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Ranglisten des deutschen Fußballs

 

90. Rot-Weiß Erfurt – Fortuna Düsseldorf 0:4

31.05.2008, Regionalliga Nord, 2007/08, 38. Spieltag

Letzter Spieltag der Saison 2007/08: Fortuna hatte sich Wochen zuvor durch eine blamable 1:5-Klatsche (2x Kevin Großkreutz!) in Ahlen selbst um ihre glänzende Ausgangsposition im Aufstiegsrennen gebracht. Aber auch vor Ahlen lief es bei den Mannen von „Trainer“ Uwe Weidemann ziemlich „unrund“. Zwischen Spieltag 25. und 32. erlebte der Verein einen rekordverdächtigen Absturz von Platz 1 auf Rang 10. Ursache hierfür war die katastrophale Torausbeute. Bekim Kastrati, Kenan Sahin und Christian Erwig hatten sich als für die dritte Liga untaugliche Stürmer erwiesen. Hinter vorgehaltener Hand wurde auch von Phantomtorjägern gemunkelt. Auch wenn in den folgenden fünf Partien 13 Punkte gesammelt werden konnten, so war man zum Saisonfinale noch auf Union-Berliner Schützenhilfe gegen formstarke Oberhausener angewiesen, auf die es galt drei Punkte aufzuholen. Angesichts dieser wenig verheißungsvollen Konstellation reiste der immerhin 5.000 Mann starke F95-Troß zwar nicht ohne Hoffnung, aber doch mit deutlich gedämpften Erwartungen nach  Thüringen. Wie es beim Fußball im Allgemeinen und bei Fortuna im Besonderen ist, so reichen manchmal schon 3-4 schmackhafte Bierchen zum Frühstück um Erwartungen, Zuversicht und Vorfreude wieder in schwindelerregende Höhen zu schrauben. So auch an diesem frühsommerlichen Samstagvormittag mitten in Deutschland. Doch die Kunde aus der Alten Försterei von der schnellen 2:0-Führung für RWO war ein eiskalter Nackenschlag für die treue Fortuna-Gemeinde und  sorgte für gedrückte Stimmung beim Pausentee. Nach dem Wiederanpfiff geschah das in Zeiten des digitalen Internet- und Handywahnsinns eigentlich Unfassbare. Mitte der zweiten Halbzeit war binnen weniger Minuten aus einer 2:0-RWO-Führung ein 3:2 für Union geworden. Und das trotz roter Karte für den Berliner Mattuschka (44.). Damit wäre die Fortuna doch noch aufgestiegen. So vermeldete es zumindest der „Blockfunk“. Ein wunderschönes, gleichermaßen sanftes, wie ekstatisches Glücksgefühl durchzuckte sicher nicht nur meinen Körper. Ließ es Raum für Zweifel? NEIN! Wir wollten es so, also musste es wahr sein. Wir wollten wieder leben, wieder fröhlich und glücklich sein, einfach dazugehören – Fortuna sollte wieder fliegen können und wir mit ihr. Am besten in den Himmel und noch weiter! Bäng! Aus der Traum. In der unschönen, grausamen Realität siegte der RWO 3:0 bei den Eisernen. Unser verfrühter Aufstiegsrausch basierte auf Falschmeldungen aus Berlin. Woher auch immer sie kamen, sie bescherten Jubel und Glücksgefühle, wie ich sie  beim Fußball und auch sonst kaum zuvor erlebt hatte. Und genauso schnell waren sie wieder vorbei. Die Fallhöhe von Wolke7 nonstop direkt ins schwarze Loch war unfassbar tief. Enttäuschung ohne Ende. So ist das eben bei Fortuna, der Drama-Queen des internationalen Welt-Fußballs: Für jede kleine Freude bezahlt man mit der doppelten Menge an Tränen. Man lernt damit umzugehen. Man muss nur wissen worauf man sich einlässt, aber manchmal vergisst man es eben. Trotz des deutlichen 4:0-Auswärtssieges, nach starker zweiter Halbzeit, verließ ein rot-weißer Trauerzug lautlos das Erfurter Steigerwaldstadion mit dem Gefühl: Es ist schön, wenn’s nicht mehr weh tut. Das wird nicht heute sein, auch nicht morgen. Aber wer weiß, vielleicht in einem Jahr… Auf der Heimfahrt gab’s den zu diesem Spiel passenden Song: „What’s another year?“ von Johnny Logan. 

