Ranglisten des deutschen Fußballs
Zum Auftakt beherbergt die erste Liste meine 100 schlimmsten persönlichen Spiele von Fortuna Düsseldorf (Stichtag: 31.12.2012). Dabei berufe ich mich auf Erinnerungsfragmente entstanden durch zumindest physische Anwesenheit, ergänzt oder in Teilen sogar ersetzt durch ausgedehnte Sichtung von TV-Bildmaterial. Wenig überraschend dabei, dass sehr schnell über 200 Kandidaten für die Flop 100 zusammenkamen und ich dabei auf Begegnungen verzichtet habe, die „vor meiner Zeit“ stattfanden. Die weiteren Platzierungen folgen in Zehnerpacks in loser Reihenfolge. Anschließend dann das gleiche Prozedere für die TOP100. Viel Spaß!
100. Wuppertaler SV Borussia – Fortuna Düsseldorf 6:0
30.11.2002, Oberliga Nordrhein, 2002/03, 17. Spieltag
Das geht ja gut los, mag sich so mancher denken, die Liste steht doch auf dem Kopf, oder wie anders ist zu erklären, dass eine 0:6-Klatsche beim Wuppertaler SV nicht den ersten Platz belegt? Es liegt schlicht daran, dass ich dieses Spiel versäumt habe, kein Bildmaterial studiert und bewusst - aus Selbschutz - niemals mit einem Augenzeugen gesprochen habe. Eigentlich dürfte die Partie also per definitione keinen Eingang in diese Liste finden. Sie hat mich aber tagelang so uffjeregt, dass sie natürlich auch aufgrund ihres historischen Ausmaßes einen Platz verdient hat. Denn das Drama ging nur 7 Tage später weiter. „Erst“ am 07.12.2002 sollte der absolute Tiefpunkt in der 107-Jährigen Vereinsgeschichte erreicht sein. Immerhin ging es von da an mit Babysteps wieder langsam bergauf. Aber dazu an anderer Stelle mehr.
99. Fortuna Düsseldorf – Hamburger SV 1:0
16.05.1992, 1. Bundesliga, 1991/92, 38. Spieltag
Im Jahr nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung ging die Bundesliga mit 20 Mannschaften an den Start. Gesucht wurden vier Kandidaten für die zweite Liga. Fortuna geriet von Beginn an in unruhiges Fahrwasser. Mit der Hypothek von vier Niederlagen in Serie zum Abschluß der Vorsaison belastet, konnten Team und Trainer Josef Hickersberger nie zu einer echten Einheit verschmelzen. Sechs Niederlagen später setzte der Vorstand dem Theater endlich ein Ende und Rolf Schafstall übernahm das Ruder. Alsbald stellte der Altmeister mit der Fortuna den Anschluß an die Konkurrenz her. Zum Ende der Hinrunde lag man nur einen Punkt unter dem Strich. „Zum Dank“ wurde Schafstall leider in der Winterpause nach einer einzigartigen Posse um die Frau (Die Dame versprühte so viel Erotik wie ein auf dem Weinfest von Traben-Trarbach gestrandeter Backfisch) des Vizepräsidenten Axel Gärtner (Glaubwürdig wie die atomaren Erstschlagsdrohungen Nordkoreas) entlassen und von da an regierte das absolute Chaos am Flinger Broich. Nach einer Rückrunde ohne Sieg, gelang es ausgerechnet am letzten Spieltag, als der Abstieg bereits lange besiegelt war, den HSV zu bezwingen. In diesem Moment kamen der ganze Frust und die Wut über eine verkorkste Saison wieder hoch. Das ist Fortuna! Danke für Nichts! Da half auch kein zünftiges Ovomaltine-Besäufnis zur Schmerzlinderung sondern höchstens ein kräftiges Bad im Selbstmitleid. Aber eines ist an diesem Tage auch sicher: Wir werden wiederkommen. Irgendwann. Stärker als jemals zuvor. Und dann nimm Dich vor uns in acht, Bundesliga!
