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Da sich die Bundesliga-Verantwortlichen gerade mit Hinblick auf eine (gewünschte und angeblich überlebenswichtige) geistermäßige Fortsetzung der laufenden Saison in einer selten gesehenen, ebenso devoten wie unterwürfigen Stimmung befinden, sollte man nicht versäumen, ihnen folgenden Wunschzettel der leider imaginären „Vereinigung der Fußballromantiker“ in die Hand zu drücken.

In einem Jahr, wenn sich der Normalbetrieb wiedereingestellt haben dürfte, überprüfen wir dann, ob die großen Tiere des Fußballgeschäfts wirklich verstanden haben, so wie sie es gegenwärtig auf allen Kanälen kleinlaut behaupten.


„Hands off“ 50plus1
• Hände weg von dieser elementaren Regel, die ohne jegliche Ausnahme gelten sollte. Auch für Projekte, Konzernklubs und Mogule. RB Leipzig, Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim müssen genauso die Bestimmungen einhalten wie die Otto-Normal-Vereine, oder optimalerweise ihre 1.-Ligalizenz zurückgeben, sonst hätten sie dauerhaft einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil

Schluß mit dem Gehälter- und Ablösewahnsinn
• Haircut bei den Spielergehältern um mindestens 75% bei den Topverdienern
• Im Falle zukünftiger, vergleichbarer Krisen sollten die Vereine Optionen auf Gehaltsverzicht vorab in die Verträge einbauen
• Salary Cap prüfen

Reform des Transfersystems
• Weltweites Transfersystem völlig überarbeiten und die aufgerufenen Summen drastisch reduzieren. Das Spieler (intl) für dreistellige Mio-Summen wechseln und dabei dann noch absurde Beträge in den Taschen windiger Vermittler landen, ist zukünftig ein absolutes No-Go. Zehn Mio. Euro - inklusive aller Nebengeräusche - sollten die absolute Transferobergrenze darstellen
• Begrenzung der Macht und des Einflusses von Beratern
• Draft System prüfen

Keine Salamispieltage mehr
• Die Bundesliga soll freitags 20 Uhr (gerne bis zu 3 Spiele), aber hauptsächlich samstags (klassisch um 15 Uhr 30) spielen.
• Sofortige Abschaffung von und zukünftiger Verzicht auf Montagsspiele in den oberen vier deutschen Ligen

Neuausrichtung des finanziellen Kreislaufs
• Das alle Einnahmen sofort wieder rausgehauen und keine nennenswerten Rücklagen gebildet werden, darf nicht mehr vorkommen. Das ist als Kriterium zukünftig bei der Lizenzvergabe zu berücksichtigen. Nachhaltiges Wirtschaften ist angesagt, v.a. im Sinne einer langfristigen Existenzsicherung aller Vereine

Verteilung der TV-Gelder
• Die bisherige Verteilung der nationalen TV-Gelder ist im Sinne einer annähernden Chancengleichheit kontraproduktiv
• Zudem gebietet sich eine faire und solidarische Berücksichtigung von 3.- und 4.ter Liga
• Auch sollten die Übertragungsrechte nicht auf mehrere Pay-TV-Anbieter zerstückelt werden

Wiederherstellung eines echten Wettbewerbs in der Bundesliga
• Dass ein Klub 7 oder 8x hintereinander Meister wird, ist pervers und erinnert an unselige Dynamo-Berlin-Zeiten. Diese Entwicklung betrifft viele europäische Länder, ist absolut nicht im Sinne eines spannenden Wettbewerbs und von daher aufzuhalten. Da die Kräfteverhältnisse dermaßen zementiert sind, wird dafür nicht Christian Seiferts (DFL-Chef) zarter Hinweis an die Verfolger reichen „sich doch bitte mehr anzustrengen“. In den letzten 25 Jahren kamen auch Lautern, Werder und Stuttgart unverhofft zu Meisterehren. Das ist das Salz in der Suppe. Gladbach war beispielsweise zwischen 1970 und ‘77 fünfmal Meister, aber seit 43 Jahren nicht mehr. Dahin wollen wir als Fans und interessierte Zuschauer zurück. Anything goes!