 

 
89. Werder Bremen – Fortuna Düsseldorf 7:3                                                           22.02.1986, 1. Bundesliga, 1985/86, 24. Spieltag          

Fortuna anno 1986 - das ist Magie, Zirkus. Unerklärliche Tricks, sensationelle Kunststücke und atemberaubende Attraktionen wurden in zuvor nie gesehener Form und ohne doppelten Boden dargeboten. In der spektakulären Rückrunde gelang es innerhalb von fünf Wochen gegen Gladbach, Leverkusen, in Dortmund und bei den Bayern zu gewinnen, aber auch je sieben Stück in Bremen und daheim gegen den VFB zu kassieren. Das ließ nur einen Schluss zu: Für die Special Effects in Fußball-Deutschland ist einzig und allein Fortuna Düsseldorf verantwortlich. Anderen Klubs hätte man solche Ergebnisse gar nicht erst geglaubt, Fortuna schon. Bei ihr ist immer alles möglich. Damals wie heute! Da geht ein Schuss mal nach hinten los oder auch zwei. Das muss man wissen. Wer das nicht verkraftet, ist hier falsch. Basta!  Dieses Spiel in Bremen wurde ein denkwürdiges Ereignis. Die Mannen von Dieter Brei fuhren an die Waterkant um mit Mann (Dietmar Grabotin, Andreas Keim) und Maus (Günter Kuczinski) ein 0:0 bzw. das sinkende Schiff zu verteidigen. Das ging ganze drei Minuten lang gut. Auf knochenhartem Boden und bei fünf Grad minus wurde das absurde Abwehr-Torso von Werder eiskalt erwischt. Manni Burgsmüller traf zum 1:0 (3.) und 2:0 in den ersten 9 Minuten. Auch vorne herrschte bei den rot-weißen zunächst totale Flaute. Dort wirbelte nicht Kalle Del’Haye. Günter Thiele und Hasse Holmquist fehlten unentschuldigt. Manchmal schien es so als wollten die Düsseldorfer bei diesem Wetter nur mal eben frische Luft schnappen. Von Fußball war bei ihnen jedenfalls wenig zu sehen. Bevor es allzu peinlich wurde, verkürzte Ralf Dusend in der 70.ten Minute unauffällig auf 3:2. Doch das war nur ein Ablenkungsmanöver.Danach folgten wieder die altbekannten Slapstick-Einlagen und nur sieben Zeigerumdrehungen später stand es bereits 6:2 für den Tabellenführer. Düsseldorfs Keeper, Jörg Schmadtke, hatte auch nicht seinen besten Tag erwischt. Vor dem 6:2 missriet ihm sein aus der Hand geschossener Abschlag dermaßen, dass er nach nur 15 Metern auf Burgsmüllers Fuß landete, der volley zu seinem dritten Treffer einschießen konnte. Ein totaler Blackout des Kultkeepers, dessen Abschläge bekanntlich ohnehin nur in den eigenen Reihen gefürchtet waren. Später soll Jörg Schmadtke dementiert haben, dass er mit diesem Patzer einen gewünschten Wechsel zu Werder signalisiert habe. Burgsmüller (3 Tore) und Frank Neubarth (4) spielten die Fortunen weiterhin mit 2 gegen 5 schwindelig als wären diese Statisten in einem Horrorfilm. Gerade als es nach einem heftigen Massaker aussah, erzielte Joker und Lichtblick Sven Demandt das coolste Tor überhaupt als er in der Schlussminute vier Bremer narrte und von der Strafraumkante den Ball ins obere linke Eck drosch. Demandt war in den vergangenen zwei Generationen ohnehin der Fortune mit dem höchsten Wiedererkennungswert. Er lief so wie John Wayne ritt und wenn Svens „Showtime“ war, hat er halt solch berückende Dinger rausgehauen wie das 7:3 in Bremen als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Nicht zuletzt seinen 10 Saisontoren war zu verdanken, dass über das Fiasko in Bremen schnell Gras wuchs und der Klassenerhalt nach einer famosen Aufholjagd 1985/86 doch noch glückte.

 