98. Fortuna Düsseldorf – FC Homburg 08 0:1
13.03.1993, 2. Bundesliga, 1992/93, 31. Spieltag
Ein Mann mit dem Allerweltsnamen Müller schoß die Fortuna in die dritta Liga und das rekordverdächtige 15 Spieltage vor Saisonende. Ansonsten weiß ich nur noch, dass ich an diesem Tag zum letzten Mal ein Exemplar aus meinem Fundus an weißen Jeans trug. Das war 1993 schon ziemlich gewagt. Nach einem für Fortuna typischen Anfall von österlicher Wiederauferstehung konnte man zwar siebeneinhalb Spiele auf einen Streich ohne auch nur den Hauch eines Gegentores überstehen und sich bis auf auf vier Punkte an den ersten Nichtabstiegsplatz rankämpfen (in einer zweiten Liga mit 24 Teams gab es sieben Abssteiger), anschließend ging es dann aber wieder dahin und am Ende einer quälenden Saison blieb nichts übrig außer Platz 21 und der Gewißheit immerhin doch noch besser als Remscheid, Oldenburg und Darmstadt gewesen zu sein. Die nahe Zukunft sollte Oberliga Nordrhein heißen – in meiner Phantasie der Vorhof zur Hölle!
97. Fortuna Düsseldorf – FC Energie Cottbus 0:3
13.06.1999, 2. Bundesliga, 1998/99, 33. Spieltag
Bereitwillig ließen sich die Flingeraner von den leidenschaftlich um den Klassenerhalt fightenden Lausitzern (ab der 32. Minute sogar in Unterzahl) abschlachten, obwohl am Ende einer katastrophalen Abstiegssaison noch mal 11.000 Fortuna-Fans mit Marketing-Aktionen und falschen Versprechungen in die große Schüssel nach Stockum gelockt worden waren. Grandiose Fehleinkäufe wie Matthias Jack (verschuldete alle drei Gegentore) und Nelson Pizarro (22 Einsätze, kein Tor. F95-Trainer Allofs wollte eigentlich Claudio Pizarro. Dafür reichte es aber nicht, so dass man mit Namensvetter Nelson vorlieb nehmen musste. Allofs lotste dann nach seiner Entlassung in Düsseldorf Claudio zu seinem neuen Arbeitgeber nach Bremen. Der Rest ist Geschichte) sorgten dann dafür, dass die 1.000 Cottbuser Fans nicht nur ihren überhaupt ersten und einzigen Auswärtssieg sondern auch das Erreichen ihres Saisonziels auf unserem Rasen (nachdem ihnen bereitwillig die Fluchttore geöffnet wurden) feiern konnten. Nach kurzer Mach’-den-Allah- und Orientierungsphase hatten sie dann nichts Besseres im Sinn als die Zäune Richtung Block R/36 und Vortribüne zu stürmen. An diesem Tag zeigte nicht nur die Fortuna ihre häßlichste Fratze sondern auch der Fussball. Gastfreundschaft schön und gut – aber sie muss auch ihre Grenzen haben...
96. Fortuna Düsseldorf – 1. FC Kaiserslautern 1:3
30.05.1987, 1. Bundesliga, 1986/87, 31. Spieltag
Wer mich lange genug kennt, weiß, dass ich eigentlich als Friedenstaube meine Kreise ziehe, alles und jeden lieb habe. Aber manchen Zeitgenossen begegne ich doch mit heiligem Zorn und gnadenloser Intoleranz. Joachim Löw, Uwe Weidemann, Waldhof Mannheim und Michael Schumacher stehen ganz oben auf der Liste. Aber über allem schwebt einer, den ich bis in jede Faser seines Wesens verachte: Reinhold Beckmann! Dieser selbstverliebte und eitle Gockel war leider ab 1985 für den WDR ganz nah an unserer Fortuna dran. In seinem Beitrag zu obigem Spiel labte er sich an Fortunas Schicksal, in dem er sie zur bloßen Lachnummer degradierte. So versuchte er noch am Mittag des Spieltags auf der „Königsallee“ eine Eintrittskarte für das Match gegen Lautern zu verschenken. Was ihm angeblich in 30 Minuten nicht gelungen sei. Genüßlich fing man dabei mit der Kamera die abschätzigen Bemerkungen der Passanten bezüglich dieses Angebotes und der Fortuna ein. Nicht fehlen durfte natürlich auch der journalistisch überragend recherchierte Hinweis auf das gähnend leere Rheinstadion – allerdings bereits 60 Minuten vor Anpfiff. Welche dubiosen Gestalten hätten sich auch um diese Zeit in der Schüssel rumtreiben sollen bei einem damaligen Schnitt von knapp 10.000 Besuchern? Ein widerliches Experiment zu Lasten eines Vereins, der eh schon am Boden lag. Fortgeführt hat er diesen Kreuzzug dann zehn Jahre später in seiner peinlichen ran-Sendung als er Fortunas Erfolge in der Bundesliga erneut ins Lächerliche