Rispetto italienisches Volk
Wer fährt nicht gerne genItalien? Zu Euch Meistern des Schummelns. Wie ihr Schaufensterpuppen oder sogar Leichen auf eure Beifahrersitze staffiert habt, nur um mit dem Auto in die Innenstädte zu dürfen, war bizarr. Eure Schauspielkunst im Spiel des Jahrhunderts von Leon bei der WM 1970 gegen die deutsche Mannschaft war absurd. Dem verrückten peruanischen Schiri müßt ihr die halbe italienische Damen- (oder Knaben)welt versprochen haben, so wie der gepfiffen hat. Und Boninsegna und die Dose? Geschenkt. War ja nur Gladbach. Bei der 99er Tour de France kam mir aber eine Geschichte zu Ohren, die mein Blut in den Adern gefrieren ließ und mir höchsten Respekt abnötigte. Auf einer Bergetappe einer Tour in den 70ern, die über die italienischen Alpenpässe führte, lag euer Landsmann Francesco Moser in Front. Da er bereits schwächelte und die Verfolger immer näher rückten, flog der Hubschrauber des italienischen Fernsehens immer dichter hinter ihm her und neigte sich so, daß er mit seinen Rotorblättern den optimalen Rückenwind für Moser produzieren konnte, der sich als Sieger bis ins Ziel rettete. Diese bezaubernd tolldreiste Geschichte ließ mich Dein Verehrer werden, italienisches Volk.
Den Hut vor soviel Dreistigkeit, aber auch Kreativität zieht Volley
Verzweifelt gesucht, Ede Zimmermann
Gibt es denn auf der ganzen Welt keinen linkigen Flankengott, der besser gegen Ball und Gegner treten kann als unsere Mollenhauers, Vossens und Fregenes? Der dazu noch für Fortuna spielen möchte, jung, hübsch, gesund, unterbezahlt, für die Nationalelf selektierbar, verschmust, verständnisvoll, musikalisch, bedeutungsschwanger, zärtlich, romantisch, gernegroß, homo- oder heterosexuell, apathisch und eingespielt ist?
Die Sinnlosigkeit seiner Frage einsehend, Volley
Wer kennt das nicht? Man wälzt sich nachts im Halbschlaf hin und her und träumt wirres Zeugs von pummeligen Liliputanerinnen, Liebesspielen mit der Schwiegermutter, wackligen Zähnen und fliegenden Kühen. Letzte Nacht befand ich mich in den 50ern und versprach einer Horde deutscher Sportler, daß sie dereinst ein Volk sein und gemeinsam auf Medaillenjagd gehen werden. Man hat es einfach, wenn man aus der Zukunft kommt. Kurz darauf verpfiff ich einen Denunzianten, der Nationalitäten gegeneinander aufhetzte, was dazu führte, daß er, während ich ihn festhielt, von Arabern, Israelis und Juden durch Kopfnüsse getötet wurde. Kurz vorher hatte er sich noch in einen Schmetterling verwandeln können und ich versuchte ihn vergeblich mit meiner Kniekehle zu fangen. Das wird nicht leicht für Sie zu interpretieren sein, Herr Dr. Freud. Jedes Kind wird aber einen anderen meiner Träume deuten können: In meinen Phantasien traf ich Mike Büskens und wir erinnerten uns an die Zeit vor 10 Jahren, als Ristics junge Fortuna sich anschickte die Bundesliga zu erobern. Das sie auf ihrem Siegeszug bös abstürzte, nochmal zurückkam und wieder stolperte ist eine andere Geschichte, aber die Zeit von 88-91 war wirklich toll. Wenn es damals möglich war, mit Chaloupka, Wojtowicz und Rada gegen München und Köln zu bestehen, sollten uns Cartus, Shittu und Co doch wohl spätestens 2001 zurück in den Profifußball führen können. Und wenn nicht? Mike und ich weinten bittere Tränen, weil Fortuna kein Bundesligist, nicht mal mehr Zweitligist und in der dritten Liga auch nur ein Mauerblümchen ist. Dieser Zustand ist unerträglich. Herr Achenbach, übernehmen Sie!
Den Aufstieg fordert: Volley
erschienen in Nimm mich Volley Nr. 3, März 2000