88. Fortuna Düsseldorf – Union Solingen 1:1

 01.05.1989, 2. Bundesliga, 1988/89, 31. Spieltag

Nach einem 1:4 in der Vorwoche bei Fortuna Köln und dem damit verbundenen Absturz auf Rang 4. bot die Partie gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht aus der Klingenstadt für Fortuna die allerletzte Chance noch ein gewichtiges Wörtchen im Aufstiegsrennen mitzureden. An normalen Spieltagen wären unter diesen Voraussetzungen nur die ganz hartgesottenen Gestalten im Rheinstadion aufgetaucht. Doch die Fortuna hatte eine Idee des umtriebigen Werder-Managers, Willi Lemke, abgekupfert. Ende der 80er verzeichnete der deutsche Profifußball einen rapiden Zuschauerschwund. Um dem zumindest punktuell entgegenzuwirken, verkaufte Lemke das komplette Kartenkontingent eines vermeintlich unattraktiven Heimspiels an einen Sponsor, der dafür eine Garantiesumme zahlte und die Tickets zu Kleinstpreisen unters Volk warf. In Düsseldorf wurde dafür ein ortsansässiges Einrichtungshaus zum sponsorn genötigt und so strömten zum Schaffrath-Familientag immerhin 14.000 Amüsierwillige in die große Schüssel. Zunächst sah es auch so aus als würden sie für ihr Kommen belohnt. Bereits in der 8.ten Min erzielte Sven Demandt, dessen Wechsel zu Bayer Leverkusen vor diesem Spiel bekannt wurde, mit einem Traumtor die Führung. Mehr hatte die Fortuna allerdings nicht zu bieten – zumindest nicht während der 90 Minuten an diesem heißen Frühlingstag. Im Gegenteil: Die Solinger haben die mitgebrachten Messer gewetzt und sie bestraften Konzentrationsschwächen von Richard Walz und Ralph Loose in Person von Sturmführer Radomir Dubovina, der die beiden Abwehr-Strategen übertölpelte. Bezeichnend, dass sich der Torschütze auf seinem Jubellauf verletzte und sofort ausgewechselt werden musste. Der weitere Spielverlauf war gekennzeichnet durch völlig planlose Bemühungen der Ristic-Schüler doch noch das Siegtor zu erzielen. Die größte Chance vergab Michael Schütz, der aus zentraler Position - zwei Meter vorm Tor stehend - an selbigem vorbei köpfte, dermaßen kläglich, dass der Gedanke an Manipulation durchs Hirn schoß. Häufig ist ja Nichts das wonach es aussieht. Jedenfalls nicht nach Fußball. Nach nur einem Punkt gegen die bergischen Nachbarn um Freigänger Ralf von Dierecke, den Fußball-Baron (14x Bundesliga für F95 in 1983/84), musste der Aufstieg scheinbar zum wiederholten Male abgehakt werden. Diese Erkenntnis führte zu kollektiver Betroffenheit beim frustrierten Anhang der Rot-Weißen, der sich - wieder Mal – mit Schrecken auf den Heimweg machte.

 

 

87. Fortuna Düsseldorf – Borussia Mönchengladbach 3:3

 09.06.1979, 1. Bundesliga, 1978/79, 34. Spieltag

Es war einer der seltenen Fälle, in denen der niederrheinische Classico mit umgekehrten Kräfteverhältnissen stattfand. Während die Fortuna-Familie zum Saisonausklang vom Einzug in den UEFA-Cup träumte, musste die Borussia in diesem Jahr lange Zeit gegen den Abstieg kämpfen. Nach den Abgängen von Rainer Bonhof, Jupp Heynckes, Hacki Wimmer und Jürgen Wittkamp stürzte der Vizemeister in bedrohliche Sphären (Platz 15 am 30. Spieltag) ab. Abstiegsreif waren auch Borussias zuvor und nachher nie wieder gesehene Trikots. Ihre Farbe schwankte irgendwo zwischen mausgrau und olaidotter. Es wirkte als hätte ein blinder Modeschöpfer zugeschlagen. Das Publikum war entsetzt. Damals wurde der Modebegriff von Fashion Victims geprägt. Das Spiel ließ sich recht gut an. Der kleine Schmitz brachte die rot-weißen in Front. Damals wurde noch mutig gewechselt. Trotz der 1:0-Führung brachte Trainer Hans-Dieter Tippenhauer für den verletzten Verteidiger Egon Köhnen mit Ralf Dusend einen  (Nachwuchs-)Stürmer. Dieser bereitete zwar direkt das 2:0 durch Klaus Allofs vor, vergab dann allerdings freistehend vor dem leeren Tor eine sogenannte todsichere Chance auf das vorentscheidende 3:0. Im Gegenzug erzielte Borussias dänischer Ausnahmeangreifer Allan Simonsen das 2:1. Nur zwei Minuten später erhöhte wiederum Klaus Allofs mit einem für ihn typischen trockenen Linksschuß auf 3:1. Der rot-weiße Anhang frohlockte schon beim Gedanken an laue, europäische Triumphnächte, da schlug die Borussia durch zwei späte Gegentore von Dietmar Dammer (75., 86.), die zum Ausgleich führten, doch noch gnadenlos zurück. In diesem Moment spürte ich zum ersten Mal in meiner noch jungen Fankarriere Wut, Enttäuschung und Zorn zugleich. Das war kein schönes Gefühl. Um ein Haar wäre es noch schlimmer gekommen. Fortuna-Keeper Jörg Daniel verhinderte in der Schlussminute tollkühn das 3:4. Deutlich führen und dann doch noch Punkte abgeben ist wie Striptease andersrum: Nackt auf die Bühne gehen und dann anziehen. Das braucht kein Mensch. Traditionell gehört der Höhepunkt ans Ende einer Aufführung. Gegen einen üppigen Spannungsbogen ist nichts einzuwenden, aber an den Schluss gehört ein Happy End. Capice? Und das gab es dann zwei Wochen später auch. Fortuna hatte zwar die Chance auf den UEFA-Cup verspielt. Sie konnte am 23.06. aber das DFB-Pokalfinale gegen Hertha BSC Berlin 1:0 gewinnen, erstmals den Cup hochrecken und sich für den Europapokal der Cupsieger qualifizieren. Daneben war dieser heiße Juni-Nachmittag noch ein stückweit historisch. Handelte es sich bei dieser Begegnung doch um das letzte BuLi-Spiel solcher Ikonen wie Allan Simonsen (Barcelona), Horst Köppel (machte sich weg nach Amerika) und Berti Vogts (DFB, wegen Verletzung allerdings nur in Zivil). Unvergessen Allans Abschiedsworte mit tränenerstickter Stimme: „Gebt dem Berti eine Möhre! Er hat uns allen das Leben gerettet!“ Möhrchen waren grade alle. Stattdessen bekam Vogts Blümchen aus der Hand von Fortunas Multifunktionär Werner Fassbinder. Auch nicht schlecht.

