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Gar Merkwürdiges geschah im Staate Fortuna. Hier wird es bekanntlich nie langweilig. Mitunter geht es so turbulent zu, dass man den Überblick verlieren kann. Deshalb haben wir uns entschlossen die Geschehnisse seit Erscheinen der letzten Volley-Ausgabe (Okt 01) festzuhalten. Wir möchten Aussagen und Versprechen wichtiger Entscheidungsträger in Erinnerung rufen, um sie jetzt nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs auf ihre Nachhaltigkeit hin zu überprüfen.

 

20.11.01 Staatsanwälte küßt man nicht

Der 1. FC Magdeburg gewinnt das Nachholspiel in Köln mit 2:0 wodurch unsere Fortuna zum Ende der Hinrunde auf einen Abstiegsplatz abrutscht. Auch im außersportlichen Bereich geht das Ungemach weiter. Die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigt, dass sie gegen Fortunas Präsidenten Steffes-holländer ermittelt.

 

21.11.01 Seltsame Bulgaren

Vor dem Rückrundenauftakt in Chemnitz bezeichnet Trainer Tim Kamp es als einen psychologischen Rückschlag, „wenn wir nach den ersten vier Partien, die noch in 2001 ausgetragen werden, immer noch auf einem Abstiegsplatz stünden.“ Er geht davon aus in den Rückspielen verlorenen Boden gutzumachen, so daß insgesamt 40 Punkte reichen werden. Auf die berechtigte Frage, warum der neu verpflichtete Boris Kondev beim Oberligisten Meppen überhaupt nicht zum Zuge kam, entgegnete Kamp: „Boris ist ein sehr junger Spieler, der in Meppen keine Geduld hatte, wohl auch keine richtige Chance bekam. Aber wenn man mit Anfang 20 aus dem Ausland kommt, sind auch die Mitspieler verdammt wichtig, und bei uns helfen ihm alle. Als ich noch in Rumänien war, habe ich gelernt, dass Bulgaren ein besonderer Menschenschlag sind, die man zu nehmen wissen muss - und Boris ist Bulgare.“ Vielleicht sollte Fortuna generell Abstand von der Verpflichtung osteuropäischer Spieler nehmen. Mit Skandinaviern hat man seinerzeit gute Erfahrungen gemacht.

 

22.11.01 Sechs aus vier

An diesem Tag verkündete Trainer Kamp, dass er mit seinen Auserwählten unbedingt noch sechs Punkte aus vier Partien zu holen beabsichtigte. Sie sind Bestandteil einer interessanten Rechnung, die er aufmacht: Eine negative Rückrundenbilanz reicht zum Klassenerhalt: "Acht Siege, neun Niederlagen. Das ist doch wirklich nichts Besonderes. Die Spieler müssen sich also nicht einmal unnötig unter Druck setzen." Der Coach hofft vor allem darauf, dass seine Schützlinge aus der Hinrunde gelernt haben. "Zumindest, was die Cleverness betrifft", schränkte Kamp ein, "denn wir haben viele Punkte sehr dumm verloren. Immerhin haben wir gelernt, wie man gegen ostdeutsche Teams spielen muss." Gerade mal drei Punkte sind es geworden.

 

24.11.01 Staatsanwaltschaft küssen auch nicht

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass eine Entscheidung darüber, ob gegen den ehemaligen Postler Anklage erhoben wird, erst im neuen Jahr getroffen wird. Man wird erst ausgiebig prüfen, ob die von der Post eingereichten Unterlagen aussagekräftig genug sind, um eine Anklage zu rechtfertigen. Von "Untreue" und "Betrug" ist in den Dokumenten die Rede. Steffes-holländer indes ist wild entschlossen, die Sache auszusitzen. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht zu einer Anklage kommen wird", erklärte er kämpferisch. Sein   Vorstandskollege Seibel äußerte sich eher vage: "Wenn ich erkenne, dass sich die Geschichte negativ auf den Verein auswirkt, müsste man schauen, wie man dem entgegenwirken kann." Dabei hat Seibel vorrangig Sponsoren und Fans im Auge. "Ich sehe momentan aber nicht, dass die das als so gewichtig betrachten." Die Hauptfigur der Auseinandersetzung kündigte unterdessen Einnahmen für den Verein an: "Ende der Woche wird ein neuer Sponsor zu einer Pressekonferenz laden." Eine Behauptung, mit der er wieder mal daneben gelegen hat.

