Saturday, 24. december 2011 6 24 /12 /Dez. /2011 18:51

Meine ganz persönliche Liebeserklärung an die Glanzzeit des legendären aktuellen sportstudios (Teil I - Die Gäste)

 

Wenn einen die Gnade der frühen Geburt ereilte und man in den 70er Jahren aufgewachsen ist, führte neben Wickie, Michel und Pippi auch kein Weg am aktuellen sportstudio (→ ASS) vorbei. Unabhängig davon, dass 7-Jährige Jungs eigentlich aus pädagogischen Gründen keine Sendungen nach 22 Uhr mehr verfolgen sollten, aber das ist eine andere Geschichte. Selbstverständlich hat mich das ASS auch durch die Pubertät und beim kläglich gescheiterten Versuch des Erwachsenenwerdens begleitet. Aber das ASS von heute ist nicht mehr das von früher. In seiner Glanzzeit wurde es von Ikonen des deutschen Sportjournalismus moderiert. Harry Valérien, Hanns Joachim Friedrichs und Dieter Kürten haben sich in mein frühkindliches Gedächtnis ebenso eingebrannt wie die RAF-Fahndungsfotos aus der örtlichen Postfiliale. Vor einigen Jahren, als es noch kein youtube und keine Mediatheken gab, wuchs in mir der unbändige Wunsch das Rad der Zeit zurückzudrehen um diese Grandseigneure wiedererleben zu können. Ich musste mir also was einfallen lassen…

 

Leider hat sich das ZDF jahrelang standhaft geweigert meine Bettelbriefe zu beachten, in denen ich die diversen Intendanten ultimativ aufgefordert hatte, auf der hauseigenen Abnudelplattform 3SAT doch bittschön alle wirklich alten Sportstudios zu zeigen. Auf dem Mainzer Lerchenberg ignorierte man mich und mein Anliegen völlig. Das tat zwar weh, aber im Januar 2005 hatte ich dennoch das unverschämte Glück meiner schon umfangreichen Sammlung von Fußballkurzberichten endlich nahezu lückenlos die Sportstudios der Jahre 1972-85 zufügen zu können. Als Die-hard-Fan des ASS, der ich zeitlebens gewesen bin, war dies ein Geschenk schöner als die ewige Jugend oder eine Nebenrolle in der geplanten Dallas-Neuverfilmung als Bobby Ewings „Love interest“.

 

Meine eigene Fußballerkarriere hatte hoffnungsvoll begonnen. Ich war jung, unverbraucht, kam aus dem Nichts und blieb dort die folgenden 20 Jahre. Aber nun auf einer Zeitreise den Helden meiner Kindheit nahe zu kommen bzw. zu erleben, wie die Erinnerungen an die Originalausstrahlungen von vor 25-30 Jahren zurückkehrten, war wundervoll-romantisch, denn die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.

 

Wenn man einmal anfängt, sich die alten Studios anzuschauen, kann man nicht mehr damit aufhören und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Vieles, was damals niemandem groß aufgefallen ist, wirkt heute äußerst skurril. Davon soll die Welt erfahren. ASS schauen macht süchtig.

 

Aber warum? Kann man seine knappe bemessene, kostbare Freizeit nicht sinnvoller einsetzen als in der Vergangenheit zu leben? Nein, kann man nicht, denn ist ganz einfach sehr unterhaltsam – zumindest für mich. Es ist die faszinierende Mischung aus den legendären Moderatoren, den so typischen Spielberichten und den interessanten Gästen, durchweg alles echte Typen damals. Dazu kamen immer wieder verrückte, ausgefallene Showelemente und wissenswerte Histörchen, die selbst für viele Fußballfachleute weitestgehend in Vergessenheit geraten sind. Ob zu Recht oder nicht, muss jeder selbst beurteilen.



Die Gäste

Sie sind alle dagewesen - das "who is who?", die Stars und Sternchen aus der Glanzzeit des teutonischen Fussballs, durchweg alles „Echte Typen“. Aus ihrem Munde erfuhr ich Fakten, Emotionen und Kamellen, die man als Fußballhistoriker und –nostalgiker sonst nirgendwo nachlesen kann. Manche setzten mit ihren Statements Fanale, die nicht nur die eigene Karriere überdauern, sondern auch den Lauf der Welt verändern sollten. Es ist also gut möglich, dass die Geschichtsbücher des Fußballs demnächst komplett neu geschrieben werden müssen und ich möchte meinen kleinen, unbescheidenen Beitrag dazu leisten.

 

Der treue Charly Körbel (Eintracht Frankfurt) etwa bedauerte unter Tränen, dass es immer „schwieriger wird ein Elfmetertor zu erschießen.“ Während Alt-Bundestrainer Helmut Schön bereits im Herbst seiner Amtszeit nicht verborgen blieb, dass „uns die Argentinier an Behändigkeit und Fixigkeit überlegen sind“, (17.02.1973) setzte Paul Breitner (→ Bayern-Rebell) im selben Jahr zum Sturm auf das Establishment an (27.10.1973): „Der DFB gesteht jedem eine Meinung zu, nur äußern darf man sie nicht.“ Dass nicht jeder Fussballer die Ergebnisse der PISA-Studien in den Keller drückt, bewies Eintracht-Talent Armin Kraaz (→ der kleine Gauss) am 05.04.1986: „Ich habe nur ein Foul begangen, wenn ich richtig mitgezählt habe.“

                                                 

Mit dem Einzug der weiblichen Note  ins Studio, gingen Veränderungen der Gästestruktur einher. Am 03.02.1973 lud Moderatorin Carmen Thoma (→ Ein ganz besonderer Saft) statt des Gladbacher Meisterspielers Klaus-Dieter Sieloff nur dessen wunderschöne Frau Karin ein, die direkt tiefe Einblicke ins Private lieferte: „Wir haben uns auf dem Rummelplatz kennengelernt, es war Liebe auf den ersten Blick“ und weiter: „Ja, es stimmt - mein Mann hat ständig Gewichtsprobleme, aber daran ist nicht meine Küche schuld.“ Sieloff wird - begeistert über Karins Offenherzigkeit – daheim vor Freude die Schrankwand (→ Deutsche Eiche) weggegrätscht haben.

 

Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) erschien im Januar 1974 in Begleitung seines Sohnes Matthias (12), der heute ein viel gefragter Schauspieler ist. Der damalige Godesberger D-Jugend-Spieler schoss - vermutlich als bis dato erstes Kind - auf die Torwand, da der andere Studiogast, Jean Löring (→ „ming Vereinchen“, → De Schäng) zugunsten des Kanzler Filius, auf dieses Privileg verzichtete. Hanns Joachim Friedrichs gab ganz den investigativen Journalisten: „Ist Matthias das lebende Alibi der Familie Brandt für die Trimm-Dich-Aktion?“

 

Sehr unterhaltsam auch der Auftritt des in letzter Sekunde eingetroffenen und völlig außer Atem befindlichen Tschik Cajkovski (→ „Kleines, dickes Müller“), dem damaligen Trainer des 1. FC Köln. Harry Valérien: „Sind Sie auch im Nebel hängengeblieben?“ „Ne, ich habe eine gute Chauffeur, möchte nicht sagen, beste in Welt.“ „Wen? Ihre Frau?“ „Nein, Nein! Mein Kollegä Heinz Hoffmann von Köln!“ Somit war das auch geklärt. Als Geschenk hat der gute Tschik dem Harry einen Flachmann (!) mitgebracht. Mit der einleuchtenden Begründung: „Ich trinke nicht mehr!“ Die staubtrockene Reaktion Valériens: „Also gut! Die einen bringen `nen Wimpel, die anderen bringen sowas.“ Auf eine mögliche Entlassung angesprochen, gab das Balkan-Original sich sehr zuversichtlich: „Ich bin überzeugt davon, dass wir stehen nach sechs Spielen ganz oben.“ Ansonsten begann er jede Antwort mit den Worten: „Ich will nur sagen…“, z.b.: „…wenn kommt neues Stadion, von letzte vier Spiele wir machen drei im Stadion, dann kommen mehr Zuschauer und besserer Fußball und kommen Siege.“ Harry Valérien: “Ein herrlicher Optimist.“ Mag sein, aber alles andere als ein begnadeter Mathematiker, denn anschließend behauptete er unwidersprochen: „Ich will nur sagen, von den letzten fünf Spiele, FC Köln spielt 5 Spiele zuhause und 2 Spiele draußen.“ Vielleicht war auch das ein Grund dafür, dass er nur vier Wochen später doch entlassen wurde und am Ende der Saison dann noch mit seinem neuen Arbeitgeber Offenbach abstieg.

 

Dass andere ihren Humor nicht so offensiv zur Schau stellten, ergab sich am 15.05.1976 beim Dialog zwischen Bayern-Trainer Dettmar Cramer und Dieter Kürten auf dem Festbankett anlässlich des dritten aufeinander folgenden Europacuptriumphes des FCB. Kürten: „Herr Cramer, ich kenne Sie seit 25 Jahren. Ich hatte das Vergnügen unter Ihrer Fuchtel zu stehen. Ich habe unter Ihrer Regie trainiert. Ich sehe Sie in den letzten Jahren relativ selten lachen. Früher waren Sie ein strahlender Trainer.“ Napoleon-Double Cramer: „Das liegt daran, dass ich mir angewöhnt habe, wenn ich lachen muss, in den Keller zu gehen. Da lach‘ ich mich aus und dann habe ich nichts mehr zu lachen.“

 

Rudolf Seliger vom MSV Duisburg (→ der fünfte ABBA) war am 28. August 1976 zu Gast bei Dieter Kürten und philosophierte über seine vergebene Großchance im Heimspiel gegen Hertha BSC: „Ich wollte erst in die kurze Ecke köpfen, hab‘s mir anders überlegt und wollte dann in die lange Ecke köpfen, aber dann hatte ich eben zwei Gedanken und habe ihn drüber geköpft“. Keine zwei Gedanken befallen den Betrachter darüber wer denn als Seligers modisches Vorbild gedient haben könnte. Schulterlanges, nach innen geföhntes Haar, dazu Schnauzbart (→ Marke Walroß), weit aufgeknöpftes Hemd aus dem Brustbehaarung und Talisman hervorlugen. Graue Schlaghose (→ MSV = Graue Maus), Eichhörnchenfarbene Stiefeletten und ein schwarzer Blouson mit weiß abgesteppten Schultern. So much seventies! Wenn er an der Wedau gescheitert wäre, hätte er sofort als Body-Double für Björn Ulvaeus UND Benny Anderson bei ABBA anfangen können.