 

 

86. Fortuna Düsseldorf – SpVgg Velbert 3:3 n.V. / 4:7 n.E.

05.08.2000, Niederrhein-Pokal, 2000/01, 1. Runde

Der große britischer Schauspieler, Sir Alec Guiness, schrieb in seiner Autobiographie „Ich wurde im Chaos geboren und versank darin für Jahre.“ Passender hätte man auch nicht beschreiben können, wie es wohl allen nach 1997 in die Fortuna-Familie hineingeborenen Jüngern erging. Zum allgegenwärtigen Chaos gehörten auch jahrelang Teilnahme und tragisches Scheitern im Niederrhein-Pokal, so auch im Jahr 2000. Ich muss gestehen, dass ich nicht mehr viel über diesen Kick weiß. Zudem gibt es kein Videomaterial, keine Zeitungsartikel, keine Interneteinträge, die Fortunas Erstrundenaus zurück ins kollektive Gedächtnis rufen könnten. Es scheint fast so als hätte es nie stattgefunden. Das würde ich auch gerne glauben, wenn da nicht diese Erinnerungsfragmente wären, wenn ich nachts schweiß gebadet hochschrecke. In ihnen sehe ich das nahezu menschenleere Rheinstadion. Durch diese Riesenschüssel waberte erbarmungslos die Hitze wie durchs Death Valley. Nach einer 120-minütigen Schlacht in praller Sonne im Schatten der Anzeigetafel zum großen Showdown. Dabei hatten die unterklassigen Velberter die besseren Nerven. SpVgg-Goalie Thomas Grefen parierte mehrere Elfmeter. Mirko Bitzer nicht. Lähmendes Entsetzen. Ein verdienter Sieg für die Bergischen und für mich das bedrückendste Erlebnis seit ich das letzte Mal unter der Bettdecke geraucht hatte. Der Schatten des Zweifels lag bereits über der neuen Saison, in der wir mit Ristic III doch eigentlich aufsteigen wollten. „Relax“ und „Aleks wird gut“ rief mir auf meinem fluchtartig angetretenen Heimweg ein Alt-Fortune zu als er mein verzerrtes Gesicht erblickte. Ich hab das mit dem relaxen versucht, aber ich kriegs einfach nicht hin. Wie gerne würde ich mal mit Fortuna angeben. Aber wie und bei wem? Um die Jahrtausendwende war das schlichtweg unmöglich. Kein Wunder das der Eierlikör-Konsum im Hause Fischer nach dem verkorksten Saisonauftakt sprunghaft anstieg. Daheim angekommen, vermeldeten die Nachrichten den Tod von Alec Guiness. Er starb an diesem 5.8.2000!

 

 

85. Lüneburger SK – Fortuna Düsseldorf 1:0

06.04.2001, Regionalliga Nord, 2000/01, 28. Spieltag

Wer hätte jemals gedacht, dass es einmal soweit kommen und Fortuna ein Pflichtspiel in der Lüneburger Heide verlieren würde? Vor 10 oder 20 Jahren unvorstellbar. Auch in den Wochen zuvor hatte wenig drauf hingedeutet, dass der zarte Aufschwung unter Neu-Trainer Uwe Fuchs (5 Siege in den acht Partien des Jahres 2001) von den Heidschnucken (mit Patrick Owomoyela, später Meister mit BVB) erstickt werden würde. Und doch ist es geschehen! Und zwar auf dem „Platz an der Dorfschänke“ vor lachhaften 1.500 Zuschauern. Surrealismus pur für den Verein, der mit Ziel Aufstieg in die Saison gegangen war. Nun stand man vor dem Duell mit dem LSK mit dem Rücken zur Wand und in der Pflicht die Aufholjagd fortzusetzen um dem drohenden Abstieg zu entgehen. Aber bereits in der 26.ten Minute das 1:0 für die Einheimischen durch Spieler Baich. Sollte wirklich ein Mensch mit dem Vornamen Riccardo Fortuna erstmals in 106 Jahren Vereinsgeschichte in die Viertklassigkeit schicken? Noch war es nicht soweit. Die Rot-Weißen reagierten mit wütenden Angriffen. In der Schlußphase dann das Unbegreifliche. Fortuna wurde ein lupenreiner Handelfmeter durch Schiri Kemp verweigert, als ein Lüneburger Spieler im Strafraum zum Fallrückzieher Richtung eigenes Tor ansetzte und sich dabei das Spielgerät an beide (!) Hände schoß. Eine zuvor und seitdem nie gesehene absurde Aktion, die man damals eher von einem unserer Spezialisten erwarten konnte. Dieses grobe Vergehen blieb ungeahndet und so konnte sich der Tabellenletzte damit rühmen einen einstigen Europacup-Finalisten besiegt zu haben, in dessen Reihen mit Björn Weikl der Sohn des legendären Sepp Weikls stand, der 22 Jahre zuvor in Basel dabei war. Spätestens jetzt war für die LSK-Sympathisanten der Punkt gekommen einen Orgasmus vorzutäuschen, denn sie befanden sich auf dem Höhepunkt ihrer Fankarriere. Mehr Befriedigung und Glück werden sie nicht erleben. Seitdem haben die Devotionalien rund um den historischen Lüneburger Sieg einen höheren Sammlerwert als die handsignierte Playboy-Ausgabe mit Kati Witt. Der abrückende Fortuna-Kenner indes stellte sich nur eine Frage: „Wie lange kann es noch dauern, bis wir das schlechteste Team des Planetens sind?“ Vielleicht würde es nicht ganz so schlimm kommen, aber eines war in diesem Moment auch klar: Von der Lüneburger Heide aus würde es ein dornenreicher Weg zurück ins Leben werden. Genauso sicher war aber auch: Eines Tages werden wir wiederkehren. Stärker als jemals zuvor!