26.11.01 Der ratlose Medizinmann

Für heute hatte Tim Kamp den Einstieg des afrikanischen Patienten Ganiyu Shittu ins Mannschaftstraining angekündigt, damit „er uns vor der Winterpause noch helfen kann.“ Allerdings haben auch die heilsamen Hände von Magier Restle nicht ausgereicht um Shittus „langwierige Rückengeschichte“ zu beheben. Das Seelchen konnte uns bekanntermaßen nicht mehr helfen. Aber dass war dann doch ganz in des Trainers Sinne, denn Kamp war „es lieber, dass er ist im neuen Jahr wieder voll da ist, als dass wir ihn wieder zu früh bringen.“

 

27.11.01 Keine neuen Kräfte

Die Zeit des Schönredens der Krise ist erst einmal vorbei. "Unsere Hinrunde war etwas für das Guinessbuch der Rekorde - ich kann mich nicht erinnern, dass Fortuna einmal eine so schlechte Heimserie gespielt hat", grollt Vize Nowak. Und auch in die routinierten Durchhalteparolen des Trainers mischen sich bereits leise Zweifel, ob der Klassenerhalt überhaupt noch erreicht werden kann: "Über die Qualität der Mannschaft kann man sich sicherlich streiten". Auf die dringend benötigte Personalauffrischung kann der Fußballlehrer indes nicht hoffen. "Wir planen keine Änderungen - es gibt diese Leute nicht, die uns verstärken können", betonte Nowak um gleichzeitig die Pessimisten zu beruhigen, die den  sportlichen Abstieg in die Viertklassigkeit für wahrscheinlich halten: "Über den schlimmsten Fall haben wir uns längst Gedanken gemacht". Sehr schlecht, wenn die Leute, die sich Gedanken gemacht haben, kurze Zeit später verschwunden sind.

 

28.11.01 Prä-ejakulativer Trikotverkauf

Für die Großkapitalisten der Fortuna geht es immer ums liebe Geld. Die begehrten schwarzen Auswärtstrikots, die nach Absprache mit den "Toten Hosen" erst vom 10.12. an in den Verkauf kommen sollten, wurden bereits in den letzten Tagen unters Fanvolk geschmissen. Der verfrühte Verkauf brachte den Verein um dringend benötigte Einnahmen. Unterdessen plante Trainer Kamp Revolutionäres: Er deutete an, dass er gegen Wattenscheid wieder offensiver, das heißt: mit zwei Spitzen operieren wolle, was drei Tage später zum ersten Heimsieg seit dem 12.8.01 führen sollte.

 

30.11.01 Paul-Janes-Kampfbahn

Das Ziel war klar: Das Paul-Janes-Stadion sollte zu einer "funktionsfähigen RL-Spielstätte" ausgebaut werden. Dafür hat die Stadt 9,8 Mio DM bereit gestellt. Zur Überraschung aller hat sich nun herausgestellt, dass der Ansatz zu hoch gewesen ist und 7,9 Mio DM für die ausgeschriebenen Leistungen ausreichen. Da haben die Stadtväter gleich draufgelegt. Bei dem Betrag soll es bleiben, so dass - für 1,68 Mio DM - noch Stehstufen für 1.500 Fans auf der Nordtribüne angelegt und 42 Parkplätze an der Rosmarinstraße hergerichtet werden können. Am Ende sollen 7.300 Zuschauer im Stadion Platz finden.