 

Es gibt eine Theorie, nach der Franz Beckenbauer niemals in New York gewesen ist, denn er war einfach immer im aktuellen Sportstudio, z.B. am 09.09.1978 mit dem Altvorderen Fritz Walter (→ Sei Wedder, → Die Region) und US-Korrespondent Ben Wett. Anlass war die Europatournee der Cosmos mit acht Gastspielen in 20 Tagen, u.a. einer 7:0-Klatsche bei den Bayern und einem Auftritt in Freiburg. Auch in dieser Sendung lief Franz wieder zu absoluter Höchstform auf, nicht zuletzt durch die Unterstützung von sechs amerikanischen Cheerleader-Mädels, die sich sogar links und rechts mit ihrem schwarz-gelben Puscheln und einem überdimensionalen „F“ auf der Brust, aufgereiht hatten als Franz auf die Torwand schoß und die wie im Rausch „Kick, Kick, Kick“ schrien.

 

Ein weiterer Grund für den Aufstieg der bajuwarischen Lichtgestalt zum Rekordgast, der quasi zum Inventar des Studios gehörte, war sein garantierter Unterhaltungsfaktor. Beim Europacupfinale 1975 Bayern gegen Leeds in Paris entlarvte die Hintertorperspektive den Libero als potentiellen Elfmeterverursacher. Der Kaiser verzückte die Zuschauer mit seiner Ausrede von einer „unglücklichen Kameraführung“.

 

Im selben Spiel kam es zu heftigen Ausschreitungen der englischen Fans. Um dies zukünftig zu verhindern, wurde vorgeschlagen, dass man in Stadien ohne Laufbahn eine Plexiglaswand bis unters Dach einbaut und verdächtige Fans am Eingang ins Röhrchen blasen lässt. Harry Valérien wusste gar davon zu berichten, dass ein Leeds-Anhänger, der in Paris zu zwei Monaten Haft verurteilt wurde, mitteilte, dass er von Bayern-Fans zum Trinken gezwungen wurde und nur deshalb in diesem Zustand zum Spiel gekommen sei. Ansonsten würde er nur einmal jährlich dem Alkohol zusprechen – zu Weihnachten.

 

Zurück zu Beckenbauer: Am 22.11.1975 unterlief Kaiser Franz ein grober Fauxpas. Von Dieter Kürten befragt, ob er die Fussballschuhe vorzeitig an den Nagel hängen wolle, antwortete er: „Ich habe einen Vertrag bis 1979, den will ich erfüllen, egal wo, es muss ja nicht der FC Bayern sein.“ Logik ist was anderes, lieber Franz, das war vielmehr ausgemachter Blödsinn! Am 5. März 1977 zur selben Thematik befragt, ob er etwas ähnliches wie Pelé machen werde und nach seinem Vertragsende in die USA gehen würde, antwortete er: „Das kann ich mir im Moment nicht vorstellen, aber ausschließen kann ich es nicht.“ Sechs Wochen später ließ er die Katze aus dem Sack und gab seinen Wechsel zu den Cosmos nach New York bekannt. Dieses Politikum schlug derart hohe Wellen, dass sofort Bundestrainer Helmut Schön eingeladen wurde. Der Angstschweiß floss in Strömen von dessen hohen Stirn während Franz Beckenbauer versicherte, dass er vertraglich die Freigabe für die Länderspiele und die WM78 bekommen hat und er sogar im Winter in München trainieren werde um die Form zu halten.

 

Am 07. Januar 78 hörte sich das plötzlich beim Ex-Münchener ganz anders an: „Ich würde gerne spielen, wer würde nicht gerne bei einer Weltmeisterschaft spielen? Aber mein Gefühl sagt mir, dass mich die Amerikaner nicht freigeben werden.“ Nach dem Ende der US-Saison 1977 kehrte Franz Mitte Oktober nach Europa zurück und hat sich mit Gymnastik, Waldläufen und „was weiß ich alles“ fitgehalten. Daneben hat er sich ernsthaft bemüht noch mal in der Bundesliga zu spielen, bei 1860 München! Daraus wurde aber bekanntlich nichts. Bis dann zwei Jahre später Günter Netzer und der HSV anklopften und die Lichtgestalt heim holten.

 

Bei der in dieser Sendung übertragenen Auslosung zur Weltmeisterschaft Argentina 78 stand Dieter Kürten allein mit einem Telefon inmitten des Studios und musste nacheinander die Prominenten Hansjörg Felmy (Tatort), Frank Elstner (Radio Luxemburg), Uwe Seeler (Uns Uwe) und Kanzler Helmut Schmidt (SPD) anrufen und nach ihrer Einschätzung zur gerade erfolgten Auslosung befragen. Woran heute jeder Fernsehmann scheitern würde, geriet damals bei Vollprofi Kürten recht unterhaltsam, locker und informativ. Die Pausen wurden stilecht und authentisch durch die Flöterei des argentinischen Folkloretrios Accalai überbrückt. So hat sich das ZDF im Jahre 1978 die Welt vorgestellt bzw. zurecht gemacht.

 

Spannend blieb es um Beckenbauer und seine mögliche vierte WM-Teilnahme. Am 12. April 78 hat der DFB zum wiederholten Male angefragt ob die New Yorker ihn für Argentinia 78 inklusive Vorbereitung freistellen würden. Die Replik von Cosmos-Präsident Ahmet Ertegün war ein Schlag ins Gesicht für den ansonsten in allerlei Hinsicht professionellen DFB: „Leider ist es dazu jetzt zu spät. Hätte man uns im Januar über diese neuen (!) Wünsche informiert, dann wäre noch etwas zu arrangieren gewesen. Dann hätten wir einen Ersatzspieler verpflichtet und unsere Fans über Beckenbauers Abwesenheit unterrichtet. Jetzt geht das leider nicht mehr, da wir über 50.000 Karten für unsere Spiele verkauft haben und die meisten kommen um Franz zu sehen.“ Beckenbauer dazu im Interview mit Ben Wett: „Ja natürlich bin ich traurig. Aber mir war ja vor einem Jahr, als ich bei Cosmos unterschrieben habe, klar, dass meine internationale Karriere beendet ist. Natürlich ist es schade, aber ich bin auch nicht so traurig, weil ich mehr oder weniger damit gerechnet habe.“ Ben Wett: „Hätte die Entscheidung anders ausfallen können?“ „Vielleicht, wenn man das von Anfang an anders angepackt hätte. Ich weiß nicht, ob jetzt noch Zeit ist nachzukarten. Sicher, wenn man persönlich an die Leute herangetreten wäre, dann hätte man sicher etwas anderes erreichen können. Aber jetzt ist es zu spät und die Entscheidung ist gefallen und ich beuge mich dieser Entscheidung. Ich wünsche und hoffe, dass die deutsche Mannschaft den WM-Titel wieder gewinnen wird.“ DFB-Chef, Hermann Neuberger, nahm sehr informativ zu Ertegüns Vorwurf Stellung, dass bei einem früheren Bemühen im Januar eine Freigabe möglich gewesen wäre: „Das stellt keinen Vorwurf da, denn wir haben im Januar den offiziellen Antrag eingereicht und haben ihn sehr begründet. Ich weiß, dass meine Freunde des amerikanischen Fußballverbandes sich voll hinter unsere Wünsche gestellt haben. Was heißt zu spät? Wir waren Anfang Januar bereits in den Gesprächen mit Cosmos. Aber man hat uns damals schon klar und vernehmlich Nein gesagt. Erst als man im Zuge der Kampagne, nach dem verlorenen Spiel gegen Brasilien (→ 0:1 am 05.04.78 in Hamburg) meinte, Cosmos hätte seine Auffassung geändert, sind wir diesem Gerücht nachgegangen. Man hat dann Summen genannt. 750.000 DM oder $, das war nicht genau beschrieben. New York Cosmos hat aber nie von uns Geld gefordert. Über Geld wurde nie verhandelt. Sie haben von Anfang an gesagt, wir haben leider um diese Zeit unsere Meisterschaft. Wir mussten Pelé weggeben (→ Der Brasilianer spielte von 75 bis Ende 77 bei Cosmos). Beckenbauer ist für uns das Zugpferd Nummer Eins. Wir können mit ihm sowohl den Titel verteidigen wie auch entsprechend Zuschauer locken.“ Dieter Kürten lotete daraufhin das Zwischenmenschliche aus: „Gibt es zwischen Ihnen und Franz jetzt eine Eiseskälte, eine Verhärtung, die durch diese ganze Aktion entstanden ist?“ Neuberger ausweichend: „Das würde ich bedauern. Ich habe dazu nichts beigetragen. Ich habe nur einmal etwas anderes gemacht als Franz es erwartet hat. Als er in einer Pressekonferenz auf gezielte Fragen erklärt hat, er ginge erst nach der WM zu Cosmos, habe ich zu Journalisten gesagt, ich lüge nicht, ich weiß, dass Franz bereits in den nächsten Tagen zu Cosmos geht. Und das hat ihn oder seinen Manager (Robert Schwan) besonders gestört. Ich bedaure das sehr, schließlich war ich es, der Franz gebeten hat eine Trainerrolle beim DFB zu übernehmen nämlich Assistent zu werden von Herrn Derwall beim Ausscheiden von Helmut Schön. Das ist doch ein Zeichen dafür, dass wir ihn haben wollten.“

 

