Silberne Hochzeit in der Regionalliga
So isses oder auch nicht
25 Spieltage sind in der RL (Süd)West absolviert. VOLLEY bemüht sich um eine Bestandsaufnahme und wagt einen Ausblick auf die kommenden Monate.
Das Fazit soll diesmal am Anfang stehen: Unserer aktuellen Mannschaft fehlt jegliche Siegermentalität. Der Trainer wirkt weiterhin rat- und ideenlos. Seine destruktive Philosphie überträgt sich auf die Spieler und erdrückt jedes zarte Pflänzchen an Kreativität und Spielwitz. 19 Spiele ohne Niederlage sind kein Segen, sondern ein Fluch. Diese Serie verhindert nämlich, daß ein Großteil der Fans, die Medien und der Verein sich konstruktiv mit unseren sportlich-strukturellen Problemen auseinandersetzt. Ich sehne mich nach einer Niederlage. Jetzt zur Analyse: Prekär bleibt das Spiel über die Flügel und das Erspielen und Ausnutzen der Torchancen. Der Verein muß unbedingt bessere Flügelspieler finden, die auch verwertbare Flanken schlagen können. Diese Position ist Fortunas größter Schwachpunkt. Vossen und Mollenhauer, so sympathisch sie auch sein mögen, sind einfach nicht gut genug. Beiden steht die Angst förmlich ins Gesicht geschrieben sobald sie in der Vorwärtsbewegung einem Ball oder Gegenspieler begegnen.
Führungsspieler Daniel Cartus
Eine fast schon dramatische Problematik rankt sich um Uwe Weidemann. Der verletzungsanfällige Kapitän kann seinem Anspruch nicht mehr gerecht werden, die dominierende Spielgestaltungsfigur zu sein. Sobald er eingesetzt wird, muß naturgesetzmäßig jeder Angriff über ihn laufen. Manche meinen, er würde „Ruhe ins Spiel bringen“, dabei verkompliziert er nur Fortunas spröde Offensivbemühungen. Er ist unbestritten ein aufrechter Kämpfer, aber seine Effektivität sinkt. Daniel Cartus dagegen hat großartige Fortschritte erzielt. Seit seinem Feldverweis in Idar, spielt er wesentlich disziplinierter. Er ist prädestiniert für die Spielmacherrolle. Er vereint Dynamik, Technik, Kampf und Torgefahr. Nach seinen starken Auftritten zu Jahresbeginn, fiel er jedoch in alte, negative Verhaltensmuster zurück. Divenhaft lamentierte er rum, packte die eine oder andere Frustgrätsche aus und gönnte sich ab und an ein Sonnenbad. Sein Umfeld darf nicht nachlassen ihm die Flauseln auszutreiben. Trotzdem muß er weiterhin im zentralen Mittelfeld spielen. Die Trainer sollten ihn zum Kapitän befördern. Gerade auch um ihn längerfristig an den Verein zu binden. Hinter den Spitzen ist seine Position, hier sind seine Motivation, Disziplin und Führungsstärke am ausgeprägtesten. Es wäre ein großer Rückschritt Weidemann aus menschlichen oder Machtgründen wieder dort spielen zu lassen und Cartus auf rechts zu verschenken.
Von Königen und Hofnarren
Die Defensivabteilung, mit den Herren Bitzer, Halat, Radschuweit, Zedi und Jörres ist Fortunas Sahnestück. Hier stimmt (fast) alles. Harmonie und Kampfgeist gepaart mit Können und Wollen ergeben eine perfekte Kombination. Der Vorstand sollte ihre Verträge schleunigst bis zum Sankt Nimmerleinstag verlängern. Nur die Spieleröffnung des grätschenden Personals birgt deutliches Verbesserungspotential. Da dies ein elementarer Faktor im modernen Fußball ist, sollte ihm im Training und bei zukünftigen Neuverpflichtungen spezielle Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ganz besonders hervorheben muß man Libero Guido Jörres. Er ist ständig in Bewegung, rackert, kurbelt das Spiel an und setzt Akzente. Ein Identifikationsspieler ohne gleichen. Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Womit wir praktisch bei der restlichen Mannschaft sind. Daniel Cartus haben wir bereits eingehend gewürdigt und auch Ganyiu Shittu ist – trotz starker Formschwankungen – eine Juwel. Die Mittelfeldspieler Tony Hey, Sven Mollenhauer, Oleg Poutilo, Andreas Gensler, Jussi Nuorela und Heinz Vossen haben noch überhaupt keinen Leistungsnachweis erbracht. Sie sind keine Perspektivspieler. Mit Ausnahme von Gensler, sollte sich die Fortuna von ihnen trennen. Das größte Sorgenkind ist unser Reststurm. Wenn Virgil Breetveld über ein halbes Jahr topfit wäre, könnte er uns sicherlich helfen, aber wird es jemals dazu kommen? Wohl kaum. Er und Wolfram Klein („Blinder unter Einäugigen“) entpuppen sich als teure Mißverständnisse, die ausgestattet mit gutdotierten, mehrjährigen Verträgen, Fortunas finanziellen Handlungsspielraum einschränken. Lieber ein Ende mit Schrecken..., d.h. Vertragsauflösung gegen Zahlung einer Abfindung. Bei künftigen Neuverpflichtungen sollte Fortuna sich nicht Ladenhüter aus dem Sportwelt-Netzwerk aufdrängen lassen, wie es bei Klein anscheinend der Fall war. Zählt man das Maskottchen Fregene dazu, hat Fortuna letzten Sommer acht Spieler unter Vertrag genommen, die sich als „Flops“ erwiesen und die nun ersetzt werden müssen, um den Aufstieg 2001 in Angriff nehmen zu können. Hier haben die Trainer und Herr Hessling Fehler begangen. Das kann passieren – Fortunen wissen das nur zu gut. Aber man sollte aus ihnen lernen. Fortuna sucht deshalb einen Sportbeauftragten, der mit sportlichem Know-how und organisatorischen Qualitäten ausgestattet, das Trainergespann unterstützen, aber auch kontrollieren kann. Experten schlagen den verdienten Spieler Uwe Weidemann für diesen Posten vor. Integrität, Vorbildfunktion und Erfahrung sprechen für ihn. Zu bedenken wäre, daß bei Fortuna schon zweimal Ex-Spieler in ähnlicher Funktion gescheitert sind (Mill, Krüssenberg). Wenn er dennoch auserkoren würde, ist ihm zu wünschen, daß er kein reines Erfüllungsorgan des Trainergespanns darstellt, sondern seinen eigenen konzeptionellen Beitrag leisten darf.