 

06.12.01 Dresdener SC bittet zum Tanz

Für die Fortuna geht es beim Dresdener SC um ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf. Kamp: "Wir wissen worum es geht!" Dass die Partie eine ganz wichtige ist, braucht Kamp seinen Spielern nicht groß erklären: "Es steht sehr viel auf dem Spiel. Die Bilanz unserer ganzen Arbeit wird entscheidend positiver oder negativer durch das Ergebnis am Samstag. Überwintern wir auf einem Abstiegsplatz oder nicht? Das ist eine wichtige Frage, weil schon mehr als eine Halbserie um ist, und diese Frage wird in Dresden beantwortet." Das alles wird freilich ohne Ganiyu Shittu stattfinden, denn der Nigerianer traut sich schlichtweg noch nicht. "Er hat noch ganz große Probleme nach seiner Rückenverletzung", erklärte der Coach. "Im Training machte er zwar mit, aber nur mit angezogener Handbremse. In Dresden kann ich aber nur Spieler brauchen, die zu einhundert Prozent fit sind." Man darf sehr gespannt sein, ob der dauerhaft leidende fast 22-Jährige diesen Status überhaupt noch einmal erreichen wird.

 

07.12.01 Die Chefsache und der Kaiser

Ein Meilenstein in der Geschichte Fortunas und der Stadt. OB Joachim Erwin erklärt im Gespräch mit Franz Beckenbauer die Rettung Fortunas - die sogar dem "Kaiser" sehr am Herzen liegt - zur Chefsache. Mal sehen, was daraus wird.

 

09.12.01 Begriffsstutzigkeit

Es war das wichtigste Spiel der Saison, aber Fortunas Spieler hatten das nicht begriffen. Ohne erkennbares Engagement boten sie in Dresden eine abstiegsreife Vorstellung und verloren 1:3. Mit einer unvorstellbar schlechten Darbietung verschenkten die Düsseldorfer die Punkte an den DSC und verpaßten dadurch die hervorragende Möglichkeit, den direkten Konkurrenten mit fünf Punkten Abstand zu distanzieren. Oder die Chance, das stark beschädigte eigene Image ein wenig aufzubessern. Die Spieler zeigten dagegen, dass ihnen die Rettung im Grunde so ziemlich egal zu sein scheint. Kamps Fazit: "Hinten sind wir ausgedribbelt worden wie nie zuvor, im Mittelfeld waren wir kopflos, die linke Seite war nicht da, im Sturm habe ich nichts gesehen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Mannschaft gegen den Abstieg gekämpft hat." Es ist Kamps Aufgabe, ihr das ganz schnell zu vermitteln.

 

14.12.01 Siegertypen zum Mitreisen gesucht

Die Marschrichtung ist glasklar: nur ein Sieg im letzten Spiel vor der Winterpause zählt. Dafür sollen die Spieler endlich den nötigen Einsatz zeigen. Wegen der hundsmiserablen Vorstellung in Dresden hat Tim Kamp seine Spieler auch noch einmal kräftig ins Gebet genommen. "Es gibt keine Entschuldigung. Wir wissen nach dem 4:1 im Hinspiel, dass wir Leverkusen beherrschen können. Jeder Spieler ist jetzt gefordert bedingungslosen Siegeswillen zu zeigen" mahnt Kamp. Er macht eine Schwachstelle seines Teams in  fehlenden "Siegertypen" aus: "Viele Spieler sind zu naiv. Sie begreifen nicht, dass man sich auch nach dem x-ten Fehlpass nicht verstecken darf, sondern weiter den Ball fordern und sich anbieten muss." Sicherlich ein richtiger und wichtiger Punkt, aber über Nacht werden aus Verlierern nun mal keine Siegertypen.

15.12.01 Blauer Brief für Folterfußballer

Nach der blamablen 0:3-Heimschlappe will Fortunas Trainer den Kader ausmisten und eine Mannschaft präsentieren, die mit Herz und Leidenschaft für die gemeinsame Sache einsteht. Die rekordverdächtige Minikulisse von 2.700 sah eine Ansammlung verzweifelnd umher irrender Pseudo-Fußballer, in der nur die beiden eingewechselten Oberligakicker Christoph Ulrich und Ermin Yesilöz angenehm auffielen, da sie so etwas wie Ballfertigkeit, Spielintelligenz und Einsatzbereitschaft an den Tag legten. Ein Großteil des Kaders hat erstmals echte Konsequenzen zu fürchten, denn vielen droht der sportliche Abstieg in die Oberliga schon vor dem Saisonende. Offenbar hat auch Tim Kamp endlich erkannt, dass er mit einigen seiner Schutzbefohlenen das Saisonziel nicht erreichen wird. Dass er dafür vergleichsweise lange benötigte, schmerzt Kamp wohl am meisten, bot angesichts des lautstark murrenden Volkes, das seine Helden vor dem Stadion erwartete, schon an, nach draußen zu gehen, um jene Schläge zu empfangen, die eigentlich die Spieler verdient gehabt hätten. "Ich kann die verstehen, die draußen warten. Ich hätte Lust zu ihnen zu gehen, denn Schläge würde ich in der jetzigen Situation gar nicht spüren. Die psychischen Schmerzen sind viel stärker. "Ich werde im neuen Jahr eine Mannschaft präsentieren, die mit Herz und voller Leidenschaft dabei ist." An diesen vollmundigen Ankündigen wird sich Kamp nach der Pause messen lassen müssen.