DFB-Bundestrainer Helmut Schön war speziell im Vorfeld der mit Spannung erwarteten 78er WM Dauergast im ASS. Wo er es ansonsten zumeist menscheln ließ, gab er am 22.04.78 den strengen Herrn Rittmeister. Am vorletzten Spieltag der Saison 1977/78 konnte die Frage nach dem Meister (Köln oder Mönchengladbach) noch nicht beantwortet werden und die deutsche Nationalelf hatte sich unter der Woche mit 1:3 in Schweden blamiert. Aus Köln zugeschaltet waren FC-Trainer Hennes Weisweiler, sein Stürmer Dieter Müller und aus Hamburg HSV-Manager Günter Netzer. Moderiert wurde das Ganze vom Altmeister Harry Valérien, der dem Wunsch folgend Ungereimtheiten zwischen den Streitparteien zu beseitigen, den Bundestrainer fragte, ob die Gerüchte stimmen, dass er für die WM nicht mit Dieter Müller plane und auch, dass er seit Wochen nicht mehr mit ihm gesprochen habe. Darauf Helmut Schön: „Ich habe Dieter immer beobachtet. Er hat nur in letzter Zeit geklagt, dass er mit seinem Knie zu tun hat. Das hat mich bewogen vorsichtig zu sein. Wenn das jetzt alles wieder in Ordnung ist, dann ist das eine neue Entwicklung. Ich war nur erstaunt, dass er sich für zu gut befunden hat um in der B-Nationalmannschaft zu spielen.“ Dieter Müller: „Ich war mir nicht zu fein, hätte in Schweden gerne gespielt, aber ich hatte mir im DFB-Pokalfinale (→ 2:0 gegen Fortuna Düsseldorf) eine leichte Zerrung zugezogen und musste so leider absagen, denn das Spiel heute (→ 2:1 gegen Stuttgart) war sehr wichtig. Vor zwei, drei Monaten hätte ich wahrscheinlich gespielt, aber so hatte ich den Verein vorgezogen.“ Harry Valérien: „Herr Schön?“ Schön (mit versteinerter Miene): „Ich habe nichts mehr dazu zu sagen.“ Während die Gespräche mit den anderen Gästen anschließend weiterliefen, muss es im Kölschen Hennes W. mächtig gebrodelt haben. Als er von Valérien um einen abschließenden Kommentar zum Konflikt gebeten wurde, kam es zur Eruption: „Herr Valérien, ich muss ehrlich sagen, wir haben vereinbart, dass wir nicht über die Nationalmannschaft sprechen und das gilt auch für meinen Spieler Dieter Müller. Ich finde das unkorrekt, wie sie da gehandelt haben.“ Valérien: „Es tut mir leid, wenn sie das missverstanden haben sollten.“ Hennes Weisweiler: „Nein, ich habe das schon richtig verstanden. Ich möchte keine Polemik. Helmut Schön sicher auch nicht. Wir können uns untereinander aussprechen. Das war unkorrekt!“ Valérien: „Es tut mir leid, Herr Weisweiler. Ich muss das akzeptieren, was sie sagen. Ich kann es aber nicht ohne Widerspruch hinnehmen, denn ich habe in erster Linie versucht, dass wir auf diese Sache mit Dieter Müllers Knie eingehen. Ich meine, dass das eine Geschichte ist, die nicht mit der Kontroverse etwas zu tun hat und ich weiß nicht, ob man diesen Punkt nicht einfach in Anwesenheit von Herrn Schön einbeziehen soll, ohne, dass ich deshalb eine Unkorrektheit begangen haben soll. Wenn Sie das glauben, dann entschuldige ich mich, aber ich bin mir dessen nicht so bewusst. Ich glaube, dass man ein bisschen journalistisch - unter Einbeziehung dessen was Fairness ist - denken aber auch handeln muss. Wenn das so gewesen wäre, habe ich mich bei Ihnen zu entschuldigen. Aber ich glaube nicht, dass es eine Sache war…“ Der Rest ging im Beifall unter. Aber Harry hob die Hand und wandte sich dann mit dem Schluss seines beeindruckenden Plädoyers ans Publikum und Trainer Weisweiler: „Es mag demjenigen, der jetzt geredet hat, gut schmecken, dass er Beifall bekommen hat. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, in dem Fall ist er mir, ob sie es mir glauben oder nicht, fast unangenehm, weil es so sein könnte, sie jetzt nun alle glauben könnten, ich hätte Recht. Ich will überhaupt nicht Recht haben. Herr Weisweiler, wir haben vorher darüber gesprochen, ich hab‘s hier angekündigt. Ich bin ja nicht so dumm, dass ich etwas ankündige, hier in einer Live-Sendung und mir dann selbst so widerspreche. Daraus bitte ich Sie, doch zu entnehmen, dass das nicht eine Sache mit zwei Zungen war. Das ist nicht meine Art. Ich hoffe, Sie respektieren zumindest dass, was ich gesagt habe. Wenn wir uns dennoch missverstanden haben, so täte mir das in dieser Öffentlichkeit leid. Sind Sie damit einverstanden?“ Der kölsche Hennes presste daraufhin nur ein sehr leises und schmallippiges „Ich bin einverstanden“ heraus und sorgte so für größtmögliche Heiterkeit unter den Zuschauern.

 

Als der designierte DFB-Jugendtrainer, Berti Vogts am 26.05.1979 von Harry Valérien gefragt wurde, ob er bei einem kurz zuvor von ihm besuchten UEFA-Jugendturnier positive Erkenntnisse gewinnen konnte, lies Vogts jegliche diplomatische Schule vergessen und mit folgendem ungeschminkten Statement aufhorchen: „Leider nicht. Das Gegenteil ist eingetroffen. Ich bin maßlos enttäuscht über diese Mannschaft, die da gespielt hat. Da müssen noch einige ernsthafte Gespräche mit den Jungs geführt werden. Ich bin vor allen Dingen enttäuscht von Spielern, die schon in der Bundesliga gespielt haben, Engels (Köln), Fred Schaub und Schneider vom BVB. Diese Jungs haben ihre Kameraden im Stich gelassen. Ob es daran liegt, dass sie bei einem Jugendturnier kein Geld bekommen? Man muss es fast annehmen nach dieser Leistung. Das sind zwar harte Worte, aber so geht es nicht weiter.“

 

Am 03. April 1982 führte Karl Senne mit dem personifizierten Wasserträger des FC Bayern, Wolfgang Dremmler, das ungewöhnlichste Interview des Jahrhunderts. In einer angenehmen selbstreflektierenden, ehrlichen, hochintelligenten und wortgewaltigen Art und Weise, tätigte die bis dato äußerst unscheinbare Arbeitsbiene mutige Aussagen, wie: „es gibt viele gute Berufe im Show-Business, die sehr gut bezahlt werden und die weniger Leistung bringen müssen als wir. Wir sind Leute, die viel trainieren müssen. Wir haben eine hohe Anspannung die ganze Woche über. Wir haben Europacup-, Pokal- und Meisterschaftsspiele. Das geht nicht spurlos an einem vorüber. Man muss also auch damit fertig werden. Deshalb glaube ich, dass man sich des Geldes, das man dafür verdient, in keinster Weise schämen muss“ oder „Fussball und Show kann man heutzutage nicht mehr voneinander trennen. Die Qualität der Bundesliga wird durch die 4-Minuten-Berichterstattung im Fernsehen stark manipuliert.“ Und brutalst realistisch: „Die Meinung eines Dremmlers interessiert die Zuschauer eigentlich nicht, weil er nicht den Stellenwert hat, wie ein Paul Breitner.“  

 

Anlässlich seines Abschiedsspiels war der Exilamerikaner Gerd Müller (→ Bomber der Nation) am 17.09.1983 mit seiner Frau Uschi zu Besuch in Deutschland und im Studio. Gerd erzählte offenherzig von seinen Problemen mit Ex-FCB-Trainer Pal Czernai, die im Februar 1979 zu seinem überstürzten Bayern-Abschied geführt haben, von seinen Gewichtsproblemen, seinen Sorgen, dass zu seinem Abschiedspiel keine Zuschauer kommen würden (aus Angst davor, verzichtete man auch auf eine live-Übertragung) und von seiner Meinung über den Bundesligafussball im Jahre 1983: „Furchtbar, Grausam.“ Die burschikose und sympathische Uschi Müller berichtete von ihrer Torwandvergangenheit: „Ich habe rechts unten gezielt und links oben getroffen.“ Und davon, wie schön es die Müllers in Florida angetroffen haben und das sie komplett nach Fort Lauderdale umgesiedelt sind um deutschen Urlaubern im eigenen Restaurant Schmackhaftes (→ Steak à la Gerd) feilzubieten. Ein halbes Jahr nach diesen optimistischen Tönen hatte München die Müllers wieder (→ Heimweh).

 

Belgiens Nationalheiligtum Jean-Marie Pfaff performte am 15.10.1983 zu den Klängen von Irene Caras Hit Flashdance mit Formel-1-Rennfahrer Stefan Bellof und den Slalom-Assen Frank Woerndl und Christa Kinshofer eine Art Skigymnastik. Neugierig hakte Harry Valérien beim Bayern-Goalkeeper nach: „Sind sie auch Skifahrer?“ Pfaff: „Nein, ich bin nicht Skifahrer, ich bin Fußballer!“ Valérien: „Ja, klar! Aber ich weiß, dass Sie auch Skifahren.“ Was Jean-Marie, längst des lokalen Idioms mächtig, grinsend bestätigte:„Joa, freilich!“

 

Uli Maslo, Trainer der Dortmunder Borussia, war am 20.08.1983 einer der Gäste mit der größten Diskrepanz zwischen Image (→ Extremlangweiler) und tatsächlichem Auftritt (→ äußerst unterhaltsam). An der Torwand lief der gute Uli, gekleidet mit hellblauer Kombi aus Woolworth-Hose und Pullunder (→ V-Ausschnitt), dazu Fantasie-Slipper mit den unvermeidlichen weißen Söckchen, zur Höchstform auf. Das ZDF-Team hatte inmitten des Studios eine Manege für Pferde mit Sägespänen aufgebaut (zu Gast war der „mögliche deutsche Meister“ im Voltigieren). An der einen Seite stand die berühmt-berüchtigte Torwand, auf die Maslo aus dem Sägespäne-Sandgemisch heraus zielen musste. Dies entlockte ihm nur den lakonischen Kommentar: „Fast wie auf Sylt.“ Dieter Kürten: „Machen Sie sich ein Häuflein, aber verwechseln Sie es nicht mit den Pferdehäuflein, die da bereits vergraben sind.“ Und nach Maslos erstem Schuss: „Jetzt haben Sie fast das Pferd umgelegt.“ Maslo pariert diese Verdächtigungen nonchalant und fragt nur ganz trocken vor seinem letzten Schuss beim Stand von zwei Treffern: „Wie viel hat Pelé gemacht?“ Dieter Kürten: „Pelé hat - glaub‘ ich - überhaupt nicht getroffen. Das können wir jetzt hier auch eiskalt behaupten, er ist ja nicht da.“ Zack, und schon hatte Maslo seinen dritten Treffer erzielt. Damit nicht genug des Klamauks. Dieter Kürten über das voltigierende Pferd: „Es befreit sich gerade von wesentlichen Dingen – es äppelt also. Wir bräuchten jetzt ganz dringend aus dem Publikum jemand von Ihnen, der das wieder einsammelt.“ Um direkt zurück zu rudern als die ersten Freiwilligen aufstanden: „Nee, lassen Sie lieber, das tritt sich fest.“

 

Auch ein Dieter Schatzschneider (→ HSV) erwies sich 1984 als echtes Unikum. Als das Publikum nach seinen ersten drei Fehlversuchen an der Torwand anfing zu klatschen, entgegnete er unerwartet schlagfertig: „Sie meinen wohl, das reicht jetzt.“ Nach der vierten Fahrkarte fragte er Moderator Bernd Heller: „Hat eigentlich noch irgendjemand außer mir Null?“ Daraufhin sein Mitstudiogast Uli Stein (→ Suppenkaspar): „Ja, ich gleich!“ Immerhin gab es ein Happy End. Dieters letzter Schuss flog oben links ins Loch.