 

 

84. BVB Dortmund II – Fortuna Düsseldorf 1:0

24.03.2007, Regionalliga Nord, 2006/07, 27. Spieltag

Fortuna nahm Mitte der Zweitausender-Jahre - auch mit Unterstützung des arena-Bauherrns Walter Bau - einiges an Geld in die Hand um mit einer routinierten Mannschaft die drittklassige Regionalliga (Nord) nach oben zu verlassen. Spätestens dieses schaurige Spiel offenbarte, dass man sich mit Weidemann, Feinbier, Albertz, Heeren & Co. in eine Sackgasse manövriert hatte. Trainer Weidemann, zu verblichenen DDR-Zeiten selbst ein passabler Spielmacher, war auf der Bank längst zum großen Zauderer geworden. Auch gegen das Dortmunder Kellerkind bot er Feinbier als einzigen Stürmer auf. Wagemut, Experimentierfreude und Offensivfreude waren Fremdwörter für den blonden Thüringer. Mutig war er nur in seinen ausgedehnten Abenteuerurlauben bei seiner Tochter in Peru, wo er mitunter wochenlang für Manager Wolf Werner, den er zuvor noch mit telefonbuchdicken Transfer-Wunschlisten versorgt hatte, nicht zu erreichen war. Es war an der Zeit diesem bleiernen Stillstand ein Ende zu bereiten. Immerhin lag man nur zwei Wochen zuvor als Fünfter mit drei Punkten Rückstand in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen. Doch statt alles aus sich herauszuholen und oben anzugreifen folgten eine Heimniederlage gegen Wuppertal (1:3) und der Knock-out in Dortmund, beim dato Vorletzten! Auch wenn der kleine BVB in Amedick, Brzenska, Solga und Lars Ricken vier „Profis“ aufgeboten hatte (Letzterer erzielte in der 65. Minute den einzigen Treffer der Partie, dem mal wieder ein katastrophaler Fehlpass von Henri Heeren vorausging), so ging Fortuna doch erschreckend harmlos und leidenschaftslos zu Werke. Im riesigen, fast menschenleeren Westfalenstadion herrschte - zumindest für den rot-weißen Anhang - Tristesse pur und es schien als befänden wir uns weiterhin in einer Endlosschleife aus hohen Erwartungen und noch höheren Enttäuschungen. So mancher befürchtete indes schon, dass die Fortuna die schlimmste Prüfung sei, die Gott einem auferlegt hat. Nur warum? Welcher Sinn steckt dahinter? Vielleicht hätte man die beliebte Hochzeits-Frage: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet!“ auf den fußballerischen Bereich erweitern sollen. Aber, wenn es stimmt, dass einem der Lieblingsverein quasi (als Geschenk?) in die Wiege gelegt wird, dann fällt diese Prüfung eigentlich in den Entscheidungsbereich der Erziehungsberechtigten, was wiederum eine neue Perspektive für etwaige Schmerzensgeldforderungen eröffnet.