 

18.12.01 Forunatischer Arbeitskreis Marketing gegründet

Zur besseren Nutzung der Kräfte der Basis haben Präsidium und Geschäftsführung von Fortuna jetzt den AMF gegründet. In diesem Gremium sollen Konzepte erarbeitet und umgesetzt werden, um den Traditionsverein weiter voranzubringen. Erste Projekte sind das Abschiedsspiel gegen RWE sowie das Eröffnungsspiel im Flinger Broich. Im Fortuna-Umfeld gibt es viele Personen mit hervorragenden Kenntnissen und Fähigkeiten sowie kreativen Ideen in vielen Bereichen. Dieses Potential soll jetzt stärker genutzt werden. Lobenswert.

 

19.12.01 Kinowelt beantragt Insolvenzverfahren

Die von der Pleite bedrohte Kinowelt hat beim Amtsgericht München die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Die Verhandlungen mit der Bank ABN Amro über gekündigte Kredite hatten zu keinem Ergebnis geführt. Damit rückt das mögliche Aus des einstigen Börsenstars näher. Schatzmeister Seibel sieht noch keine unmittelbaren Konsequenzen für die Fortuna, selbst wenn sich die Zahlungsunfähigkeit der Kinowelt bestätigen sollte: "Möglicherweise findet sich für die Sportwelt ein Investor, losgelöst von der Kinowelt".

 

20.12.01 Vize Nowak schmeißt hin

Wenige Tage vor dem Fest ging bei Fortuna eine Bombe hoch. Werner Nowak teilte seinen Rücktritt als Vize-Präsident mit und begründete ihn mit den "unverkennbar negativen Auswirkungen auf den Verein Fortuna durch die fehlende Bereitschaft des Präsidenten, sein Amt niederzulegen.“ Häuptling Joachim Erwin sieht die Sache so: "Ein genereller Neuanfang im Präsidium wäre für den Verein sehr förderlich." Im Januar will er sich mit Vertretern der Wirtschaft zusammensetzen, um nach Möglichkeiten zur finanziellen und sportlichen Genesung des Dauerpatienten Fortuna zu suchen. Licht am Ende des Tunnels?

 

28.12.01 Der (aus-)sitzende holländer

Steffes-holländer ist immer für eine Überraschung gut. Jetzt lässt er sein Amt erneut ruhen. Tatsächlich jedoch ändert sich durch diesen Schritt so gut wie nichts. Der Weg für ein neues Präsidium ist nach wie vor nicht frei. S-h schob lediglich den Schwarzen Peter Wahlgremium und Beirat zu. Die hatten den Fehler begangen, den Präsidenten zum Rücktritt oder zum Ruhenlassen des Amtes aufzufordern. Nun wurden sie für diesen Fehler bestraft, denn S-h wählte die zweite Option und steht nun als der gehorsame Gefolgsmann da.

 

06.01.02 Das Ultimatum

Der Präsident ist von den Gremien ultimativ aufgefordert worden, "bis zum 10. Januar seinen Rücktritt vom Amt zu erklären". Sollte der frühere Marketingleiter der Deutschen Post nicht zum diesem Schritt bereit sein, wird über seine Abberufung auf der Mitgliederversammlung entschieden werden. Bis dahin werden Schatzmeister Kai Seibel und Jugendtrainer Helmut Pöstges die Amtsgeschäfte des Vorstandes führen. Auf der MV soll der Weg für professionellere Vereinsstrukturen geebnet werden. "Ziel ist es, einen Aufsichtsrat zu installieren, der dann die Geschicke des Präsidiums leitet", verriet Beiratssprecher Peter Frymuth.