 

Franz Beckenbauer (→ Ewige Lichtgestalt) schlüpfte im Anschluss an eine 20-Jährige Spielerlaufbahn nahtlos in seine neue Rolle als DFB-Teamchef und so mussten die Zuschauer des ASS auch nach seinem Karriereende nicht auf diesen unerschöpflichen Quell des Prosaischen verzichten. Am 02.11.1985 sorgte der Kaiser im Duell mit Harry Valérien wieder für unvergessliche Stilblüten. Thema dabei der Streit des frisch gebackenen Teamchefs mit dem ZDF, insbesondere den vom Kaiser als „geistige Nichtschwimmer“ verunglimpften  Sportreportern. Harry Valérien besorgt: „Franz, sind sie dünnhäutiger geworden?“ „Nein, im Gegenteil, ich bin engagierter. Ich wehre mich gegen die Kommentare von Eurem Michael Palme, dem Ploog und da habt ihr jetzt noch so einen Zauberer, wie heißt der, ja Marcel Reif, der spricht wunderbare politische Kommentare aber bitte schön lasst‘s ihn vom Fussball weg. Ich wehr mich dagegen, wenn die (Journalisten) nur von Geld sprechen, der Fussball ist schlecht, die Spieler sind überbezahlt. Die Zuschauer sollten sich überlegen ins Stadion zu gehen usw. Das lassen wir uns nicht mehr gefallen.“ Anschließend entbrannte eine heftige Diskussion um das Verhältnis zwischen Fussball-Verantwortlichen und den Journalisten, die Valérien, mit den Armen um Hilfe ringend, beenden wollte: „Ich kriege schon ein Zeichen, dass wir Schluß machen müssen.“ Darauf der wilde Kaiser: „Nix da, wir machen jetzt weiter. Die können meinetwegen nachhause gehen!“ Aber bevor alle gingen, lud Harry noch zum großen Versöhnungstrunk ein: „Also Franz, lassen sie uns danach noch wenigstens zu a Glaserl Wein oder Bier gehen und da werden dann der Dieter Kürten, der Michael Palme und noch ein paar andere von den geistigen Nichtschwimmern dabei sein und dann werden wir sehen, wie wir daraus kommen! Übrigens, Franz - können Sie schwimmen?“ „Schlecht!“

 

Fortuna-Stürmer Günther Thiele sorgte am 09.02.1985 für ungewollte Comedy-Einlagen. Als ihn Dieter Kürten fragte, warum in Düsseldorf die Zuschauer ausbleiben, ob das am Eishockey läge, beschied Thiele kreuzehrlich: „Eishockey ist schon der große Konkurrent, aber wir haben eine Zeitlang einfach auch beschissen gespielt“ und später, angesprochen auf seine Kopfballstärke: „Ich habe so acht meiner 12 Tore mit dem Kopf erzielt. Ich hab‘ auch einen Spitznamen in der Mannschaft: Isch heiße Schädel!“ Kürten staunend: „Heißer Schädel?!“ „Schädel! Heißer nicht. Nur Schädel, ja! So ruft mich meine Frau auch schon zuhause.“ Kürten entgeistert: „Ihre Frau nennt Sie Schädel?“ „Ja, ab und zu mal.“ „Ist das lieb gemeint?“ „Sie meint das lieb.“ Auf die Torwand wollte er dann aber nur drei Mal schießen, weil er noch so kaputt vom nachmittäglichen Auftritt in Karlsruhe war. Damit kam er durch.                                                          

 

Es ging nicht immer nur um Fußball: Der Extrembergsteiger Fritz Stammberger (→ Öffentliche Kastration aller Fahrraddiebe) schilderte am 1975 seine Halluzinationen durch die Abwesenheit des Sauerstoffes bei seiner gescheiterten Mount-Everest-Expedition: „Sie sind nicht so ernst, eher interessant und amüsant. Ich glaubte, dass mein Körper zweigeteilt war. Die eine Hälfte war Arnold Lacher, mein Freund. Und ich habe immer an meinen Fuß herunter gesehen und ihn nicht als meinen sondern als Arnolds Fuß bezeichnet. Auch mein Gehirn war geteilt. In meinem Hirn sah ich das Haus von Arnold Lacher abbrennen, obwohl ich es in Wirklichkeit nicht gesehen habe, er hatte es mir nur erzählt. Und wie ich dann einige Wochen später zum Haus kam, entsprach es genau meinen Halluzinationen und Träumen. Sein Haus war tatsächlich abgebrannt.“ Er erzählte zudem wie sich sein Wohnort Aspen in Colorado letztendlich erfolgreich gegen die Austragung der olympischen Winterspiele 1976 gewehrt hatte. Stamberger selbst hatte sich an einen Baum fesseln lassen um zu verhindern, dass dieser abgesägt wird und einem Parkplatz weichen muss. Er sagte, man „müsse seine Existenz auf’s Spiel setzen, um eine solche Entwicklung zu verhindern, dass die Natur vernichtet wird, wegen eines Ereignisses, dass einmal stattfindet.“ Er hat sich mit seinen Freunden und den Bürgern Aspens durchgesetzt. Leider konnte der Pionier des sportlichen Bergsteigens diesen Triumph nicht auskosten. Stamberger gilt seit seiner Einzelexpedition zum Tirich Mir (→ 7.690 Meter in Pakistan) im Oktober 1975 als verschollen. Seine sterblichen Überreste wurden nie gefunden. Er war ein Besessener, der mehr getan hat, als bloß seinen Sport ausgeübt.

 

Zu Gast am 26.10.1985 war Ralf Salzmann, ein deutscher Marathonläufer. Zunächst werfen Bernd Heller und das ZDF einen Blick auf „das Exotische, das bei einem Marathon in den hinteren Reihen passiert.“ Die Kamera begleitet zwei Teilnehmer beim Lauf in Frankfurt. Der etwas Korpulentere von beiden beklagt seine Probleme mit dem Asphalt und wird dann ganz direkt aus dem „off“ gefragt: „Und was ist mit dem Gewicht?“ „Das Gewicht? Äh, das ist eine gute Frage: 107!“ Erstaunte Rückfrage: „Kilo?!?“ „Ja, Pfund nit, Du! Und wenn ich an komm‘: 101! Und wenn ich heim komm‘ sind‘s wieder 107. Weil dazwischen liegen viele gute Kneipen!“ Der andere, ein Herr mittleren Alters, berichtet darüber, dass er bereits seinen zweiten Versuch unternimmt und bei seiner Premiere gescheitert ist, da er „zu viel gesprochen habe.“ Und dann zum Kameramann gerichtet: „Deshalb habe ich mir diesmal vorgenommen nicht zu sprechen, außer mit ihnen. Und das ist mein letztes Wort. Danke!“ Anschließend wird es wieder Ernst. Heller berichtet von amerikanischen Forschern, die festgestellt haben wollen, „dass die männliche sexuelle Potenz unter den vielen Trainingskilometern leide.“ Ralf Salzmann gesteht darauf zur Erleichterung aller: „Also ich habe keine Sexualprobleme. Ich fühle mich sexuell sehr ausgeglichen. Wir Läufer sind sexuell genauso normal wie jeder andere auch. Also dieses sexuelle Thema, das joggt (ja, er hat wirklich joggt statt schockt gesagt!!!) mich überhaupt nicht und ich glaube auch nicht, dass ich oder irgendwelche Langstreckler davon betroffen sind.“ Bernd Heller fasst das Gespräch abschließend so zusammen: „Mich joggt das auch nicht.“ Großartig.

 

von Dirk Fischer - veröffentlicht in: Fußball pur! - Community: Fußballfreunde der Welt
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Saturday, 24. december 2011 6 24 /12 /Dez. /2011 18:50

Meine ganz persönliche Liebeserklärung an die Glanzzeit des legendären aktuellen sportstudios (Teil II - Die Moderatoren)

 

Die Geschichte des sportstudios wurde hauptsächlich von drei wirklich großartigen Moderatoren geprägt: Hanns Joachim Friedrichs, Harry Valérien und Dieter Kürten, drei Kavaliere der alten Schule, haben dem ZDF-Dinosaurier jahrzehntelang ihre Stempel aufgedrückt. Sie standen für Kompetenz, Menschlichkeit und Unverwechselbarkeit. Damals konnte man noch von Qualitätsjournalismus sprechen. Einen seiner größten Auftritte hatte Dieter Kürten am 14.10.78 im Telefoninterview mit Nationalkicker Hansi Müller (Müller hatte das Flugzeug verpasst und konnte nicht im ASS auftreten): „Wir haben hier ein prachtvolles Foto von Ihnen auf dem Bildschirm. Ist es für Sie eigentlich eine Belastung immer der schöne Hansi Müller zu sein?“ „Na, ich habe mich damit abgefunden. Denn, dass mir die Nase nicht krumm gewachsen ist, dafür kann ich ja normal auch nix.“ „Ne, ich bin auch gar nicht der Meinung, dass Sie nicht ein gut gewachsener Mann sein sollten. Und Sie gefallen mir auch gut in Ihrem Aussehen, darf ich Ihnen das mal sagen?“ Hüsteln am anderen Ende der Leitung. Dann Schweigen!

 

Auch acht Jahre später (19.04.1986) ließ Charmeur Kürten nichts anbrennen als er mit der Ankündigung überraschte: „Wir haben wahre Prachtstücke heute Abend hier im Studio, nicht nur unter unseren Zuschauern.“

 

Kürten war der ungekrönte Meister der Improvisation. Legendär Dieters Pannensendung (→ Nichts zu senden) vom 29.11.1986, in der ihm - sehr zum Amüsement des Publikums und der Studiogäste Steffi Graf (→ „Das Tennis-Ereignis des Jahres“) und Jupp Heynckes - eine Schalte nach der anderen „platzte“ und er schlussendlich seinem Regisseur androhte: „Mein lieber Josef, wenn das Spiel jetzt nicht kommt, dann komme ich die Wendeltreppe rauf, und werde Dich ein wenig würgen!“ Dabei hatte die Sendung – für Kürtens Verhältnisse – noch ganz normal begonnen: „Wenn die Kamera ein Stück nach rechts schwenkt, sehen wir Jupp Heynckes (→ Osram) und daneben - das ist nicht etwa seine neue Freundin - sondern seine hübsche Tochter Kerstin.“

 

Eine Aura der Glückseligkeit umgibt einfach diesen Dieter Kürten, sie verfolgt ihn auf Schritt und Tritt. Der ASS-Moderator bleckt die Zähne, lacht und wiehert, als ginge der Gaul mit ihm durch. Wenn er die Harlem Globetrotters begrüßt („Hello, my dears. Welcome to the sportstudio, Amigo!“), sieht er aus wie eines dieser strahlenden Honigkuchenpferde, das bislang vermutlich nur Reinhold Messner in einer Gletscherspalte des Nanga Parbat zu Gesicht bekommen hat.