 

 

83. Fortuna Düsseldorf – SV Babelsberg 1:2

02.12.2000, Regionalliga Nord, 2000/01, 18. Spieltag

Ende 1999 schien es fast so als sollte die Menschheit in die Steinzeit zurückversetzt werden. Es herrschte extremste Nervosität, die vor allem in Politik und Wirtschaft grassierte, da man befürchtete, dass die weltweit milliardenfach eingesetzten Computerchips die überraschende Umstellung auf das neue Jahrtausend nicht verkraften und für heillose Anarchie, ja sogar einen „Crash“ sorgen würden. Auch ohne Maya-Kalender war man sich sicher, dass am 1.1.2000 mindestens die Welt untergehen würde, wenn nicht noch gar Schlimmeres. Man starrte gebannt wie das Kaninchen auf die Schlange, unternahm allerdings nichts. Wie wir heute wissen, passierte auch nichts, der Crash blieb aus und die Welt drehte sich vorerst weiter. Wie wir heute jedoch auch wissen, fand der Jahr-2000-Crash ganz woanders statt – bei Fortuna Düsseldorf! Dieses Jahr war verhext. Alles was schief gehen konnte, ging auch schief. Zunächst floppte Jürgen Gelsdorf als Trainer dermaßen, dass das Volk die Rückkehr von König Aleks(andar Ristic) forderte, der mit Oberhausen zuvor wahre Wunderdinge vollbracht hatte. Und so kam es, dass Präsident Helge Achenbach auszog um das Volk zu befrieden. Im Sommer 2000 bestieg der kauzige Bosnier dann tatsächlich seinen verwaisten Thron in Düsseldorf. Die Landeshauptstadt stand Kopf, der neue Trainer wurde stilecht in einem Autohaus präsentiert und legte seine hochfliegenden Pläne da. Alle lauschten, es gab Würstschen für die Journaille und die Stadt wusste: „Aleks wird gut!“ Die medial befeuerte Euphorie überstand kaum die erste Trainingswoche. Ristic hatte die Ex-jugoslawische Resterampe geplündert, präsentierte sich aber selbst wie ein alter und gebückter Mann und so wurschtelte das Team sich dann auch durch die Hinrunde bis Ende November Präses Achenbach wieder einmal die Notbremse ziehen musste. Ristic III landete in der Mottenkiste der Geschichte und mit ihm beinah auch die Fortuna, denn die teuren Transferflops verbunden mit sportlichem Misserfolg und dramatisch eingebrochenen Zuschauerzahlen sorgten für gähnend leere Punkt- und Bankkonten. Im Spätherbst musste der Rettungsanker geworfen werden. Zunächst wurde „Billiglösung“ Tim Kamp als Trainer installiert, dann musste Achenbach seine weltweiten Kontakte spielen lassen und sorgte mit einer global aufsehenerregenden Kunstauktion für „lebensnotwendige Einnahmen“, wie er selbst im Halbzeitinterview in diesem Spiel 1 nach der Kunstauktion einräumte. Helge weiter: „Es gibt eine Unterdeckung in der Saison. Ich werde erstmal die 1,3 Mio DM für den laufenden Betrieb organisieren. D.h. aber nicht, dass ich mein Versprechen gegenüber den Künstlern noch einen kreativen Spieler zu organisieren, brechen werde.“ Dieser Kreative war dann der Tscheche Daniel Breda. Laut Achenbach hat er angeblich noch am 9.11.2000 beim 2:3 im UEFA-Cup von Slovan Liberec gegen den FC Liverpool ein Tor erzielt. Genauso viele wie in der restlichen Saison (14 Einsätze) für die Fortuna. Doch zurück zu den Ereignissen vom 02.12.2000: Verkehrte Welt im Rheinstadion. Die Potsdamer Low-Budget-Underdogs rangieren auf Platz 4, während Etat-Krösus Fortuna auf Rang 17 in der dritten Liga rumdümpelt. Man spürt schnell, dass mit dem Selbstvertrauen den Fortunen auch ihr innerer Kompaß und das Gefühl für’s Spiel verloren gegangen ist. Und so ziehen sich die selbstzerstörerischen Tendenzen durchs komplette Team. Beim 0:1-Freistoßtor aus 25 Meter gibt Keeper Sven Neuhaus eine ganz unglückliche Figur ab. Oleg Poutilo versemmelt beim Stand von 1:1 einen Elfer kläglich. Und beim 1:2 nutzen die Filmstädter einen Tiefschlaf von Dirk Michels aus. Als Krönung wird ein F95-Freistoß jämmerlich vergeben, woraufhin der schnellste Konter aller Zeiten vorgetragen wird in Person des bereits 37-Jähringe Slawomir Chalaskiewicz, der scheinbar auch im vorgerückten Alter zu flink für die Düsseldorfer Abwehrrecken ist. Es folgte die unvermeidliche Notbremse von und die rote Karte für Martin Cupr. Uff. Viele Menschen können die Dinge mit heiterer Gelassenheit ertragen. Ich nicht. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, hier war er. Ich kam mir, es sei mir das schlechte Wortspiel im Zusammenhang mit Babelsberg verziehen, nach dieser grausamen Heimniederlage vor wie im falschen Film. Fortsetzung folgt garantiert demnächst in diesem Theater. Ach nee, ist ja Winterpause.