 

08.01.02 Erwin-Double für Aufsichtsrat

Sollte auf der Mitgliederversammlung die vorbereitete Satzungsänderung, nach der ein Aufsichtsrat den bisherigen Beirat ersetzt, abgesegnet werden, könnte sich auch OB Erwin ein Engagement in diesem Gremium vorstellen: „Vereinspräsident werde ich sicher nicht, aber zusammen mit geeigneten Leuten würde auch ich mich aktiv in die Gestaltung einbringen." Der Politiker erklärte, er sei optimistisch, dass es Leute aus der Wirtschaft gebe, die sich für die Not leidende Fortuna engagieren würden, nannte im gleichen Atemzug aber auch die Voraussetzungen: "Die Vertreter der Wirtschaft müssen eine Plattform haben, um sich einzubringen, aber auch um zu wissen, was mit ihrem Geld passiert." Sollte eine entsprechende Satzungsänderung umgesetzt werden, würde der zukünftige Vorstand nicht mehr von den Mitgliedern gewählt, sondern vom Aufsichtsrat eingesetzt werden.

 

10.01.02 Das Horrorwort von der Insolvenz

"Es sollten noch Spieler geholt werden, denn der Abstieg in die Oberliga muss auf jeden Fall vermieden werden", erklärte Globetrotter Erwin. Nicht gut zu sprechen ist Kai Seibel auf denjenigen, durch dessen Indiskretion die Information, dass die Fortuna für alle Fälle schon einmal einen Insolvenzantrag vorbereitet hat, in die Öffentlichkeit gelangt ist. "Die finanzielle Lage des Vereins wird indes immer angespannter. Nicht nur, weil die nötigen Mittel für die Dezembergehälter der Spieler fehlen. Seibel erklärt, es müsse ein Betrag von etwa 200.000 Euro aufgebracht werden, "um die nächsten Monate zu überstehen". Auch ihm erscheint OB Erwin als letzter Rettungsanker; Seibel hat den Politiker schriftlich um Hilfe ersucht.

 

10.01.2002 Kampfansage eines Trotzkopfes

Steffes-holländer teilte schriftlich mit, dass er als Präsident nicht zurücktritt. Als Alternativen bot er an, sein Amt bis zur JHV im April ruhen zu lassen, wenn er denn auf der „Außerordentlichen" nicht zur Disposition gestellt würde. Einen sofortigen Rücktritt bot er nur unter Vorraussetzungen an: Wenn andere Personen zu einem Konzept in der Lage wären, das Fortuna die Regionalliga-Lizenz für die Saison 2002/2003 sichern würde. Abgabetermin ist der 1. März. Oder wenn größere Sponsoren schriftlich erklären würden, ihr Engagement vom Rücktritt des Präsidenten abhängig zu machen. Oder ein Nachfolger öffentlich und rechtsverbindlich erklärt, die Arbeit bei Fortuna in Gesamtverantwortung aufzunehmen. Ferner betont Steffes-holländer, dass er einen Rücktritt nicht von der Rückzahlung seiner an den Verein gewährten Bürgschaft in größerer sechsstelliger Höhe abhängig mache. Er vertritt damit exklusiv die eher realitätsferne Meinung, dass er auf der JHV nicht aus dem Saal gejagt werden würde. Wieder hat sich ein Präsident, der sich den Neuanfang auf die Fahnen geschrieben hatte, in eine Sackgasse manövriert und gefährdet mit seiner Sturheit die Existenz des Vereins.

 

14.01.02 DER RÜCKTRITT

Von Asmir Dzafic wird sich der Verein trennen. Dafür werden Ressourcen frei um den Slowaken Milan Strelec unter Vertrag zu nehmen. Dass auch einige Kicker aus dem Oberligakader aufrücken sollen, ist beschlossene Sache. "Da sind viele Spieler besser als die in der ersten Mannschaft", glaubt nicht nur Vize Pöstges. Unterdessen hat der Herr Präsident sein Amt nun doch niedergelegt. Dieser Schritt war mehr als überfällig. Noch vor ein paar Tagen versuchte er Werbung in eigener Sache zu machen, was gründlich mißlang. Der Druck von außen wurde zu groß.