zog. Im 87er-Spielbbericht kam auch Trainer Gert Meyer zu Wort, der kurz zuvor (03.04.1987) vom entlassenen Dieter Brei das Himmelfahrtskommando Klassenerhalt übernommen hatte. Meyer entsprach so gar nicht dem Klischee des groben und verschlagenen Fußballehrers seiner Zeit. Vom Boulevard wurde er fortan nur noch als despektierlich Yoga-Meyer tituliert, nachdem er sich leichtsinnigerweise als Fan der fernöstlichen Entspannungtechnik geoutet hatte. Und in seiner erfrischend-naiven kreuzehrlichen Art war er ein Vorläufer des Freiburgers Christian Streich. Meyer war zudem ein Freund offener Worte und so sprach er zur Pause Beckmann ungefiltert ins Mikrofon: „Das Manko bei unserem Spiel ist die fehlende Aggressivität. Bocki stand beim Kopfball nur daneben und den einen hätte der Rudi (Kargus) auch halten müssen. Bockenfeld und der Weikl lassen Allievi und Wuttke zu viel Spielraum. Die ziehen sich zwar clever zurück, aber entscheidend ist, dass wir nicht richtig zur Sache gehen.“ Und nach dem 1:3-Endstand weiter: „Ich habe schon vor dem Spiel gesagt, wenn wir hier nicht gewinnen, wird der 16. Platz für uns passé sein. Obwohl im Fußball alles möglich ist, wird es doch jetzt sehr schwer, vor allen Dingen, wenn man nicht kämpft. Nach dieser nicht-kämpfenden Leistung bin ich doch sehr enttäuscht!“ Insgesamt nicht nur aus pädagogischer sondern auch aus sportlicher Sicht erstaunliche Aussagen, lag man doch nach diesem viertletzten Spieltag zwar weiterhin auf Platz 17, hatte aber lediglich einen Zähler Rückstand auf den FC Homburg, der den Relegationsplatz innehatte. Vielleicht war auch das erstaunliche Torverhältnis mitverantwortlich für Meyers Pessimismus: Selbiges lag bei legendären minus 47!
95. Eintracht Frankfurt – Fortuna Düsseldorf 4:0
15.05.1982, 1. Bundesliga, 1981/82, 32. Spieltag
Es war ein herrlicher Frühsommertag, an dem Opa sich mit Oma und mir in seinem alten Ford Taunus über selbigen ins Hessische aufmachte. Die Oma wurde bei einer Freundin in Neu-Isenburg zwischengeparkt und voller Vorfreude erklommen Opa und ich die Stufen zur Vortribüne des Waldstadions, wo wir dann in prallster Sonne 90 Min vor uns hinbruzzelten. Geboten bekamen wir dafür NICHTS. Zumindest nicht von der Fortuna, die doch noch im Abstiegskampf verstrickt war. Beide Mannschaften lieferten sich eine zerfahrene Partie, die erst Fahrt aufnahm, nachdem Dusend mit einem zuvor nie gesehenen Eigentor (49.) den Bann gebrochen hatte. Der gute Ralf hat sich dabei im eigenen Strafraum völlig unbedrängt plötzlich mit Ball am Fuß umgedreht und das Spielgerät am verdutzten Oliver Bücher vorbeigespitzelt. Vlado Kasalo wäre vor Neid erblasst. Publikum, Spieler und Trainer reagierten mit fassungs- und ratlosem Schweigen. Diese Aktion entpuppte sich als Initialzündung für die Eintracht-Kicker. Sie verzückten ihre 7.000 Anhänger mit drei weiteren schönen Treffer, darunter ein von Bernd „Dr. Hammer“ direkt verwandelter Eckstoß zum 4:0. Danach stellten sie dann aber glücklicherweise ihre Bemühungen gänzlich ein. Und das war auch gut so, denn nur so konnte sich die Fortuna zwei Spieltage später mit einer um 2 Treffern besseren Tordifferenz ans sichere Ufer wuppen, während Leverkusen als Sechzehnter die Relegation gegen Kickers Offenbach bestreiten musste. Meine erste wirklich große Auswärtsfahrt ging also ziemlich in die Hose, war aber noch lange nicht vorbei. Erst wurde die Oma eingesackt (Opa hätte sie fast vergessen) und dann mussten wir noch diverse Raststätten entlang der A3 angsteuern (Opa brauchte viele Pausen), in denen ich mit Kartoffelsalat und Würstschen bis nah an die Besinnungslosigkeit vollgestopft wurde und schließlich auf der Höhe Siebengebirge total abkotzte. Trotzdem war dies der Start zu hunderten glorreichen Auswärtstouren, aber auch der Auftakt zur deprimierendsten Bilanz, die ein Fan nur haben kann: Fünf Niederlagen mit 1:19 Tore gab es bei den fünf von mir besuchten Fortuna-Gastspielen im Frankfurter Waldstadion! Ach, wenn's nur nicht so traurig wäre...