 

Kürtens Lehrmeister in Sachen Charme, Menschlichkeit und Verständnis war der große Harry Valérien. Als Wolfgang Overath 1974 nicht nur Weltmeister sondern auch Vater wurde, fragte er diesen: „Legen sie den Kleinen auch trocken?“ Das verlegene Gelächter im Publikum konterte Harry: „Ja, da lachen sie. Ich hab das also immer gemacht und ich fand das herrlich!“

 

Zu Rainer Bonhof und Uli Stielicke, die am 21. Mai 1977 von der Mönchengladbacher Meisterfeier zugeschaltet waren: „Das ist aber eine hübsche Dame hinter Euch. Gehört die zum Haus?“ Als Bonhof gerade mit einem spannenden „Das ist unsere Hotel…?“ antworten wollte, fiel ihm Uli ins Wort: „Das (!) gehört zum Inventar hier.“ Ein frühes, bis heute unerreichtes sexistisches Glanzlicht des Karoträgers.

 

Hanns Joachim Friedrichs war der weltgewandte, anglophile Journalist. Im Gespräch mit dem HSV-Manager Dr. Peter Krohn bewies er, dass auch Zynismus zu seinem Repertoire gehörte: „Da haben Sie einen ganz entscheidenden Fehler gemacht, Herr Dr. Krohn. Ironie ist in Deutschland unverkäuflich. Das muss man aber doch wissen.“

 

Am 18.02.1978 sprach er zum ehemaligen medizinischen Betreuer der Nationalmannschaft, Prof. Dr. Hannes Schobert, über den Auftritt der Dortmunder Bundesligaspieler in kurzen Hosen bei Minusgraden im Vergleich zu den bestrumpften Kollegen in Frankfurt: „Im Spiel in Frankfurt haben wir gesehen, dass die Akteure Strumpfhosen trugen. Das ist nun keine Bekleidung um die sich die Männer reißen – im Allgemeinen – aber zweckmäßig ist sie ja wohl doch.“    

 

Daneben sorgten weitere, häufig unterschätzte und fast vergessene Moderatoren für viele Sternstunden. Stellvertretend für viele seien hier der intellektuelle Rechtsanwalt Bernd Heller, Österreichs Vorzeigekabarettist Werner Schneyder und der bisweilen oberflächlich-bieder daher kommende Karl Senne genannt, der am 21.10.1978 den Bericht zur Partie Köln - Frankfurt wie folgt ankündigte: „Das größte Laufpensum in diesem Spiel leistete die Nase von (ZDF-Kommentator) Rolf Kramer.“ Die wohl bis heute gelungenste Definition von Cheerleadern lieferte Eisschnelllaufolympiasieger Erhard Keller, der ab Mitte der 70er vier Mal äußerst galant durch die Sendung führte: “…das sind bestimmte Mädchen, die Zuschauer anheizen.“ Aha! Seine einschlägigen Erfahrungen mit der Damenwelt wurde im Gespräch mit Gladbachs Ewald Lienen deutlich: „Sie sind nicht verheiratet, wenn man das sagen darf. So dass Sie also niemandem Rechenschaft schuldig sind. Das muss man mal sagen, wir haben ja auch sehr viele Damen als Zuschauer und die interessieren sich auch. Ich bin sicher, es kommen nachher sofort ein paar Anrufe mit Heiratsangeboten. Das ist hier so üblich.“

 

Die erste weibliche Frontfrau Carmen Thomas hatte es in dieser Machowelt schwer. Dermaßen verunsichert wurde sie nicht nur vielfach dafür belächelt, dass sie den FC Schalke um ein Jahr jünger gemacht hat, sondern lieferte die bis heute unerreichte, zeitlos schöne Mixtur zweier Sprichwörter ab: „Überall in der Bundesliga hört man vom Köpfe wackeln.“ Viel selbstbewusster war da am 09.02.1985 Doris Papperitz. Als Rolf Kramer mit folgenden Worten das Geschehen der zweiten Liga zusammenfasste: „Das Spiel Hessen Kassel gegen Fortuna Köln wird ein Nachspiel haben. Die Kölner haben offiziell gegen das Ergebnis protestiert. Ihr Spieler Janus Gunlaugsson wurde beim Aufwärmen von einem Schäferhund gebissen. Er (der Isländer, nicht der Hund) konnte dann nicht spielen.“ Äußerst forsch schlug Doris vor: „Ja, vielleicht hätte der Spieler einfach zurückbeißen sollen“, so wie sie das sicher immer getan hat, die gute Doris.

 

Das ZDF erreichte zur Premierensendung von Sissy de Maas und Johanna Hannapel am 12.7.1980 der Brief eines besorgten Zuschauers, den von de Maas namentlich genannten Horst Sonneburg aus West-Berlin, der seinen schriftlichen Hilferuf an einen „Herrn Friederichs“ richtete: „Um Himmels Willen, keine weitere Sportkommentatorin! Die eine, die wir leider öfters hören müssen, genügt vollkommen um uns den sportlichen Appetit zu verderben. Sie soll meinetwegen die Frauen-Sportereignisse Reigentanz, Kindersport oder Eierlaufen kommentieren, aber alles hat seine Grenzen, so sympathisch die Damen auch sein müssen. Echter Sport, wie Fussball, Boxen und Baseball ist nun einmal Männersache und kein Bettgeflüster.“ Erstaunlich, aber wahr!

 

Allen Frontleuten - ob Mann oder Frau - gemein war aber die besorgte Frage nach beruflicher Ausbildung, persönlicher Zukunft, Vorsorge und Absicherung der jungen Gäste. Verbunden mit dem altväter-/mütterlichen Hinweis, dass „die Karriere ja schneller zu Ende sein könne, als man zu denken wage.“ Da schimmerte noch das konservativ-reaktionäre Erziehungsbild der Vorkriegsjahre durch. Aus Furcht vor der moralischen Keule berichteten die meisten Profis bierernst von Planungen, an deren Umsetzung sie wohl selbst nicht im Entferntesten glaubten. Ein Dieter Hoeneß (damals noch VFB) wollte nach der Karriere sein Sport- und Geographiestudium abschließen, sein 25-Jähriger Bruder Uli wollte 1977 „im nächsten Jahr ein betriebswirtschaftliches Praktikum oder Studium aufnehmen.“ Wolfgang Kleff (Fortuna Düsseldorf) plante 1983, in der späten Blüte seiner Karriere, mit einem Freund in eine „Blumenzucht an der Elfenbeinküste“ einzusteigen. Ob dieses Projekt noch existiert? Im Rückblick dürfte aus den Wenigsten dieser groß angekündigten bürgerlichen Karrieren etwas geworden sein.

 

Auch die Kölner Heinz Flohe und Bernd Cullmann wurden am 07.04.1973 von Dieter Kürten mit der damals unvermeidlichen Standardfrage konfrontiert: „Sie sind gelernter Bankkaufmann. Könnten Sie denn in Ihren Beruf zurück?“ Heinz Flohe hatte auch schon konkrete Zukunftspläne: „Am Ende von meiner Karriere will ich mir so ne kleine Boutique (von Flohe ausgesprochen als: Buh-tiek-ke) in meinem Heimatort Euskirchen aufmachen.“ Nicht ausgeschlossen, dass er damit Loriot später zu dessen unvergessenen Erwin Lindemann-Sketch (→ Lottomillionär) inspirierte. Dessen Tochter wollte ja auch eine Herren-Boutique in Wuppertal eröffnen – mit dem Papst!

 

von Dirk Fischer - veröffentlicht in: Fußball pur! - Community: Fußballfreunde der Welt
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Saturday, 24. december 2011 6 24 /12 /Dez. /2011 18:49

Meine ganz persönliche Liebeserklärung an die Glanzzeit des legendären aktuellen sportstudios (Teil III - Die Spielberichte)

 

Das ASS berichtet - nach Aussage von Kultkommentator Günter-Peter Ploog - gerne über Randgeschichten und Hintergründe der Fußball-Bundesliga. Gut, dass er das mal erwähnt hat. Hierbei handelt es sich nämlich über genau das Alleinstellungsmerkmal des Studios, das es über Jahrzehnte so einzigartig gemacht hat. Dass Ploog dieses Credo in Fleisch und Blut übergegangen war, bewies er am 08. Mai 1982 mit seiner Metapher über einen Zweikampf zwischen den Nationalkickern Karl-Heinz Förster und Rummenigge (→ FCB-VFB Stuttgart 1:0): „Die Aufgabe eines Försters ist die Hege und Pflege des Wildes.“ Noch Fragen?

 

Ploog & Co. haben auch einen journalistischen Auftrag, den sie seriös wahrnehmen müssen, nicht zuletzt um das Geschehene für vergessliche Spieler zu dokumentieren. Am 24.09.1983 verwandelte Winfried Hannes in seinem 200. BL-Spiel einen Elfmeter für Gladbach zum 2:1 gegen Köln. Ploog: „Ein Tor, von dem er wegen einer kurz zuvor erlittenen Gehirnerschütterung nichts mitbekam. Von dem ihm seine Kameraden in der Halbzeit erzählen mussten.“

 

Wie schnelllebig das Fussballgeschäft auch Anfang der 80er Jahre schon war, belegt Ploogs Schwärmerei vom Oktober 1983: „Es gibt nur wenige Mannschaften in der Bundesliga, bei denen das Zuschauen noch Spaß macht. Eine davon ist Fortuna Düsseldorf. Und die Düsseldorfer entdecken ihre alte Liebe wieder neu. Samstags Fortuna, was sonst? lautet das Motto“, von dem nur 6 Monate später nach rasanter Talfahrt für die folgenden 29 Jahre niemand mehr was wissen wollte!

 

Wenn man einen beliebigen Tag im Leben oder in der Geschichte wiedererleben könnte, wäre ich am 29.11.1974 gerne im Bochumer Ruhrstadion dabei gewesen als der VfL den gar nicht mehr so weltmeisterlichen FC Bayern 3:0 sezierte. An meiner kognitiven Träumerei ist nicht zuletzt Harald Clausens Einleitungssatz schuld: „Das Bochumer Stadion war zum ersten Mal seit 6 Jahren mit 34.000 Zuschauern ausverkauft. An der Castroper Straße herrschte Karnevalsstimmung. Ein neunjähriger Junge musste mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden.“ Da war also einiges los.