Verlorenes Jahr?
Je näher wir zwischendurch an die vorderen Plätze ranrückten, desto schmerzlicher wurden die verlorenen 8 – 12 Punkte gegen die Underdogs der Liga. Mit ihnen könnte Fortuna noch um Platz zwei spielen. Nun müssen wir fortan Spiele mit Freundschaftscharakter ertragen. Als Trost bleibt, dass die seit 1983 anhaltende Serie („wir wissen nicht in welcher Liga wir demnächst spielen und deshalb sind uns die Hände gebunden“) gerissen ist. Den Verantwortlichen stehen beachtliche drei Monate zur Verfügung, in denen die Planungen für einen aufstiegsfähigen Kader vorangetrieben werden können. Aber noch mal zurück auf die zu Ende gehende Saison. Seit der Partie gegen Essen hat Fortuna die Form des Saisonbeginns in etwa wiedergefunden. Es wurden in der Zwischenzeit somit keine Fortschritte erzielt, sondern bloß ein vorübergehender Rückschritt korrigiert. Das Ausrufen der RL-Qualifikation als einziges Saisonziel war zwar in Ordnung, aber im Nachhinein erscheint es, als wäre der zweite Platz durchaus möglich gewesen. Denn lediglich drei Vorrundengegner besaßen Fähigkeiten, die uns gänzlich fehlen. Das waren Trier, BVB-Amateure und Siegen. Ein Grund dafür, daß es aktuell nicht zu einer Spitzenposition gereicht hat, ist in Fortunas Unfähigkeit zu sehen, gegen direkte Konkurrenten zu gewinnen (Ausnahme W09). Nur mit dieser Fähigkeit kann man Rivalen einholen bzw. auf Distanz halten. Man hätte mindestens ein Jahr sparen können. Defensiv-Fanatiker Gelsdorf gehört jedoch zu den übervorsichtigsten Taktierern in der Branche. Mit seiner Mentalität und dem Niveau des aktuellen Kaders werden wir auch in den kommenden Spielzeiten nicht den Hauch einer Aufstiegschance haben. Denn eins ist sicher: Wer erfolgreich sein möchte, der muß Offensivqualitäten besitzen, Tore erzielen und Spiele gewinnen. Dies erfordert Risikobereitschaft, taktische Variabilität, fähige Spieler und immensen Trainingsfleiß. Ohne diese Kriterien wird der Aufstieg unerreichbar bleiben. Aber auch ihre Beachtung ist keine Erfolgsgarantie. Glück gehört ebenfalls dazu.
(Von) Siegen lernen
Im Sommer werden die vier Regionalligen zu zweien zusammengelegt. Potentielle Konkurrenten heißen dann Eintracht Braunschweig, Union Berlin, Sachsen Leipzig, VFB Lübeck oder Erzgebirge Aue. Nicht zu vergessen die Abstiegskandidaten St. Pauli, Hannover und Fortuna Köln. Erneut werden uns Wattenscheid, Ahlen, Trier und Essen alles abverlangen. Eine Liga von hoher Attraktivität und Qualität. Fortuna wird 36 Spieltage lang einem viel größeren Druck ausgesetzt sein als zuletzt. In Erinnerung an den herbstlichen Leistungsabfall, offiziell (mit-)begründet durch Unmutsäußerungen des eigenen Anhangs, sind das keine guten Aussichten. Deshalb appellieren wir an das Trainergespann, die nächsten 12 Spiele zum Üben zu nutzen. Probt die Forcierung des Offensivspiels, feilt an der Effektivität von Standardsituationen (die bisher katastrophal ist), setzt Gegner unter Druck, erspielt euch Torchancen, verpflichtet gute Außenspieler und einen Mittelstürmer, verschafft den Spielern Gensler, Demirci, Miletic, Bilalovic, Omogie, aber vor allem Christoph Kempers Spielpraxis. Gelsdorfs ehrenwerte Absicht Kempers langsam aufzubauen, hat bisher zu 45 RL-Minuten geführt. Nicht, daß er so lange geschont wird, bis er sich einem neuen Verein zuwendet. Es bleibt also viel zu tun für Trainer, Mannschaft und Vorstand. Die Zeit ist da, nutzt sie! Wir Fans werden Euch nach Kräften unterstützen. Aber wir wollen raus aus der dritten Liga, denn Fortuna Düsseldorf gehört in den Profifußball. Und das müßt ihr schaffen.