 

22.01.02 Umbauarbeiten voll im Soll

Es scheint zwar zunächst so, als habe sich am Paul-Janes-Stadion nicht viel verändert, aber die Bauarbeiten liegen im Zeitplan: Die Stufen der Gegengeraden und der Block für die Gästefans sind fertig. Zudem verspricht Sportamtsleiter Udo Skalnik, dass die neue Heimspielstätte der Fortuna mit der Begegnung gegen Verl planmäßig eingeweiht wird. Allerdings muss sich Fortuna bis Saisonende mit 5.800 Plätzen begnügen. Das Schild „Ausverkauft“ muß also aus der Mottenkiste geholt werden. Im Juni geht es dann mit dem Ausbau der Kopfseite am Flinger Broich weiter.

 

23.01.02 Neue Männer braucht das Land

Nun ist auch das Comeback von Robert Niestroj – zumindest bis zum Saisonende - unter Dach und Fach. Wer den 27-Jährigen bei den Übungseinheiten beobachtet, erkennt unschwer, wie froh er ist, nach drei Wanderjahren in Wolverhampton, Nürnberg und Saloniki wieder zu Hause zu sein. Der Fortuna will Niestroj in den kommenden Monaten zum Klassenerhalt verhelfen. "Wir müssen diszipliniert spielen, dann schaffen wir es." Wegen eben dieser Tugenden hat ihn sein sportlicher Vorgesetzter Tim Kamp verpflichtet: "Er kann die Mannschaft mit seiner Übersicht führen und ist in der Lage, 90 Minuten zu ackern." Im Wechsel mit dem Tschechen David Breda soll Niestroj die Hauptverantwortung für das Aufbauspiel im zentralen Mittelfeld tragen. Bleibt da denn noch Platz für Kamps Liebling Uwe Weidemann?

 

24.01.02 Unerwünschter Marketingmann

Nicht sonderlich erbaut ist der man bei der Fortuna darüber, dass das beurlaubte Sportwelt-Wunderkind, Marc Rautenberg, wieder auf der Geschäftsstelle arbeitet. Ihm war seinerzeit vom Vorstand vorgeworfen worden, kaum Sponsoren beschafft, aber interne Informationen weitergegeben zu haben. Fortuna wartet auf eine Rangrücktrittserklärung der Sportwelt. Danach würde der Partner erklären, geleistete Darlehen und Bürgschaften in Höhe von 2 Mio Euro nicht zurückzufordern, ehe der Verein Gewinne erwirtschaftet. Da ein solches Entgegenkommen seitens der Sportwelt für die Fortuna überlebenswichtig ist, will man es in der Sache Rautenberg nicht auf eine Konfrontation ankommen lassen.

 

29.01.02 Fortuna droht sogar der Lizenzentzug

Ohne den Rangrücktritt der Sportwelt hat der Verein zum 31.12.2001 gegen die DFB-Auflagen um satte vier Millionen Mark verstoßen. Im Vertrag mit der Sportwelt, den das ehemalige Präsidium der Fortuna um Helge Achenbach mit seinem Rechtsbeistand aushandelte, ist ein Passus enthalten, der den Flingerern jetzt mächtig im Magen liegt. Denn dort ist nicht etwa, wie weiland immer wieder vollmundig behauptet, ein genereller Rangrücktritt für das insgesamt 15 Millionen Mark schwere Darlehen festgezurrt, sondern nur der zarte Hinweis, dass die Sportwelt im Rahmen der Lizenzierungsverfahren jeweils ihren Rangrücktritt erklären müsse. Ohne eine entsprechende Erklärung der Sportwelt droht dem Traditionsklub großes Ungemach aus der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main. Denn die Fortuna hat aufgrund der Inanspruchnahme eines weiteren 1,5 Millionen Sportwelt-Darlehens für die Monate Januar bis März 2001 sowie der beim DFB gezogenen Sportwelt-Bürgschaft in Höhe von 2,44 Millionen Mark für das Jahr 2001 ihr sogenanntes "Minuskapital" um satte vier Millionen Mark erhöht. Aufgefangen werden kann das aber nur durch Rangrücktritt der Sportwelt. Die Neuverschuldung würde einen drastischen Verstoss gegen die Auflagen des DFB darstellen. Solche Vergehen können mit einer Geldstrafe, mit einem Punktabzug oder gar mit einem Lizenzentzug bestraft werden. Man sollte sich bei der Fortuna schon mal aufs Schlimmste gefasst mnachen.