 

Ebenfalls aus Bochum stammt einer meiner absoluten Lieblingszenen. Die meisten Spielberichte der ersten ASS-Folgen wurden ohne Ton ausgeliefert. Beim Spiel des VFL gegen die Düsseldorfer Fortuna am 11.11.1972 zeigen die Kameras für einen kurzen Augenblick Tumulte auf den Rängen. Unmittelbar danach wird ein Fortuna-Fan von vier Polizisten in einer für den Delinquenten sehr ungemütlichen Pose, bäuchlings durch’s Bild getragen, als wenn er auf dem Weg zu seiner eigenen Vierteilung wäre. Hier vermisse ich den Kommentator, ob dieser das bildschöne, tiefe Einblicke gewährende Dachdeckerdekolletee des vermeintlichen Rowdies erwähnt hat?

 

Völlig parteiisch kommentierte der junge Rolf Töpperwien eine der kuriosesten Vorfälle der 70er Jahre. Am ersten Spieltag 77/78, beim Braunschweiger Gastspiel auf dem Betzenberg, streckte der Schiedsrichter Werner Burgers (→ VFL Sportfreunde Essen) den heranstürmenden und gegen eine Elfmeterentscheidung protestierenden Rainer Hollman mit einem Ellbogenschlag gegen den Kehlkopf nieder, woraufhin dieser erst im Krankenhaus wieder erwachte und sich an rein gar nichts erinnern konnte. Sein aufgebrachter Teamkamerad Paul Breitner sprach bei seinem durchwachsenen Deutschland-Comeback Eintracht-Fan Töpperwien Worte des Entsetzens ins Mikro: „Ich habe nicht gewusst, dass die Schiedsrichter in Deutschland die Spieler irgendeiner Mannschaft k.o. schlagen. Das wird Folgen haben.“ Dieter Kürten kommentierte die Ereignisse anschließend nur lakonisch: „Das kommt der Meldung nah: Mann beißt Hund.“

 

Der selbsternannte Harzer Enthüllungsjounalist Rolf Töpperwien war auch am 15.März 1986 in einer seiner gefürchteten Missionen unterwegs. In der Pressekonferenz nach dem Spiel Waldhof Mannheim – FC Bayern (→ 0:4) befragte er Udo Lattek zu dessem persönlichen Verhältnis zu Klaus Schlappner (→ Ex-NPD-Mitglied) fragen. Er, Töpperwien, habe gesehen, dass es zwischen den Trainern eigentlich recht locker und jovial zuging, was im krassen Widerspruch zu dem stehen würde, was die bis dahin noch nicht als Fußball-Fachmagazin auffällig gewordene Hörzu in ihrer aktuellen Ausgabe als Lattek-Zitat publiziere. Töpperwien kramte einen runden Bierdeckel hervor und las stilecht davon ab: „Diese Biertischmaschine kann doch keiner mehr ernst nehmen. Haben sie das wirklich gesagt?“ Lattek: „Nein, das ist eine glatte Lüge! Erstens – Biertischmaschine, den Ausdruck höre ich heute zum ersten Mal und zweitens habe ich zu Klaus ein ausgezeichnetes Verhältnis.“ Töpperwien ganz schmusig: „Muss man das nicht in Form eines Leserbriefes ausräumen? Das ist ja unmöglich, wenn das nicht stimmt.“ Am Ende lagen sich Schlappi und Udo in den Armen und die ihre Männerfreundschaft hatte ihre erste harte Probe mit Bravour bestanden.

 

Nur im Nährboden des Sportstudios konnte ein großartiger Zyniker wie der viel zu früh verstorbene Michael Palme gedeihen: „Es begann mit einer faustdicken Überraschung: beide Mannschaften wollten gewinnen“ oder „Auswärtssiege sind in der Bundesliga genau so selten wie Heimniederlagen“ sind nur zwei seiner oft kopierten aber nie erreichten philosophischen Einlassungen.

 

Oskar Wark über die Bayern (10.03.1979): „Ein Klub, der immer noch mit Millionen um sich werfen möchte, wenn irgendwo ein Talent zu verpflichten ist!“ Ein frühes Highlight an Kommerzialisierungskritik und dann im selben Spiel (→ 0:4 gegen Arminia Bielefeld): „Nach der Pause führte Schwarzenbeck kurzzeitig Regie im Bielefelder Angriff. Er setzte Graul in Szene“, als des Kaisers Ex-Ausputzer wie total von Sinnen den Arminen in die Gasse schickte und ihm das 0-3 ermöglichte. Hätte es damals schon einen Ante Sapina und seine Café-King-Gang gegeben, wäre der Bayern-Spieler in der Nachbetrachtung nicht so glimpflich davongekommen.

 

Harald Clausen im Interview mit Bremens Trainer Wolfgang Weber vor dem Spiel Werder - Schalke am 10.03.1979: „Ein Vierteljahr lang hat Ihre Mannschaft kein Bundesligaspiel bestritten (Anmerkung: Damals gab es noch keine Winterpause und vier Bremer Spiele in Folge fielen aus!). Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht, um sie bei Laune zu halten?“ Weber: „Wir haben regelmäßig trainiert, bei jedem Wetter. Wenn die Trainingsmöglichkeiten aber mal ganz schlecht waren, dann haben wir das Training auch schon mal durch Kaffee trinken ersetzt!“ Für Schalke hat diese Art der entspannten Vorbereitung gereicht. Mit 3:1 wurden die Königsblauen heim geschickt.

 

Harald Clausen hatte desöfteren unterhaltsame Gesprächspartner an seiner Seite. Das erwies sich im Dialog mit 60-München-Trainer Heinz Lucas in der Hinrunde 77/78: „Heinz Lucas, heute hätte ihre Mannschaft einen Punkt holen müssen gegen diesen FC Kaiserslautern.“ „Einen Punkt? Sie scherzen wohl. Zwei Punkte – Mindestens!“

 

Der wohl temperierte Eberhard Figgemeier gilt bis heute als dröge. Zumindest am 10. März 1979 völlig zu Unrecht: „Borussia Dortmund bot destruktiven Fußball – mit voller Absicht, nicht aus irgendeiner Not heraus (→ VFB Stuttgart - BVB 1:1). Als die Dortmunder den VFB von ihrer Harmlosigkeit überzeugt hatten, ließ auch noch die Stuttgarter Aufmerksamkeit nach. Solch einer Unachtsamkeit nutzte Manni Burgsmüller zum 1:1-Endstand.“

 

von Dirk Fischer - veröffentlicht in: Fußball pur! - Community: Fußballfreunde der Welt
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Saturday, 24. december 2011 6 24 /12 /Dez. /2011 18:48

Meine ganz persönliche Liebeserklärung an die Glanzzeit des legendären aktuellen sportstudios (Teil IV - History) 

 

Hinterher ist man immer klüger, wusste schon der Volksmund, und so bin ich durch die Betrachtung der ASS ein gebildeterer Mensch geworden, zumindest was den fussballhistorischen und zeitgeschichtlichen Kontext betrifft. Unbekannt war mir bislang, dass die großen Vereine schon im Frühjahr 1973 den Wunsch nach der Einführung einer Europaliga hegten. Das entnahm ich der Diskussion von HaJo Friedrichs mit dem damaligen DFB-Vizepräsidenten Hermann Neuberger am 24.03.1973. Wer hätte noch gewusst, dass wegen der Energiekrise 1973 geplant war auf Flutlichtspiele zu verzichten und die Anstoßzeit auf 14:30 vorzuverlegen? Dazu kam es dann aber doch nicht. Und so ging es weiter in Sachen nutzloses Wissen: Der Umbau der Stadien zur Weltmeisterschaft 1974 stürzte den 1. FC Köln in die finanzielle Krise, da man kaum einmal mehr als 10.000 Zuschauer in der Radrennbahn, die damals als Ausweichspielstätte fungierte, begrüßen durfte. Mit dem Bau eines WM-tauglichen Stadions begann die Stadt Köln aber erst Ende 1973, zu spät für das Weltturnier im darauffolgenden Sommer. Das Müngersdorfer Stadion wurde 1975 fertig gestellt. Dumm gelaufen.

 

Schon Anfang der 70er standen die Profis heftig in der Kritik. Die Öffentlichkeit beklagte die viel zu hohen Gehälter, die vielen Nebenbeschäftigungen (→ Netzer, Breitner) und die unterkühlte Spielweise (→ Beckenbauer und seine Bayern). Es gab Hassgesänge und Pfeifkonzerte gegen die Münchener und eine Zeitlang auch gegen die Nationalelf. Aus heutiger Sicht ist dies bei den damaligen Erfolgen und der spielerischen Qualität nur schwer nachzuvollziehen.

 

Trainer-Koryphäe Hennes Weisweiler (26.01.1974) über seinen einstigen Schützling Netzer: „Ich glaube, dass er in Spanien eine gute Entwicklung machen kann, weil er da ganz nur mit Fußball beschäftigt ist und keine Geschäfte (→ Lovers Lane) nebenher hat. Ich sah zuletzt sein Gesicht, da konnte man sehen, dass er austrainiert war und deshalb auch bei der Weltmeisterschaft der Regisseur sein wird wie in Brüssel beim EM-Endspiel 1972.“ Tja, so konnte sich selbst ein vielfacher Meistertrainer irren. Der Kaiser war da skeptischer. Am 11.05.1974 verkündete Franz Beckenbauer vor einem Millionenpublikum, er habe gehört, dass „er (→ Netzer) eine Autogrammtournee durch ganze Deutschland bis runter nach Graz (!) machen wolle. Wenn er deshalb die WM verpassen würde, wäre er selber schuld.“ Harte Worte über einen Kollegen. Netzer zeigte sich dann doch einsichtig und beendete nach einem Auftritt in einem Warenhaus seine Tournee vorzeitig und widmete sich fortan dem individuellen Powertraining des Gladbacher Konditionstrainers Karl-Heinz Drygalsky. Letztendlich vergeblich. Nachdem die WM für „den Langen“ absolut enttäuschend verlaufen ist (nur 21 Minuten Einsatzzeit und dann ausgerechnet bei der 0:1-Niederlage gegen die DDR), wurde er im November im Fachorgan kicker als „ein schwaches Gespenst, dass Rheuma hat“ und als „Günter, der Lächerliche“ bezeichnet.