 

 

82. 1. FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf 3:1

10.08.1991, 1. Bundesliga, 1991/92, 2. Spieltag

Man hätte es 1989 beim Fall der Mauer fast ahnen können – der größte Verlierer der deutschen Einheit würde Fortuna Düsseldorf sein. Was auf den ersten Blick wie spaßige Koketterie anmutet, wird beim Blick auf die knallharten Fakten der Saison 1991/92 nur allzu deutlich, wenngleich der Effekt erst mit knapp zweijähriger Verzögerung eintraf. Das Unheil nahm bereits im Frühling `91 seinen Lauf. Fortuna stand nach ungewöhnlich vielen Siegen auf dem 6.ten Tabellenplatz und schnupperte an Europa. Ex-Fortune Sepp „Peppi“ Hickersberger hatte im Winter das schwere Erbe von Ristic I angetreten und mit Charme und Ösi-Humor seine mangelnde Kompetenz in Sachen Mannschaftsführung überspielt. Das Team – von Ristic auf Spur gebracht – schnurrte noch eine Weile katzengleich wie ein ICE vor sich hin. Allerdings war mit dem Happel-Schüler auch ein gewiefter Fahrensmann von Bord gegangen. Ohne ihn geriet der Motor ins Stocken und der Zug verlor zunächst an Fahrt, nur um dann schließlich vollends stehen zu bleiben. Ab April ging nichts mehr. Die Saison 90/91 wurde mit vier Niederlagen in Folge beendet, der Duft von Europa hatte sich längst verzogen. Die Sommerpause musste die Wende zum Besseren bringen. Der Leverkusener Alt-Internationale Christian Schreier sollte sich zum neuen Taktgeber im Mittelfeld aufschwingen und den Paradesturm bestehend aus Thomas Allofs, Sven Demandt und Jörn Andersen in Szene setzen. Die beiden besten Teams der untergegangen DDR- (bzw. NOVF-)Oberliga aus Dresden und Rostock stießen neben den Zweitligaaufsteigern zur Bundesliga. Diese besondere Konstellation barg für einen nicht sturmfesten Club wie Fortuna erhebliche Risiken, denn von den 20 Vereinen konnten fünf absteigen. Leider begriff man die Pleitenserie vom Frühsommer nicht als Warnschuß sondern wähnte sich für höhere  Sphären berufen und Hickersberger sah sich imstande den Höhenflug aus seiner Anfangszeit wiederaufzunehmen. Dass dies ein Trugschluß sein sollte, wurde beim Heim-Saisonauftakt (1:2) gegen die Startruppe der Frankfurter Eintracht (mit Möller, Bein, Yeboah & Co.) durch eine wackere Leistung noch kaschiert. Aber am Ende der 90 Minuten standen – wie so oft bei Fortuna – eine Niederlage und Null Punkte. Den missglückten Start in die Vereinigungssaison machte aber schließlich die darauf folgende 1:3-Niederlage bei arg limitierten „Clubberern“ perfekt, bei der sich Fortuna saft-, kraft- und willenlos präsentierte. Es fehlte jeder Funken Synchronität,  Harmonie und Feinabstimmung. Für mich doppelt tragisch, hatte ich doch – angespitzt durch die Lobeshymnen anlässlich des Frankfurt-Spiels – meinen Interrail-Urlaub kurzerhand irgendwo im spanisch-französischen Grenzgebiet abgebrochen, nur um heim zu eilen und tags darauf die verdammte A3 ins Frankenland runter zu brettern - für ein Fußballspiel!  Meine persönliche co2-Bilanz war damit vollends  in den Miesen. Ausgelaugt vom Interrail-Urlaub (14 Länder in 13 Tagen). Geschwächt und noch nicht bereit für neue Kraftproben. Aber ich hätte die Entwicklung absehen können. Schließlich hatte mein Opa einen Monat (also vor Saisonstart) zuvor auf seinem Sterbebett folgende letzte Worte an mich gerichtet: „Junge, die steigen ab!“ Was sie dann auch taten – und zwar mit Pauken und Trompeten. Gut, dass Opa das nicht mehr erleben musste. Er ist stilvoll als Erstligist von uns gegangen. Ob mir das auch mal gelingt, wird sich zeigen. Zurück zum Sommer 1991 - wenn man als Allesfahrer solche Mühen auf sich nimmt, wünscht man sich schon - zumindest gelegentlich - Rot-Weiße, die Ketten sprengen, so entfesselt auftreten als gäbe es kein morgen und auch kein gestern mehr. Bei dem die Checks endlich mal zu Ende gefahren und keine Gefangenen gemacht werden. Und keinen mutlosen Auftritt, der wieder Spaß auf Gartenarbeit als samstägliches Alternativprogramm zur Fortuna macht. Aber unter Hickersberger schien es sich die Mannschaft wieder in der Komfort-Kuschelzone gemütlich gemacht zu haben, mit Gratis-Bikini-Waxing und sonstigen Annehmlichkeiten. Dabei stören eigentlich nur die Bundesliga-Spiele. Dem Trainer traute man immer weniger zu diese Mentalität aufzubrechen. Wir wollten einen Entfesselungskünstler, einen weißer Ritter. Jemanden, der den warp-Antrieb aktiviert und das rot-weiße Konstrukt in die Zukunft beamt. Stattdessen hatten wir einen österreichischen Kuschelbären. Aber bereits auf der Rückfahrt aus Nürnberg waren wir uns einig: „We wouldn’t have it any other way. Oder um es auf Deutsch zu sagen: “Non, je ne regrete rien!“