 

01.02.02 Sportwelt nicht als Königsmörder

Leise Entwarnung: Das Welt des Sports verkündete, dass sie die Rangrücktrittserklärung nachholen wird, wenn Fortuna die Insolvenz das Erschließen neuer Geldquellen abwenden könne. Das sollte  einen Kleinigkeit sein, denn bekanntermaßen, stehen die Sponsoren beim Düsseldorfer Aushängeschild Schlange. Immerhin läßt sich dieses Verhalten dahingehend interpretieren, dass die Sportwelt keineswegs am Untergang des Vereins schuld sein möchte - andererseits aber auch selbst nicht genügend finanzielle Mittel besitzt, ihn zu verhindern, denn  man darf nicht vergessen, dass ca. 10 Vereine am Tropf der SW hängen und warum sollte gerade der Fortuna eine Sonderrolle zugedacht werden?

 

06.02.02 Endlich da: die professionellen Strukturen

Bei nur einer Gegenstimme votierten Fortunas Mitglieder geschlossen für die neue Vereinssatzung, die einen neunköpfigen Aufsichtsrat vorsieht, in dem Wirtschaftgrößen sitzen sollen, die den Vorstand (ab-)berufen. Eine Frage darf erlaubt sein: Jahrelang hat sich Fortuna schwer getan 3 kompetente Menschen für das Präsidium zu finden. Aus welchem altruistischen Wunderland sollen nun weitere neun Leithammel kommen. Dem designierten AR-Vorsitzenden, OB Erwin, ging es vorrangig darum, „die Bedingungen für die neue Regionalliga-Lizenz zu erfüllen. Und dann werden wir die Gespräche mit der Wirtschaft vertiefen. Es wird nicht einfach. Es gibt schon eine große Distanz zur Fortuna und somit eine Menge Arbeit." Mir wäre es lieber, wenn die Lizenzunterlagen, bereits die Ergebnisse der hochrangigen Konferenzen beinhalten würden. Am Rande gab es Spekulationen, das Neu-Mitglied und Überraschungsgast, Thomas Strunz, ganz in blond, Sportlicher Leiter werden solle. Es gibt sicherlich schlechtere Kandidaten.

 

08.02.02 Ein Tag ohne Rücktritt ist ein verlorener Tag...

...möchte man fast Kalauern. Heute „traf“ es Schatzmeister Kai Seibel, der sich von Oberbürgermeister Joachim Erwin bei jenen richtungweisenden Gesprächen mit potenten Geldgebern – so sie denn wirklich stattfanden - übergangen fühlte. Man kann Seibels gekränkte Eitelkeit kritisieren, andererseits könnte ein lediglich designierter AR-Vorsitzender mit offenen Karten spielen und Herrn Seibel mitteilen, dass er bei Neuanfang und Professionalisierung des Vereins keine Rolle spielt. Dann wäre immerhin eine einvernehmliche Trennung mit geregelter (kommissarischer) Nachfolge möglich gewesen. So gibt es für verletzte Stilfragen Abzüge in der B-Note. Sollte allerdings Kai Seibel die letzte Spaßbremse gewesen sein, die omnipotente Sponsoren von der Spielwiese Fortuna ferngehalten hatte, war dessen Desavouierung ein genialer Spielzug. Kickerpapa Werner Sesterhenn gibt nun den Kommissar Zwo.

