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1.    Die offiziell kommunizierten Gründe für die Trainerentlassung (sportlich negative Tendenz und Abwesenheit von Fuchs) waren vorgeschobene Scheinargumente
die sport:
Trotz der erfolgreichen Aufholjagd nach der Winterpause gelangte der Vorstand zu der Überzeugung, dass unter den damaligen Bedingungen „kein Aufwärtstrend mehr zu erwarten sei“. In der Tat hatte die Fortuna vier der letzten sechs Partien unter Trainer Uwe Fuchs verloren. Die Hopp-oder-Top-Mentalität führte zu begeisternden Siegen gegen Essen und Lübeck aber leider auch zu vernichtenden Niederlagen gegen die Konkurrenten aus Lüneburg und Bremen. Wenn man die Punkteausbeute in der Vorrunde als Vergleichsmaßstab heranzieht, wäre es dennoch dreist ernsthaft von einer negativen Tendenz unter Fuchs zu sprechen. Gut möglich, dass Fortuna mit Fuchs abgestiegen wäre, aber ohne ihn sind die Chancen lächerlich gering, denn der Trainer, der praktisch vom Himmel fiel, verstand es, dass praktisch erloschene Feuer der Mannschaft wieder zum Lodern zu bringen und mit den Spielern eine willensstarke Einheit zu bilden. Nach den Leistungen der Vorrunde ein Wunder, wenn auch nicht groß genug.

 

2.    Der Zeitpunkt der Fuchs-Demission war - unabhängig von den Gründen – brutalstmöglichst  falsch

die sport: 
Die Entlassung war generell falsch. Aber wenn es einen passenden Zeitpunkt gegeben hätte, dann direkt nach der Stefes-holländers Amtsübernahme. Das Präsidium hätte einigermaßen glaubhaft darstellen können, daß Uwe Fuchs nicht der Mann ihres Vertrauens sei und man ein anderes sportliches Konzept verfolge.
So scheinen dann auch zwei Trainingseinheiten, die nach dem Lüneburg-Spiel ohne Uwe Fuchs stattgefunden haben, für die Trennung ausschlaggebend gewesen sein. Da Fuchs aber – angeblich ohne Unterrichtung des Vorstands - unterwegs war, um potentielle neue Spieler zu beobachten, darf dies niemals ein Kündigungsgrund sein. Eine Abmahnung wäre ausreichend gewesen.
Solange die Vorstandscrew ihre wahren Beweggründe nicht offen darlegt, wird sie nicht das Vertrauen von Fans und Sponsoren zurückgewinnen können.

 

3.    Der Vorstand, der erst 4 Wochen im Amt ist, hat dem Ruf der Fortuna bereits mehr geschadet als es Achenbach und Heßling in 3 Jahren vermochten. Das Präsidium hat sich bei Sponsoren, Presse, Lokalpolitik und Fans alle Türe zugeschlagen. Er besitzt keinerlei Perspektiven mehr?

die sport: 
Mittelfristig scheint dies der Fall zu sein. Grantelnde Bürgermeister, flüchtende Sponsoren, sowie eine vor den Kopf gestoßene Sportwelt, verheißen nichts Gutes. Vor allem die Fans sind entrüstet; haben zu 90% mit dem Präsidium, mit dem sie durchaus Hoffnungen auf mehr Kontinuität, Seriösitat und Transparenz verknüpft hatten, bereits abgeschlossen. Schon eine „Meisterleistung“ in nur drei Wochen solch einen Stimmungsumschwung herbeizuführen. Ein noch größeres Wunder müßte vollbracht werden, um die Öffentlichkeit zurückzugewinnen.
Kaum vorstellbar auch, daß man sich nicht der Tatsache und der Konsequenzen bewußt war, daß man der Sportwelt vor den Kopf stößt? Jetzt muß die Sponsorensuche intensiviert werden, da die Melkkuh Sportwelt erst recht nicht mehr gewillt ist, die Finanzierungslücke von über 3 Millionen alleine zu schließen. DFB-Richtlinien hin oder her. In nächster Zeit wird bei Fortuna keiner mehr auf Toilette gehen dürfen, ohne die Zustimmung der Sportwelt.


4.    Der Vorstand provoziert den Abstieg oder sogar den Konkurs, um in der Oberliga die hoch dotierten Verträge der Spieler, von Ex-Trainer Ristic und die Abhängigkeit der Sportwelt loszuwerden.
die sport: 

Es ist schwer zu beurteilen, ob dieser Gedanke wirklich keine Rolle spielt. Ein kontrollierter Konkurs, mit einem schuldenfreien Neubeginn in der Oberliga, wäre angesichts des ohnehin kaum zu verhindernden sportlichen Abstiegs, nicht gänzlich ohne Reiz. Jedoch wäre eine neu gegründete Fortuna 2001 eben nicht mehr die Fortuna 95, mit der wir groß geworden sind. Ebenso wenig ist garantiert, daß Fortuna wie der FC Gütersloh nur eine Liga tiefer neu starten und alle Nachwuchs-Mannschaften in ihren jeweiligen Ligen belassen darf. Eine Rückversetzung des Nachfolgevereins in die Kreisliga ist theoretisch auch denkbar und würde die Selbstmordrate in der Landeshauptstadt rapide ungeahnte Höhen steigen lassen.