 

 

81. FC Sachsen Leipzig – Fortuna Düsseldorf  5:1

11.11.2000, Regionalliga Nord, 2000/01, 15. Spieltag

Die von Rudi Völler einst zitierten und gebrandmarkten Obergurus des deutschen Fußballs hätten ihre helle Freude an Fortuna unter Ristic III gehabt. In diesen tristen Tagen des 2000er-Herbstes gallopierte der Balkan-Trupp von einem gigantischen Tiefpunkt zum nächsten. Aber es schien als hätten die Gurus zu diesem Zeitpunkt bereits vergessen, dass es Fortuna Düsseldorf jemals gegeben hat. Und ganz ehrlich, nach diesem Spiel war selbst ich der Meinung, dass alle persönlichen Erinnerungen an schöne und wilde (zumeist 1. Liga-) Zeiten der 70er- und 80er-Jahre blanke Hirngespinste waren. Der Verein, der mit 1:5 bei Sachsen Leipzig absoff, konnte unmöglich schlappe 21 Jahre zuvor im Europacup-Finale mit dem stolzen CF Barcelona phasenweise Katz und Maus gespielt haben. Und sollte es doch so gewesen sein, musste man spätestens am 11.11.2000 den endgültigen Rückzug aus dem Profifussball und die Vereinsauflösung thematisieren.  Schlicht einen Schlußstrich ziehen. Denn ganz offensichtlich war der TSV 1895 Fortuna Düsseldorf von sagenumwobenen Mächten verflucht worden. Die Lieber-ein-Ende-mit-Schrecken-Theorie findet grundsätzlich immer ihre Anhänger. Wahrscheinlich waren es in diesen dunklen Zeiten so viele wie nie zuvor in 105 Jahren Vereinsgeschichte. Ok, diese Option wurde als nicht zielführend verworfen. Aber zumindest das Ende der Ära Ristic rückte unaufhaltsam näher. Entweder waren die Spieler schwächer als wir alle und sie selbst glaubten, oder sie spielten gegen ihren Trainer. Fortuna gegen Sachsen, das war wie das ungleiche Duell schüchterner  Eichhörnchen gegen ein Rudel hungriger Wölfe. Als frisch gewordener Vater konnte ich immerhin neuerdings andere Prioritäten im Leben setzen. Zumindest gelang es mir das an solchen Tagen einzureden - phasenweise. Dennoch lag ich nächtens nicht nur wegen des Babylärms wach. Zurück zu den traumatischen Ereignissen im Alfred-Kunze-Sportpark: Bis zur saudämlichen roten Karte für F95-Keeper Mirko Bitzer (68.) werkelte die als Fortuna verkleidete Ex-jugoslawian-connection, mit den Ackergäulen Dirk Michels und Guido Jörres als einzigen deutschen Feldspielern in der Startformation, noch einigermaßen rechtschaffen vor sich hin. Danach bekam das Ganze aber eine unschöne Eigendynamik. Die fatale Entwicklung war - einer Todesspirale gleich - nicht mehr aufzuhalten. Obwohl bei Sachsen keiner spielte, aus dem mal was geworden wäre, legten sie uns in der Schlussphase noch vier Dinger ins Netz. Ein episches Gemetzel. Ein zeitgenössischer, lokaler Maler hätte dieses Schauspiel – kulminierend in drei blitzsauberen Kopfballtreffern – sicher in Öl festgehalten. Und während die Sachsen-Familie Karneval in Leutzsch feierte, hatten die Unseren die Pappnasen auf und wirkten träge und desinteressiert wie beim Samstagnachmittagsausflug zu Oma Erna mit zu viel Käsekuchen und Likörchen. F95 war in Unterzahl nur noch zu Lauschangriffen aus dem Schlaflabor in der Lage. Vom einstmals zu Recht gerühmten und gefürchteten „bestimmten System“ Ristic’scher Prägung war erschreckenderweise rein gar nichts mehr übrig geblieben. Schade. Für die traurigen und verzweifelten Fans aber galt: Der Rubikon war überschritten. Dahinter bleibt – so scheint es - nur die bedingungslose Kapitulation, mit anderen Worten: die Gründung der Selbsthilfegruppe: „Club der einsamen Fortuna-Herzen!“ Erstaunlicherweise liegen Trauer und Trost häufig nah beieinander - zum Glück war Fortuna damals nur eine relativ regionale Angelegenheit. Nicht auszudenken, dass 1:5 bei Leipzig wäre bei den BBC world news gelaufen. Mein afrikanischer Kellner hätte mich – wie tatsächlich im Weihnachtsurlaub in Kenia geschehen - nie mit den Worten: „Fortuna is a very good team“ beglücken können. „One more Lumumba, please!“

 

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Tag(s) : #Fortuna’s big horrow show
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