 

09. – 16.02.02 Beängstigende Frühform

Fortuna haut innerhalb einer Woche die drei RL-Spitzenteams aus Trier (4:3), Wattenscheid (4:1) und Darmstadt aus den Schuhen. Logisch zu erklären ist das im Grunde nicht. Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass man nach einer gelungenen Vorbereitung in der Liga floppt. Man muß abwarten, wie sich der Einbau von Fregene, Shittu, Niestroj und Strelec sowie die Umbesetzungen von Vucic und Jörres auf die Gesamtperformance auswirken werden. An einer Besetzung der Position hinter den Spitzen durch den „Hoffentlich-bald-Pensionär“ Weidemann dürften Fortunas Liebhaber nicht allzu lange Freude haben. Tim Kamp sollte schleunigst einsehen, dass er mit der Hofierung eines 38-Jährigen Spielers, der nicht passen, nicht dribbeln und nicht schießen kann, den Klassenerhalt ernsthaft gefährdet. Es ist kaum noch zu verstehen, warum sich der Trainer standhaft weigert, einen längst überfälligen Schritt zu vollziehen, den der Spieler Weidemann bislang nicht gewagt hat. Von einem sofortigen Karriereende würden nicht nur Breda und Hopp profitieren, sondern auch Tausende fachkundiger Fans, die wissen, wie sehr die Anwesenheit des Fossils die Kreativität und das Verantwortungsgefühl anderer Akteure blockiert. Wenn Kamp weiter auf die Vergangenheit setzt wird nicht nur er verlieren, sondern auch Fortuna und damit wir alle.

 

15.02.02 Skandal am Zwinger Broich

Die Spürnasen des genialen Museums, www.Super-Fortuna.de, haben mit der Veröffentlichung der Fotos vom engmaschigen Zaun zwischen Gegengerade bzw. Gästekurve und Rasengeviert im Paul-Janes-Stadion eine Lawine der Entrüstung losgetreten. Die Heimkehr an den runderneuerten altehrwürdigen Flinger Broich weckte bei vielen Fans neue Zuversicht. Unter dem Motto „Football is coming home“ wollte man die letzten sechs Heimspiele als echte Happenings  zelebrieren und der Mannschaft bei ihrem Kampf um überlebenswichtige Punkte den Rücken stärken. Doch leider zerplatzten all diese Träume durch eine Art Schildbürgerstreich des Stadtsportamtes und seines Leiters, Udo Skalnik. Die Herren verwandelten das Stadion in einen Hochsicherheitstrakt und versuchten sich mit einem dreisten: „So sind nun mal die Vorgaben des DFB und wir wollten das auch nicht und überhaupt“ rauszureden. Dass Zäune zurecht weltweit ab- statt aufgebaut werden, scheint eine Halluzination zu sein. Warum sollten die 2.000 Fans ohne freie Sicht zu regelmäßigen Besuchern werden? Wieder einmal hat sich gezeigt, dass die Belange der Fans von Bürokraten völlig ignoriert  werden und das man, sofern man diesen Bleistifthooligans bei den Planungen nicht ständig auf die Füße tritt, nie mit positiven Überraschungen rechnen darf. Das am 3.3. gegen RWE vor möglicherweise 20.000 Zuschauern ein grandioses Abschiedsfest vom Rheinstadion gefeiert werden wird, ist alleine ein Verdienst der phantastischen Fortuna-Fans. Deren selbstlosen und nimmermüden Engagement gebührt unser aller Respekt und Dank.

 

März – Juni 02 Die Zeit der Entscheidungen ist gekommen

Trotz imposanter Testsiege hat sich noch nicht die für das Ende der Winterpause typische Aufbruchstimmung eingestellt. Das ist auch nachzuvollziehen, denn bei den ganzen existenziellen Entscheidungen die demnächst anstehen, kann einem schon mulmig werden. Kann Paul Jäger quasi in Eigenregie die Lizenz sichern? Wird der Aufsichtrat seiner heilsbringenden Funktion gerecht werden können? Wer wird Präsident(in)? Wird Kamp es schaffen, dass sich auch nur ein Akteur weiterentwickelt? Wird er es verstehen eine Mannschaft zu formen, die sich in die Herzen des Publikums und ins Mittelfeld der Tabelle spielt? Wird ein Investor auftauchen, der einsieht, dass man mit viel Geschick eine Multifunktionalarena in eine Goldgrube verwandeln kann, aber allerdings nur mit dem Zugpferd Profifußball und man deshalb F95 unterstützen muß? Laßt uns niederknien und beten.

 

erschienen in Nimm mich Volley Nr. 6 am 03. März 2002

 

 

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Tag(s) : #Aktuelles rund um Fortuna Düsseldorf
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