94. Fortuna Düsseldorf – FC Bayern München 0:3
01.12.1979, 1. Bundesliga, 1979/80, 15. Spieltag
Im Vorfeld der Partie habe ich für den Deutsch-Unterricht (CSG, 5. Klasse, Fr. Roszat) einen Aufsatz verfasst, in dem in einem fiktiven Interview Komiker Otto Waalkes Fortuna-Trainer Otto Rehhagel in humorvoller Art und Weise zu Taktik und Aufstellung befragte. Ich musste den Aufsatz vor der Klasse vorlesen, die Meute tobte, wildfremde Fünftklässler lagen sich in den Armen, zündelten Bengalos als gäbe es kein Morgen und Frau Roszat spendierte mir großzügig eine 1+. Abschließend wollte sie nur noch wissen, was denn diese ominöse kontrollierte Offensive sei, von der Rehhagel sprach (davon hatte sie zuletzt wohl im Zusammenhang mit den Ardennen gehört und da gab es bekanntlich auch eine Heimniederlage). Im Spiel war dann jedenfalls nicht viel von Düsseldorfer Angriffsbemühungen zu sehen, obwohl mit Wenzel, Thomas Allofs, Seel, Bommer und später noch Dusend renommierte Offensivstrategen zu Werke gingen. Und das lag nicht nur daran, dass mein Opa auf seiner ewigen Odyssee nach Schnäppchen Plätze für die Kurve besorgt hatte, auf denen man wie die Täubchen unterm Dach ausharren musste. Wer einmal im alten Rheinstadion dort oben gesessen hat, ahnt sicher, wovon ich rede. Die Bayern, ein Jahr zuvor noch von der Fortuna an gleicher Stelle mit 7:1 zerhackt, waren unter ihrem neuen Trainer, Pal Czernai, wieder zu großer Form aufgelaufen. Gegen Breitnigge war einfach kein Kraut gewachsen. Auch nicht das Kraut, das Hans-Günther Bruns geraucht haben mag, bevor er den Hoeneß machte. In der 35.ten Minute, beim Stande von 0:2, drosch der ausgeliehene Libero einen Elfer über die Anzeigetafel humorlos ins Rheinbad. Bruns, der sich danach noch zu einer durchaus akzeptablen Karriere aufschwang, blieb in seiner Düsseldorfer Zeit ein rätselhaftes Mißverständnis. Vielleicht war er aber auch die Frühform eines Schläfers oder Trojaners, der von der Gladbacher Borussia zur Schwächung des rheinischen Rivalens bei uns implementiert wurde. Ausgeschlossen ist das nicht.
