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"Geht`s raus und spielt‘s Fußball" packte einst Bayerns ewige Lichtgestalt Franz Beckenbauer das Erfolgsgeheimnis des Sports mit dem runden Leder in eine griffige Formel. Fortunas Spieler setzten in der abgelaufenen Regionalliga-Hinrunde das Rezept ausser Kraft. Sie gingen zwar raus, spielten aber keinen Fußball, sondern versuchten, mit Zufallspässen und Alibizweikämpfen ihr Gesicht zu wahren. Technik, Schnelligkeit, Kampfkraft und rechtzeitiges Erfassen von Spielsituationen waren seltener anzutreffen als Mozartpinguine in der Bronx. Und wenn der Großteil der Akteure das kleine Fußball-ABC nicht beherrscht, sind die taktischen Vorgaben des "bestimmten Ristic'schen Systems" nicht umzusetzen. Die Fortuna ist folgerichtig (fast) abgeschlagen Vorletzter.

 

Sie hütet schwindsüchtige Punkt-, Tor- und Finanzkonten und muss ihre Heimspiele in einer menschenverachtenden Eisschrank-Atmosphäre mit Namen Rheinstadion austragen. Diese Voraussetzungen sowie die fehlende Qualität bzw. Einstellung des Spielerkaders können das endgültige Aus für den Traditionsverein bedeuten. Die sportliche Rückschau wirkt wie eine Mischung aus Klimbim, Kasperletheater und Sandkasten. Nur, dass niemand darüber lachen kann. So begann Marcus Marin (mit dem Einverständnis des Vereins) lieber seinen Trainerschein, als sich auf den Abstiegskampf zu konzentrieren, Shittu forderte vergeblich einen Stammplatz, meldete sich dann beleidigt krank und wechselte zum Abstiegskonkurrenten nach Wattenscheid. Guido Jörres leistete sich einen öffentlichen Disput mit Noch-Geschäftsführer Jäger und Kemal Halat stellte urplötzlich fest, dass er und Fortuna "nicht zusammenpassen", ließ sich begnadigen, um fortan Gegentore am Fließband zu verschulden. Sein Kapitänsamt im Spiel gegen Lüneburg war ein Schlag ins Gesicht all derer, die Gerd Zewe und Fred Hesse zugejubelt haben. Die Suspendierung des kurdischen Kuschelrock-Fußballers war überfällig. Das gleichgültige Auftreten der Mannschaft konterkariert die positiven Entwicklungen in der famosen Jugendarbeit, der Laufabteilung oder der Mitgliederbetreuung.

Söldner, Fehleinkäufe und Fortunas eigener Weg

Die Rückkehr von Fortunas-Trainerlegende Aleksandar Ristic hat bisher nicht den erwarteten Erfolg gebracht. Nostalgiker und Kritiker stehen sich unversöhnlich gegenüber und kreiden die Schuld an der Misere wahlweise dem Team oder dem Bosnier an. Der Coach wird nicht müde vollmundig daran zu erinnern, dass seine Mannschaften in der Rückrunde immer 30 Prozent stärker waren. Hoffentlich reicht das zum Klassenerhalt.

 

Ristic hat einen Fehler eingeräumt: Dass er zu Saisonbeginn nicht rigoros etliche Spieler aussortiert hat. Als Folge konnte sich nicht der Teamgeist entwickeln, der die sprichwörtlichen Berge versetzt. Die leblose Mannschaft scharte sich nicht hinter ihrem obersten Übungsleiter. Im Gegenteil, Ristics harte Hand hat dazu geführt, dass einige der durch den Gelsdorfschen Streichelzoo verweichlichten Spieler gegen ihn sind. Das Formbarometer der Stammkräfte befand sich im Dauertief. Die ständige Rotation auf allen Positionen auf dem Spielfeld war kontraproduktiv. Langzeitverletzte und Leistungsverweigerer belasteten das Klima. Oleg Poutilo ist das einzige Gegenbeispiel. Er war kämpferisch und spielerisch stets ein Vorbild, obwohl er zu Saisonbeginn aussortiert und ins Oberligateam abgeschoben wurde! Eine krasse Fehleinschätzung.

 