 

 

5.    Die Präsentation des neuen Hauptsponsors TrendNetwork auf der RP-Veranstaltung „Moment mal“ am 14.02.01 war in Wirklichkeit nur ein PR-Gag?
 die sport: 
"Einige Sponsoren haben nur darauf gewartet, dass wir gewählt werden", hatte der Vorsitzende Michael Steffes-holländer damals vollmundig behauptet. Ein Satz, der ihm ewig nachgetragen werden wird. Denn nicht die angeblich Schlange stehenden Sponsoren  überschütten Fortuna mit ihrem Geld, sondern die erzürnte Öffentlichkeit übergießt den Verein mit Häme und Spott, weil sie wieder Opfer von leeren Wahlkampfparolen und Visionen (Lügen) wurde. Vermutlich nicht zum letzen Mal. Das bereits als Hauptsponsor (mit einer Einlage von rund einer halben Million Mark) deklarierte Unternehmen TrendNetwork hat sich zurückgezogen, weil sich der Aufsichtsrat mit Hans Schwarz dem Chef der Sparkasse (Fortunas Hausbank!) an der Spitze gegen ein Engagement der Firma bei ausgesprochen hat. Werner Nowak wird bezüglich der Motive für den Trainer-Rausschmiß mit den Worten zitiert: „Es ist nicht immer alles so, wie es nach außen hin scheint." Diese Weisheit trifft aber vor allem auf den guten anfänglichen Eindruck zu, der den drei Herren so überzeugend zu ihren Ämtern verholfen hat.

 

6.    Der Erfolg und die Beliebtheit von Fuchs – als letzte und einzige gelungene Personalentscheidung von Ex-Präses Achenbach – war Stefes-holländer und Co. ein Dorn im Auge weil sie die Meriten einer immer möglicher werdenden Rettung nicht hätten ernten können
die sport:
Reinen Profilneurotikern, wie Hauswald oder Auto Becker wäre so etwas zuzutrauen. Ob aber der jetzige Vorstand ebenfalls zu dieser Kategorie gehört, nur aus Dummheit so gehandelt hat oder ganz andere, noch unbekannte Absichten verfolgt, ist abschließend nicht zu beurteilen.

 

7.    Die Entlassung von Uwe Fuchs war ein Racheakt an Helge Achenbach?

die sport:
Ein nicht zu unterschätzendes Nebengeräusch. Werner Nowak hatte auf der JHV „nach 15 Lügen des Kunsthändlers aufgehört zu zählen“. Man hatte zwar vereinbart keine schmutzige Wäsche zu waschen; es bereitete jedoch Mühe sich daran zu halten. Denn man war sauer weil das Ex-Präsidium den schnellen Rücktritt versprach, aber nicht einhielt und darüberhinaus in den letzen drei Monaten noch in jedes Fettnäpfchen reintrampelte bevor man zum Schluß Fortuna völlig führungslos rumschlingern ließ. Eins ist ziemlich sicher: Uwe Fuchs wäre nicht entlassen worden, wenn er nicht auf dem umfangreichen privaten Lohnzettel von Großsponsor Helge Achenbach gestanden hätte.

 

 

 8.    Oberbürgermeister Joachim Erwin und der Stadt-Sparkasse sollten Argumente zugespielt werden, damit diese ihre, unter dem Druck der Öffentlichkeit versprochene Hilfe für das ungeliebte Schmuddelkind Fortuna, zurückziehen konnten.

die sport:
Richtig überzeugt, daß die Unterstützung des OBs von Herzen kam, konnte man nie sein. Wäre Erwin nicht dem WM-, Olympia- und Multifunktionsarena-Wahn verfallen, hätte Fortuna keinen Pfennig gesehen. So kann Fortuna problemlos in den hergerichten Joachim-Erwin-Sportpark am Flinger Broich ausquartiert werden, um in der neuen Arena die richtigen Mega-Events (Football, Drei Tenöre, Truckrennen) durchzuziehen. Fortuna würde mit ihren Ansprüchen nur die Termingestaltung, den Return on Investment und die Planungssicherheit stören. Deswegen kommen den Profis im Rathaus die Amateure bei Fortuna gelegen, weil angesichts der sich stetig verschechternden sportlichen Lage, niemand eine schnelle Rückkehr in ein zu großes Stadion fordern wird. Und aufsteigen, soviel Fußballsachverstand besitzt selbst Erwin, wird die Fortuna in den bezahlten Fußball in diesem Jahrzehnt nicht mehr.

 

 

9.    Die Verkaufsaktion des Flinger-Broich-Rasens ist nur ein geschicktes Ablenkungsmanöver. Anstatt die Fans noch weiter zum rasen zu bringen, bringen die Vereinsbosse lieber den Rasen zu den Fans.
die sport:
Das Gelingen dieses Unterfangens scheint gerade in der jetzigen Stimmungsmelange unrealistisch. Dennoch ist es zu begrüßen, weil gute Ideen und ganz besonders deren erfolgreiche Umsetzungen bei Fortuna eine Rarität sind.

 

 

10.  Nicht Fuchs, sondern die erfahrenen Spieler haben in Wahrheit das Sagen gehabt

die sport:
Die Fans konnten nur deshalb vorübergehend ernsthaft vom Klassenerhalt träumen, weil Fuchs seine Kumpels Weidemann, Marin und Emmerling auf seiner Seite hatte. Sie durften immer spielen (zumindest im Falle Weidemann eigentlich unverständlich), wurden nicht kritisiert und mit Sonderrechten ausgestattet (Marin). Als Gegenleistung haben sie hart für den Nichtabstieg gearbeitet, ihre Söldnerrucksäcke abgeschnallt und fest an die Rettung geglaubt. Die Führungsspieler haben eindeutig die Richtung der Mannschaft vorgegeben. Spieler und Trainer bildeten eine symbiotische Schicksalsgemeinschaft. Fehler, die der Trainer-Novize beging, wurden dadurch kaschiert. Jetzt ist die Bereitschaft des Teams alles zu geben und damit Fortunas letzte Chance erloschen.

 

erschienen in "die sport illustrierte" März/April 2001

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Tag(s) : #Aktuelles rund um Fortuna Düsseldorf
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