93. SC Paderborn 07 – Fortuna Düsseldorf 3:0
24.10.2010, 2. Bundesliga, 2010/11, 9. Spieltag
Ganz ehrlich: ich habe Null Erinnerung an dieses Spiel. Ich weiß nur, dass ich eigentlich zum ersten Mal in meinem Leben nach Paderborn fahren wollte, dann doch zu lange auf der Kinderführung in der Essener Zeche Zollverein rumgetrödelt habe und anschließend froh drüber war doch nicht die beschwerliche Reise ins Ostwestfälische angetreten zu haben. Natürlich überwog der brutale Wut über die desolate Vorstellung der Meier-Elf diese Freude. Ich stellte mir - übrigens nicht zum ersten Mal - die Frage, warum wir immer wieder als hochambitionierter und großzügig alimentierter Verein in der Provinz untergehen müssen. Dieses Mal gegen das von mir gar nicht geschätzte Kunstprodukt, den sterilen Fusionsverein aus Paderborn (den Vorläufer TuS Schloß Neuhaus dagegen hatte ich sehr verehrt). Wie so oft, erhielt ich keine Antwort. Vielleicht sollte ich zukünftig drauf verzichten solche Fragen zu stellen und Niederlagen gegen vermeintlich überflüssige Kleckersvereine schicksalsergeben einfach als das hinnehmen, was sie sind: Persönliche Strafen für die grenzenlose Arroganz eines Fans, der noch den süßen Nektar der siebziger Jahre in sich trägt. Das würde sicher vieles, wenn nicht sogar alles einfacher und erträglicher gestalten.
92. SV Werder Bremen II – Fortuna Düsseldorf 2:0
23.02.2008, 3. Liga, 2007/08, 22. Spieltag
Natürlich kann diese Pleite nur stellvertretend für insgesamt sechs auf „Platz 11“ erlittene Niederlagen der Fortuna stehen. Alle waren so überflüssig wie Harlem Shakes und Gangnam Style zusammen. Keiner unserer sieben Auftritte auf dem Friedhof der Kuscheltiere im Schatten des Weserstadions konnte gewonnen werden. KEINER! Letztendlich hätten uns drei Punkte aus diesem Spiel die Demütigung erspart in Sachen Aufstieg gegen die rot-weißen Zwerge aus Ahlen und Oberhausen den Kürzeren zu ziehen. Norbert Meier, wenige Wochen zuvor als Fortuna-Coach installiert, zog nach seiner Rückkehr an die Weser ein überraschend einfältiges Fazit: „Es gibt halt Tage, da machst Du die Tore nicht und dann verlierst Du so ein Spiel.“ Aha!
91. Fortuna Düsseldorf – Rot Weiß Ahlen 0:3
04.08.2006, Regionalliga Nord, 2006/07, 1. Spieltag
Wie in jedem Sommer, so ging die Fortuna auch 2006 mit kühnsten Erwartungen auf mindestens blühende Landschaften in die neue Saison, nachdem in der Vorbereitung kapitale Großkaliber wie der berühmt-berüchtigte SC Badem/Kyllburg/Gindorf (10:0) oder der SV Straelen (4:3) aus den Schuhen geschossen wurden und auch die selbsternannten Experten F95 am Ende „ganz weit vorne“ sahen. Lambertz, Langeneke und Jörg Albertz waren also bereit ihr persönliches Sommermärchen zu schreiben. In diesem war allerdings für Rot Weiß Ahlen keine Rolle vorgesehen - erst Recht nicht, die des bösen Spielverderbers, also quasi die der Italiener. Und so wollten wir uns einen gemütlichen Samstagnachmittag auf der sonnenüberfluteten Vortribüne machen und als Zeitzeugen miterleben, wie der Fluch der verpatzten Saisonstarts endlich besiegt werden würde (12 Jahre ohne Auftaktsieg). Doch daraus wurde nichts, denn die auf der Speisekarte gelandeten Ahlener sahen das - in Person von Eintagsfliege Joseph Laumann – völlig anders und waren sogar noch gnadenloser als del Pierro & Co. im WM-Halbfinale gegen den Klinsmann-Trupp. 0:3 hieß es nach 90 schrecklichen Minuten, die ihren krönenden Abschluß durch Pino Canales bizarres Kunststück fanden, bei dem Fortunas „Zaubermaus“ den fünf Meter vor dem Tor lauernden Doppeltorschützen Joseph Laumann mit einem, aus der Tiefe seines linken Aussenrist geschüttelten, Jahrhundertrückpaß freispielte. So ein tödlicher Paß dürfte Pino nach vorne in seiner ganzen Karriere nicht gelungen sein. Trainerlehrling Uwe Weidemann aber verkündete weiter tapfer: „Wir wollen die Großen ärgern.“ So hatte ich mir das mit dem Fußballfan sein aber wirklich nicht vorgestellt. Vielleicht hätte man der sommerlichen 1:2-Testspielniederlage bei der bereits damals fast untergegangenen SG Union Solingen doch mehr Bedeutung beimessen sollen...