Des Trainers Transferbilanz ist bislang leider keine Erfolgsstory. Die Integrationsprobleme der ausländischen Spieler verhindern einen schnellen Aufschwung. Das Geld, das eigentlich nicht mehr da ist, wird nach wie vor für Abfindungen, Transfers und absurd hohe Gehälter mit beiden Händen zum offenen Fenster raus geworfen. In Fortunas Etat tauchen immer neue Löcher auf. Zukünftig sind dem Club enge Fesseln angelegt. Kenner meinen, dass die gezeigten Leistungen auch von Talenten aus der Region erbracht werden könnten (und würden). Fern jeder Söldnermentalität gäbe es eine hohe Identifikation mit dem Verein, gezahlt würde nur ein Bruchteil dessen, was derzeit - ohne Gegenleistung - in die Taschen des Tribünenpersonals fließt. Ein Team talentierter Kicker, punktuell verstärkt durch Routiniers - das ist der einzige Weg, den Fortuna beim wahrscheinlichen Abstieg beschreiten kann und darf. Nur dieser Weg eröffnet die Chance, von Fans und Gönnern geduldig mitgegangen zu werden. Wenn Sponsoren sehen, dass sie ihr Geld nicht in ein schwarzes Loch werfen, sondern in eine dynamische Zukunft investieren, könnten bislang unzugängliche Ressourcen erschlossen werden. Der eigene Nachwuchs muss noch intensiver ausgebildet und Talente langfristig an den Verein gebunden werden. Nur so kann die Basis für einen organisch gewachsenen Aufbau gelegt werden.

Hexenkessel Flinger Broich

Über eine Million Mark wurde durch eine aufsehenerregende Kunstauktion in die Vereinskasse gespült. Eine grandiose Idee, deren Entwicklung und erfolgreiche Umsetzung sich Fortuna-Vorstandssprecher Helge Achenbach voll anrechnen kann. Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die großen Pläne, die im Sommer die x-te "neue Fortuna" und die "Aleks wird gut"-Kampagne begleiteten, noch immer auf ihre Umsetzung warten. Und nicht nur das. Bereits zum zweiten Mal nach 1998/99 werden die rot-weißen Trikots von einem Haufen "Pseudo-Fußballer" getragen, denen die elementarsten Kenntnisse im Umgang mit dem Spielgerät und das Bewusstsein ihrer Pflichten gegenüber ihrem Arbeitgeber und seinen Fans zu fehlen scheinen.

 

Nachdem das Präsidium lange tatenlos zugesehen hat, wurde nach dem schlimmsten Jahr der Vereinsgeschichte zum Befreiungsschlag ausgeholt. Ab Februar möchte man nur noch mit den 18 Spieler arbeiten, die Achenbach für willig hält, "Gras zu fressen". Die Winterpause begann mit der Aussprache zwischen Mannschaftsrat, Präsidium und Trainer sowie einer Kaderumstrukturierung. Für die Verpflichtungen von Emmerling, Addo und Fährmann musste der "nackte Mann" Fortuna noch mal tief in die Tasche greifen. Allerdings würde nichts teurer (sein)? als der Abstieg. Die allseitigen Besserungsgelöbnisse dürfen nicht wieder mehr als nur bloße Lippenbekenntnisse sein. Es bedarf eines Wunders (und noch mehr), um den Klassenerhalt zu schaffen. Der sofortige Umzug ins Paul-Janes-Stadion an den Flinger Broich ist unerlässlich. Fortunas Existenz darf nicht an fehlenden Parkplätzen oder Toilettenhäuschen scheitern.

Rettet Fortuna!

Der sportliche Voll-K.o. muss mit allen Mitteln vermieden werden. Dafür bedarf es des guten Willens der Sportler, denn das Überleben der Fortuna liegt fatalerweise in ihren Händen oder klebt an ihren Füßen. Die Spieler müssen sich noch einmal fragen lassen, was für sie, den Verein und nicht zuletzt die Fans auf dem Spiel steht und wie weit zu gehen sie bereit sind. Diesmal geht es um Sein oder Nicht-Sein des 106-jährigen Traditionsvereins, der mehr Liebhaber hat, als die öffentliche Resonanz vermuten lässt.

 

Es tat sich ein tiefer Graben zwischen Verein und Fans auf. Für Trotz, Selbstironie und Kult wie in früheren Abstiegsjahren ist kein Platz mehr. Blanker Hass schlug den Fußballern entgegen, die doch - unterstützt von den Anfeuerungen der Treuesten - den Verein retten sollen. Ein Teufelskreis. Aber Zuschauer verzeihen schnell, wenn man ehrliche Arbeit anbietet. Was motiviert die nimmermüden Fans, die von der einstmals stolzen Anhängerschar übrig geblieben sind? Wofür halten sie durch? Ganz klar: Für den Mythos Basel, für die Pokalschlachten und die Meisterschaft, für Wackel-Demandt, Heinz Lucas und die Allofs-Brüder, aber auch für Teveren, für die Aufstiegshelden Koch und Glavas. Für die Aussicht, sich mal wieder selbst zu feiern oder die Spieler, denn es gab mal so etwas wie Publikumslieblinge. Für den Gedanken, dass es diesmal Fortunas Jahr sein könnte und für den wilden Spaß, den das in ihnen wachruft. Für das Wissen, dass jeder Winter, selbst einer, der 20 dunkle und schwierige Jahre andauert, die Möglichkeit eines Frühlings zulässt. Es darf nicht vorbei sein. Jetzt noch nicht. Die alte Dame Fortuna muss weiterleben.

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Tag(s) : #Aktuelles rund um Fortuna Düsseldorf
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