- und Fußball-Ligen. Beim Fußball erfolgte bewußt die Einteilung in schwächere Gruppen, um Erfolgserlebnisse zu forcieren. Im Basketball ist die kleine Weltauswahl der ISD inzwischen sehr erfolgreich. Die männliche und weibliche C-Jugend wurden jeweils Kreismeister des Jahres 2000. Mittlerweile sind fast 200 ISDler im Verein aktiv. Heun gesteht sogar ein, daß „es Schüler gab, die schon an Wettkämpfen teilgenommen haben, bevor sie auch nur eine Sekunde in der Klasse gesessen haben.“ Schnell wird Heuns Ehrgeiz deutlich, wenn er über die Ziele spricht: „Der Verein arbeitet leistungsorientiert. Die Kinder müssen mit den Anforderungen der Wettkampfsituationen wachsen. Wir wollen gewinnen und deswegen können nicht immer alle mitspielen. Die Eltern akzeptieren das und spornen ihren Nachwuchs an durch verbesserte Leistungen mehr Einsatzzeiten zu erzielen. Davon profitieren im Endeffekt alle.“ Doch der Pädagoge trägt auch eine Träne im Knopfloch: „Unser größtes Problem ist die hohe Fluktuation, weil viele Schüler nur 1-2 Jahre in Deutschland bleiben. Erst vorletzten Monat hat uns eine unserer besten Basketballerinnen, Georgie Turpin, verlassen.“ Der 13-Jährigen fiel der Abschied schwer: „Es gibt soviel, was ich schmerzlich vermissen werde: Die Freunde und Lehrer, den Sport und die Stadt. Aber mir bleibt die Erinnerung an eine tolle Zeit und ich freue mich darauf ein neues Land kennenzulernen. Außerdem besitze ich noch meinen Spielerpaß als Souvenir.“
Wettkampf internationaler Schulen (ISST und Necis)
Jacek Remplewitz ist der Athletic Director der ISD. Er organisiert die Wettkämpfe mit den anderen internationalen Schulen, an denen 140 ISD-Schüler teilnehmen. In den populärsten Sportarten findet jedes Jahr ein Turnier statt, wobei die Gastgeberrolle wechselt. Das Jahr 2000 sorgte für deutlichen Zuwachs in der ohnehin schon stolzen Trophäensammlung der ISD. Director Remplewitz schwärmt von seinen multi-talentierten Schülern: „Mancher spielt erst Volley- und Basketball, nimmt dann an Fußballturnieren teil, um abschließend noch bei der Leitathletik an den Start zu gehen. Gleichzeitig tritt der Pole Bedenken entgegen, daß die sportlichsten Eleven dem Unterricht zu lange fern bleiben und dadurch ihre Leistungen in den akademischen Fächern rapide sinken könnten. „Dem ist erstaunlicher weise nicht so. Die Schüler lernen ihre Freizeit und ihr Leben allgemein besser zu organisieren und zu koordinieren. Der Sport fördert ihre Ausdauer, Kraft, Konzentrationsfähigkeit und vor allem ihre Selbstdisziplin. Das starke Sportler auch exzellente Schüler sind, ist bei uns eher die Regel als die Ausnahme.“
Die Programme ISST und Necis messen der sozialen Zusammenkunft bei Veranstaltungen in Westeuropa eine genauso große Bedeutung bei, wie dem sportlichen Wettstreit. Am Freitag mittag, wenn die Schule für die Turnierteilnehmer vorzeitig endet, scharren die Sportler voller Vorfreude mit den Hufen, wie Vollblüter bei ihrem Prix d´ Amérique-Debüt. Kaum in Amsterdam oder Luxemburg angekommen, stürzen sich die Jungs und Mädels aus dem Bus direkt hinein in die Wettkämpfe. Nach den Spielen werden sie auf ihre Gastfamilien verteilt. Eine gute Gelegenheit auch die Umgebung ihrer sportlichen Opponenten, die meist zu Freunden werden, kennenzulernen.
Aktivitäts-Programm (Activity Program)
Wer noch nicht genug ausgelastet ist, für den gibt es zu guter Letzt das von Susanne Schantora organisierte Activity Program. Die saisonal angebotenen Disziplinen lassen keinen Wunsch offen. Wem an dem reich gedeckten Tischlein keines der Angebote von Schwimmen über Judo, Tanzen, Aerobics, Tae Bo, Ballet, Rugby, American Football, Bogenschießen oder Baseball bis hin zu Tischtennis, Badminton und Selbstverteidigung mundet, der hat es nicht anders verdient und muß als Streber enden – besitzt dann aber nicht die schlechtesten Karten, denn die ISD ist primär eine akademische Schule. Sie bietet Sport nicht als Ausbildung oder Selbstzweck an. Sport ist Neben- und kein Prüfungsfach.
Wenn man bilanziert, daß sehr viele Schüler am ISD-Sportprogramm teilnehmen, traut man sich kaum die Frage nach den Außenseitern zu stellen. Den kleinen, blassen Kindern mit dicker Brille und Feinrip-Unterhemd, die jede Möglichkeit nutzen der Sportmaschinerie zu entfliehen. Werden diejenigen, die total unsportlich sind nicht an die Wand gedrückt? Jacek antwortet stellvertretend für alle Sportpädagogen: „Generelle Drückeberger gibt es nicht, außer vielleicht beim Schwimmen. Es kommt auf das Feingefühl des Lehrers an, die Schüler nicht zu über-, aber auch nicht zu unterfordern. Wenn ein Kind partout nicht an Übungen teilnehmen möchte, ist das in Ordnung. Es kommt aber eher selten vor.“ Jacek hat den Anspruch mit auf Ausgleich bedachten Verhalten den Wünschen der Kinder sowie den Unterrichtszielen gerecht zu werden. „Aus meiner Laufbahn kenne ich beide Extreme. In den direktiven und kommunikationsfreien Schulen meiner polnischen Heimat können sich die Kinder genauso wenig entfalten, wie an den Lehranstalten Nordamerikas, wo die Schüler in Rund-um-sorglos-Watte gepackt werden.“ Er macht sich deshalb die Vorteile beider Systeme zu eigen. Sein Credo lautet „Leistungsorientiert, aber locker.“ In diesem Sinne: Let`s go Alts!
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