 

Nach Bernd Gerstdorffs Rückkehr nach Braunschweig aus dem Münchener Exil schoss er die Eintracht mit 36 Toren alleine in der Rückrunde (!) der damals noch zweitklassigen Regionalliga Nord 1974 zurück in die Bundesliga. Im Studio verriet Gerstdorff das Erfolgsgeheimnis von BTSV-Trainer Branko Zebec: „Er fasst uns so an, wie wir angefasst werden wollen.“ Gerstdorff lobte zudem die „kluge Vereinspolitik“ nach dem Aufstieg: „Durch die Verpflichtung eines Jugoslawens namens Ristic, den Vornamen weiß ich gar nicht, sind wir deutlich stärker geworden.“

 

Der Beirat des Deutschen Fußball-Bunds hat am 05.10.1974 mitgeteilt, dass er dem DFB-Bundestag empfehlen wird, die Bundesliga auf 20 Vereine aufzustocken. Dieser Vorschlag wurde von den Ligapräsidenten erarbeitet. Es gab eine Menge kritischer Stimmen gegen diese Aufstockung. Zum einen, dass der Spielplan dadurch unendlich verlängert wird. Dass es im grauen Mittelfeld zu viele uninteressante Spiele geben wird. Außerdem gäbe es ja schon genug Spiele mit zu wenigen Zuschauern.

 

Es gibt eine Theorie, nach der der Fan nur einen bestimmten Betrag für Fußball ausgeben würde. Kämen mehr Spiele, bliebe der Betrag trotzdem gleich. Dennoch: die Präsidenten, unter ihnen mit Dr. Krohn (HSV) ein früher Visionär in Sachen Kommerzialisierung, stimmten mit 15:3 Stimmen für die Aufstockung,  weil zum einen das aus den 60er Jahren bekannte, internationale Freundschaftsspielprogramm tot sei und man sich an die 20 Vereine der zweiten Liga im Spielplan anpassen wolle. Warum es dann im Endeffekt doch nicht dazu kam, wurde in den folgenden Sendungen leider nicht mehr thematisiert.

 

Gemeinhin gilt das 68er-Gastspiel des 1. FC Köln bei der Berliner Hertha als zuschauerträchtigstes Spiel in der Geschichte der Bundesliga mit 88.000 zahlenden Fans. Laut Sportstudio-Anmoderation kamen aber am 18.04.1975 91.000 Zuschauer ins Berliner Olympiastadion um den kommenden Meister Borussia Mönchengladbach zu sehen. Der beim FC Bayern im Januar entlassene Udo Lattek hatte sogar 1975 ernsthaftes Interesse an der Nachfolge Helmut Schöns als Bundestrainer bekundet, ging dann aber zur Borussia, obwohl er bereits bei Rot-Weiss Essen unterschrieben hatte: „Was würden Sie denn machen, wenn Sie die Wahl zwischen einem Fahrrad (Essen) und einem Mercedes (M'gladbach) hätten?“

 

Durch den Bestechungsskandal 1971 hatte nicht nur die Bundesliga sondern auch das Sportstudio seine Unschuld verloren. Während die Show weitergehen musste, war das ZDF um Aufarbeitung bemüht. Die eingeladenen Protagonisten logen aber die Öffentlichkeit solange dermaßen unverschämt an, bis sie 1976 vor Gericht verurteilt worden sind. Geprägt von dieser Zeit verstieg sich der zornige Berti Vogts nach dem Ausscheiden seiner Borussia im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister durch ein 1:1 bei Real Madrid am 17.03.1976 zu der Behauptung: “viele meinen, dass man diesen Cup kaufen kann.“ Starker Tobak, dabei war Bertis Ärger völlig berechtigt. Denn bis heute sind die Motive des holländischen Schiedsrichters Leonardus van der Kroft den Gladbachern zwei lupenreine Treffer zu verweigern gänzlich unbekannt. Bestechung kam bei dem in der Ehrendivision als notorischer Heimschiedsrichter auffällig gewordenen Kroft wohl nicht infrage, war er doch als wohlhabend bekannt. Und so bevorzugte Borussen-Keeper Wolfgang Kneib unverblümt die offene Feldschlacht als er ihn nach besagtem Spiel anschrie: „Warum hassen Sie uns?“

 

Zumindest wurde Vogts in selbiger Sendung von Ariane Kapellmann getröstet, die Berti ein französisches Lied darbot. Im November 1977 kehrte die aparte Spielerfrau noch einmal ins ASS zurück und widmete ihrem Gatten Jupp (→ Dr.) die selbst komponierte Ode „My man“. Harry Valérien kündigte ihren Auftritt sehr einfühlsam an: „Sie haben ein neues Lied gemacht, über einen Mann, der in sportlichen Kummer verfällt. Der braucht Trost. Wo soll er ihn suchen? Am besten bei der richtigen Frau und wenn es die eigene ist, umso besser.“

 

Am 1. Mai 1976 war Barcelona-Trainer Hennes Weisweiler zu Gast beim Düsseldorfer Auftritt in Köln. Gefragt nach den Chancen auf eine Verpflichtung des Startrainers antwortete Fortuna-Präsident Bruno Recht: „Wenn es nach persönlichem Kontakt und den Arbeitsbedingungen ginge, hätte man die größten Chancen.“ Leider habe man aber eine „sportliche Misere“. Dummerweise bestätigte sich dies durch einen 4:0-Erfolg des FC unter den Augen des Umworbenen und der Kölner Präses Peter Weiand konnte schon von einer „Verabredung mit Weisweiler in Ibiza für nächsten Dienstag“ berichten, wo er hoffe „zu einem Vertragsabschluss zu kommen“, was ihm dann zum Nachteil der Fortuna auch gelang.

 

Zum ersten Spielabbruch in der Bundesliga-Historie kam es am 27.11.1976 auf dem berüchtigten Lauterer Betzenberg. Die Begegnung 1. FC Kaiserslautern - Fortuna Düsseldorf wurde beim Stand von 0:1 vorzeitig beendet und anschließend 2:0 für die Gäste gewertet. Doch Fortuna-Trainer Dietrich Weise machte die Schuldigen an dieser Eskalation überraschend in den eigenen Reihen aus: „Mit dummen Attacken übertrugen meine Spieler Hektik auf die Stadionränge.“ Rolf Töpperwien schilderte die Ereignisse in seinem Spielbericht: „Die Konsequenz war: heftige Proteste des Publikums gegen das ihrer Meinung nach nicht genügend energische Eingreifen des Schiedsrichters bei wiederholtem Foulspiel Düsseldorfer Abwehrspieler. Als dann die erste kleine Flasche als Zeichen des Unmuts auf den Platz flog, bat Schiedsrichter Rudolf Frickel um Lautsprecherdurchsagen, die aber aufgrund des gellenden Pfeifkonzerts niemand hören konnte. Nach dem nächsten Wurf, brach er daraufhin die Partie ab (→ Null Toleranz). Schiedsrichter Rudolf Frickel („Ich bin doch kein Bauernschiedsrichter, dass ich mir so etwas gefallen lassen muss“) konnte das Stadion erst lange nach dem vorzeitigen Ende mit Hilfe von Kriminalbeamten auf einem Schleichweg verlassen.“ FCK-Trainer Erich Ribbeck: „Jetzt wird man wieder von den bösen Buben vom Betzenberg (→ Rote Teufel) sprechen und alle Lauterer Platzverweise seit 1931 aufführen.“ Dieses Ereignis in der Pfalz war aber nur ein erster Höhepunkt in einer sich zuspitzenden Entwicklung des frühen Rowdytums. DFB-Chef Hermann Neuberger glänzte mit Insiderinformationen: „Die meist alkoholisierten Jugendlichen rotten sich zusammen, wie früher die Rockergruppen“, aber auch im sportmedizinischen Bereich war der ehemalige Wehrmachts-Hauptmann zuhause: „Unser Spiel ist immer schneller, immer athletischer geworden. Und das natürlich bei einer Karambolage viel schneller etwas auf dem orthopädischen Sektor passieren kann ist ja klar.“

 

Vor dem Spiel 1. FC Saarbrücken gegen Eintracht Frankfurt am 10.12.1977 kreiste ein Helikopter lange Zeit nur wenige Meter über dem Boden um das Spielfeld für 400 DM pro Stunde trocken „zu fönen“.

 

Der ungarische Trainer-Zampano, Guyla Lorant, philosophierte schadenfroh am 04.11.1978 über die Entlassungsgründe bei einem früheren Engagement in Köln: „Vielleicht, weil ich die Mannschaft nicht  nach Horoskop aufgestellt habe, wie es der Präsident wollte, sondern nach Leistung. Das konnte er nicht begreifen. Dann hat er mich beurlaubt. Er ist nicht mehr Präsident, aber ich bin wieder in der Bundesliga.“

 

Hochinteressant waren in der damaligen Zeit die Republikflüchtlinge, die aus der DDR geflohen sind um in der Bundesliga Fuß zu fassen. Norbert Nachtweih (Eintracht Frankfurt) am 17.03.1979 über sein angebliches „Lotterleben“, das ihm von der Boulevardpresse angedichtet wurde: „Wenn man hier rüber kommt und dann noch ausgerechnet nach Frankfurt (→ Goldener Westen), ist doch klar, dass man sich umschaut, aber wir waren ja ohnehin gesperrt. Jetzt ist das aber auch vorbei.“

 

Der nach 17 Jahren frisch zurückgetretene Bayern-Präses Wilhelm Neudecker plauderte 24. März 1979 offenherzig aus dem Nähkästchen und gab interne Äußerungen Sepp Maiers (→ Maier Sepp) aus „mitternächtlichen Telefonaten“ preis. Zum Beispiel auf Maiers Antwort auf Neudeckers Frage warum man 7-1 in Düsseldorf verloren hätte:  „Herr Neudecker, 3-1 hätten wir eh verloren, dann haben wir eben 7-1 verloren, weil wir so verärgert waren.“ Zum Hintergrund: Am selben Abend wollten die Bayernspieler per Chartermaschine zurückfliegen um das Sportpressefest zu besuchen, nur um am Morgen danach wieder nach Düsseldorf aufzubrechen, weil in der Nähe ein Freundschaftsspiel vereinbart war. Als Neudecker von der Abflugzeit erfuhr (→ 17 Uhr 40) reagierte er mit Unverständnis: „Was? Da müssen sie ja schon während des Spiels die Hosen wechseln“, und untersagte kurzerhand den Besuch des Pressefestes. So verärgert, ließen sich Maier & Co. für den Bundeligaalltag nicht mehr motivieren und von einer entfesselten Fortuna abschlachten. Desweiteren enthüllte der Ex-Präsident die Beschwerden von Torwart Maier über Mitstreiter: „Der Paul Breitner (→ Mao-Bibel) kommt mit einer Miene auf das Feld, dass einem schon die Lust vergeht und außerdem wolle er das Morgentraining abschaffen.“

 

Dass Vereine schon zu allen Zeiten von Spielern erpressbar waren, bewiesen Manfred Burgsmüller und der BVB im Jahre 1983. Der unzufriedene Torjäger, der unbedingt wegwollte, drohte dem Verein mit seinem Anwalt und durfte daraufhin nach Nürnberg weiterziehen, mit denen er dann in der folgenden Saison prompt sang- und klanglos abstieg. Wenigstens folgte hier die Strafe auf dem Fuße.