Abschaffung von Relegationsspielen
• Drei direkte Ab- und drei Aufsteiger zwischen den ersten drei Ligen.
• Die 3. Liga spielt mit 22 Teams. Die letzten fünf steigen ab und alle Regionalligameister ohne Umweg auf

Keine „Hofierung“ des asiatischen oder amerikanischen Marktes
• Kein „Ausverkauf“ der eigenen Werte zugunsten ausländischer Machthaber. Da bald viel weniger Geld im System im Umlauf sein wird, können die Klubs darauf verzichten, ihre Werte zu verraten, die Spieler überzustrapazieren oder Haus und Hof auf vermeintliche, zukünftige Erträge zu verpfänden
• Keine „Experimente“ wie ein Pokalfinale in Shanghai oder Integration von Chinas U20 in dt Regionalligen

Weitere DFB-/DFL-Sperenzchen, auf die wir liebend gerne verzichten würden
• Auftritte von Anastacia, Helene Fischer und Konsorten
• GoPro-Cams auf Weißbierduschen
• Mitternächtliche u/o ausufernde Pokalauslosungen vor klatschwütigem Publikum

Stattdessen:
• Verzicht auf sämtliche Markennamen, v.a. „Die Mannschaft“
• Bundesligastadien erhalten (dort, wo es geht) ihre ursprünglichen Namen zurück (z.B. Rheinstadion)
• Offener, rglm stattfindender Diskurs zwischen DFL, DFB und Fanvertretern mit dem Ziel verbindliche Ergebnisse zu erzielen
• Förderung des Einsatzes junger und regional verwurzelter Spieler

Ab hier werden wir ein wenig internationaler:

Financial Fair Play
• Internationale Alimentierung der Großklubs (MCity, Paris St. Germain etc) strikt regeln und bei Zuwiderhandlung ggf. die Besitzerstrukturen zerschlagen
• Gleiche Sanktionen bei gleichen Verstößen, egal um welchen Verein es sich handelt

Keine CL-Reform
• Der CL-Modus ist zwar aus Sicht des Traditionalisten nicht das Nonplusultra, aber jede, der bislang publizierten Reformideen, landete zurecht auf dem Müllhaufen der Fußballgeschichte. Am besten lässt man die Champions League so wie sie ist, da eine Wiedereinführung des Europapokals der Landesmeister in reiner k.o.-Form leider absolut illusorisch ist
• Dafür sollte es zu einer Rückbennung der EL in UEFA-Cup kommen
• Bei gleichzeitiger Wiedereinführung des Europapokals der Pokalsieger, statt einer unausgegorenen Europa-League-2
• Generell sollten die Anstoßzeiten von Europacup- und Länderspielen auf spätestens 20 Uhr 15 festgelegt werden

Keine neuen Wettbewerbe
• Selbstverständlich ist allen Planungen in Richtung von Superligen mit dem einzigen Zweck der Gewinnmaximierung für alle Zeiten ein Riegel vorzuschieben
• Auch die XXL-Klub-WM, mit der FIFA-Präsident Gianni Infantino den Weltfußball verzücken will, und die aufgrund der Krise doch erst 2024 in China stattfinden soll, gehört eingemottet
• Abschaffung der UEFA-Nations-League

UEFA-Europameisterschaften
• Abkehr von dem System mit 24 Teilnehmern
• Die perfekte Teilnehmerzahl von „16“ muss für die Zukunft verbindlich festgelegt werden
• Ausgetragen werden soll eine EM in einem Land (maximal zwei Nachbarländern)

FIFA-Weltmeisterschaften
• Abkehr von dem System mit 48 Teilnehmern
• Die perfekte Teilnehmerzahl von „32“ muss für die Zukunft verbindlich festgelegt werden
• Ausgetragen werden soll eine EM in einem Land (maximal zwei Nachbarländern)
• Zerschlagung der FIFA-Strukturen (Rückzug des Präsidenten satzungsgemäß auf rein repräsentative Aufgaben)
• Faire, authentische und transparente Qualifikationsmodi und Vergabekriterien
• Keine Vergabe von Turnieren in diktatorische oder autokratische Staaten

Videobeweis
• Reduzierung des VAR auf die Überprüfung und Beantwortung der Frage, ob der „Ball regulär im Tor war oder nicht“ und auf das Aufdecken von Tätlichkeiten. Alles weitere sollte dem Schiedsrichterteam überlassen werden

Das wars schon - Eine umfangreiche, aber längst nicht vollständige Liste über die Auswüchse der Turbokapitalisierung, die den Fußball seit den Neunzigern (SAT1, „Bosman“, Premier-League-Gründung) zerfressen und an den Rand der Klippe gebracht hat, von dem unser liebster Sport jetzt ins NICHTS zu stürzen droht. Dabei möchte ich es erstmal belassen. Es gibt viel zu tun, aber hey, „Seifi“, „Acki“, „Killer-Kalle“ und Co – Ihr schafft das!!! Good luck!

26. April 2020

Tag(s) : #Fußball pur!
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