 

Im Frühjahr 1984 belegte der DFB den damaligen Zweitligisten SV Darmstadt 98 mit einer Geldstrafe iHv 60.000 DM oder wahlweise (!) zwei Minuspunkten wegen Verstößen gegen Lizensierungsauflagen in der Saison 82/83. Darmstadts Verteidigungsstrategie war so simple wie genial: „Im Abstiegsfall werden wir den Klub auflösen.“ ASS-Chefsatiriker Michael Palme dazu: „Um die sechs Mio. Schulden liegen an und als Amateurverein gibt es nichts zu verdienen. Die Gläubiger werden sich freuen. Auf der Strecke bleibt der Sport. Armer Profifußball.“

 

Kurios und gleichermaßen romantisch wirkt im Rückblick ein Konzept von Gladbach-Manager Helmut Grashoff: „Eine Initiative, dass man zwei Spieler benennen soll, die nicht transferiert werden können. Diese Vereinbarung war 1984 zur Zeit des Matthäus-Wechsels außer Kraft. Im vergangenen Jahr war es so, dass die Manager der Bundesliga das Verlangen zeigten zu einer gewissen Selbstdisziplinierung auf dem Spielermarkt. Einfach deswegen um von diesen wahnsinnigen Ablösesummen herunterzukommen. Um die Spielergehälter wieder in einen vernünftigen Rahmen zu bringen. Und auch deswegen um die Klubfinanzen, die ja nun allgemein angespannt und noch darunter sind, wieder vernünftig zu gestalten. Der Mitinitiator dieser Selbstdisziplinierungsabsicht war Uli Hoeneß. Daher gab es ganz gute Ansätze das Niveau der Bezahlung wieder zu normalisieren. Diese Absicht sollte 1984 erneuert werden und 17 Vereine waren auch dafür. Nur der FC Bayern war plötzlich dagegen. Und zwar einfach aus dem Grunde „Matthäus“. Wie mir ganz klar erklärt worden ist vom Uli Hoeneß. Er hat mir gesagt, wenn Matthäus nicht unter diese Sache fiele, würde er der Vereinbarung auch weiterhin zustimmen. So dass ich das als einen Akt außerordentlichen Egoismus sehe, wenn aus diesen Gründen eine solche zukunftsweisende Vereinbarung zerstört und aufgehoben wird. Enttäuscht bin ich vom Uli Hoeneß einfach deswegen, weil das unter seiner Mitinitiative Angestrebte zu Fall gebracht wurde. Er argumentiert heute, dass er seinem Publikum jedes Jahr neue Stars vorführen müsste.“

 

 

von Dirk Fischer - veröffentlicht in: Fußball pur! - Community: Fußballfreunde der Welt
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Saturday, 24. december 2011 6 24 /12 /Dez. /2011 18:47

Meine ganz persönliche Liebeserklärung an die Glanzzeit des legendären aktuellen sportstudios (Teil V – Die Show) 

 

 

Im Herbst 1973 konstatierte Die Zeit, dass das ASS „schon längst moribund, also im Sterben liegend“ sei. Daraufhin ließ die Regie pfiffiger weise den Programmablaufplan per ferngesteuerten Modellhubschrauber ins Studio einfliegen, um zu beweisen, dass, so Dieter Kürten „wir uns immer neue Dinge einfallen lassen, um die Sendung außergewöhnlich zu gestalten.“

 

Spieler der beiden Fortunen aus Düsseldorf und Köln traten auf der boot 74 (19.01.1974) zur Fortsetzung ihres nachmittäglichen Kräftemessens an. Moderator HaJo Friedrichs begrüßte das Publikum: „Wo simmer, wo samma, da samma“, und karikierte so den “berühmten Kollegen (→ Valérien), der im Augenblick von den Bergen auf uns herunterschaut.“ Auf dem „modernsten Ausstellungsgelände Europas“, in einem 40x60 Meter großen Becken mussten die Spieler der beiden Bundesligisten gegeneinander antreten. Je drei Akteure aus Düsseldorf und Köln maßen sich in einer Staffel-Bootsregatta. Ein Rennen über 3 x 60 Meter mit Segelboot (→ Optimist) - angetrieben von einer Windmaschine (Herzog), mit dem Motorboot (Woyke) und dem Kanu (Zewe). Den Kölnern gelang dabei eindrucksvoll die Revanche für die 1:5-Packung im Rheinstadion. Punkte gab es dafür allerdings keine.

 

Kareen Zeebroff hat bei Harry Valérien erstmals das deutsche Publikum in die Geheimnisse der Entspannungsgymnastik (Yoga) eingeweiht. Vier Wochen später wurde sie wieder eingeladen, denn der Erfolg war laut Dieter Kürten so „umwerfend, wir haben hunderte von Briefen bekommen, in denen die Leute nach mehr Yoga verlangten, nach mehr Informationen schriftlicher und mündlicher Art.“ Darum wurde umgehend eine dreizehnteilige Serie, „Yoga für Yeden“, produziert.

 

Das ASS vom letzten Spieltag der Saison 73/74 war sicher eines der besten und verrücktesten, ein absolutes Highlight. Am Tag zuvor konnten die Bayern als erste deutsche Mannschaft den Landesmeistercup im Brüsseler Wiederholungsspiel gegen Atletico Madrid (4:0) gewinnen. Von dort reisten sie unmittelbar zum Saisonkehraus nach Mönchengladbach, wo sie mit 5:0 von Vizemeister Borussia deklassiert wurden, nur 17 Stunden nach ihrem EC-Triumph. Glücklicherweise hatte Gladbach in der Woche zuvor 1:0 in Düsseldorf verloren und so unaufholbare 3 Punkte (→ 2-Punkte-Regel, → Früher war alles besser) Rückstand. Nicht auszudenken, wenn die Borussia durch einen Auswärtssieg in der Nachbarstadt auf einen Punkt herangekommen wäre. Während der alte und neue Meister noch auf dem Düsseldorfer Flughafen festsaß, berichtete Harry Valérien live von der Feier auf dem Münchener Marienplatz: „Ein Sprecher hat eben mitgeteilt, dass es schon zu einer Reihe von Schwerverletzten gekommen ist, weil den Leuten die nötige Disziplin fehle. Später stellte sich dies als Falschmeldung heraus. Es sei lediglich ein paar Münchenern übel geworden, raten sie mal warum.“ Anschließend wurde ein Mann und sein lebendiges FCB-Maskottchen, „Esel Seppi“ (→ Feierbiest) vorgestellt, dass „der Herr mit der S-Bahn reingebracht und mit der Rolltreppe raufgefahren hat. Da sehen sie, was modern ist, meine Damen und Herren.“  Danach war Günter Netzer zu Gast und wurde von HaJo Friedrichs ob seines Fitneßzustandes im Hinblick auf die bevorstehende WM in die Mangel genommen. Netzer wusste nicht nur rhetorisch zu parieren sondern brillierte noch mit 5 Treffern an der Torwand  (bewies sich aber zuvor als sauschlechter Prognostiker: „Ich werd‘ wohl nix treffen“) und einem Kantenschuss, was wohl letztendlich doch noch zu seiner WM-Nominierung geführt haben dürfte.

 

Im weiteren Verlauf bewies Friedrichs, dass er der Großmeister der Überleitungen ist: „Wir wollen einen Augenblick über schöne Dinge reden, aber zuvor reden wir über wenige schöne Dinge. Ist Herr von Garnier im Hause?“ Präsentiert wurden die Trikots von Schalke, dem VFB, Fortuna, MSV, HSV und der Frankfurter Eintracht. „Aber so ganz auf der Höhe der Zeit sind die nicht!“ Farbdesigner von Garnier („beschäftigt sich mit der Frage, wie diese bunte Welt noch bunter gemacht werden könnte“) machte sich an die Verschönerungen und ließ sechs männliche Models (→ Tanzschule Barbara Weber) die neue Kreationen zu karibischen Rhythmen in irren Tänzen vorführen und jedes Model sah dabei noch so aus als würden sämtliche Nadeln noch in den Trikots stecken und mit Kokain pur getränkt worden sein. Das schönste in gelb, orange und rot (Garnier: „drei Töne, die man als glühend bezeichnen könnte, damit auch mehr Frauen in die Stadien kommen“) natürlich das neue Leibchen von Fortuna Düsseldorf. Netzer war begeistert, glaubte aber, dass die Umsetzung an den „konservativen Spielern“ scheitern würde.

 

Großartige Unterhaltung war zumeist garantiert, wenn das „Sportstudio“ auf Reisen ging. Zum Beispiel lieferte sich auf der Berliner Funkausstellung (→ IFA77) Freddie Kenton, seines Zeichens Weltmeister der Jongleure einen Wettstreit mit Kurt Jara (MSV), Erich Beer (Hertha) und dem Publikumskind Oliver Bartz, das von Frank Elstner (→Kinderflüsterer) gecoacht wurde. Später stellte man Elfmeterkiller Rudi Kargus (HSV) ins Tor und ließ die Studiogäste gegen ihn antreten. Darunter mischten sich Heino und Dieter Thomas Heck, die als Promis in der ersten Reihe saßen und von Valérien dazu gebeten wurden. Unter den gellenden Pfiffen des Publikums (Valérien: „Also nein, ich weiß gar nicht warum Ihr so intolerant seid. Kenn‘ ich gar nicht. Was habt Ihr denn?“) brachte Heino nur einen harmlosen Roller zuwege, während Heck den Ball weiter über’s Tor drosch als weiland 76 der Hoeneß, Uli in Belgrad und damit offenbarte, dass er offensichtlich niemals zuvor einen Fußball berührt hat. Am 01.04.1978 jedoch moderierte Heck selbst einmal das ASS und sorgte für ein Feuerwerk an Aprilscherzen. Als Höhepunkt wurden die Torwandbemühungen von Dr. Peter Krohn so zusammengeschnitten, dass es für das TV-Publikum so aussah als hätte der HSV-Manager sechs Treffer bei ebenso viel Versuchen erzielt. Krohn: „Es waren originale Schüsse, aber ich habe gut 10 Minuten dafür gebraucht. Oder waren es zwölf?“ Im Gespräch mit Hertha- und Ex-HSV-Trainer Kuno Klötzer bewies sich Heck dann als tadelloser Visionär als es um die Distanz von Hamburg nach Berlin ging: „Es liegt ja nicht so irrsinnig weit auseinander.“ Kuno Klötzer: „Man kann sogar hinschwimmen!“ Heck: „Vielleicht kommt das ja irgendwann mal wieder.“

 

 

von Dirk Fischer - veröffentlicht in: Fußball pur! - Community: Fußballfreunde der Welt
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